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Sport

DFB-Sieg gegen Russland

Ein bisschen Zukunft

Die Nationalelf hat gegen Russland eine Halbzeit lang mal wieder überzeugt und sogar Tore geschossen. Der gute Eindruck wurde allerdings durch eine maue zweite Hälfte verwässert - und damit eine Chance vertan.

DPA

Leroy Sané (l.) und Niklas Süle

Aus Leipzig berichtet
Freitag, 16.11.2018   10:19 Uhr

Kurz vor dem Ende dieser Partie wurde es noch einmal richtig temporeich. Ein schneller Sprint, zwei, drei gekonnte Haken, ein spritziger Antritt, Jubelstürme im Publikum. Es war allerdings kein deutscher Nationalspieler, der die Stimmung in der Leipziger Arena noch einmal so hochkochen ließ, sondern ein Flitzer, der sich aufs Spielfeld gemogelt hatte und sich erst nach zwei, drei Minuten von den Ordnern abführen ließ.

Ansonsten war die Laune im Stadion zu diesem Zeitpunkt schon wieder reichlich gedämpft, zu wenig hatten die beiden Teams aus Deutschland und Russland dem Publikum in der zweiten Halbzeit geboten.

Foto: Getty Images

Normalerweise ist der letzte Eindruck derjenige, der haften bleibt. Das wäre in diesem Fall durchaus bedauerlich - denn die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hatte zuvor ansehnliche erste 45 Minuten hingelegt. Der 3:0-Erfolg, der zur Pause bereits feststand, zeigte Ansätze, Fingerzeige, wohin es mit diesem DFB-Team gehen könnte.

Umso ärgerlicher, dass der Schwung aus der ersten Hälfte, als der deutsche Angriff um Serge Gnabry und Leroy Sané zahlreiche starke Szenen hatte und Kai Havertz als Pass- und Ideengeber überzeugte, nicht mitgenommen wurde. Die Partie gegen weitgehend handzahme Russen war sportlich ohnehin vermutlich das unwichtigste Länderspiel des Jahres. Der Stellenwert dieser Partie lag eher im Atmosphärischen, darin, dass die Mannschaft Einsatz, guten Willen und die Bereitschaft zeigt, dem Publikum etwas fürs Herz zu bieten.

Sich mit dem 3:0-Vorsprung im Rücken in einen kleinen Rausch zu spielen, die Zuschauer wieder voll und ganz auf ihre Seite zu bringen, sozusagen ein Versöhnungsfest mit dem Publikum zu feiern. All das wäre möglich gewesen. Vielleicht wäre dann beim nächsten Mal sogar das Stadion wieder ausverkauft. Aber die Gelegenheit wurde nicht genutzt.

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Deutschland vs. Russland: Testspiele sind zum Testen da

"In der zweiten Halbzeit hatten wir wieder etwas Kuddelmuddel", sagte Löw nach der Partie. Er hatte selbst seinen Anteil daran. Nach dem Wechsel nahm er den bis dahin Besten, Kai Havertz, vom Feld, später auch alle seine drei Startelfstürmer Sané, Gnabry und Timo Werner. "Der Spielfluss ging danach verloren", sagte Löw. Das ist wenig überraschend. Sebastian Rudy für Havertz, Thomas Müller für Gnabry - so etwas bleibt nun einmal nicht folgenlos.

Vor allem Havertz hätte man gerne noch weiter agieren sehen, der junge Bayer-Profi ist wohl der derzeit größte Hoffnungsträger im deutschen Fußball. Das Etikett haben schon einige aufgeklebt bekommen, aber wie Havertz den Ball behandelt, wie er die freien Räume und die Laufwege der Stürmer im Angriff nicht nur vorausahnt, sondern dann auch noch bedient - da dürfte Mesut Özil, sofern er denn zugesehen hat, aus dem Fernsehsessel aufgestanden sein und applaudiert haben.

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Deutschland in der Einzelkritik: Havertz macht Hoffnung

Der 19-Jährige blieb nach dem Spiel ganz so, wie der DFB seine Spieler nach dem WM-Desaster im Moment am liebsten hat, ganz bescheiden und demütig: "Für mich war wichtig, dabei zu sein. Man kann sich von den erfahrenen Spielern so einiges abgucken." Es könnte sein, dass es nicht lange dauert, bis sich andere in der Nationalelf etwas von ihm abgucken.

Das russische Team war allerdings weder für Havertz noch für seine Teamkollegen der Gradmesser. Die Delegation hatte eine B-Mannschaft ohne all ihre WM-Viertelfinalisten mitgebracht, so als wollte Trainer Stanislaw Tschertschessow seine bekannte Freundschaft zu Löw noch einmal untermauern und den Leidgeprüften nicht weiter in Bedrängnis bringen.

Das wird am Montag zweifellos anders sein, wenn die Niederländer nach Gelsenkirchen anreisen und dies wohl mit stärkster Aufstellung tun werden - zumindest für den Fall, dass dieses Spiel zu einer Art Showdown um den Verbleib in der Top-Gruppe A der Nations League wird. Die Oranjes spielen allerdings am Freitagabend noch daheim in Amsterdam gegen Frankreich und könnten mit einem Erfolg den Klassenverbleib und damit den Abstieg des DFB-Teams aktenkundig machen.

