Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Sagnol und Salihamidzic beim FC Bayern

Viel Arbeit, wenig Spaß

Fünf Spiele, vier Niederlagen: Der FC Bayern schleppt sich durch die Vorbereitung. Auch abseits des Platzes wirkt die Stimmung angespannt - im Fokus stehen der neue Co-Trainer und der neue Sportdirektor.

Getty Images

Hasan Salihamidzic, Willy Sagnol, Carlo Ancelotti (von links nach rechts)

Aus München berichtet Christoph Leischwitz
Mittwoch, 02.08.2017   12:00 Uhr

Einer der ersten Sätze von Willy Sagnol bei seiner Rückkehr nach München hat nun einen gewissen Nachhall. "Wir können viel Spaß zusammen haben, solange wir Erfolg haben", hatte er über Carlo Ancelotti und sich gesagt. Vor einem Monat war der einstige Publikumsliebling des FC Bayern als Co-Trainer für Ancelotti vorgestellt worden.

Allzu viel Spaß dürften die beiden bisher noch nicht gehabt haben. Bei den Testspielen blieb der Erfolg meist aus, besonders spaßbefreit war die 0:4-Niederlage gegen den AC Mailand in Shenzhen. Am Dienstagabend folgte ein weiterer emotionaler Tiefpunkt.

Nach der in der Höhe verdienten 0:3-Niederlage gegen den FC Liverpool im Audi Cup verließen viele Spieler schweigsam und mit angesäuerter Miene ihre Heimarena. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gab zweieinhalb Wochen vor dem Bundesliga-Start und fünf Tage vor dem Supercup gegen Borussia Dortmund eine erste Warnung in Richtung Mannschaft ab: "Wir hatten jetzt fünf Spiele, vier haben wir leider verloren, wir müssen schnell die Kurve kriegen."

Wichtige Spieler fehlen noch

Vieles wirkt noch nicht eingespielt bei den Bayern, die Gründe dafür sind vielfältig. Wichtige Spieler wie Manuel Neuer, Arjen Robben und Jérôme Boateng haben noch Schonzeit. Und Liverpool ist, wie Bayern-Coach Carlo Ancelotti hervorhob, wegen der anstehenden Champions-League-Qualifikation aktuell wohl auch in der besseren körperlichen Verfassung.

Aber auch neben dem Platz wirkt vieles noch nicht so stimmig wie sonst beim Rekordmeister. Beispiele hierfür sind ausgerechnet jene beiden Neuen, die man eigentlich geholt hatte, um mit oft beschworenem Spaß zu arbeiten und um nach innen wie nach außen Gemeinschaftsgefühl zu transportieren: der neue Co-Trainer und der neue Sportdirektor.

Gegen Liverpool tauchte Sagnol Ende der ersten Halbzeit einmal kurz in der Coaching-Zone auf. Bei einem Standard versuchte er, Spieler zu dirigieren, doch niemand schien in seine Richtung zu blicken. Zur Pause knöpfte er sich noch auf dem Feld den eingewechselten Renato Sanches vor und redete auf ihn ein. Der anschließenden schwachen Leistung des Portugiesen nach zu urteilen haben die Anregungen des Franzosen nicht viel bewirkt.

Keine "Willyyyyy"-Rufe in der Arena

Selbst für einen Assistenztrainer ist der 40-Jährige noch auffällig unauffällig. Er sucht die Öffentlichkeit nicht, umgekehrt gab es bei seinem ersten Auftritt in der heimischen Arena auch keine langgezogenen "Willyyyyy"-Rufe, so wie noch 2008, ehe er seine Karriere wenige Monate später beendete. In seiner letzten Saison als Profi stand er noch gemeinsam mit Franck Ribéry auf dem Platz. Der sagte nach der Klatsche gegen Liverpool: "Wir müssen mehr mit Charakter spielen."

Kurz bevor Sagnol Ancelottis Co-Trainer wurde, hatte er diesen in einem "kicker"-Interview kritisiert und gesagt, er setze zu viel auf die älteren Profis und gebe den Jungen nicht genug Chancen. An der Säbener Straße angekommen, sagte er dann: "Oft ist die Kritik die erste Stufe der Weiterentwicklung." Rege Diskussionen zwischen Sagnol und Ancelotti sieht man selten. Trainer und Kritiker müssen wohl erst noch stärker zueinanderfinden.

