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DFB-Debütant Mark Uth

Nummer 100

Mark Uth könnte der Jubiläumsdebütant der Ära Löw werden. Die Berufung des auf Schalke noch torlosen Stürmers hat manche verwundert. Doch für die Nominierung gibt es gute Gründe.

SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Schalkes Stürmer Mark Uth

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Donnerstag, 11.10.2018   11:46 Uhr

Dort droben in Friesland, da kennen sie sich mit Torjägern aus. Dort, wo die Fußballtore zu den höchsten Erhebungen im Land gehören, in Heerenveen, dort hat der große Ruud van Nistelrooy seine Treffer erzielt. Klaas-Jan Huntelaar ist hier zum Hunter geworden, Bas Dost hat seinen Torinstinkt entwickelt. Und Marco van Basten hat den SC Heerenveen trainiert.

In Friesland wundert sich niemand darüber, warum Joachim Löw den Schalker Mark Uth zum Länderspiel in den Niederlanden berufen hat. Beim SC Heerenveen hat Uth vor vier Jahren 15 Tore in einer Saison geschossen, dazu fünf in der Europa League. Wahrscheinlich ist der Ruf von Mark Uth in der Ehrendivision besser als in Deutschland.

Als der "Null-Tore-Torjäger" ist der 27-Jährige verspottet worden, nachdem die Nominierung durch Löw in der Vorwoche bekannt wurde. Zehn Pflichtspiele für Schalke 04 hat Uth nach seinem Wechsel aus Hoffenheim bisher gemacht. Man ahnt, wie oft er dabei getroffen hat. Aber: Beim FC Schalke unter dem Defensivspezialisten Domenico Tedesco haben es Torjäger naturgemäß schwerer als anderswo.

"Er ist aufgrund seiner Leistungen aus den Vorjahren vollkommen zurecht bei der Nationalmannschaft", sagt Löw-Assistent Marcus Sorg, unbeeindruckt von den Zahlen.

Zeitweilig der erfolgreichste deutsche Stürmer

Tatsächlich gibt es Statistiken, die für die Nominierung von Mark Uth sprechen. In Hoffenheim hat Uth in 78 Spielen 29 Mal getroffen, zeitweilig war er der beste deutsche Stürmer der Liga. Einen Uth in der Form der Vorsaison (14 Treffer in 31 Ligapartien) kann die zuletzt schwache deutsche Offensive gut gebrauchen.

Dass Uth nun ausgerechnet gegen die Niederlande sein DFB-Debüt geben kann, hat bei seiner Vergangenheit natürlich eine besondere Note. Eine Vergangenheit, die nicht so bruchlos verlaufen ist, wie sich das ein ehrgeiziger Fußballprofi normalerweise wünscht. Aber die ihn mit nunmehr 27 dann doch zum Ziel geführt hat.

Uth war mal einer der meistversprechenden jungen Offensivkräfte des Landes. In der U19 hat er für den 1. FC Köln getroffen, wie er wollte. Erfolgreicher war nur ein Anderer: der damalige Leverkusener Pierre-Michel Lasogga. Beider Karrieren sind danach ein wenig unrund verlaufen. Lasogga hat die Aufs und Abs eines Stürmerlebens beim Hamburger SV kennengelernt. Uth zunächst beim 1. FC Köln, bei dem er mit großen Ambitionen unterschrieben hatte, um dann den Abstieg seines Heimatklubs von der Ersatzbank aus verfolgen zu müssen.

An Finnbogason nicht vorbeigekommen

Also Neustart im Nachbarland, aber auch beim SC Heerenveen hatte er es zunächst mit der ihm schon vertrauten Reservebank zu tun. Van Basten war sein Trainer, eine Sturmlegende, keiner weiß es besser, wie es geht, Tore zu schießen, doch als Trainer hat er weit weniger Gespür bewiesen. Uth hatte zudem den Isländer Alfred Finnbogason vor der Nase, der heutige Augsburger konnte in Uths erster Spielzeit beim SC machen, was er wollte: Er traf das Tor. Sagenhafte 39 Saisontreffer waren es am Ende, gegen eine solche Zahl kommt niemand an, erst recht nicht ein junger Deutscher in den Niederlanden, der bisher noch wenig Profierfahrung hatte.

Es musste wieder ein Umweg her, Uth wurde an Heracles Almelo ausgeliehen, der dortige Coach Jan de Jonge kannte ihn schon, weil er zuvor in Heerenveen den Nachwuchs betreut hatte. Dort stimmte es plötzlich zwischen Trainer und Spieler, Uth schoss seine Tore. Heerenveen holte ihn zurück, dann war er plötzlich auch für die Bundesliga wieder interessant.

Mark Uth im Video: Plötzlich ruft Löw an

Foto: AP

"Ich habe am Anfang oft Probleme gehabt, wenn ich irgendwo neu war", hat Uth in seiner Hoffenheimer Zeit in einem vereinseigenen Interview auf seine Karriere zurückgeschaut, letztlich hat er sich meistens durchgesetzt. Das sollte in Gelsenkirchen für etwas Beruhigung sorgen, das sollte die Erwartungshaltung für seine DFB-Premiere allerdings auch etwas dämpfen.

Uth ist Spätstarter. "Heute sind viele 17- und 18-Jährige schon Stammspieler in der Bundesliga. Ich habe aber mit 17, 18 Jahren noch auf Ascheplätzen gespielt", sagt er. In einem Business, das immer mehr auf jüngere Spieler setzt und in dem Erfolg am besten sofort eintreten muss, ist das nicht unbedingt förderlich.

