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Sport

Iranerinnen im Fußballstadion

"Das ist ein Fall für die Justiz"

Am Dienstagabend waren erstmals seit 37 Jahren Frauen zu einem Fußballspiel ins Stadion gelassen worden. Am Tag danach meldete sich Irans Generalstaatsanwalt zu Wort: "Es ist eine Sünde."

ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Weibliche Fußballfans werden ins Stadion gelassen

Donnerstag, 18.10.2018   16:29 Uhr

Keine 24 Stunden waren seit dem historischen Moment im Asadi-Stadion in Teheran vergangen, da stellte die Generalstaatsanwaltschaft klar, wie weit der Weg zur Gleichberechtigung von weiblichen und männlichen Fußballfans in Iran noch ist.

Am Dienstagabend durften zum ersten Mal nach mehr als drei Jahrzehnten Frauen ein Länderspiel der iranischen Nationalmannschaft im Stadion verfolgen. Deutlich von den wenigen männlichen Fans separiert feierten sie diesen historischen Moment, bejubelten den zwischenzeitlichen Führungstreffer ihres Teams.

Die Anzahl war zwar auf rund 100 Frauen begrenzt, die Gruppe von den zuständigen Behörden selektiert worden - und doch schien es ein Erfolg im Kampf gegen das vom erzkonservativen Klerus des Landes verhängte Stadionverbot für Frauen, durch das die Iranerinnen "von der maskulinen Atmosphäre auf den Tribünen geschützt werden sollen", so die Begründung.

Wenige Stunden später meldete sich Mohammad Jafar Montazeri zu Wort. "Das ist ein Fall für die Justiz", sagte Irans Generalstaatsanwalt nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. "Wenn eine Frau in ein Stadion geht und dort athletische Männer halbbekleidet gegeneinander kämpfen, passiert Sünde."

"Es ist gegen das Recht der Islamischen Republik, wenn Sportfunktionäre einen Raum für Sünde in der Gesellschaft schaffen", heißt es weiter. Wenn diese Bewegung weitermache, werde die Justiz handeln.

sak

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