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FC Bayern München

Umbruch überflüssig

Meisterschaft statt Double oder gar Triple. Deshalb soll es beim FC Bayern einen Transfer-Angriff geben. Warum eigentlich? Das Abo auf den nationalen Titel wird auch so verlängert. Bayerns Geschäftsmodell funktioniert.

DPA

Der FC Bayern bejubelt die Meisterschaft

Ein Kommentar von
Sonntag, 30.04.2017   07:30 Uhr

Der FC Bayern ist zum 27. Mal Deutscher Meister - und befindet sich in der Wahrnehmung vieler Beobachter trotzdem wahlweise "am Boden" oder "am Abgrund". Alles soll jetzt plötzlich anders werden bei den Bayern. Die Hysterie nahm nach dem Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund groteske Züge an, dabei benötigen die Münchner gar keinen Umbruch. Die Mannschaft braucht höchstens ein, zwei weitere Ergänzungsspieler. Das wird reichen, um auch in der kommenden Saison die Bundesliga zu dominieren. Und auch im Jahr darauf. Und im Jahr darauf.

Experten wie der ehemalige Bayern-Profi Mehmet Scholl sehen das anders. Scholl prophezeite direkt im Anschluss an die Niederlage gegen den BVB eine Revolution: "Ich glaube, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß verrückte Dinge machen werden." Transferoffensive, Rekordablösesummen, vielleicht sogar ein neuer Trainer?

Die Egos der beiden Bayern-Bosse lassen eine solche Reaktion durchaus wahrscheinlich erscheinen. Sinnvoll wäre sie deshalb noch lange nicht. Der Vorsprung auf die Konkurrenz in der Bundesliga ist gewaltig, sowohl finanziell als auch sportlich. RB Leipzig kann noch nicht mal erahnen, welche Herausforderungen in den kommenden Jahren auf den Klub warten. Und der BVB ist in der Lage, die Bayern im direkten Duell zu schlagen. Für den Meistertitel ist aber viel mehr nötig.

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, wann die Bayern auf dem Transfermarkt Zeichen gesetzt haben: immer, wenn die Vormachtstellung in der Bundesliga in Gefahr war. 2007, im Jahr der Stuttgarter Meisterschaft, kamen Franck Ribéry, Miroslav Klose und Luca Toni. 2009, damals schien Wolfsburg zu enteilen, wechselten Mario Gomez und Arjen Robben nach München. Und 2012, Dortmund hatte gerade das Double gefeiert, wurden Javi Martínez und Mario Mandzukic verpflichtet. Ein vergleichbares Statement ist diesmal unnötig, wahrscheinlich reichen sogar die Hoffenheimer Niklas Süle und Sebastian Rudy für die nächsten fünf Titel.

Der jetzige Kader ist, trotz bedenklicher Altersstruktur, viel zu gut für einen Umbruch. Klar, mit Philipp Lahm und Xabi Alonso beenden zwei Schlüsselspieler ihre Karrieren. Ansonsten bleibt es aber eine exzellent besetzte Mannschaft. Manuel Neuer im Tor, die Innenverteidiger Mats Hummels und Jérôme Boateng, Spielmacher Thiago, Offensiv-Allrounder Thomas Müller, Angreifer Robert Lewandowski - das Gerüst steht. Und Robben und Ribéry machen selbst im Herbst ihrer Karrieren noch den Unterschied aus.

Letztlich läuft alles auf die Frage hinaus, was die Bayern eigentlich wollen. Für die Anhänger gibt man sich sehnsüchtig nach der europäischen Krone. Das ist aber in erster Linie PR, welcher Fan will schon hören, dass die Prämien für ein Viertelfinale ausreichen? Angesichts der Konkurrenz aus Madrid, Barcelona, Turin, Paris oder Manchester gibt es einfach keine Garantie für einen Champions-League-Sieg - selbst bei einer Plünderung des berühmten Festgeldkontos.

Stattdessen braucht der FC Bayern drei Dinge: 1. Nationale Dominanz, bevorzugt das Double, Hauptsache Meisterschaft. 2. Als Champions-League-Dauergast reicht der Einzug in die K.-o.-Phase. 3. Mediale Dauerpräsenz. Dann sprudeln die Einnahmen aus TV-Geldern, Prämien und Merchandising weiter, und der Vorsprung auf Klubs wie Borussia Dortmund bleibt gewaltig.