Lahm und Alonso wollten nicht Co-Trainer werden

Sagnol gilt als enger Vertrauter von Präsident Uli Hoeneß, der zurzeit viele Posten im Verein mit alten Vertrauten besetzt. Mit Sagnol bricht er allerdings in eine andere Phalanx ein: In jene von Ancelottis Familie - unter anderem ist Sohn Davide ebenfalls ein Co-Trainer. Im Umfeld des Vereins wird kolportiert, Ancelotti sei nicht unbedingt begeistert gewesen über die Verpflichtung des Franzosen. Öffentlich erklärte er, dass er Philipp Lahm und Xabi Alonso gefragt habe, Co-Trainer zu werden. Beide Ex-Profis hätten abgelehnt.

Zwei Kandidaten, die ablehnen, der Dritte wird's - so ähnlich war das auch mit Sagnols früherem Vordermann auf der rechten Seite, dem fast gleichaltrigen Hasan Salihamidzic. Eigentlich bescherte ihm Rummenigge am Dienstag eine Steilvorlage: "Arbeit ist genug da für ihn, denke ich. Nach so einem Spiel, da musst du die Mannschaft wieder aufrichten", sagte der Vorstandsboss.

Doch der Neue wollte weder kritisieren noch beschwichtigen: "Jetzt nicht", sagte Salihamidzic kurz angebunden in der Interviewzone und zeigte mit dem Finger auf Thomas Müller, der gerade seine Enttäuschung ablud. Andere reden ja, sollte das wohl heißen.

Fotostrecke

Hasan Salihamidzic beim FC Bayern: Vom "Bürschchen" zum Sportdirektor

Gleich nach dem Schlusspfiff hatte Salihamidzic seinen ersten Versuch gestartet, die Stimmung zu verbessern. Mit den Händen in den Hosentaschen ging er auf Robert Lewandowski zu. Er sagte etwas zu dem Stürmer, es gab eine kurze Diskussion, dann ging Lewandowski in Richtung Südkurve, wo die Fans stehen, klatschte ein paarmal in die Hände, drehte ab und trottete Richtung Kabine.

Es war einfach nicht der Abend für großes Gemeinschaftsgefühl.

