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Sport

Hertha gegen München

In Berlin kannst du alles sein. Auch Bayern-Besieger

Kaum bekommt Deutschland den Zuschlag für die EM, wird gleich die Bundesliga spannend. Berlin feiert einen großen Fußballabend, und die Bayern spielten die WM noch einmal nach. Alles Wichtige zum Topspiel.

DPA
Von
Freitag, 28.09.2018   23:23 Uhr

Ausgangslage des Spiels: "Beim Fußballspiele Hertha-Bayern heleidileidiho, konnte keiner 'nen Sieger feiern heleidileidiho." Vor 42 Jahren habe ich vor dem Fernseher gesessen und dies gehört. Das Medium-Terzett, Sie wissen schon, der Lange und die zwei Dicken, besang bei "Dalli Dalli" die Partie des damals 4. Spieltages der Saison 1976/1977, 1:1, Tore: Uli Hoeneß und Detlev Szymanek. Und seitdem habe ich es als Ohrwurm jedes Mal unweigerlich im Kopf, wenn Hertha BSC gegen den FC Bayern spielt. Berlin, du kannst so hässlich sein. Andererseits: Vierter gegen Erster. Topspiel.

Ergebnis des Spiels: Von wegen: keinen Sieger feiern. Der Sieger heißt Hertha BSC. 2:0, Tore durch einen Foulelfmeter von Vedad Ibisevic und das fünfte Saisontor von Ondrej Duda. Zum Spielbericht geht es hier entlang.

Die erste Halbzeit: Hertha im Hauptstadtmodus. Hier bestimmen wir. Die Bayern fühlten sich von Beginn an in die Defensive gedrängt, die Erinnerung an den letzten Auftritt im Olympiastadion offenbar noch in den Knochen, als man das Pokalfinale verlor. In der 28. Minute wurde der Wilmersdorfer Jérôme Boateng von heimatlichen Gefühlen übermannt und schenkte der Hertha durch sein ungeschicktes Einsteigen, das an den Boateng von vor zehn Jahren erinnerte, einen Foulelfmeter. Ibisevic regelte das in gewohnter Manier. Dann kam Duda.

Szene des Spiels: Valentino Lazaro vernascht auf der echten Seite zwei Bayern, zieht in den Strafraum, legt zurück, und Ondrej Duda versenkt zum zweiten Tor. Manuel Neuer hebt hilflos und mehr pro froor seinen berühmten Reklamierarm, aber das ging auch für ihn alles zu schnell. Ein Tor, das Hertha-Geschäftsführer Paul Keuter in den nächsten Tagen zweifellos zu zahllosen Gifs und Gimmicks im Internet verarbeiten wird.

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Fotostrecke: Hahohe!

Die zweite Halbzeit: Die Nationalspieler des FC Bayern veranstalteten ein Deutschland-Südkorea-Gedächtnis-Anrennen. Ungefähr ähnlich temporeich wie bei der WM in Russland, in jedem Fall genauso erfolglos. Wenn selbst eine vierminütige Nachspielzeit in Berlin den FC Bayern nicht mehr rettet, hat der Meister sein erstes Problem in dieser Spielzeit.

Spieler des Spiels: Der 33-jährige Salomon Kalou hat gute Verbindungen zum FC Bayern. Vor sechs Jahren stand er in der Endspielformation des FC Chelsea, die sich in München wie auch immer den Champions-League-Sieg gegen die Bayern, soll man sagen, erspielte. Kalou ist ein bisschen älter geworden, aber vor allem noch ein bisschen cleverer. Wie er den Elfmeter gegen Boateng provozierte, war allerhöchste Stürmer-Schlitzohrigkeit.

Duell des Spiels: Der Tag in Berlin war vom Besuch des türkischen Staatspräsidenten geprägt. Die halbe Innenstadt gesperrt, die S-Bahn gestoppt, Staus über Staus. Aber Berlin hat schon so viel überstanden, dies auch. Am Ende hat die Hertha den FC Bayern geschlagen. Am Abend dann am Tresen, werden sie zum Libero sowieso und sowieso. Und Erdogan ist am Samstag wieder weg.

