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Sport

Liverpool im Champions-League-Halbfinale

"Wir sind hier. Und haben es verdient"

Der FC Liverpool hat im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester City die schwerste Prüfung unter Jürgen Klopp bestanden. Trotzdem will sich der Trainer nicht mit Real Madrid oder dem FC Bayern vergleichen.

REUTERS

Mohamed Salah. Jürgen Klopp und Alex Oxlade-Chamberlain (v.l.n.r.)

Von , Manchester
Mittwoch, 11.04.2018   09:49 Uhr

In der flirrenden Atmosphäre im Stadion von Manchester City hat der FC Liverpool nicht nur einen sportlichen Wettkampf gewonnen, sondern auch eine Erfahrung gemacht, die den Spielern auf ihrem weiteren Lebensweg eine wertvolle Hilfe sein wird. Das jedenfalls war die Meinung von Trainer Jürgen Klopp.

Manchester City, die überragende Mannschaft des englischen Fußballs in dieser Saison, legte mit einer ultraoffensiven Aufstellung und höchstem Tempo los im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League, kam schon in der zweiten Minute zum 1:0 durch Gabriel Jesus und erspielte sich weiter Chance um Chance um Chance.

Erstes Halbfinale seit zehn Jahren

Es sah tatsächlich so aus, als könnte das Team das 0:3 aus dem Hinspiel noch umbiegen. Doch das misslang. Dank zweier Treffer in der zweiten Halbzeit gewann Liverpool 2:1 und schenkte dem emotionalen Umfeld des Klubs den ersten Einzug ins Halbfinale des europäischen Königspokals seit zehn Jahren.

Als die Partie vorbei war und Klopp im vollgestopften Presseraum saß, sprach er davon, welche Bedeutung der wilde Start der Veranstaltung für seine Spieler haben könnte, aus sportlicher Sicht, aber auch menschlich. "Du willst immer, dass die Dinge von Anfang an gut laufen. Unser Tag begann nicht so gut. Trotzdem sind wir noch hier. Das ist die beste Lektion fürs Leben", sagte er.

Ob Klopps Spieler nach dem Erfolg zu kompletteren Menschen werden, ist natürlich schwer abzusehen. Fest steht allerdings, dass sein Team im Rückspiel bei Manchester City die wohl schwerste Prüfung seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 bestanden hat.

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Champions League: Wie Liverpool City erneut bezwang

Die Mannschaft hat sich nach dem frühen Gegentor nicht davonspülen lassen von einem Gegner, der in Kürze mit komfortablem Vorsprung zum Meister der Premier League gekürt werden wird, sie hat sich wieder aufgerappelt und die Führung aus dem Hinspiel ins Ziel gerettet. Nein, mehr noch: Sie hat sie sogar ausgebaut durch den 2:1-Sieg und am Ende ziemlich solide den Verbleib im Wettbewerb geschafft.

Für Klopp gibt es keinen Zweifel daran, dass seine Mannschaft verdient im Halbfinale steht. "Wir haben über zwei Spiele fünf Tore gegen City geschossen und nur eines kassiert. Das ist eigentlich gar nicht möglich", sagte er. Es hatte allerdings auch mit Glück zu tun, dass es bei diesem einen Gegentreffer blieb. Beziehungsweise mit einem Schiedsrichter, der seine Fehde mit City-Trainer Pep Guardiola fortsetzte.

Guardiola musste auf die Tribüne

Der Übungsleiter aus Katalonien fühlte sich schon in der Vergangenheit mehrfach ungerecht behandelt von Antonio Matéu Lahoz und hatte im Rückspiel gegen Liverpool guten Grund zur Klage. Kurz vor Ende der ersten Hälfte gab der Referee ein Tor von Leroy Sané nicht, obwohl der Ball von Liverpools Kapitän James Milner gekommen war, der Treffer hätte also zählen müssen.

Auf dem Weg in die Halbzeitpause redete Guardiola aufgebracht auf Matéu Lahoz ein und kassierte dafür einen Verweis. Der Trainer musste das Aus seines Teams, das nach der englischen Liga doch eigentlich auch Europa erobern wollte, von der Tribüne aus beobachten. "Ich habe einfach nur gesagt, dass es ein Tor war. Ich habe ihn nicht beleidigt", gab Guardiola hinterher an. Dass er dabei ziemlich grimmig auftrat und wild mit den Händen fuchtelte, brachte er nicht zur Sprache.

Erfolg mit einfachen Mitteln

Klopps Team zeigte in der zweiten Hälfte, wie man mit einfachen Mitteln Erfolg haben kann, auch gegen eine Mannschaft, die in der Liga 17 Punkte vor Liverpool liegt. "Wir wollten kompakter sein, mehr zweite Bälle gewinnen und besser Fußball spielen, wenn wir den Ball haben", berichtete der Trainer.

