Schrift:
Ansicht Home:
Sport

City-Niederlage im Stadtduell

Guardiolas Kontrollverlust

Meisterfeier verschoben: Manchester City erlebte im Derby gegen United einen rätselhaften Einbruch - nicht zum ersten Mal. Für das Champions-League-Rückspiel gegen Liverpool ist das ein schlechtes Zeichen.

AP

Pep Guardiola

Von
Sonntag, 08.04.2018   11:05 Uhr

Am Ende eines wilden Derbys zwischen Manchester City und Manchester United gingen die Trainer in Frieden auseinander. Pep Guardiola und José Mourinho gaben sich die Hand, schauten sich ausgiebig in die Augen, Mourinho redete auf den Kollegen ein, schlug ihm mehrmals auf die Schulter. Als würde er sagen: Keine Sorge, alter Freund, ihr macht das schon.

Aber nicht heute!

Mehr als eine Halbzeit lang gab es keinen Zweifel, dass City den nötigen Sieg einfahren würde, um sich zum Meister der Premier League zu küren, sieben Spieltage vor dem Ende der Saison, so früh wie noch nie zuvor eine Mannschaft in der langen Geschichte des englischen Erstliga-Fußballs. Guardiolas Team führte vor eigenem Publikum 2:0 durch die Treffer von Vincent Kompany und Ilkay Gündogan und hätte noch deutlicher vorne liegen können. Und das, obwohl Regisseur Kevin De Bruyne und auch die Angreifer Gabriel Jesus und Sergio Agüero nur auf der Bank saßen. Die Spieler von Manchester United sahen aus wie eine Hobbytruppe, die man gerade aus dem Park geholt und in rote Trikots gesteckt hatte.

Innerhalb von drei Minuten nahm die Veranstaltung allerdings eine bemerkenswerte Wende. Paul Pogba traf doppelt, es waren die ersten beiden Chancen für sein Team. Und in der 69. Minute stellte Chris Smalling sogar das 3:2 für United her. City versuchte in der Schlussphase alles, um noch zum Ausgleich zu kommen und zumindest einen Punkt mitzunehmen. Doch die Partie endete mit der zweiten Liga-Niederlage der Saison (nach dem 3:4 beim FC Liverpool Mitte Januar) und der zweiten Niederlage innerhalb weniger Tage (nach dem 0:3 beim FC Liverpool im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch).

Citys Niederlage löst ein paar Alarmsignale aus

Die aufgeschobene Meisterfeier ist kein Drama für City. Es besteht trotz des verlorenen Derbys kein Grund zu der Annahme, dass die Mannschaft den dritten Titel in sieben Jahren noch verspielt. "Für die Fans tut es mir leid. Aber wir haben immer noch einen großen Vorsprung", sagte Guardiola nach der wechselhaften Partie. Und hatte recht damit. Der Sicherheitsabstand seines Teams auf, nun ja, Verfolger United beträgt immer noch 13 Punkte.

AFP

Trainerlegenden unter sich: José Mourinho und Pep Guardiola

Trotzdem löst Citys Niederlage ein paar Alarmsignale aus. Die Mannschaft verpasste es, sich einen Schub für die Moral zu holen vor dem Rückspiel gegen Liverpool am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im eigenen Stadion, das mit mindestens drei Toren gewonnen werden muss, und leistete sich einen rätselhaften Einbruch. Guardiola hatte keine passende Antwort auf die Frage, wie er sich die Niederlage erkläre. "Wir haben 2:3 verloren", sagte er nur.

Wenn es doch so einfach wäre.

City hat die beste Abwehr der Liga und wirkt in dieser Saison über weite Strecken unverwundbar. Doch wenn die Mannschaft ausnahmsweise die Kontrolle verliert, dann gleich richtig. Dann scheint es ziemlich einfach zu sein, Tore gegen sie zu schießen. Die Niederlage gegen United war ein weiterer Beleg dafür.

Rätselhafte Einbrüche in der Saison 2017/2018

Beim 3:4 in Liverpool im Januar kassierte das Team die entscheidenden drei Treffer innerhalb von nur neun Minuten. In der Champions League unter der Woche fielen die Tore zum 0:3 binnen 19 Minuten. Im Derby wurde innerhalb von 16 Minuten aus einem 2:0 ein 2:3. Und das ohne großen Aufwand. United brachte in der ganzen Partie nur vier Bälle auf das Tor.

