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Sport

Niederlande-Star Depay

Der Rolls Royce nimmt wieder Fahrt auf

Vor dem Nations-League-Rückspiel von Deutschland gegen die Niederlande richten sich beim Gegner alle Augen auf Memphis Depay. Der Stürmer ist nach Jahren auf Irrwegen wieder in Bestform.

AFP

Memphis Depay

Aus Gelsenkirchen berichtet
Sonntag, 18.11.2018   14:47 Uhr

Möglicherweise nimmt Ryan Babel seinen jüngeren Sturmkollegen in der niederländischen Nationalmannschaft, Memphis Depay, ab und zu an die Seite und sagt ihm: "Du, ich habe das alles schon erlebt, von mir kannst du einiges lernen." Babel ist jetzt fast 32 Jahre alt, als er 21 Jahre jung war, galt er als die größte Sturmhoffnung von Oranje. Er wechselte aus der Ehrendivision nach England zum FC Liverpool, die Fußballwelt schien ihm offenzustehen.

Danach ging es fast nur noch bergab.

Babel wurde in der Premier League nicht glücklich, er wurde vielmehr zum Wandervogel: Hoffenheim, Kasimpasa Istanbul, zwei Jahre in den Golfstaaten, Deportivo La Coruna, jetzt wieder Istanbul, diesmal Besiktas. In der Nationalmannschaft machte Babel zwischen der WM 2010 und seinem überraschenden Comeback 2017 ganze drei Länderspiele. Babels Laufbahn war eine Achterbahn. Die von seinem Sturmpartner Depay hat sich noch nicht entschieden, welche Loopings und Wendungen sie nehmen will. Aber es könnte nicht schaden, wenn der 24-Jährige aus Babels Beispiel seine Schlüsse zieht.

Als Memphis Depay 21 Jahre jung war, galt er als die größte Sturmhoffnung von Oranje. Er wechselte aus der Ehrendivision nach England zu Manchester United, die Fußballwelt schien ihm offenzustehen.

Danach ging es erst einmal nur bergab.

Dabei hatte Depay alle Vorteile auf seiner Seite. Damaliger United-Coach war sein Landsmann Louis van Gaal, jener Trainer, der ihn 2013 als Bondscoach in die Elftal berufen hatte, der ihn zur WM 2014 nach Brasilien mitgenommen hatte, der also ganz genau wusste, welches Talent dieser junge Kerl von PSV Eindhoven mitbringt.

Mit dem Hang zur Extratour

Aber Depay brachte auch etwas anderes mit: seinen Hang zur Extratour. Seine Tattoos am ganzen Körper, seine Liebe zu schnittigen Autos, die Yellow Press hatte immer etwas über ihn zu schreiben. Was den Boulevardjournalisten gefiel, war dem Zuchtmeister van Gaal allerdings zuwider. Er ließ Depay mehr und mehr in der Reserve schmoren, am Ende waren es mehr Einsätze im zweiten United-Team als bei der A-Elf.

AP

Memphis Depay (l.) und Joshua Kimmich

Sein damaliger Teamkollege Wayne Rooney, in Manchester zu jener Zeit schon eine Art Herbergsvater, fühlte sich aufgerufen, dem jungen Mitspieler ins Gewissen zu reden. Er riet ihm, so erzählte Rooney später der "Times", sich ein bisschen bodenständiger zu geben, das komme bei den Leuten besser an. Zum nächsten Spiel erschien Depay im Rolls Royce, mit Lederjacke und Cowboyhut. Da wusste Rooney auch nicht mehr zu helfen.

Auch unter van Gaals Nachfolger José Mourinho verbesserte sich Depays Standing nicht. Im Gegenteil: In der gesamten Hinrunde 2016/2017 kam er auf 20 Einsatzminuten. Der ehemalige Torschützenkönig aus der Ehrendivision, der Hoffnungsträger der Niederlande, er schien schon am Ende zu sein.

In der Ligue 1 wieder aufgeblüht

In solchen Fällen hilft eigentlich nur die Flucht. Für Depay war es der Transfer zu Olympique Lyon in die Ligue 1. Eine Nummer kleiner als die Premier League, für Depay genau das Richtige. In seiner ersten Spielzeit kam er gleich auf 19 Treffer, mehr schaffte auch Neymar bei Paris Saint-Germain nicht.

