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Football Leaks

Super League? Überflüssig!

Niemand braucht eine Super League. Schon die Champions League garantiert derzeit genug Topspiele - und europäischer als Pilsen gegen Madrid kann es nicht mehr werden.

Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL
Ein Kommentar von
Freitag, 09.11.2018   14:24 Uhr
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Mein Lieblingsresultat dieser europäischen Fußballwoche war ein 2:0. Nicht das des FC Bayern oder von Schalke 04, selbst das von Borussia Dortmund nicht. Es war der 2:0-Erfolg von Roter Stern Belgrad über den FC Liverpool, ein Ergebnis, das niemand erwartet hat im Duell Klein gegen Groß, in dem sonst fast immer Groß gewinnt. Ein Endresultat, das in der Champions League zugegeben nur selten vorkommt, aber eben noch möglich ist. In einer Super League nicht mehr.

Wer die Duelle der Großen in Europa will und dies mit der Super League begründet, der soll noch mal nachschauen, wer in dieser Woche in der Champions League so gegeneinander gespielt hat: Inter Mailand gegen den FC Barcelona, Juventus gegen Manchester United, die SSC Neapel gegen Paris Saint-Germain, Atlético gegen Borussia Dortmund. Was soll eine Super League noch mehr bieten? Im Grunde gibt es sie längst, sie heißt nur nicht so. Angereichert mit Lok Moskau, Young Boys Bern und Roter Stern Belgrad.

Der Kollege Christian Helms hat in seinem gestrigen Plädoyer für die Super League den europäischen Gedanken eingebracht. Ein sympathischer, ein schöner Gedanke. Aber was gibt es Europäischeres als ein Gastspiel von Schachtjor Donezk bei Manchester City, eine Reise von Real Madrid zu Viktoria Pilsen und eine Auswärtspartie von Brügge in Monaco? In der Europa League spielten Trondheim gegen Salzburg, Wien gegen Villarreal, Kiew gegen Rennes. Wer europäisch denkt, braucht wirklich keine neue Liga.

PSG-Fans erfreuen sich auch an Siegen über Marseille

Die Super League soll die Spannung zurückbringen, die die nationalen Meisterschaften verloren haben, so heißt es. Wem fehlt in der Premier League mit ihren sechs Topvereinen die Spannung? Welcher Anhänger von Paris Saint-Germain freut sich nicht über einen Erfolg über Olympique Marseille? Und selbst die Bundesliga zeigt: Der FC Bayern braucht nur seinen Vorstand noch ein paar Jahre so weitermachen zu lassen, schon ist die Spannung in der Liga zurück. Die Debatte um die Super League und um die Münchner Abonnementsmeisterschaften wird just geführt vor einem Wochenende, an dem der FC Bayern als selbsternannter Außenseiter nach Dortmund fährt. Und in einer Phase, in der Real Madrid heilfroh ist, einmal drei Punkte gegen Real Valladolid einzufahren.

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Arsenal gegen Chelsea zuzuschauen, ist für einen Fußballfreund wahrscheinlich sportlich ansehnlicher, als dem VfB Stuttgart gegen den 1. FC Nürnberg beizuwohnen. Obwohl es auch dafür keine Garantie gibt. Aber Woche für Woche Juventus gegen Barcelona als große Oper zu betrachten, statt die vage Hoffnung in sich zu tragen, dass der FC Bayern vielleicht doch bei seiner Auswärtspartie in Hannover stolpert, würde die emotionale Verkümmerung des Fußballs noch weiter vorantreiben. Der Wert der Champions League besteht gerade darin, die Ware Topspiel zu handeln, ohne sie zu inflationieren. Wer nur noch Kaviar zu essen bekommt, sehnt sich irgendwann nach einem richtig schönen Mettbrötchen.