Für das Rückspiel gegen Liverpool verheißt das nichts Gutes. Um den Drei-Tore-Rückstand umzubiegen und doch noch ins Halbfinale der Champions League vorzurücken, sollte die Mannschaft ein Clean Sheet bewahren, wie es in England heißt, also zu null spielen. Nach der Partie gegen United, nach einem wiederholten Zusammenbruch, ist das zumindest schwer vorstellbar.

Vor allem wenn bei Liverpool der angeschlagene Top-Torjäger Mohamed Salah rechtzeitig fit werden sollte. Am Ende dieser so herausragenden Saison scheint City auf seltsame Weise aus dem Takt zu geraten, ein bisschen zumindest. Dafür spricht auch eine bemerkenswerte Statistik. Laut dem Datendienst Opta hat eine von Guardiola trainierte Mannschaft zum ersten Mal überhaupt drei Tore in zwei aufeinanderfolgenden Spielen kassiert.

Gegen Liverpool sollte dieser Trend dringend gebremst werden. Sonst würde es wieder heißen: Ihr macht das schon. Aber nicht heute.

Manchester City - Manchester United 2:3 (2:0)
1:0 Kompany (25.)
2:0 Gündogan (31.)
2:1 Pogba (53.)
2:2 Pogba (55.)
2:3 Smalling (69.)
Manchester City: Ederson - Danilo, Kompany, Otamendi, Delph - Gündogan (76. Agüero), Fernandinho, David Silva (72. de Bruyne) - Bernardo Silva (72. Gabriel Jesus), Sterling, Sané
Manchester United: de Gea - Valencia, Smalling, Bailly, Young - Herrera (90. Lindelöf), Matic - Lingard (85. McTominay), Pogba, Alexis (82. Rashford) - Lukaku
Gelbe Karten: Sterling, Fernandinho, Agüero, Danilo, Kompany, Jesus / Herrera, Lukaku, Pogba
Schiedsrichter: Atkinson

insgesamt 21 Beiträge
Nonvaio01 08.04.2018
1. City hat die beste Abwehr der Liga und wirkt in dieser Saison
sorry aber dem ist nicht so. Die abwehr von City ist schlecht. Wenn die unter druck ist schwimmt die. City spielt so weit vorne das die anderen teams teilweise nicht in reichweite der City abwehr kommen. Ist da aber ein team [...]
sorry aber dem ist nicht so. Die abwehr von City ist schlecht. Wenn die unter druck ist schwimmt die. City spielt so weit vorne das die anderen teams teilweise nicht in reichweite der City abwehr kommen. Ist da aber ein team das schnell spielen kann sieht die City abwehr schlecht aus. Kompany ist zu oft verletzt, Stones ist ein witz und der Torwart ist auch nicht internationale klasse. Nur weil man wenige gegentore kassiert ha, heisst es nicht das man die beste abwehr der liga hat.
spadoni 08.04.2018
2. ManCity
kann sich glücklich schätzen derart viele Punkte Vorsprung zu haben. Denn mit der derzeitigen desaströsen Form wären sie nie und nimmer Meister geworden!
kann sich glücklich schätzen derart viele Punkte Vorsprung zu haben. Denn mit der derzeitigen desaströsen Form wären sie nie und nimmer Meister geworden!
uli_san 08.04.2018
3. Erinnert ein wenig...
...an Pep's Zeit bei Bayern. In entscheidenden Phasen gab es plötzlich unerklärlich deutliche Einbrüche. Ich glaube, er will manchmal Ergebnisse erzwingen, koste es was es wolle. Ist aber vielleicht auch nur ein falscher [...]
...an Pep's Zeit bei Bayern. In entscheidenden Phasen gab es plötzlich unerklärlich deutliche Einbrüche. Ich glaube, er will manchmal Ergebnisse erzwingen, koste es was es wolle. Ist aber vielleicht auch nur ein falscher Eindruck meinerseits.
mhuz 08.04.2018
4.
Wenn er jetzt wieder nicht das sogenannte Tripel holt ?
Wenn er jetzt wieder nicht das sogenannte Tripel holt ?
ulrich.schlagwein 08.04.2018
5. Mc
MC am Ende ohne Pep...
MC am Ende ohne Pep...

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Fotostrecke

Die englischen Meister seit 2000

Jahr Verein
2017 FC Chelsea
2016 Leicester City
2015 FC Chelsea
2014 Manchester City
2013 Manchester United
2012 Manchester City
2011 Manchester United
2010 FC Chelsea
2009 Manchester United
2008 Manchester United
2007 Manchester United
2006 FC Chelsea
2005 FC Chelsea
2004 FC Arsenal
2003 Manchester United
2002 FC Arsenal
2001 Manchester United
2000 Manchester United

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP