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Sport

Frankfurt und der Kovac-Wechsel

Disharmonie in moll

Frankfurt hat das direkte Duell um Platz vier gegen Leverkusen verloren. Viel mehr belastet aber der Wechsel von Niko Kovac zu den Bayern das Saisonende des Überraschungsteams.

AP

Niko Kovac

Aus Leverkusen berichtet
Samstag, 14.04.2018   22:57 Uhr

Als der Sieg von Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt immer klarere Konturen annahm, stimmten die Bayer-Anhänger einen alten Klassiker der Toten Hosen an: "Ich würde nie zum FC Bayern München gehen", grölten sie. Die Leverkusener Fans erreichten damit zwei Dinge: Sie demonstrierten ihre Vorfreude auf das Pokal-Halbfinale gegen die Bayern am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Besonders aber rührten sie mit dem Gesang in einer frischen Wunde, mit der sich Frankfurt seit Donnerstagabend herumquält.

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Dann nämlich wurde bekannt, dass Eintracht-Coach Niko Kovac am Saisonende zu den Münchnern wechselt. Die Leverkusener Anhänger erinnerten ihre Gäste also genussvoll an den schmerzlichen Verlust ihres Erfolgstrainers und die Frage, der derzeit kein Frankfurter entfliehen kann: Gefährdet dieser Wechsel die Entwicklung und den Erfolg des Überraschungsteams aus Hessen?

Zwar gaben die Spieler und die Verantwortlichen sich nach dem klaren 1:4 viel Mühe, zu versichern, dass die vergangenen Tage keinen Einfluss auf das wichtige Spiel im Kampf um die Champions-League-Qualifikation genommen habe. Sportdirektor Fredi Bobic sagte: "Es war alles ganz normal, das hat man ja bei den Jungs gesehen." Die Eintracht spielte zumindest eine Hälfte lang sehr überzeugend. Wie genervt die Frankfurter von der Unruhe am Ende dieser bisher so großartigen Saison sind, konnte aber niemand übersehen.

"Seelenleben in mir ist genauso gut wie vorher"

"Diese Fragerei, also…", zischte Kovac in einem TV-Interview, als er auf seinen Wechsel angesprochen wurde, ohne den Satz zu vollenden. Er beantworte nur "Fragen zum Spiel", ließ er wissen, um etwas später zu behaupten: "Das Seelenleben in mir ist genauso gut wie vorher." Das mag stimmen, schließlich ist der Wechsel nach München ein Karrieresprung, mit dem der Deutsch-Kroate vor einem Jahr vermutlich nicht einmal in seinen kühnsten Fantasien gerechnet hätte. Aber das Befinden vieler anderer Menschen im Klub hat sich zweifellos verändert.

Unter Journalisten kursieren Gerüchte, dass nicht nur viele Fans enttäuscht vom Trainer sind, sondern auch Bobic. Kovac hat die Verhandlungen mit seinem künftigen Arbeitgeber offenbar hinter dem Rücken der Eintracht geführt. Verschiedene Quellen berichten von einem Treffen mit den Verantwortlichen des FC Bayern vor gut zwei Wochen. Kovac hingegen behauptet, dass ihm der neue Job erst am vorigen Donnertag angeboten wurde, dann habe er quasi spontan zugesagt.

Öffentliche Vorwürfe machte Bobic allerdings nur den Bayern, "respektlos, unprofessionell, sehr bedenklich" habe der Klub agiert. Es war der Vorwurf herauszuhören, dass die Nachricht vom Kovac-Wechsel aus Münchner Quellen an die Öffentlichkeit gesickert sei. Dass Bobic seinen Trainer nicht beschädigt, ist nachvollziehbar. Aber natürlich hätte er sich gewünscht, dass Kovac seinen Abschied geschickter organisiert.

Kovac findet in Hälfte zwei keine Antwort

Als in Leverkusen jemand von Bobic wissen wollte, ob er ganz sicher sei, dass Kovac zumindest bis Saisonende bei der Eintracht bleibe, erwiderte er, es sei "absolut respektlos, so was zu fragen". Allein die Tatsache, dass nun solche Debatten im Raum stehen, stört gewaltig. Am Abend wehrten sich dann auch noch die Münchner Verantwortlichen rund um den Sieg gegen Borussia Mönchengladbach gegen die Unterstellungen aus Frankfurt. Bobics "Wortwahl war nicht die richtige", sagte der Münchner Sportdirektor Hasan Salihamidzic bei Sky: "Von uns sind keine Informationen an die Öffentlichkeit gekommen."

