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Sport

Teuerster Torwart der Geschichte

80 Millionen Euro für einen Hobby-Ornithologen

Ein Rekordmann, den fast niemand kennt. Nach seinem Wechsel zum FC Chelsea ist der Spanier Kepa Arrizabalaga der teuerste Keeper der Welt. Was macht ihn so wertvoll?

Getty Images

Kepa Arrizabalaga

Von
Donnerstag, 09.08.2018   17:07 Uhr

Der Londoner Hyde Park ist ein Paradies für Vogelbeobachter. Nach einer privaten Untersuchung eines englischen Vogelfreunds leben dort mehr als 150 verschiedene Arten. Künftig dürfte häufiger ein großer sportlicher Typ in einem der größten Stadtparks der Welt zu beobachten sein. In seiner Jugend waren Vögel neben dem Fußball die zweite Passion von Kepa Arrizabalaga. Zusammen mit seinem Vater soll er Distelfinken gefangen und ihnen liebliche Gesänge beigebracht haben. Mit Oker, Rocky und Räikkonen gewann Kepa, so berichtet es der "Guardian", in seiner baskischen Heimat sogar zwei Preise bei regionalen Wettkämpfen.

Als Fußballtorwart hat Kepa bislang ein Länderspiel für Spanien absolviert und einen nennenswerten Titel gewonnen, die U19-Europameisterschaft im Jahr 2012. Wie konnte dieser Hobby-Ornithologe zum teuersten Torhüter der Welt aufsteigen? Gerade noch hatte Alisson Becker den Titel "Teuerster Torwart der Geschichte". Weil Jürgen Klopp und der FC Liverpool bereit waren, für den brasilianischen WM-Keeper der AS Rom 62,5 Millionen Euro zu zahlen. Wenige Wochen später ist Kepa der neue Rekordhalter.

Schuld ist nicht zuletzt die verkürzte Transferperiode in England. Weil sich der FC Chelsea vom bevorstehenden Abschied von Thibaut Courtois zu Real Madrid unter Druck gesetzt fühlte, bediente sich Chelsea kurz vor dem heutigen Ende der Wechselfrist der Ausstiegsklausel. Und löste Kepa für etwa 80 Millionen Euro bei Athletic Bilbao aus.

Bei der WM nur Bankdrücker

Schon bei der WM wäre Kepa beinahe zum Einsatz gekommen. Nachdem Nationaltorwart David de Gea in der Gruppenphase mehrmals gepatzt hatte, forderten Spaniens Medien und selbst die Fans einen Wechsel zwischen den Pfosten. Doch Trainer Fernando Hierro zögerte, den 23-Jährigen zu bringen. Das Ende ist bekannt. Spanien scheiterte im Achtelfinale. Und Kepa steht in der Liste der teuersten Transfers der Fußballgeschichte auf Platz 13. Nur knapp hinter Luis Suárez.

Bezahlen muss Kepa die Ablöse zunächst selbst. Dahinter steckt ein spanisches Gesetz von 1985. Demnach muss bei Wechseln, bei denen eine Ausstiegsklausel genutzt wird, der Spieler die Ablöse an die Profiliga LFP überweisen. Daraufhin erwirkt die Liga, anders als etwa in der Bundesliga oder der Premier League, die Freigabe durch den abgebenden Klub und leitet das Geld weiter. Es ist aber davon auszugehen, dass Chelsea die Summe parallel an seinen neuen Spieler überweist.

Geboren ist der 80-Millionen-Mann in Ondarroa, einem baskischen Fischerdorf 40 Kilometer östlich von Bilbao. Bereits mit knapp zehn Jahren spielte Kepa in der Jugend von Bilbao. Im September 2016 debütierte Kepa mit 21 Jahren mit Athletic in La Liga gegen Deportivo La Coruña und absolvierte seither 53 Erstligaspiele, in denen er 14-mal ohne Gegentor blieb.

In der zurückliegenden Saison 2017/2018 parierte Kepa 69 Prozent der gegnerischen Schüsse und lag damit knapp über dem Durchschnitt der Stammkeeper. Zum Vergleich: Den Bestwert stellte Atléticos Jan Oblak mit knapp 83 Prozent. Auffällig war Kepa vor allem bei Elfmetern, in La Liga hielt er zwei von drei Strafstößen.

