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Sport

DFB-Besieger Niederlande

Holland hüpft wieder

Der Sieg über den alten Rivalen Deutschland - für die Niederlande bedeutet er mehr als Prestige. Er lässt hoffen, dass mit der Elftal wieder zu rechnen ist.

KOEN VAN WEEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Georginio Wijnaldum (l.) und Memphis Depay

Aus Amsterdam berichtet
Sonntag, 14.10.2018   16:46 Uhr

Die Hymne der Niederlande hat man bei vergangenen Fußballturnieren eher selten gehört. Dabei stimmt bei ihr so ziemlich alles: Melodie, Rhythmus - vor allem dann, wenn sie von 50.000 Menschen in der Arena von Amsterdam mitgesungen wird.

So schmerzlich dieser Abend für die deutsche Mannschaft auch war, hat er zumindest vor Augen geführt, wie sehr diese Niederländer den Turnieren 2016 und 2018 gefehlt haben: die vollkommen orange gefluteten Innenstädte, die Blaskapelle, die Gesänge - und eben "Het Wilhelmus", die Hymne.

DPA

Oranje-Jubel

Es gibt berechtigte Hoffnung, dass bei künftigen Fußball-Großveranstaltungen wieder mehr Oranje zu sehen sein wird. Der 3:0-Erfolg über die Elf von Joachim Löw offenbarte einiges, das den leidgeprüften niederländischen Fans Hoffnung machen dürfte.

Mit dem 1:0 das Kommando übernommen

Zwar ließ sich die Mannschaft in der ersten halben Stunde vom forschen Beginn des DFB-Teams beeindrucken. Da sah das Spiel der Elftal noch reichlich unorganisiert aus. Doch mit der 1:0-Führung änderte sich dies fast schlagartig. In das Spiel der Elf von Bondscoach Ronald Koeman kam Struktur, die Angreifer Ryan Babel und Memphis Depay lauerten auf ihre Chance, die Verteidigung, ohnehin das Prunkstück mit Virgil van Dijk und Matthijs de Ligt in der Zentrale, legte ihre Anfangsnervosität ab.

"Wir haben mit zunehmender Spielzeit immer mehr Balance gefunden", sagte Koeman. Der 55-jährige ehemalige Weltklasse-Verteidiger hat etwas, das man seinem deutschen Kollegen Löw derzeit ein wenig mehr wünschen würde: Mut. Auch Mut zum Risiko.

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DFB-Pleite gegen die Niederlande: Abstiegskampf!

Gegen die DFB-Auswahl hatte Koeman vier Debütanten nominiert, schon in den Partien zuvor hat er Spielern Chancen gegeben, die wenig oder gar keine Länderspielerfahrung hatten. Gegen Deutschland feierten Außenverteidiger Denzel Dumfries und Angreifer Steven Bergwijn vom PSV Eindhoven ihre Premiere, beide gleich in der Startelf. Später kam mit Arnaut Groeneveld ein dritter Neuling zum Einsatz.

Ajax-Juwel Frenkie de Jong debütierte ebenfalls unter Koeman, de Jongs Nebenmann im Mittelfeld Marten de Roon bestritt am Samstag erst sein sechstes Länderspiel. Der Umbruch war notwendig, er war sogar dringend notwendig, dennoch muss man ihn auch erst einmal vollziehen. Koeman hat das getan.

"Wir müssen noch viel tun"

Der Coach, seit Februar im Amt, sagte: "Wir müssen noch viel tun. Manche Spieler von uns sind jetzt das erste Mal in der Champions League. Die Deutschen haben da viel mehr Erfahrung." Mit Ajax Amsterdam und dem PSV Eindhoven hat die Ehrendivision erstmals seit Jahren wieder zwei Mannschaften in der Gruppenphase der Königsklasse. Auch das ist ein Indiz dafür, dass es mit dem niederländischen Fußball wieder aufwärtsgeht.

Koeman hat sie erlebt, die großen Zeiten von Oranje, er ist 1988 Europameister geworden, er hat auch das aus niederländischer Sicht bittere Achtelfinale zwei Jahre später bei der WM in Italien mitgemacht. In den Niederlanden liebt man die Helden von einst noch immer. Ruud Gullit, Marco van Basten, Frank Rijkaard, Patrick Kluivert, Clarence Seedorf - sie alle haben sich als Trainer versucht, konnten aber nicht an ihre großen Leistungen als Spieler anknüpfen.

