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Sport

Spielabbruch in Saloniki

Bewaffneter Klub-Präsident stürmt den Platz

Das griechische Spitzenspiel zwischen Paok Saloniki und AEK Athen ist in der 89. Minute abgebrochen worden. Paok-Präsident Ivan Savvidis war aus Protest aufs Spielfeld gerannt - samt Waffe am Gürtel.

AFP

Paok-Präsident Ivan Savvidis (Mitte) mit Waffe am Gürtel

Montag, 12.03.2018   10:17 Uhr

Das Top-Spiel in Griechenland zwischen Pokalsieger Paok Saloniki und Spitzenreiter AEK Athen ist beim Stand von 0:0 in der 89. Minute abgebrochen worden. Der Schiedsrichter hatte kurz zuvor ein Tor von Paok wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben. Daraufhin stürmte der Besitzer und Präsident von Paok Saloniki, Iwan Savvidis, auf das Spielfeld und bedrohte Schiedsrichter und Gegner, wie das griechische Pay-TV (NOVA) zeigte. Das Staatsfernsehen (ERT) und mehrere Nachrichtenportale zeigten zudem Bilder des Klubchefs, der eine Pistole an seinem Gürtel trug, als er auf den Platz rannte.

Der Schiedsrichter und seine Assistenten flüchteten in die Kabinen. Mehr als zwei Stunden nach Abbruch des Spiels änderte der Referee nach Medienberichten seine Meinung und erklärte den Kapitänen der beiden Teams in den Kabinen, das Tor zähle doch.

AFP

Paok-Präsident Savvidis (Mitte)

Die Mannschaft von AEK weigerte sich daraufhin, für die restlichen zu spielenden Minuten der Nachspielzeit auf das Feld zurückzukehren. Der Fall muss nun von der griechischen Sportjustiz geklärt werden. AEK Athen führte bis zu diesem Spiel die Tabelle mit 54 Punkten und zwei Zählern Vorsprung auf Paok an.

Nicht der erste Zwischenfall

In der Toumba-Arena von Paok Saloniki war bereits die Partie gegen Olympiakos Piräus am 25. Februar von Gewalt überschattet: Damals war Gästetrainer Oscar Garcia kurz vor Spielbeginn von der Papierrolle einer Registrierkasse am Kopf getroffen worden. Der Werfer war ein Paok-Fan und wurde am nächsten Tag festgenommen. Das Spiel fand nicht statt und wurde mit 3:0 für Piräus gewertet.

REUTERS

Olympiakos-Trainer Oscar Garcia (kniend)

Im Anschluss hatten wütende Paok-Fans das TV-Studio des staatlichen Senders ERT 3 gestürmt. Der Moderator wurde gezwungen, fünf Minuten lang ein Protestschreiben zu verlesen. Darin stand unter anderem, die Strafe sei "der größte Sportskandal der Geschichte". Die Fans verließen das Fernsehstudio jedoch friedlich, niemand wurde festgenommen.

Erst am Sonntag hatte der griechische Fußballverband (EPO) die Strafe gegen Paok wieder reduziert. Die Berufungskommission machte den Abzug von drei Meisterschaftspunkten rückgängig, zudem wurde der Zuschauerausschluss für zwei Spiele annulliert. Die Geldstrafe in Höhe von 30.000 Euro bleibt aber bestehen.

mru/aar/sid/dpa

insgesamt 9 Beiträge
malaconciencia 12.03.2018
1. Die Fans verließen das Fernsehstudio jedoch friedlich?
Und? Ist das jetzt lobenswert oder was?
Und? Ist das jetzt lobenswert oder was?
der_rookie 12.03.2018
2. Hm
Gäbe es in der Bundesliga eigentlich eine Möglichkeit einem Verein die Lizenz zu entziehen/zu verweigern wegen charakterlicher Unfähigkeit der Vereinsführung?
Gäbe es in der Bundesliga eigentlich eine Möglichkeit einem Verein die Lizenz zu entziehen/zu verweigern wegen charakterlicher Unfähigkeit der Vereinsführung?
eunegin 12.03.2018
3. zwischen Balkan und der Türkei
Die ortsüblichen emotionalen Macho-Aufwallungen kann man eben in Deutschland kaum nachvollziehen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Griechenland zwischen dem Balkan und der Türkei liegt. Jeder, der in der Region schon einmal [...]
Die ortsüblichen emotionalen Macho-Aufwallungen kann man eben in Deutschland kaum nachvollziehen. Man sollte aber nicht vergessen, dass Griechenland zwischen dem Balkan und der Türkei liegt. Jeder, der in der Region schon einmal beruflich tätig war (nicht als Tourist...), berücksichtigt dies. Gilt eben auch für Fussball.
wokri 12.03.2018
4. Habe ich das richtig verstanden?
Da stürmt der Besitzer mit Waffe den Platz und die Schiedsrichter ändern darauf hin die Entscheidung? Hätten sie das auch getan wenn der Mann nicht den Platz gestürmt hätte? Wenn nicht empfehle ich jeden Präsident sich eine [...]
Da stürmt der Besitzer mit Waffe den Platz und die Schiedsrichter ändern darauf hin die Entscheidung? Hätten sie das auch getan wenn der Mann nicht den Platz gestürmt hätte? Wenn nicht empfehle ich jeden Präsident sich eine Waffe zu besorgen und einfach mal auf den Platz rennen um die Schiedsrichter einzuschüchtern! Verrücktes Griechenland!
Anna156464641156 12.03.2018
5. Fragen über Fragen...
Da rennt also der Besitzer von Paok mit Schusswaffe auf das Spielfeld und bedroht den Schiedsrichter weil der eine Abseitsentscheidung anders als es ihm passte entschied? Das klingt für mich nach einer Aktion bei der [...]
Da rennt also der Besitzer von Paok mit Schusswaffe auf das Spielfeld und bedroht den Schiedsrichter weil der eine Abseitsentscheidung anders als es ihm passte entschied? Das klingt für mich nach einer Aktion bei der Paok-Präsident seine Nase zu tief in weißen Pulver hatte und seine Fähigkeiten und die Tragweite der Aktion völlig falsch einschätzte. Es würde mich zumindest nicht wundern. Ist eigentlich das Fußballfeld rechtsfreier Raum? Kann ich vor den Augen von Polizisten in der Innenstadt von Athen bewaffnet irgendwelche Leute bedrohen? Wie kommt der mit einer Waffe in das Stadion? Besitzt er einen Waffenschein? Dürfen Waffen von Privatpersonen bei Massenveranstaltungen getragen werden? Und nach zwei Stunden entschied also der Schiedsrichter dann die Aktion anders zu bewerten. Haben Leute in der Zwischenzeit mit dem gesprochen? Oder wie kam der zu seiner Umdeutung? Hat er die TV Bilder gesehen und es war eine Fehlentscheidung und der Videobeweis hätte Klarheit geschaffen? Wie geht die Uefa damit um bzw. bewertet die Situation? Schließlich spielen die Teams in einer Liga, die zu internationalen Spielen zulassen. So viele offene Fragen...
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