Ob die Frankfurter auch wegen dieser Unruhen in Leverkusen verloren, ist trotzdem völlig unklar. In der ersten Hälfte war Kovacs Mannschaft mindestens ebenbürtig, bevor sie in der zweiten Hälfte gegen die spektakulär aufspielenden Leverkusener unterging. Bayer-Trainer Heiko Herrlich hatte das System umgebaut, statt mit einer Dreier- verteidigten sie nun mit Viererkette. Die Eintracht verlor ihre Dominanz im Mittelfeld, worauf Kovac keine Antwort mehr fand. Aber das hätte am vorigen Wochenende genauso passieren können wie an diesem.

Klar ist jedoch, dass der Rest der Saison mit vier verbleibenden Bundesligaspielen, dem Pokal-Halbfinale am kommenden Mittwoch beim FC Schalke (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) und vielleicht sogar dem krönenden Endspiel in Berlin nun nicht mehr so harmonisch und unbeschwert sein wird, wie die bisherige Saison.

insgesamt 32 Beiträge
100roberto 15.04.2018
1. Brazzo in seiner vollkommenden Kompetenz..
Er war es der über Bayern tv die erste Lippenbekenntnis an die Öffentlichkeit getragen hat. Die Bayern PK ist um 13:30 nachgezogen. Die Frankfurter haben ihre feste 13 Uhr PK sogar auf 15 Uhr verlegt um die Kommentare aus Bayern [...]
Er war es der über Bayern tv die erste Lippenbekenntnis an die Öffentlichkeit getragen hat. Die Bayern PK ist um 13:30 nachgezogen. Die Frankfurter haben ihre feste 13 Uhr PK sogar auf 15 Uhr verlegt um die Kommentare aus Bayern abzuwarten. Das der Professionelle Fußball verlogen ist, ist nichts Neues. Aber dieses Spiel ist die Spitze der Verlogenheit im Quadrat. Das Kovac in der Länderspielpause mit Uli und Kalle in München gesehen wurde, ist mir kurz danach von einer Person die am Tag im gleichem Resto geschäftlich unterwegs war schon mitgeteilt. Der Wechsel ist ok, aber die Art und weise ist schon bemerkenswert....
K:F 15.04.2018
2. FC Bayern halt
Hinterfotzig. Warum wird so gequatscht? Bayern findet in Europa keine "A" und "B" Ware. Für so einen Verein, wie den FCB, ist das schon eine Schmach. Was also macht der FCB? Greift einen Ligakonkurrenten [...]
Hinterfotzig. Warum wird so gequatscht? Bayern findet in Europa keine "A" und "B" Ware. Für so einen Verein, wie den FCB, ist das schon eine Schmach. Was also macht der FCB? Greift einen Ligakonkurrenten direkt an. Das sich Kovac geschmeichelt fühlt ist durchaus verständlich und das er nicht widerstehen kann, wohl auch. Dumm steht nur Kovac da! Als Lügner.
kahaot44 15.04.2018
3. Oh Weh!
Das Saisonende wird für die SGE nicht mehr so harmonisch ausfallen, lese ich oben. Und wer ist dran schuld?? Der FCB!! Wenn Frankfurt wahlweise auf Schalke verliert, den Pokal nicht gewinnt oder nicht Platz 5 der Tabelle [...]
Das Saisonende wird für die SGE nicht mehr so harmonisch ausfallen, lese ich oben. Und wer ist dran schuld?? Der FCB!! Wenn Frankfurt wahlweise auf Schalke verliert, den Pokal nicht gewinnt oder nicht Platz 5 der Tabelle hält, ja dann ist klar, das waren der FCB und seine dunklen Machenschaften. Das ist m. E. das gleiche dumme Geschwätz wie das vom Bayerndusel oder von deutschen Spitzenspielern, die alle nur deshalb vom FCB verpflichtet wurden um deren Ex- Vereine zu schädigen. Alles lachhafte Ausflüchte derer, die dem FC Bayern seit Jahrzehnten (vergeblich) hinterher hecheln.
Schlaflöwe 15.04.2018
4. Fairness fordern
Hoeneß und Co. von sich selbst nie, von den Anderen aber immer. Sehr unsympathische Gesellschaft.
Hoeneß und Co. von sich selbst nie, von den Anderen aber immer. Sehr unsympathische Gesellschaft.
eaglereno 15.04.2018
5. Vorbestraft
Das vorbestrafte Bayern Management macht weiter wie bisher. Das macht den Verein so unsympathisch.
Das vorbestrafte Bayern Management macht weiter wie bisher. Das macht den Verein so unsympathisch.

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