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Sport

Liverpools Fan-Beauftragter

"Klopp zeigt den Fans, dass sie dazugehören"

In der Premier League wächst die Distanz zwischen Topklubs und Fans. Fan-Beauftragter Tony Barrett erklärt, wie Liverpool und Jürgen Klopp versuchen, die Anhänger der "Reds" zu emotionalisieren.

REUTERS

Jürgen Klopp

Ein Interview von , Liverpool
Dienstag, 19.02.2019   17:56 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Der FC Liverpool gilt als Verein mit einem besonderen Verhältnis zu seinen Fans. Aber mal ehrlich: Wie viel Nähe zur Basis ist bei einem Topklub aus der Premier League möglich?

Barrett: Die Distanz zwischen Vereinen und Fans ist gewachsen, ganz generell in England. Liverpool hat sich seit dem Eigentümerwechsel 2010 verändert: neuer Geschäftsführer, neuer Trainer, neue Spieler. Jemand wie Kapitän Jordan Henderson, der in Sunderland aufgewachsen ist, kann nicht die gleiche Verbindung zu den Menschen in Liverpool haben wie Steven Gerrard oder Jamie Carragher, die aus der Region stammen. Aber: Der Verein versucht, diese Lücke zu schließen.

SPIEGEL ONLINE: Wie?

Barrett: Der Klub geht jetzt viel besser auf seine Fans ein, formell in regelmäßigen Foren, und informell durch einen ständigen Austausch. Ich bekomme wahrscheinlich mehr Nachrichten von dem Vorsitzenden unserer größten Fan-Organisation als von meiner Frau. Die Gespräche sind nicht immer leicht, aber es findet ein Dialog statt. Ich hoffe, die Fans haben das Gefühl, dass ihnen zugehört wird. Mein Schlüsselmoment in dieser Hinsicht war Kiew.

SPIEGEL ONLINE: Das verlorene Champions-League-Finale im vergangenen Jahr?

Barrett: Ja, die meisten Fans werden sich aber trotzdem positiv an Kiew erinnern. Es gibt in Liverpool eine regelmäßige Veranstaltung von Fans für Fans, die "Boss Night", mit Livemusik. Die gab es auch in einem Park in Kiew. Die Fans haben über das Programm entschieden. Viele junge Leute hatten dort eine großartige Zeit. Wir haben gesehen, was möglich ist, wenn sich der Verein auf die Kultur der Fans einlässt. Es ist übrigens kein Zufall, dass diese Annäherung in einer Zeit passiert, in der wir einen deutschen Trainer haben.

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, Jürgen Klopp habe den FC Liverpool wieder emotionalisiert. Wie hat er das gemacht?

Barrett: Wenn man einen Trainer wie ihn verpflichtet, muss man schauen, was er braucht, um seinen Job so gut wie möglich zu machen. Er will, dass alle an Bord sind, dass alle in dieselbe Richtung ziehen. Nach einem seiner ersten Spiele hat er mit der Mannschaft vor der Kop-Tribüne die Welle gemacht...

Video: Die Klopp-Begeisterung in Liverpool

Foto: SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE: ...nach einem 2:2 gegen West Bromwich Albion. Dafür gab es viel Spott von den Medien und den Fans anderer Vereine.

Barrett: Dabei war das eine der besten Sachen, die ich seit langer Zeit in Anfield gesehen hatte. Klopp zeigt unseren Fans, dass sie dazugehören. Sie sollen erkennen, dass sie nicht einfach nur Karten kaufen und zuschauen. Das passt zu den Idealen von Trainerlegende Bill Shankly. Er hat den Spielern seinerzeit gesagt, sie müssten stolz darauf sein, für die Menschen von Liverpool zu spielen.

SPIEGEL ONLINE: Spielt die Mannschaft denn heute noch für die Menschen in Liverpool? Die Karten sind teuer und nur schwer zu bekommen.