Mir würde es nur wenig ausmachen, wenn der FC Bayern auch in den nächsten fünf Jahren am Ende ganz oben in der Bundesliga steht. Mein Wohlwollen gehört ohnehin einem Verein, der sich an guten Tagen eher an Leipzig und Leverkusen, an schlechten an Hertha, Frankfurt und Augsburg orientiert. So wird es den meisten Fußballfans in Deutschland mit ihren Vereinen ergehen. Wen interessiert in Hamburg derzeit (und auch langfristig) die Super League?

Die Supervereine haben mit ihrer Geldmacht manches an Titelspannung zerstört. Das ist unbestritten. Und es wäre naiv, dies komplett zu leugnen. Es ist dafür nur eine gerechte Strafe, dass sie dann auch weiterhin gegen Schalke, Chievo und Guingamp spielen müssen.

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insgesamt 17 Beiträge
Sal.Paradies 09.11.2018
1. Natürlich würde sich das "lohnen"!!
Lieber Peter Ahrens. Aber natürlich würde sich eine Superliga "lohnen", denn ihre Beurteilung hat eine massive Schlagseite auf das "sportliche", während die Gründer einer solchen Liga den Fokus ja eindeutig [...]
Lieber Peter Ahrens. Aber natürlich würde sich eine Superliga "lohnen", denn ihre Beurteilung hat eine massive Schlagseite auf das "sportliche", während die Gründer einer solchen Liga den Fokus ja eindeutig auf das finanzielle richten. Es wäre deren Liga, ohne Einlluß von irgend jemandem. Vermarktung/Gewinn, etc.. wären dzu 100% in deren Hände. Nur darum geht`s und es nimmt mich Wunder, dass jemand wie Sie einen so klaren Sachverhalt überhaupt nicht benennt....?
rocky_heike 09.11.2018
2.
Warum keine Super League. Wäre nur konsequent. Aber ohne Gäste und mit klarer Abgrenzung. Man könnte keinen nationalen Titel mehr erringen, weder Meister werden noch den Pokal holen. Und man könnte sich auch nicht zum [...]
Warum keine Super League. Wäre nur konsequent. Aber ohne Gäste und mit klarer Abgrenzung. Man könnte keinen nationalen Titel mehr erringen, weder Meister werden noch den Pokal holen. Und man könnte sich auch nicht zum selbsternannten Meister aufspielen, weil man in dieser Super-Liga spielt, weil es eben einfach ein ganz anderer Wettbewerb wäre.
widower+2 09.11.2018
3. Wirklich?
Das kann aber auch finanziell nach hinten los gehen, wenn sich die Anhänger der in dieser Superliga nicht vertretenen Vereine, die auch wenig Chancen haben, dort jemals vertreten zu sein, kein Interesse mehr an dieser Liga [...]
Zitat von Sal.ParadiesLieber Peter Ahrens. Aber natürlich würde sich eine Superliga "lohnen", denn ihre Beurteilung hat eine massive Schlagseite auf das "sportliche", während die Gründer einer solchen Liga den Fokus ja eindeutig auf das finanzielle richten. Es wäre deren Liga, ohne Einlluß von irgend jemandem. Vermarktung/Gewinn, etc.. wären dzu 100% in deren Hände. Nur darum geht`s und es nimmt mich Wunder, dass jemand wie Sie einen so klaren Sachverhalt überhaupt nicht benennt....?
Das kann aber auch finanziell nach hinten los gehen, wenn sich die Anhänger der in dieser Superliga nicht vertretenen Vereine, die auch wenig Chancen haben, dort jemals vertreten zu sein, kein Interesse mehr an dieser Liga haben. Ahrens spricht ja auch gewisse Übersättigungseffekte an, die jetzt schon zu beobachten sind. Tennis wurde zum Beispiel in den 80ern und 90ern quasi zu Tode gesendet. Ganz so wird das beim Fußball wohl nie der Fall sein, aber jetzt schon bewegt sich die Fußballwelt in Bezug auf die TV-Vermarktung auf einem ganz schmalen Grad. Wenn bald womöglich noch ein weiteres Abo hinzu kommt, dass der geneigte Fußballfan braucht, um alle Spiele zu sehen, könnte das kippen. Die Zuschauerzahlen in den Stadien sind dann nochmal ein anderes Thema. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass die Allianz-Arena weiterhin die Auslastung hätte wie zur Zeit. Die Auswärtsfans würden auf jeden Fall weniger werden und die Heimzuschauer wohl auch, wenn die verwöhnten Fans in München ihrem FC beim Kicken im grauen Mittelfeld zusehen müssten.