In dieser Saison sind auch schon wieder fünf Tore hinzugekommen. In der Nationalmannschaft ist er bei Trainer Ronald Koeman gesetzt, gegen Deutschland im Oktober in Amsterdam lieferte er eine starke Leistung ab, am Freitag beim 2:0 über Weltmeister Frankreich setzte er noch einen drauf. Er wurde zum Man of the Match gewählt, das 2:0 erzielte er kurz vor dem Schlusspfiff mit einem Elfmeter-Lupfer der Marke Panenka. Spieler, die einen Strafstoß so verwandeln, sind entweder selbstbewusst oder überheblich. Bei Depay kommt eben beides vor.

REUTERS

Memphis Depay beim Elfmeter gegen Frankreich

Erst im Oktober beklagte er sich über mangelnden Respekt in Lyon. Es heißt, Trainer Bruno Genesio habe seinen Spieler danach vor versammelter Mannschaft zusammengefaltet, angeblich mit dieser Ansprache: "Ich möchte mich bei Memphis entschuldigen. Ich entschuldige mich für jedes Mal, wenn du zu spät zum Training gekommen bist. Ich entschuldige mich dafür, dass du die Schuhe deines Sponsors trägst anstatt der Schuhe des Klubs, obwohl das bekanntermaßen verboten ist. Ich entschuldige mich für dein unangemessenes Aufwärmen und für deinen Mangel an Einstellung." Zwei Wochen später entschied Depay in der Liga die Partie in Guingamp fast im Alleingang.

Nach seinem Gala-Auftritt gegen Frankreich und vor dem Rückspiel gegen die DFB-Elf am Montag (20.45 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) überschlagen sich die United-Fans in den Onlineforen mit Rückkehrfantasien. Schließlich hat Lyon zwar 16 Millionen Euro Ablöse für den Niederländer bezahlt, Mourinho beharrte aber auf einer Rückkaufoption, die in den Vertrag hineingeschrieben wurde.

Möglicherweise wird im zweiten Versuch doch noch wahr, was Depays Stürmervorgänger Arjen Robben schon vor drei Jahren prophezeite: "Memphis kann mit United einer der besten Spieler der Welt werden." Manchmal braucht es Umwege in Richtung Ziel. Ryan Babel könnte ihm davon mehr erzählen.

insgesamt 3 Beiträge
meresi 18.11.2018
1. van Gaal
hat ihn ruiniert. Es gibt Spieler die brauchen ihre Extravaganzen sonst funktionieren sie nicht. England ist obendrein für viele Spieler ein schechtes Pflaster. Beispiele gibt es genug dafür. Er scheint die Kurve zu kriegen. Am [...]
hat ihn ruiniert. Es gibt Spieler die brauchen ihre Extravaganzen sonst funktionieren sie nicht. England ist obendrein für viele Spieler ein schechtes Pflaster. Beispiele gibt es genug dafür. Er scheint die Kurve zu kriegen. Am Montag noch die Deutschen weghauen, dann passt es schon...off topic: die Dusel Engländer, unglaublich, Kroatien ohne Glück, aber sehr stark gespielt...alle Achtung, so ein kleines Land da sollte sich manch Nationaltrainer, zb Österreich ne Scheibe abschneiden. Vor allem, wie man nach vorne spielt. Aber gut, die Österreicher waren schon immer Angsthasen.
dernameistprogramm 18.11.2018
2. Schon er alleine wird die MANNSCHAFT in die Pampa schicken
um einmal und ausnahmsweise Fassbender zu bemühen. FReue mich totaaaal auf das Spiel. Es ist eigentlich alles nur eine Frage der Höhe. Mein Tipp - in Anspielung an den Austragungsort - 0:4, auch wenn ich dem eingetragenen Verein [...]
um einmal und ausnahmsweise Fassbender zu bemühen. FReue mich totaaaal auf das Spiel. Es ist eigentlich alles nur eine Frage der Höhe. Mein Tipp - in Anspielung an den Austragungsort - 0:4, auch wenn ich dem eingetragenen Verein (sic!) durchaus ein Tor zutraue. Ok, dann wird's halt ein 1:5. endlosfreu;)
meresi 18.11.2018
3. Die Leichtigkeit des Seins
wird es aber nicht spielen. Deutschlands Spieler sind sauer. Die wollen gewinnen um sich zu rehabilitieren und werden alles geben, naja, obs reichen wird ist ne andere Frage.
wird es aber nicht spielen. Deutschlands Spieler sind sauer. Die wollen gewinnen um sich zu rehabilitieren und werden alles geben, naja, obs reichen wird ist ne andere Frage.

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