Und so genügte im Grunde eine Aktion, um City auszubremsen. Mohamed Salah, der rechtzeitig von seiner Verletzung aus dem Hinspiel genesene Torjäger, stellte nach einer knappen Stunde den Ausgleich her. City hätte nach dem Treffer noch vier Tore schießen müssen. Doch der Mannschaft schien klar zu sein, dass ihr das nicht mehr gelingen würde.

So schreiben Klopp und der FC Liverpool gemeinsam an weiteren Kapiteln ihrer Europapokalgeschichte. Der Klub hat den Landesmeister-Wettbewerb insgesamt fünfmal gewonnen, das bislang letzte Mal vor 13 Jahren. Klopp schaffte es vor fünf Jahren mit einer berauschenden Dortmunder Mannschaft immerhin ins Endspiel gegen den FC Bayern.

"Wir sollten den Moment genießen"

"Es ist eine Weile her, dass Liverpool zuletzt im Halbfinale war, es ist eine Weile her, dass ich zuletzt im Halbfinale war. Jetzt sind wir zusammen dort. Wir sollten den Moment genießen", sagte er. Und er kann der Auslosung am Freitag gelassen entgegen sehen. Wer Manchester City ausschaltet, muss keinen Gegner fürchten.

Die Mannschaft ist zurück im elitären Zirkel der besten Teams des Kontinents. Doch Klopp möchte keine Vergleiche anstellen. Er sieht keinen Sinn in der Frage, ob der FC Liverpool der Gegenwart auf einer Stufe mit Real Madrid, dem FC Bayern oder Barcelona angekommen sei. Wichtig ist aus seiner Sicht nur das eigene Schicksal: "Wir sind hier. Und haben es verdient. Darüber freue ich mich."

Seine Elf befindet sich immer noch in der Entwicklung, sie ist immer noch auf dem Weg, wobei das Ziel nicht genau definiert ist. Die überstandene Prüfung bei Manchester City war ein nächster Schritt in der Entwicklung. "Wir reifen beständig. Niemand wird über Nacht zum Sieger", sagte Klopp.

Auch diese Erkenntnis kann auf dem weiteren Lebensweg hilfreich sein.

insgesamt 60 Beiträge
doppelnass 11.04.2018
1. Halblang
Bei aller Euphorie: Sooo ein Underdog ist Liverpool nun auch nicht. Der Kaderwert beträgt etwa 500 Mio. Es wird ja so getan, als sei Liverpool das Freiburg Englands. Dennoch großartiger Sieg gegen eine noch viel teurere Truppe.
Bei aller Euphorie: Sooo ein Underdog ist Liverpool nun auch nicht. Der Kaderwert beträgt etwa 500 Mio. Es wird ja so getan, als sei Liverpool das Freiburg Englands. Dennoch großartiger Sieg gegen eine noch viel teurere Truppe.
banker1 11.04.2018
2. schön für Liverpool
echt Klasse, aber in beiden Spielen wurde City ein reguläres Tor nicht gegeben.Ein 3 : 1 in Liperpool und dann Zwischenstand von 2:0 zu Hause, die Geschichte wäre spannender geworden..... Da kann man Pep verstehen...
echt Klasse, aber in beiden Spielen wurde City ein reguläres Tor nicht gegeben.Ein 3 : 1 in Liperpool und dann Zwischenstand von 2:0 zu Hause, die Geschichte wäre spannender geworden..... Da kann man Pep verstehen...
sickboy2403 11.04.2018
3. Klopp
Schafft es wenigstens, im Gegensatz zu PSG, mit viel Geld Erfolge einzufahren! Wenn ich mir einen Abwehrspieler für 75 Millionen leisten kann, sollte ich mich nicht klein reden!
Schafft es wenigstens, im Gegensatz zu PSG, mit viel Geld Erfolge einzufahren! Wenn ich mir einen Abwehrspieler für 75 Millionen leisten kann, sollte ich mich nicht klein reden!
Semmelbroesel 11.04.2018
4. Glückwunsch Kloppo..
...zum Erreichen des Halbfinales. Mal sehen, welcher Brocken dann auf Liverpool wartet. Mit der Begeisterung könnt ihr jeden schlagen.
...zum Erreichen des Halbfinales. Mal sehen, welcher Brocken dann auf Liverpool wartet. Mit der Begeisterung könnt ihr jeden schlagen.
FrankZimmermann 11.04.2018
5.
Naja, aber dann sollte man nicht vergessen, daß die Aktion vor dem 1:0 zumindest diskussionswürdig war (aus meiner Sicht doch eher ein Foul)
Zitat von banker1echt Klasse, aber in beiden Spielen wurde City ein reguläres Tor nicht gegeben.Ein 3 : 1 in Liperpool und dann Zwischenstand von 2:0 zu Hause, die Geschichte wäre spannender geworden..... Da kann man Pep verstehen...
Naja, aber dann sollte man nicht vergessen, daß die Aktion vor dem 1:0 zumindest diskussionswürdig war (aus meiner Sicht doch eher ein Foul)

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2012 FC Chelsea
2011 FC Barcelona
2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
1996 Juventus Turin
1995 Ajax Amsterdam
1994 AC Mailand
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