So oder so - "wir wollen das Jahr mit diesen beiden Spielen gut zu Ende bringen", hat Kapitän Manuel Neuer gesagt. Das ist gegen Russland immerhin zur Hälfte gelungen. In diesem vermaledeiten Fußballjahr muss man wahrscheinlich schon damit zufrieden sein.

insgesamt 45 Beiträge
nesmo 16.11.2018
1. Löw, der Zauderer
Löw muss begreifen, dass seine alten Spieler zu langsam und zu durchsichtig spielen. Die jungen zeigten in der ersten Halbzeit wie es geht, das waren Welten dazwischen. Müller und Co. sind dagegen uralt. Löw muss den Umbau [...]
Löw muss begreifen, dass seine alten Spieler zu langsam und zu durchsichtig spielen. Die jungen zeigten in der ersten Halbzeit wie es geht, das waren Welten dazwischen. Müller und Co. sind dagegen uralt. Löw muss den Umbau beschleunigen, die Chancen sind riesig.
ausdersichtvon 16.11.2018
2. Täuschungsmanöver
es fallen mal wieder alle auf das löwsche Täuschungsmanöver rein er wird von kroos neuer boateng hummels müller gündogan nicht ablassen und ohne seine bayerischen hinterleute fäält kimmisch auch nicht aus der rolle für [...]
es fallen mal wieder alle auf das löwsche Täuschungsmanöver rein er wird von kroos neuer boateng hummels müller gündogan nicht ablassen und ohne seine bayerischen hinterleute fäält kimmisch auch nicht aus der rolle für seine Position gibt es genug ersatz
so-long 16.11.2018
3. Hoffnung
Die Jungenwerden kommen. Vielleicht wäre auch ein jüngerer/neuer Trainer angebracht. Irgendwann geht die Luft raus, siehe Merkel.
Die Jungenwerden kommen. Vielleicht wäre auch ein jüngerer/neuer Trainer angebracht. Irgendwann geht die Luft raus, siehe Merkel.
tucson58 16.11.2018
4.
Was soll da ein Täuschungsmanöver sein ? Es wurden in einem TESTSPIEL junge Spieler aufgeboten und im großen Stil eingesetzt sowie eine neues System ausprobiert . Wo sonst als in einem TESTSPIEL soll Löw das denn [...]
Zitat von ausdersichtvones fallen mal wieder alle auf das löwsche Täuschungsmanöver rein er wird von kroos neuer boateng hummels müller gündogan nicht ablassen und ohne seine bayerischen hinterleute fäält kimmisch auch nicht aus der rolle für seine Position gibt es genug ersatz
Was soll da ein Täuschungsmanöver sein ? Es wurden in einem TESTSPIEL junge Spieler aufgeboten und im großen Stil eingesetzt sowie eine neues System ausprobiert . Wo sonst als in einem TESTSPIEL soll Löw das denn ausprobieren ? Wer das immer noch nicht wahr haben will das ein Umbruch stattfindet ist nicht zu helfen . Auch sollte man jetzt nicht ausblenden das Russland gestern alles andere als ein schwerer Gegner war, sicherlich auch nicht das Russland aus der WM ! Es ist auch ein Irrglauben jetzt mit 11 jungen und kaum erfahrenen Spieler und einem völlig neuen System sofort wieder an die Erfolgs Jahre bis zum Titelgewinn anknüpfen zu können, das braucht Zeit . Ich möchte mal hören was sie und viele andere "Experten" sagen wenn man das so machen würde und dann die noch bevorstehende EM Quali vergeigt, weil die Jungen alleine das noch gar nicht packen. Dann werdet ihr Löw vorwerfen zu viel junge und unerfahrene Spieler in wichtigen Spielen gebracht zu haben . Wie man es macht, es wird für die "Welttrainer" auf dem Sofa nie Recht sein. Ich finde Löw macht das gut und bin überzeugt das wir wieder auf die Erfolgswelle kommen ! Ob das am Ende schon für den EM Titel reichen kann wird man sehen. Jedenfalls kommt da was gutes nach , das kann man jetzt schon gut sehen.
dirk.resuehr 16.11.2018
5. Nicht übertreiben!
Der Gegner war schwach und die deutsche Mannschaft hat alte Schwächen. Schon mal bemerkt, daß lange Abschläge Neuers nahezu immer beim Gegner landen? Weltklasse ist erwas Anderes. Ansonsten das Übliche, Rüdiger ist immer eine [...]
Der Gegner war schwach und die deutsche Mannschaft hat alte Schwächen. Schon mal bemerkt, daß lange Abschläge Neuers nahezu immer beim Gegner landen? Weltklasse ist erwas Anderes. Ansonsten das Übliche, Rüdiger ist immer eine Gefahr- für die eigene Mannschaft. Ginter war nicht in Form und Herzog ist einfach auszuspielen. Viele Ballverluste, mangehafte Pässe und Flanken und ein Lichtblick: Havertz. Hoffentlich bleibt der Knabe auf dem Teppich.

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