Zitat des Spiels: "In Berlin kannst du alles sein. Auch Herthaner." So ist die aktuelle Werbekampagne der Berliner. Ab sofort werden die T-Shirts gedruckt: In Berlin kannst du alles sein. Auch Bayern-Besieger.

Erkenntnis des Spiels: Berlin feiert sicherheitshalber jetzt schon das riesengroße Fest, das Philipp Lahm für 2024 versprochen hat. Als sei das nicht genug, hat Tennis Borussia ein paar Ligen weiter drunter zeitgleich auch noch den Torgelower SC Greif 2:0 besiegt. Der zweite Hertha-Werbeslogan heißt gleich schon mal wieder etwas großkotziger: Die Zukunft gehört Berlin. Jetzt auch ein bisschen die Gegenwart.

Hertha BSC - FC Bayern München 2:0 (2:0)
1:0 Ibisevic (28. Foulelfmeter)
2:0 Duda (44.)
Berlin: Kraft - Lazaro, Stark, Rekik, Mittelstädt - Skjelbred, Maier - Kalou (71. Leckie), Duda, Dilrosun (90.+2 Jastrzembski) - Ibisevic (53. Selke)
München: Neuer - Kimmich, Süle, Boateng, Alaba - Thiago - James (72. Wagner), Renato Sanches (63. Gnabry) - Robben (52. Müller), Ribéry - Lewandowski Schiedsrichter: Fritz
Gelbe Karten: Dilrosun, Duda, Ibisevic - Kimmich
Zuschauer: 75.000

insgesamt 32 Beiträge
Knosa 29.09.2018
1. Na endlich
Sorry, aber ich hoffe auf ein paar mehr verlorene Spiele des Fc Bayern in dieser Saison. Dann kommt vielleicht auch endlich mal wieder Spannung in der Bundesliga auf
Sorry, aber ich hoffe auf ein paar mehr verlorene Spiele des Fc Bayern in dieser Saison. Dann kommt vielleicht auch endlich mal wieder Spannung in der Bundesliga auf
eurusiii 29.09.2018
2. Seit 1974 Bayernfan
... aber heute hätten sie ewig auf das Hertha Tor anrennen können, sie hätten keins geschossen. Verdienter Sieg der Hertha, da leidenschaftlicher gekämpft. Punkt.
... aber heute hätten sie ewig auf das Hertha Tor anrennen können, sie hätten keins geschossen. Verdienter Sieg der Hertha, da leidenschaftlicher gekämpft. Punkt.
widower+2 29.09.2018
3. Schön!
Einfach schön! Zumindest am Anfang der Saison mal ein wenig Spannung und die leise Hoffnung, dass die Bayern nicht schon im März Meister sind. Darüber freut sich jeder Fußballfan mit Ausnahme einiger irregeleiteter [...]
Einfach schön! Zumindest am Anfang der Saison mal ein wenig Spannung und die leise Hoffnung, dass die Bayern nicht schon im März Meister sind. Darüber freut sich jeder Fußballfan mit Ausnahme einiger irregeleiteter Bayern-Kunden.:)
nahatschalah 29.09.2018
4.
Sollten die Bayern am Ende des Spieltags auf Platz 3 sein, haben wir die erste Bayern-Krise unter Kovac. Vor allem wenn sie dann noch gegen Gladbach zu Hause nicht gewinnen sollten. Erst wenn er diese Krise überwinden kann, zeigt [...]
Sollten die Bayern am Ende des Spieltags auf Platz 3 sein, haben wir die erste Bayern-Krise unter Kovac. Vor allem wenn sie dann noch gegen Gladbach zu Hause nicht gewinnen sollten. Erst wenn er diese Krise überwinden kann, zeigt er, dass er Bayern kann. Vorher nicht.
andreasm.bn 29.09.2018
5. schade, dass Hertha in der 2. HZ nicht...
noch mehr Druck gemacht hat und noch 2 Tore gegen völlig überforderte Bayern geschossen hat, dann wären sie Tabellenführer gewesen.... ;-)
noch mehr Druck gemacht hat und noch 2 Tore gegen völlig überforderte Bayern geschossen hat, dann wären sie Tabellenführer gewesen.... ;-)

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