Das ist das funktionierende Geschäftsmodell von Hoeneß und Rummenigge.

insgesamt 94 Beiträge
stoffi 30.04.2017
1. Alle Vereine
sehen sich nach abgelaufener Saison nach neuen Spielern um. Überall wird getauscht und das ist ganz normal. Die Bayern werden nun eben mal nach Jüngeren Ausschau halten und auch das machen andere Vereine, wenn der alte Kader [...]
sehen sich nach abgelaufener Saison nach neuen Spielern um. Überall wird getauscht und das ist ganz normal. Die Bayern werden nun eben mal nach Jüngeren Ausschau halten und auch das machen andere Vereine, wenn der alte Kader älter wird. In den letzten Jahren haben die Bayern sich stets guten Nachwuchs besorgt und ich denke, daran wird es auch jetzt nicht scheitern.
scooby11568 30.04.2017
2. Also erstens hat nicht der BVB
Bayern geschlagen sondern die sich selbst. Und zweitens gebe ich dem Autor recht. Die Konkurrenz in der CL ist sehr stark, kein Verein hat die Garantie auf einen Sieg. Von daher freue ich mich sehr über die deutsche [...]
Bayern geschlagen sondern die sich selbst. Und zweitens gebe ich dem Autor recht. Die Konkurrenz in der CL ist sehr stark, kein Verein hat die Garantie auf einen Sieg. Von daher freue ich mich sehr über die deutsche Meisterschaft.
kaiservondeutschland 30.04.2017
3. Beste Mannschaft der Welt
Bayern ist die beste Mannschaft der Welt. Egal, mit wem Bayern spielt. Selbst, wenn Bayern mit der Mannschaft des KSC (gerade aus der 2. Liga abgestiegen) antritt, ist diese im Bayern-Trikot die beste Mannschaft der Welt. Das [...]
Bayern ist die beste Mannschaft der Welt. Egal, mit wem Bayern spielt. Selbst, wenn Bayern mit der Mannschaft des KSC (gerade aus der 2. Liga abgestiegen) antritt, ist diese im Bayern-Trikot die beste Mannschaft der Welt. Das ist ein Naturgesetz. Wenn Bayern regelmäßig gegen spanische Mannschaften ausscheidet, dann ist das Pech bzw. der Schiedsrichter ist schuld. Auch das ist ein Naturgesetz. Natürlich wird die beste Mannschaft der Welt deutscher Meister. Für die nächsten 1000 Jahre.
pygmy-twylyte 30.04.2017
4. Ich warte auf einen Knüller
Mit Niklas Süle und Sebastian Rudy ist es sicher nicht getan, ebensowenig mit Renato Sanches und Kingsley Coman - zumindest nicht unter einem Trainer wie Ancelotti. Hat er einen einzigen FCB-Spieler besser gemacht? Auch für [...]
Mit Niklas Süle und Sebastian Rudy ist es sicher nicht getan, ebensowenig mit Renato Sanches und Kingsley Coman - zumindest nicht unter einem Trainer wie Ancelotti. Hat er einen einzigen FCB-Spieler besser gemacht? Auch für Thomas Müller, den Torgaranten unter Heynckes und Guardiola, hat er noch keinen Platz in der Mannschaft gefunden. Bayern braucht auf jeden Fall einen zweiten Lewandowski, einen echten Knüller also, und spätestens in einem Jahr gleichwertigen Ersatz für Arjen Robben und Frank Ribery. Der Anspruch des FCB ist es nicht, nicht nur Meister zu werden und nicht nur bloßer Statist in der CL zu sein. Das unterscheidet den FCB von anderen Bundesligaklubs und hat nichts mit Arroganz zu tun.
Hank Hill 30.04.2017
5. Das Geschäftsmodell funktioniert
Genau wie bei Apple, Amazon und Microsoft. Und für den, der nicht finanziell davon profitiert, genau so uninteressant.
Genau wie bei Apple, Amazon und Microsoft. Und für den, der nicht finanziell davon profitiert, genau so uninteressant.
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