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Sport

Umstrittene Regel beim Fußball

War das jetzt Handspiel - oder nicht?

Die Handspielregel hat am Bundesliga-Wochenende für Ärger gesorgt, mal wieder. Das Problem: Sie wird immer wieder unterschiedlich ausgelegt. Dabei gäbe es Möglichkeiten, sie einfacher und klarer zu machen.

Bongarts/Getty Images

Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigt an, worum es geht

Von Alex Feuerherdt
Montag, 18.02.2019   17:34 Uhr

Nun tobt sie wieder, die Diskussion über das Dauerthema Handspiel. Er habe "das Gefühl, dass die Regelung Woche für Woche anders definiert ist", beschwerte sich der Mainzer Trainer Sandro Schwarz. Leipzig-Kapitän Willi Orban, gegen den in Stuttgart ein umstrittener Handelfmeter gepfiffen wurde , sagte: "Für alle Beteiligten wäre es einfacher, wenn man eine klarere Linie reinbringt."

Selbst der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ist "genervt", wie er in einer Kolumne der "Bild am Sonntag" schrieb: "Absichtlich oder unabsichtlich, aktiv oder passiv, Hand geht zum Ball oder nicht - wer blickt da noch durch?"

Dabei liest sich der Regeltext so einfach. "Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt", heißt es lapidar in der Regel 12 (Fouls und unsportliches Betragen). Absicht - das ist das einzige Kriterium für die Strafbarkeit, und zwar schon seit dem Jahr 1902. Damals wurde es von den Regelhütern des International Football Association Board (Ifab) so festgelegt und seitdem nicht mehr geändert.

Zur Person

Das Problem besteht darin, zu bestimmen, wann Absicht vorliegt. Schließlich ist das ein ausgesprochen subjektives Kriterium, und die Schiedsrichter können nicht die Gedanken der Spieler lesen. Deshalb nennt das Regelwerk Anhaltspunkte, die der Unparteiische bei der Beurteilung berücksichtigen soll: "die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand), die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwarteter Ball), die Position der Hand (das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen)".

Der Graubereich ist groß

Das heißt, der Schiedsrichter muss bei jedem Handspiel in Sekundenbruchteilen eine Reihe von Fragen beantworten, bevor er entscheidet: Wie und aus welcher Distanz kam der Ball auf den Spieler zu? Konnte er mit ihm rechnen? War seine Armhaltung oder -bewegung fußballtypisch, also normal für diesen Sport? Oder hat er womöglich versucht, sich mit den Armen größer zu machen, um den Ball aufzuhalten? Natürlich lässt sich all dies nicht immer eindeutig bestimmen. Der Graubereich ist groß.

Manchmal unterscheiden sich Szenen nur durch Details, die den Unterschied zwischen "strafbar" und "nicht strafbar" begründen. Hinzu kommt der Faktor Mensch. Zwar agieren auf den Fußballplätzen sehr gut geschulte Unparteiische, doch auch diese können sich irren - vor allem, wenn sie unter Zeitdruck zu entscheiden haben. Und damit klarkommen müssen, dass die Verbände ihre Vorgaben, was als strafbares Handspiel zu gelten hat, in kurzen Abständen modifizieren. "In meiner Karriere ist bestimmt fünfmal die Auslegung verändert worden, was Handspiel ist", sagte Schiedsrichter Felix Brych im "11 Freunde"-Interview.

Zu wenig transparent gemacht

Diese Änderungen, zu denen es teilweise während einer Saison kommt, sind oft eine Reaktion auf Kritik, die sich an der konkreten Regelauslegung entzündet. Allerdings werden sie öffentlich zu wenig transparent gemacht. Das führt zu Verwirrung bei Spielern, Trainern, Fans und Medien. Zudem bleibt das Problem der 50:50-Situationen bestehen, "die Grenze ist fließend", wie Brych sagt, "eine Seite verärgern wir immer".

In der aktuell gültigen Regelauslegung spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, ob ein Spieler den Ball aus kurzer Entfernung an seinen Arm bekommt. Konnte er einen Spielzug nach Ansicht des Schiedsrichters vorhersehen und bewegte er sich mit seinem Körper zum Ball, dann soll ein Handspiel geahndet werden, selbst wenn die Distanz gering war. Besonders stark ins Gewicht fällt seit einiger Zeit die Armhaltung. "Je weiter der Arm vom Körper weg ist, umso mehr ist es Handspiel", erklärt Brych. Deshalb gab es am Samstag den Elfmeter gegen Orban, während der Strafstoß gegen den Schalker Omar Mascarell, der bei seiner Grätsche beim 0:0 gegen Freiburg den Arm eng am Körper geführt hatte, vom Schiedsrichter auf Anraten des Video-Assistenten zurückgenommen wurde.

DPA

Stuttgarter Handelfmeter gegen Leipzig am Wochenende

Das Problem: Beim Sprung zum Kopfball oder bei einem Tackling lässt es sich kaum vermeiden, die Arme vom Körper abzuspreizen. Wenn es dann zum Handspiel kommt, dann kaum mit Absicht. Trotzdem wird der Spieler dafür bestraft.