Kepas größtes Plus ist sein Kopf

Kepas Werte sind ordentlich, aber nicht hervorragend. Was macht ihn so wertvoll? An den Zahlen kann es nicht liegen. Seine Ausstrahlung blieb nicht unbemerkt. Im Januar dieses Jahres wäre Kepa beinahe bei Real Madrid gelandet. Der Medizincheck war bereits absolviert. Doch die Königlichen wollten die in der damaligen Ausstiegsklausel festgeschriebene Summe von 20 Millionen Euro nicht bezahlen. "Kepa ist sehr talentiert, aber ich will keinen Torwart mitten in der Saison", entschied der damalige Trainer Zinédine Zidane.

Sieben Monate später hat Real mit Thibaut Courtois seinen Wunschkeeper. Kepas größtes Plus sei sein Kopf, sagt Nika Cuenca, früherer Redakteur der Sportzeitung "AS": "Er ist noch jung, aber mental enorm stark." Chelseas neuer Teammanager Maurizio Sarri ist überzeugt: "Ich sah Kepa vor einem Jahr, mein erster Eindruck war, dass er ein sehr guter Torhüter ist", sagte der Italiener: "Er ist sicher mit dem Ball am Fuß und hat fantastische Reflexe."

Jetzt muss Kepa nur noch beweisen, dass diese Einschätzungen genauso gerechtfertigt sind wie die hohe Ablösesumme. Mit den Vögeln im Hyde Park wird er sich bestimmt schnell anfreunden.

insgesamt 20 Beiträge
scooby11568 09.08.2018
1. 2 Gründe...
Erstens klingt Kepa ein bisschen wie Keeper und zweitens ist es englischen Vereinen wurscht, wie sie Geld verbrennen.
Erstens klingt Kepa ein bisschen wie Keeper und zweitens ist es englischen Vereinen wurscht, wie sie Geld verbrennen.
g.raymond 09.08.2018
2. Man muss kein Linker sein
Aber fällt denn niemandem auf , wie pervers diese Geldsummen sind ? Oder haben wir uns schon daran gewöhnt, weil in der Wirtschaft Vorstandsmitglieder ja auch 700 mal soviel Geld verdienen wie die Angestellten der gleichen [...]
Aber fällt denn niemandem auf , wie pervers diese Geldsummen sind ? Oder haben wir uns schon daran gewöhnt, weil in der Wirtschaft Vorstandsmitglieder ja auch 700 mal soviel Geld verdienen wie die Angestellten der gleichen Firma. Naja, wenn die Mehrheit das für richtig hält, wird sich auch nicht viel ändern.
zzzzxy 09.08.2018
3. Gehts noch?
Für das geld könnten die bei 80.000 jahresgehalt 1000 jungspunde ins bootcamp für torhüter schicken und hätten am ende wohl auch drei gute dabei....
Für das geld könnten die bei 80.000 jahresgehalt 1000 jungspunde ins bootcamp für torhüter schicken und hätten am ende wohl auch drei gute dabei....
bernteone 09.08.2018
4. Da kann an mal sehen
wie abartig viel Geld im Fußball fließt , zu viel . Da werden Spieler für über 200 Millionen gehandelt und ein mittelklasse Torwart ist den Engländer immerhin 80 Millionen Wert . Aber solange nur die Fans die Rechnung [...]
wie abartig viel Geld im Fußball fließt , zu viel . Da werden Spieler für über 200 Millionen gehandelt und ein mittelklasse Torwart ist den Engländer immerhin 80 Millionen Wert . Aber solange nur die Fans die Rechnung bezahlen ist das ok .
mockingbird-jw 09.08.2018
5. Vogelfänger ist kein Ornithologe
Ein Vogelfänger zum Zwecke der Vogelhaltung ist sicher kein "Hobby-Ornithologe", bei welchem die Freude doch eher in der Beobachtung und Erforschung der frei lebenden Vogelwelt liegt und nur selten in der [...]
Ein Vogelfänger zum Zwecke der Vogelhaltung ist sicher kein "Hobby-Ornithologe", bei welchem die Freude doch eher in der Beobachtung und Erforschung der frei lebenden Vogelwelt liegt und nur selten in der Gefangenschaftshaltung. Eine bessere Recherche hätte zudem statt des altertümlichen Namens "Diestelfink" den längst gebräuchlichen Namen Stieglitz genutzt.

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