checkitoutple 09.11.2018
4. Eine der Beründungen ist ja neben dem Finanziellen zu viele Spiele
DEshalb geht es ja auch darum das einige Topspieler nicht gerne von ihren Vereinen an die Nationalmanschaften abgegeben werden. Bei den extremen Ablösen ist ein verletzter Spieler eben eine enorma Finanzielle Belastung der [...]
DEshalb geht es ja auch darum das einige Topspieler nicht gerne von ihren Vereinen an die Nationalmanschaften abgegeben werden. Bei den extremen Ablösen ist ein verletzter Spieler eben eine enorma Finanzielle Belastung der Vereine. Wenn Spieler da 40 Mio Euro im Jahr kosten und dann Ausfallen bezahlt der Betreffende Verein ja für nichts.Hinzu kommt das man derzeit konstantieren muss das in vielen Ligen ghnende Langeweile herrscht. Die Meister in vielen Ligen stehen ja meist schon zu rHalbzeit fest. Trotzdem gäbe es eine Möglichkeit die beides möglich machen würde! MAn Spielt eine volle Hinrunde zB in der Bundesliga. In der Rückrunde Spielen nur noch die Top 10 im Modus best of 3. Oder eben nur die besten 9 Teams. Und die Anderen spiele eine Abstiegsrunde. Dies würde beiden Belangen dienen. Gerade wenn man best of 3 spielen Wrde wäre die Spannung bis zum letzten Spiel garantiert. Und die Nationalen Ligen würden nicht an wichtigkeit verlieren. Einereine Superliga finde ich keine so gute Idee denn ein solches starres Gefüge könnte Langfristig auch zu starken Qualitätsverlusten beitragen. Einige Bedenken muss man wirklich berücksichtigen es ist fraglich ob es für die Top Spieler wirklich gesund ist 50 und mehr Punktespiele Absolvieren zu müssen. Von daher sind Modifikationen nicht unbedingt ein Skandal! Schade bei dem ganzen ist für mich eher wieviel der Komerz die Diskussion steuert. Und in was für starren Strukturen bei den Verantwortlicen gedacht wird.
charlybird 09.11.2018
5. Hier schreibt
der wahre Idealist und er hat recht, aber es wird nichts nützen. Die Güldene Liga wird kommen, denn die Scheichs, die Investoren und die Oligarchen scharren schon mit den Hufen. Es gäbe dabei selbst aus reinem Idealismus in [...]
der wahre Idealist und er hat recht, aber es wird nichts nützen. Die Güldene Liga wird kommen, denn die Scheichs, die Investoren und die Oligarchen scharren schon mit den Hufen. Es gäbe dabei selbst aus reinem Idealismus in der Welt mehr zu ändern und zu verbessern und wenn es nur Sportförderung allgemein wäre, aber ein paar Fußballdiven noch mehr Dollars in den Mors zu blasen und die Klubeigner endlich ordentlich mitverdienen zu lassen, macht einfach mehr Spaß für die paar Herrschaften, wenn sie sich eine eigene Spielwiese basteln können. Es ist natürlich immer noch großer Sport, wenn die Kleinen die Großen mal ärgern können und vor allem dürfen, da auch Otto Rehagels Spruch: Geld schiesst keine Tore, längst widerlegt ist, aber es bringt nichts ein. Also soll sie machen die Geldelite, sie wird sich ein eigenes Reich der Langeweile schaffen, welches sicherlich seine Abnehmer finden wird, aber ich denke zumindest in den Fußballnationen Europas wird sich die Fankultur da mittelfristig teilen.

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