Aber es kann auch Vorteile haben, sich Zeit zu lassen: So wird Uth im fortgeschrittenen Profialter der wohl 100. Debütant der Löw-Ära. Damit ist ihm sein Platz in der Statistik auch dann sicher, wenn es zunächst nichts werden sollte mit dem Stammplatz im Kader. Es könnte sich lohnen, Geduld mit ihm zu haben. Mark Uth hat bewiesen, dass er Zeit hat.

insgesamt 10 Beiträge
fridericus1 11.10.2018
1. Vielleicht sollte der Herr Uth ...
... mal ein paar Jahre bei einem Verein bleiben und nicht den Wanderpokal spielen. Das kann die Position in einer Mannschaft festigen und für dauerhafte Einsätze sorgen. Aber: so wie Schalke auch in dieser Saison wieder spielt , [...]
... mal ein paar Jahre bei einem Verein bleiben und nicht den Wanderpokal spielen. Das kann die Position in einer Mannschaft festigen und für dauerhafte Einsätze sorgen. Aber: so wie Schalke auch in dieser Saison wieder spielt , ist es kein Wunder, dass er bislang noch durch 0 Tore glänzt.
golfstrom1 11.10.2018
2. Uth
Dass ein Mann wie Mark Uth für die Nationalmannschaft nominiert wird, zeigt wie weit wir vor allem im Sturm von der Weltspitze entfernt sind. Es ist erstaunlich, dass der deutsche Fußball keine Vollblutstürmer von [...]
Dass ein Mann wie Mark Uth für die Nationalmannschaft nominiert wird, zeigt wie weit wir vor allem im Sturm von der Weltspitze entfernt sind. Es ist erstaunlich, dass der deutsche Fußball keine Vollblutstürmer von Weltklasseformat mehr hervorbringt. Spieler wie Seeler, Müller, Rummenigge, Völler, Klinsmann oder auch Klose standen für eine hohe Qualität im deutschen Sturm über Jahrzehnte. Der letzte Stürmer von internationaler Klasse war Mario Gomez, dem ich immer noch mehr Qualität zuspreche als Mark Uth. Uth ist ein guter aber doch durchschnittlicher Stürmer in der Bundesliga. Ich freue mich für ihn - er hat das große Glück in einer Zeit zu spielen, in der die Konkurrenz im Sturm überschaubar ist. Die nächsten 5 Jahre braucht sich Timo Werner keine großen Sorgen zu machen um seine Position vorn. Ihn sehe ich als einzigen deutschen Spieler im Sturm, der über das Talent verfügt ein international anerkannter Stürmer zu werden.
sloe 11.10.2018
3.
Macht natürlich Sinn, einen Spieler, der letztes Jahr formstark war, erst dieses Jahr zu nominieren. Da wäre wieder dieses Leistungsprinzip. Warum nominiert man nicht Kießling? War immerhin mal Torschützenkönig.
Macht natürlich Sinn, einen Spieler, der letztes Jahr formstark war, erst dieses Jahr zu nominieren. Da wäre wieder dieses Leistungsprinzip. Warum nominiert man nicht Kießling? War immerhin mal Torschützenkönig.
bayerns_bester 11.10.2018
4.
Und genau das ist das Problem. Werner lebt von seiner Schnelligkeit und ist für ein auf Ballbesitz auegelegtes Team eigentlich nicht der ideale Stürmertyp. Aber vielleicht überrascht uns ja der Bundesjogi und macht künftig [...]
Zitat von golfstrom1Dass ein Mann wie Mark Uth für die Nationalmannschaft nominiert wird, zeigt wie weit wir vor allem im Sturm von der Weltspitze entfernt sind. Es ist erstaunlich, dass der deutsche Fußball keine Vollblutstürmer von Weltklasseformat mehr hervorbringt. Spieler wie Seeler, Müller, Rummenigge, Völler, Klinsmann oder auch Klose standen für eine hohe Qualität im deutschen Sturm über Jahrzehnte. Der letzte Stürmer von internationaler Klasse war Mario Gomez, dem ich immer noch mehr Qualität zuspreche als Mark Uth. Uth ist ein guter aber doch durchschnittlicher Stürmer in der Bundesliga. Ich freue mich für ihn - er hat das große Glück in einer Zeit zu spielen, in der die Konkurrenz im Sturm überschaubar ist. Die nächsten 5 Jahre braucht sich Timo Werner keine großen Sorgen zu machen um seine Position vorn. Ihn sehe ich als einzigen deutschen Spieler im Sturm, der über das Talent verfügt ein international anerkannter Stürmer zu werden.
Und genau das ist das Problem. Werner lebt von seiner Schnelligkeit und ist für ein auf Ballbesitz auegelegtes Team eigentlich nicht der ideale Stürmertyp. Aber vielleicht überrascht uns ja der Bundesjogi und macht künftig den Klopp.
Mister Stone 11.10.2018
5.
Wi haben keine besseren Stürmer, deshalb ist die Nominierung ok. Im Übrigen haben wir auch keine Weltklassespieler mehr, außer Kroos. Ist aber alles ok, wir sind halt im Downstream. Das ist völlig normal. Es wird mehr als 5 [...]
Wi haben keine besseren Stürmer, deshalb ist die Nominierung ok. Im Übrigen haben wir auch keine Weltklassespieler mehr, außer Kroos. Ist aber alles ok, wir sind halt im Downstream. Das ist völlig normal. Es wird mehr als 5 Jahre dauern, wieder da rauszukommen. Gute Chancen für junge Amateurspieler!

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