Wie eine Reform aussehen könnte

Es ist und bleibt also kompliziert. Viele wünschen sich deshalb eine Vereinfachung, mehr Klarheit. Aber wie sollte eine Regelung aussehen, die keine Spielräume mehr kennt?

Die einfachste Möglichkeit bestünde darin, jedes Handspiel zu ahnden, ohne Ausnahme. Das aber würde mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Spieler bewusst auf die Arme und Hände ihrer Gegner zielen würden, um Freistöße und Strafstöße herauszuholen.

Denkbar wäre ein Vorschlag, der den Ermessensspielraum verengen und das subjektive Kriterium der Absicht außer Kraft setzen würde. Für ihn wäre allerdings ein massiver Eingriff ins Regelwerk erforderlich, denn nach den derzeit gültigen Regeln wäre er nicht umzusetzen.

Ein Graubereich würde dann immer noch existieren. Aber er wäre deutlich kleiner. Die Berechenbarkeit wäre besser, die Entscheidung für die Schiedsrichter einfacher. Zu Härtefällen käme es seltener als jetzt - und damit auch zu weniger nervtötenden Debatten.

insgesamt 35 Beiträge
upima 18.02.2019
1. Einfach mal wieder die Regel lesen
Es könnte so einfach sein, wenn man einfach mal wieder den Kern der Regel anwenden würde. Es geht um Absicht oder nicht. Alle anderen Kriterien sind lediglich Hilfskriterien, um das zu bewerten. Ob der Arm weit weg ist, [...]
Es könnte so einfach sein, wenn man einfach mal wieder den Kern der Regel anwenden würde. Es geht um Absicht oder nicht. Alle anderen Kriterien sind lediglich Hilfskriterien, um das zu bewerten. Ob der Arm weit weg ist, unnatürlich oder sonst irgendwas spielt nur bei der Frage der Absicht eine Rolle. Leider sind diese Hilfskriterien aber inzwischen derartig in den Vordergrund gerückt, dass die Frage der Absicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Dabei könnte es doch so einfach sein.
kloppononstoppo 18.02.2019
2. Nur eine Lösung...
Die Regel sollte klar sein, keine Interpretationsmöglichkeiten bieten und Situationen zumindest für einen VAR verifizierbar und kalibrierbar machen. Da gibt es m.M.n. nur eine Möglichkeit: Im Strafraum ist jedes Handspiel der [...]
Die Regel sollte klar sein, keine Interpretationsmöglichkeiten bieten und Situationen zumindest für einen VAR verifizierbar und kalibrierbar machen. Da gibt es m.M.n. nur eine Möglichkeit: Im Strafraum ist jedes Handspiel der abwehrenden Feldspieler ein 11er, wenn der Arm NICHT am Körper anliegt! Und schon sind alle Unklarheiten beseitigt...
hausfeen 18.02.2019
3. Abichtserklärung, bitte im voraus. Wie wollen Sie Absicht oder ...
... Zufall unterscheiden? Vielleicht einen Lügendetektortest statt Videobeweis? Oder gar einen Gehirnscan? Das ist doch totaler Unsinn. Es müssen objektive Kriterien her. Das müssen mindestens zwei (und zwar beide) sein, [...]
Zitat von upimaEs könnte so einfach sein, wenn man einfach mal wieder den Kern der Regel anwenden würde. Es geht um Absicht oder nicht. Alle anderen Kriterien sind lediglich Hilfskriterien, um das zu bewerten. Ob der Arm weit weg ist, unnatürlich oder sonst irgendwas spielt nur bei der Frage der Absicht eine Rolle. Leider sind diese Hilfskriterien aber inzwischen derartig in den Vordergrund gerückt, dass die Frage der Absicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Dabei könnte es doch so einfach sein.
... Zufall unterscheiden? Vielleicht einen Lügendetektortest statt Videobeweis? Oder gar einen Gehirnscan? Das ist doch totaler Unsinn. Es müssen objektive Kriterien her. Das müssen mindestens zwei (und zwar beide) sein, damit KEIN Elfmeter gegeben wird: 1. aus dem Handspiel erfolgt KEIN Tor direkt und kurz danach. 2. Der Ball verändert seine Flugrichtung nicht oder nur unbedeutend. Alles andere wäre ein Elfmeter. Ist das so schwer? Ich sehe es ja schon an den Reportern, die bei einem nahestehenden Verein sofort mit "ach, das war jetzt bestimmt keine Absicht" kommen.
meineeiermity 18.02.2019
4. Mascarell schön und gut aber....
.....warum gab es dann keinen Elfmeter gegen Freiburg, der Verteidiger berührte ja mindestens zweimal den Ball mit der Hand und die war nicht angelehnt welches Kriterium wirkte da?
.....warum gab es dann keinen Elfmeter gegen Freiburg, der Verteidiger berührte ja mindestens zweimal den Ball mit der Hand und die war nicht angelehnt welches Kriterium wirkte da?
juppi-o 18.02.2019
5. Ich lach mich schlapp
Die Vorschläge zur "Vereinfachung" würden das Ganze erst recht chaotisch machen.
Die Vorschläge zur "Vereinfachung" würden das Ganze erst recht chaotisch machen.

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