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Sport

Comeback von DFB-Angreifer

Sanés zweite Chance

Vor der WM wurde Leroy Sané überraschend aussortiert, jetzt zählt er zu den Hoffnungsträgern in der Nationalmannschaft. Dazu zählt auch die Imagekorrektur.

AFP

Leroy Sané

Von
Mittwoch, 10.10.2018   16:23 Uhr

Es gibt schönere Situationen als die, wenn über einen gesprochen wird, während man selbst dabei ist. Leroy Sané sei "mit Sicherheit nicht charakterschwach, da muss ich mal eine Lanze für ihn brechen", sagte Julian Draxler. Sané saß auf der Pressekonferenz direkt neben Draxler, er nahm die Ehrenerklärung seines Teamkollegen ohne großes Mienenspiel zur Kenntnis.

Der 22-Jährige und die Nationalmannschaft, das ist eine merkwürdige Zweierbeziehung. Seit 2015 gehört der Profi von Manchester City zum Dunstkreis der Löw-Elf, 13 Länderspiele sind seit dem Debüt herausgekommen. Man kann nicht behaupten, dass diese Partien bisher eine Erfolgsstory waren.

Der Tiefpunkt: Vor der WM ließ der Bundestrainer Sané überraschend zu Hause. Es hieß, dies habe nicht nur sportliche Gründe gehabt. Das konnte auch nur so sein: Sportlich hatte der ehemalige Schalker schließlich eine überaus beeindruckende Premier-League-Saison hinter sich gebracht, aus der er als bester junger Spieler hervorging. Dass Löw auf so ein Juwel verzichtet, haben viele nicht verstanden.

Foto: Getty Images

Sein Auftreten "bei uns war nicht immer so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt Löw-Assistent Marcus Sorg, "man darf aber auch nicht vergessen, dass er noch ein sehr, sehr junger Mensch ist". Überheblichkeit bei der Nationalmannschaft war ihm hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen worden, Sané habe sich auf dem Platz nicht an die Vorgaben des Trainers gehalten.

Im Team selbst habe er sich wenig darum gekümmert, seine Beliebtheitswerte zu erhöhen. Nach der Nichtnominierung hatte er in Teilen der Öffentlichkeit sein Etikett des verwöhnten Profi-Jüngelchens weg. Na klar, wer so ein Rückentattoo hat. Das Motiv: Leroy Sané beim Torjubel.

Sané auf Wiedergutmachungstour

Interviewwünsche von Journalisten hatte er bei der Nationalmannschaft regelmäßig abgeblockt, selbst die "Bild"-Zeitung, der der DFB ansonsten alle Türen öffnet, war bei ihm auf Granit gestoßen.

Dass er jetzt vor dem Länderspiel gegen die Niederlande in der Nations League am Samstag (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) vor der Presse sitzt, kann man zu den Wiedergutmachungsversuchen zählen, die Verband und Spieler nach der WM gelobten. Wobei Sané nicht allzu viel dazu zu sagen hat, warum es zwischen ihm und der Nationalmannschaft bisher nicht gefunkt hat.

"Ich arbeite daran, mich zu verbessern." Oder: "Ich hoffe, ich bekomme mehr Einsatzzeiten und kann mich zeigen." Und: "Mit offener Kritik habe ich gar kein Problem, sie motiviert mich sogar". Das ist es schon, was Sané an Einblicken gewährt.

Nations League

Sané passe nicht wirklich ins System Löw, wurde vor der WM als Hilfsargument für seine Nichtnominierung bemüht. Was verwundert: Ins System von Vereinscoach Pep Guardiola passt er bestens, und dass Guardiola und Löw in der Vergangenheit eine ähnliche Spielphilosophie verfolgt haben, ist auch kein großes Fußball-Geheimnis.

Löw selbst hat sich in seiner WM-Analyse, die er nach reiflicher Zeit des Schweigens vorgelegt hatte, genau wegen dieser Philosophie selbst gegeißelt, hatte von einer "fast arroganten" Haltung gesprochen, sein System der Spieldominanz mit allen Mitteln durchzusetzen. Es gehört zu den anekdotischen Fußnoten, dass Sané gerade jetzt einen Neuanfang im DFB-Team starten soll, wenn der Bundestrainer eine Abkehr vom Ballbesitz-System Guardiolas predigt.

Getty Images

Löw (links) und Sané

Als Sané zur Nationalmannschaft stieß, hieß es meist: Das ist ein Spielertyp, der Dinge auch mal anders macht, einer für den Überraschungseffekt und einer, der aus dem Korsett herausgeht. Interessanterweise wurde ihm vor der WM genau dies dann zum Vorwurf gemacht. Er sei nicht anpassungsfähig genug.