REUTERS

Liverpool-Fans mit Klopp-Plakat

Barrett: Ich mag die Idee nicht, dass es sich einige Menschen nicht mehr leisten können, zum Fußball zu gehen. Ich kam Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger für 1,60 Pfund ins Stadion. Seitdem hat sich viel geändert. Die Abschaffung der Stehplätze nach der Hillsborough-Katastrophe, der Aufstieg der Premier League, es kommen mittlerweile viel mehr Zuschauer aus anderen Ländern. Außerdem hat es der Verein bis zum Ausbau der Haupttribüne vor ein paar Jahren verpasst, das Stadion anzupassen. Es konnte nicht mit dem Wachstum der Fan-Basis mithalten.

SPIEGEL ONLINE: Viele Fans sagen, dass die Vereine die Eintrittspreise wegen der hohen TV-Einnahmen problemlos um ein Drittel senken könnten.

Barrett: Die Klubs sagen, dass man im selben Moment zehn Millionen Pfund verlieren würde. Das wären die Jahresgehälter für zwei Spieler. Wo soll das Geld stattdessen herkommen? Darauf gibt es bislang keine Antwort. Das ideale Szenario wäre, dass alle Zuschauer umsonst ins Stadion kommen - und Liverpool so erfolgreich wie möglich spielt. Aber das geht in der Realität nicht.

SPIEGEL ONLINE: Viele Engländer schauen neidisch nach Deutschland. Günstige Karten, Stehplätze, Bier auf den Tribünen - anders als in der Premier League. Sehen Sie Deutschland als Vorbild?

Barrett: Auch in Deutschland ist die Bindung bei den großen Vereinen vielleicht nicht mehr so eng wie vielleicht bei St. Pauli. Ich habe mitbekommen, dass die Fans des FC Bayern nicht glücklich über das Trainingslager in Katar waren. Aber es stimmt: Die deutschen Vereine sind immer noch näher an ihrer Fan-Basis. Ich würde mich freuen, wenn auch bei uns in England die Bindung wieder enger würde.

insgesamt 3 Beiträge
Nonvaio01 19.02.2019
1. das konnte Klopp schon immer
auch beim BVB hatte er das talent, da hat er sogar die Aktiengesellschaft BVB zum Armen kleinen Verein gemacht als es gegen den FCB im CL finale ging. Bei Liverpool greift Klopp auf die Kraft des publikums zu, und das zurecht. [...]
auch beim BVB hatte er das talent, da hat er sogar die Aktiengesellschaft BVB zum Armen kleinen Verein gemacht als es gegen den FCB im CL finale ging. Bei Liverpool greift Klopp auf die Kraft des publikums zu, und das zurecht. Klopp weiss das Fussball nur mit Fans geht....
Lagrange 19.02.2019
2.
Klopp ist sicherlich taktisch nicht der größte aller Trainer - darauf kommt es aber auch gar nicht an. Das kann auch sein Staab mit ihm gemeinsam machen. In der heutigen Zeit ist Charisma und Phsycholigie viel wichtiger - sowas [...]
Klopp ist sicherlich taktisch nicht der größte aller Trainer - darauf kommt es aber auch gar nicht an. Das kann auch sein Staab mit ihm gemeinsam machen. In der heutigen Zeit ist Charisma und Phsycholigie viel wichtiger - sowas kann man auch nicht lernen. Und da ist Klopp großartig. Ich bin ein großer Fussballfan, aber kein Fan einer Mannschaft. Ich unterstütze immer Teams, die einfach Spass machen. Ist schon auffällig, dass da für mich immer Klopps Teams dabei sind.
newline 19.02.2019
3. Jürgen Klopp
interessiert sich für seine Vereine. In Dortmund hat er den Gründungsort aufgesucht und dort etwas gegessen, nach Aussage der Wirtin als erster Trainer.
interessiert sich für seine Vereine. In Dortmund hat er den Gründungsort aufgesucht und dort etwas gegessen, nach Aussage der Wirtin als erster Trainer.

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