AP

Mut zum Risiko: Ronald Koeman

Auch Koeman hat schon üble Trainertage erlebt. Bei AZ Alkmaar war schon nach drei Monaten Schluss, beim FC Everton blieb der Erfolg ebenfalls aus. Der Job als Bondscoach ist ein anderer als der im Verein, es scheint die bessere Variante für Koeman zu sein.

Als Spieler war er impulsiv, puterrot der Kopf vor Erregung, manchmal über die Grenze des Statthaften hinausgehend. Das DFB-Trikot von Olaf Thon kann das bestätigen. Man kann das heutzutage kaum glauben, Koeman wirkt wie die Ruhe selbst, das soll der Feuerkopf von einst sein?

"Hup Holland Hup", singen die Oranje-Fans auf der Tribüne. Sie haben recht: Holland hüpft wieder.

insgesamt 14 Beiträge
hileute 14.10.2018
1. Nur weil man gegen wine unterirdisch schlechte Mannschaft gewonnen hat
heißt das doch lange nicht das sie wieder konkurrenzfähig sind. Das zeigt sich erst wenn sie gegen eine wirklich gute Mannschaft spielen
heißt das doch lange nicht das sie wieder konkurrenzfähig sind. Das zeigt sich erst wenn sie gegen eine wirklich gute Mannschaft spielen
pjotrmorgen 14.10.2018
2. Bei allem Respekt
Die Niederlande waren gestern nur eine mittelmäßige Kopie von Belgien. Individuell ragte keiner der auch vom SPIEGEL Hochgelobten heraus - außer Torwart Cillessen, der wirklich exzellent hielt. Übrigens ist dieser beim FC [...]
Die Niederlande waren gestern nur eine mittelmäßige Kopie von Belgien. Individuell ragte keiner der auch vom SPIEGEL Hochgelobten heraus - außer Torwart Cillessen, der wirklich exzellent hielt. Übrigens ist dieser beim FC Barcelona nur Ersatz für ter Stegen, der bei der NM Ersatz für Kapitän Neuer ist. Die Abwehr war eigentlich genauso anfällig wie die Deutsche, das Mittelfeld konnte selbst bei längerem Ballbesitz keinen Druck aufbauen und mehrere Konter waren eher schlecht gespielt. Alle drei Tore wurden durch krasse individuelle Fehler der Deutschen eingeleitet. Natürlich steht das Team am Beginn des Neuaufbaus, sodass man in Zukunft durchaus Größeres von Oranje erwarten kann. Es wird wohl einige Jahre dauern, aber der erste Schritt ist gemacht, zeigt nun positive Resultate. Dazu kann man den Niederländern nur gratulieren.
Regimekritisch 14.10.2018
3. Spitzenteam
mit Potential. Hoffentlich bleiben die so gut? In der Nachwuchsarbeit waren die Niederländer ja immer vorbildlich. Um die DFB Elf ist es nicht schade. Löw sollte aufhören
mit Potential. Hoffentlich bleiben die so gut? In der Nachwuchsarbeit waren die Niederländer ja immer vorbildlich. Um die DFB Elf ist es nicht schade. Löw sollte aufhören
joppop 14.10.2018
4. Was zu tun
Vorallem abwehr chef, De lIgt (18 jahr) ist ein super spieler . Und dan sind noch 6 andere ,ua v Beek, Rosario,Dumfries die sehr hoffnungsvoll sind Die schreckliche caoches Blind und Grimm sind endlich weg Genau so wie KNVB [...]
Vorallem abwehr chef, De lIgt (18 jahr) ist ein super spieler . Und dan sind noch 6 andere ,ua v Beek, Rosario,Dumfries die sehr hoffnungsvoll sind Die schreckliche caoches Blind und Grimm sind endlich weg Genau so wie KNVB chef van Breukelen und Oostveen , die einige jahren total versagt haben. Also DFB raumt mahl auf Gruss aus Nederlande Hup Holland
stoffi 14.10.2018
5.
Für mich sah das aus, als spielten da zwei Teams der zweiten BL. Not gegen Elend. Klar, das sich der Sieger freut, aber bei guter Leistung, wäre die Löw Elf untergegangen. Orange spielt nicht besser als wir.
Zitat von hileuteheißt das doch lange nicht das sie wieder konkurrenzfähig sind. Das zeigt sich erst wenn sie gegen eine wirklich gute Mannschaft spielen
Für mich sah das aus, als spielten da zwei Teams der zweiten BL. Not gegen Elend. Klar, das sich der Sieger freut, aber bei guter Leistung, wäre die Löw Elf untergegangen. Orange spielt nicht besser als wir.

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