"Ich habe im Sommer natürlich darüber nachgedacht, warum es bei der Nationalelf bislang noch nicht so funktioniert hat", hat Sané gesagt, ohne näher über die Resultate dieses Denkprozesses Auskunft zu geben. Klar ist: Er und Leipzigs Timo Werner sind perfekte Konterspieler, also ideal für das von Löw propagierte System, in dem das Team schneller umschalten soll.

Und: Sie sind auch zielstrebig. Das Toreschießen gehörte zuletzt nicht mehr zur Kernkompetenz der Mannschaft. "Niemand kann bestreiten, dass wir bis zur WM einen sehr guten, erfrischenden Fußball mit vielen Toren gespielt haben", sagt Sorg. Ihn ärgere allerdings "die Selbstverständlichkeit, mit der angenommen wird, dass wir jedes Spiel 5:0, 6:0 gewinnen". Diese Sorge kann dem Co-Trainer genommen werden. Nach den Leistungen dieses Jahres, in dem die Elf in keiner Partie mehr als zwei Treffer erzielte, hält das keiner für selbstverständlich.

Draxler sagt, die deutsche Offensive habe zuletzt "zu langsam, zu behäbig agiert". Sané gehört zu denen, die diesen Zustand auflösen sollen. Zu langsam, das jedenfalls kann ihm niemand vorwerfen. Leroy Sané sagt: "Ich werde alles dafür tun, damit Jogi Löw beim nächsten Mal keine Möglichkeit mehr hat, mich nicht zu nominieren." Länderspieltore wären dafür schon mal ein ganz gutes Mittel.

insgesamt 17 Beiträge
nn280 10.10.2018
1. Nur wegen Löw,
liebe niederländische Nachbarn, gewinnt dieses Spiel, egal, wie immer! Nur für Löw!
liebe niederländische Nachbarn, gewinnt dieses Spiel, egal, wie immer! Nur für Löw!
pr8kerl 10.10.2018
2. Wurde auch Zeit...
... dass das behäbige Spiel der Senioren ein Ende findet. Und auch mein Lieblingsspieler Thomas Müller ist in die Jahre gekommen und gehört ersetzt. Timo Werner und Leroy Sane haben ihre Arroganzlektion jetzt hoffentlich [...]
... dass das behäbige Spiel der Senioren ein Ende findet. Und auch mein Lieblingsspieler Thomas Müller ist in die Jahre gekommen und gehört ersetzt. Timo Werner und Leroy Sane haben ihre Arroganzlektion jetzt hoffentlich gelernt und sorgen für das dringend nötige Tempo. Auch im Mittelfeld braucht die DFB-Elf eine Blutauffrischung. Und die Abwehrschleicher Hummels und Boateng sind auch fällig. Schade, dass Jogi Löw das nicht früher erkannt hat und auf seine WM-Helden gesetzt hat. Mit dem Krönchen auf dem Kopf konnten sie ja nicht schneller umschalten.
schorri 10.10.2018
3. Löws zweite Chance
Das ist nicht Sanes zweite Chance. Das ist Löws zweite Chance. Nachdem Löw das Top-Talente nach dem Gemoser von Kroos ausgebootet hatte und (zusammen mit anderen Fehlentscheidungen) damit die WM verdattelt, hat er nun die [...]
Das ist nicht Sanes zweite Chance. Das ist Löws zweite Chance. Nachdem Löw das Top-Talente nach dem Gemoser von Kroos ausgebootet hatte und (zusammen mit anderen Fehlentscheidungen) damit die WM verdattelt, hat er nun die zweite Chance. Deutschland hat seit Jahren die besten Fußballer seiner Geschichte. Un dLöw bekommt sied auf den Platz gestellt. Was herauskommt ist bitter. Sehr bitter.
ulrich.schlagwein 10.10.2018
4. Fcb
Als Spieler vom FCB waere L. Sane mittlerweile wohl der neueste Rekord Nachwuchsspieler. Stattdessen fummelt Herr Loew, mit hochverdienten, aber leider nicht mehr zeitgemaessen, Spielern. Von wegen... wir arbeiten aus einer [...]
Als Spieler vom FCB waere L. Sane mittlerweile wohl der neueste Rekord Nachwuchsspieler. Stattdessen fummelt Herr Loew, mit hochverdienten, aber leider nicht mehr zeitgemaessen, Spielern. Von wegen... wir arbeiten aus einer verstaerkten Abwehr... Man kann es jetzt schon hoeren.
torflut 10.10.2018
5. Nicht begeistert
Ich war von San? in der N11 bislang auch nicht begeistert. Unter Löw kann er mir nun aber doch nur Leid tun. ER soll nun dafür stehen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ich Frage mich: Wie viele Spieler haben eigentlich noch [...]
Ich war von San? in der N11 bislang auch nicht begeistert. Unter Löw kann er mir nun aber doch nur Leid tun. ER soll nun dafür stehen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ich Frage mich: Wie viele Spieler haben eigentlich noch hundertprozentiges Vertrauen zu Löw?

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