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Manchester United

Die Zutaten für den Zusammenbruch

Manchester Uniteds Trainer José Mourinho meckert zum Saisonstart über alles und jeden. Mit der Klubführung soll es Unstimmigkeiten bei der Transferpolitik geben. Wird er seine dritte Spielzeit in England überstehen?

REUTERS

United-Coach José Mourinho

Aus Manchester berichtet
Freitag, 10.08.2018   14:54 Uhr

Jetzt muss sich das stolze Manchester United, der englische Rekordmeister, auch noch verspotten lassen.

Der Klub hat verzweifelt nach einem neuen Innenverteidiger gesucht zum Ende der Transferperiode, die in England schon am Donnerstag zu Ende gegangen ist. Neben Jérôme Boateng vom FC Bayern, Yerry Mina aus Barcelona und Toby Alderweireld von Tottenham Hotspur galt auch Englands WM-Fahrer Harry Maguire von Leicester City als Kandidat. Und für einen kurzen Augenblick klang es so, als würde der Wechsel tatsächlich zustande kommen, kurz vor Transferfensterschluss.

Donnerstagnachmittag, Pressekonferenz in Leicester. "Ich kann bestätigen, dass er nach Manchester geht", sagte Trainer Claude Puel über Maguire. Die Reporter hielten den Atem an, ehe Puel die Situation auflöste: "Aber nur für ein paar Stunden." Denn Leicester ist an diesem Freitag (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zur Eröffnung der neuen Saison der Premier League zu Gast im Old Trafford.

Gelächter im Raum über Puels Scherz. Gelächter auf Kosten von Manchester United.

Der Klub hat am letzten Tag des Spielerhandels keinen Innenverteidiger mehr gefunden, und auch sonst ist die Stimmung zum Start der Kampagne bemerkenswert schlecht beim amtierenden Vizemeister.

Mourinho ist mit allem unzufrieden

Das liegt an Trainer José Mourinho, der nicht den Eindruck vermittelt, als hätte er auch nur im Ansatz Freude an seinem Job. Er hat sich in den vergangenen Wochen über alles und jeden beschwert, ist mit allem und jedem auf Konfrontation gegangen. Nicht nur mit den Medien, was nichts Neues gewesen wäre, sondern auch mit seinen Spielern und seinen Vorgesetzten.

Mit der Vorbereitung auf die Saison war er unzufrieden, weil ihm nur das Gerippe seiner Mannschaft zur Verfügung gestanden hatte, wegen des Urlaubs seiner WM-Teilnehmer.

Die Nachwuchsspieler, mit denen der Kader aufgefüllt worden war, machte er öffentlich schlecht.

Angreifer Anthony Martial kritisierte er dafür, sich nach der Geburt seines Sohnes zu viel Zeit für die Familie genommen zu haben.

Kapitän Antonio Valencia ging er an, weil dieser in schlechter Verfassung aus dem Urlaub zurückgekehrt sein soll.

Foto: Performgroup

Über die USA-Reise, die der Verein aus PR-Gründen für wichtig erachtet, sagte er, dass er anstelle der Fans kein Geld für eine Eintrittskarte ausgegeben hätte.

Uniteds Vizepräsident Ed Woodward kritisierte er dafür, bei der Verpflichtung neuer Spieler nicht Mourinhos Wünschen nachzukommen.

Wie es aussieht, bestehen genau in diesem Punkt Differenzen zwischen dem Trainer und seinem Klub. Mourinho ist dafür bekannt, eher kurzfristig zu denken, wenn es um die Akquise neuer Kadermitglieder geht. Der Verein dagegen plant langfristig. Nach übereinstimmenden Berichten in England hat Woodward mehreren Wünschen von Mourinho eine Absage erteilt, weil die Spieler, die er im Sinn hatte, entweder zu alt, verletzungsanfällig, zu teuer oder nicht besser als das schon vorhandene Personal gewesen sein sollen.

Nur eine echte Neuverpflichtung im Sommer

United geht deshalb mit nur einer Neuverpflichtung in die Saison, die dem Klub sofort weiterhilft, nämlich mit dem Brasilianer Fred, der für angeblich 52 Millionen Euro von Schachtjor Donezk übernommen wurde. Der 19 Jahre junge Rechtsverteidiger Diogo Dalot aus Porto ist ein Mann für die Zukunft, dazu kam ein dritter Torwart.

Getty Images

United-Zugang Fred

Mourinhos Klagen über zu wenige Transfers sind einerseits nachvollziehbar, wenn man dazu im Vergleich sieht, dass der FC Liverpool knapp 180 Millionen Euro investiert haben soll, um den Kader an neuralgischen Punkten zu verstärken, und deshalb als erster Verfolger von Titelverteidiger Manchester City gehandelt wird.

Andererseits hat Mourinho immer noch einen überaus konkurrenzfähigen Kader zur Verfügung mit Hochklassespielern wie David De Gea im Tor, Paul Pogba und Nemanja Matic im Mittelfeld und Marcus Rashford, Alexis Sánchez und Romelu Lukaku in der Offensive. Entscheidend ist eben, was der Trainer aus seinen Ressourcen macht. Und nach allgemeinem Empfinden ist das deutlich zu wenig.

Ergebnisfußball ohne Ergebnisse

Fans und Fachleute beklagen, dass Mourinho drögen Ergebnisfußball spielen lässt, der allerdings keine Ergebnisse bringt. Der zweite Platz in der abgelaufenen Saison, immerhin das beste Resultat für United seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson vor fünf Jahren, wurde dadurch abgewertet, dass der Rückstand auf Meister City 19 Punkte betrug, die Mannschaft in der Champions League schon im Achtelfinale scheiterte und auch das Finale des FA-Cups verlor. Damit die neue Saison ein Erfolg wird, muss United ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen und am besten einen Titel holen in einem der anderen Wettbewerbe.

Die Aussichten darauf sind schwer einzuschätzen. Wegen der schlechten Stimmung, die Trainer Mourinho verbreitet - und auch aufgrund einer verstörenden Gesetzmäßigkeit in seiner Karriere. Denn beim FC Chelsea (zweimal) und bei Real Madrid war es jeweils so, dass in Mourinhos dritter Saison der Zusammenbruch kam oder zumindest eingeleitet wurde. Auch zum Start in seine dritte Spielzeit in Manchester sind alle Zutaten für eine solche Implosion vorhanden.

Bei vielen Buchmachern ist United Favorit. Nicht auf die Meisterschaft - sondern auf den ersten Trainerwechsel der Saison.

insgesamt 9 Beiträge
thequickeningishappening 10.08.2018
1. Meine Meinung
Der Mann hat natürlich Ahnung von Fußball. Aber Er sieht halt gut aus und ist viel (manchmal zu viel) mit seinem (Macho) Ego beschäftigt.
Der Mann hat natürlich Ahnung von Fußball. Aber Er sieht halt gut aus und ist viel (manchmal zu viel) mit seinem (Macho) Ego beschäftigt.
hamburger.jung 10.08.2018
2.
Er WILL entlassen werden und ordentlich abzocken. Chelsea und Real haben ihm den Gefallen leider schon mal getan, so dass charakterloses Vethalten auch noch zu einem Millionen-Vermögen führt. Mit Abstand für mich der größte [...]
Er WILL entlassen werden und ordentlich abzocken. Chelsea und Real haben ihm den Gefallen leider schon mal getan, so dass charakterloses Vethalten auch noch zu einem Millionen-Vermögen führt. Mit Abstand für mich der größte Unsympath auf einem Trainerstuhl dieses Planeten.
skeptikerjörg 10.08.2018
3. Anti Typ
Dass Mourinho einen absolut unattraktiven Fußball spielen lässt, ist hinreichend bekannt. Solange er damit Erfolge erzielte, wurde es ihm verziehen. Aber der letzte ist lange her. Dass er selbst seit 2016 bei ManU rund 400 [...]
Dass Mourinho einen absolut unattraktiven Fußball spielen lässt, ist hinreichend bekannt. Solange er damit Erfolge erzielte, wurde es ihm verziehen. Aber der letzte ist lange her. Dass er selbst seit 2016 bei ManU rund 400 Millionen für neue Spieler ausgegeben hat und nun gegen die Transfers anderer giftet, macht es ziemlich lächerlich. Dass es nun eine Fan-Initiative in Manchester gibt, die die 12 Millionen Abfindung, die ein Rausschmiss kosten würde, sammeln will, oder zumindest einen Teil davon, ist ziemlich einmalig. Es zeigt aber, wie sehr man von ihm und seinen Launen die Schnauze voll hat. Vom 'special one' zum 'lonely one'. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass er nochmal bei einem großen Verein unterkommt. Und ManU steht vor einer schwierigen Saison, trotz der Qualität, die im Kader vorhanden ist.
learner78 10.08.2018
4. Mal in den Spiegel schauen...
Dieser Mann wird immer benachteiligt. Hat immer die schlechtesten Spieler (nach denen sich andere Vereine die Finger lecken würden). Immer das falsche Umfeld. Einfach mal an die eigene Nase fassen. So ein Unsympath meint dass [...]
Dieser Mann wird immer benachteiligt. Hat immer die schlechtesten Spieler (nach denen sich andere Vereine die Finger lecken würden). Immer das falsche Umfeld. Einfach mal an die eigene Nase fassen. So ein Unsympath meint dass sich die Welt nur um ihn dreht. Die bisher gewonnenen Titel sind den Spielern zuzurechnen und nicht diesem Trainer. Aber Hauptsache Millionen verdienen und meckern. Meiner Meinung nach ein Typ fürs Abstellgleis. Vielleicht kommt er dann mal wieder auf den Boden zurück.
siryanow 10.08.2018
5. ole' Jose'
Tja , ich glaub es wird Zeit fuer "the special ass" die Koffer gegen China zu packen.
Tja , ich glaub es wird Zeit fuer "the special ass" die Koffer gegen China zu packen.

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