insgesamt 42 Beiträge
wolke:sieben 02.08.2017
1. Der FC Bayern
.....sollte sich leichtere Gegner suchen, dann könnten sie öfters gewinnen und das würde dann auch die Stimmung verbessern !!
.....sollte sich leichtere Gegner suchen, dann könnten sie öfters gewinnen und das würde dann auch die Stimmung verbessern !!
mr-mucki 02.08.2017
2. Die Fehlentscheidungen des UH
UH ist wieder an Bord. Wie im Artikel zu lesen, besetzt er die Stellen mit alten Bekannten und ihm Vertrauten. Brazzo und Willy haben lange Jahre gute Leistungen fuer den FCB gezeigt und verdienen Anerkennung. ABER: Beide sind 3 [...]
UH ist wieder an Bord. Wie im Artikel zu lesen, besetzt er die Stellen mit alten Bekannten und ihm Vertrauten. Brazzo und Willy haben lange Jahre gute Leistungen fuer den FCB gezeigt und verdienen Anerkennung. ABER: Beide sind 3 bzw. 4 Wahlkanidaten fuer die jeweilige Position. Beide haben kaum oder gar keine Qualifikation fuer den Job. Der Fussball (Spiel und Geschaeft) haben sich dramatisch veraendert. Eine komplette Profinalisierung hat Einzug gehalten. Ex- Weltklasse Spieler haben kaum noch Chancen auf dem Trainermarkt, da hoch talentierte und sehr gut ausgebildete junge Trainer eine viel hoehere Qualifikation aufweisen (Klopp, Tuchel, Nagelsmann usw.). Natuerlich gibt es auch Ausnahmen, aber die werden immer weniger. Auf der Sportdirketor Position eine Management Ausbildung auch Grundvoraussetzung, wie man in Leipzig, Hoffenheim, Mainz, Freiburg, Schalke usw sehen kann. Auch international sind kaum noch sportliche Leiter anzutreffen, die einmal Weltklasse Fussballer waren. Nun hat UH anscheinend das Beduerfnis in der Vergangenheit zu Denken und den heimischen Fans wieder etwas mehr wohlgefuehl zu geben. Nur das kann nicht funktionieren, denn erstens muss ueber kurz oder lang ein anderer Trainer kommen (Wahrscheinlich Ende dieser Saison). Der wird dann Klopp, Nagelsmann oder Tuchel heissen. Alle drei haben einen anderen Trainerstab noetig, als dieser nun vorhanden ist. Alle drei sind interlektuell, kreativ, sehr fordernd in der geistlichen Arbeit und denken in Visionen. Bei allem noetigen Respekt, aber Brazzo hat diese Faehigkeiten nicht. Wie soll dort die Zusammenarbeit aussehen? Auch die Kaderplanung des FCB in dieser Saison laesst schon tief blicken. Alle wichtigen Positionen (MS, RA, LA, RV, LV) sind nicht ersetzt bzw. mit Back ups versehen worden. Stattdessen werden bereits sehr gut besetzte Positionen mit dem dritten Spieler ausgestattet. Zusammengefasst: UH fehlt die Vision fuer die Spielstrategie des FCB 2020. Fuer die BL Meisterschaft wird es wahrscheinlich immer noch reichen, aber in der CL, wird es nicht mehr reichen und zwar auf lange Sicht. Schade
bienchen-maja 02.08.2017
3. Das wird nichts mehr
Ich habe da natürlich keine tieferen Einblicke (woher auch), aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es mit diesem Trainer nicht passt. Das wird nichts mehr. Eventuell werden sie Meister, aber z.B. CL bistenfalls Viertelfinale, [...]
Ich habe da natürlich keine tieferen Einblicke (woher auch), aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es mit diesem Trainer nicht passt. Das wird nichts mehr. Eventuell werden sie Meister, aber z.B. CL bistenfalls Viertelfinale, Pokal nur mit Glück oder gar sehr früh ´raus....
jan07 02.08.2017
4. Öde
Eine Leistungsdelle bei den Bayern wäre ein Segen für den deutschen Fußball. Es wäre gut, wenn endlich mal wieder ein anderer Verein die deutsche Meisterschaft erringen würde. Es ist doch öde, wenn die Bayern Jahr für Jahr [...]
Eine Leistungsdelle bei den Bayern wäre ein Segen für den deutschen Fußball. Es wäre gut, wenn endlich mal wieder ein anderer Verein die deutsche Meisterschaft erringen würde. Es ist doch öde, wenn die Bayern Jahr für Jahr mit hohem Abstand gewinnen und die Meisterschaft eigentlich schon am 1. Spieltag feststeht. Genau so öde übrigens wie die Champions League, wo auch Jahr für Jahr immer die gleichen 4-5 Teams den Wettbewerb unter sich ausmachen.
interessierter10 02.08.2017
5. Ist ja immer so ein Problem...
... wenn das Machtkalkühl bei der Stellenbesetzung ausschlaggebend ist und nicht die fachliche Kompetenz bzw. Eignung.
... wenn das Machtkalkühl bei der Stellenbesetzung ausschlaggebend ist und nicht die fachliche Kompetenz bzw. Eignung.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Fotostrecke

Die Bundesliga-Trainer des FC Bayern

Trainer Amtszeit
Tschik Cajkovski 01.07.1965 - 30.06.1968
Branko Zebec 01.07.1968 - 13.03.1970
Udo Lattek 14.03.1970 - 02.01.1975
Dettmar Cramer 16.01.1975 - 30.11.1977
Guyla Lorant 02.12.1977 - 28.02.1979
Pal Csernai 01.03.1979 - 16.05.1983
Reinhard Saftig 17.05.1983 - 30.06.1983
Udo Lattek 01.07.1983 - 30.06.1987
Jupp Heynckes 01.07.1987 - 08.10.1991
Sören Lerby 09.10.1991 - 10.03.1992
Erich Ribbeck 11.03.1992 - 27.12.1993
Franz Beckenbauer 28.12.1993 - 30.06.1994
Giovanni Trapattoni 01.07.1994 - 30.06.1995
Otto Rehhagel 01.07.1995 - 27.04.1996
Franz Beckenbauer 29.04.1996 - 30.06.1996
Giovanni Trapattoni 01.07.1996 - 30.06.1998
Ottmar Hitzfeld 01.07.1998 - 30.06.2004
Felix Magath 01.07.2004 - 31.01.2007
Ottmar Hitzfeld 01.02.2007 - 30.06.2008
Jürgen Klinsmann 01.07.2008 - 27.04.2009
Jupp Heynckes 28.04.2009 - 30.06.2009
Louis van Gaal 01.07.2009 - 10.04.2011
Andries Jonker 11.04.2011 - 30.06.2011
Jupp Heynckes 01.07.2011 - 30.06.2013
Josep Guardiola 01.07.2013 - 30.06.2016
Carlo Ancelotti 01.07.2016 - 28.09.2017
Jupp Heynckes seit 28.09. 2017

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP