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Sport

Real Madrid in der Champions League

Geht auch ohne Ronaldo

Eine Champions-League-Saison ohne Cristiano Ronaldo? Für Real Madrid war das lange unvorstellbar, doch nun ist es Realität. Gegen AS Rom klappte das prima, weil andere Stars seine Kunststücke übernahmen.

Rodrigo Jimenez/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die neue Nummer 7 bei Real Madrid: Mariano

Aus Madrid berichtet
Donnerstag, 20.09.2018   09:49 Uhr

Die Real-Madrid-Fans haben ein gutes Gedächtnis. Als Roma-Spieler Konstantinos Manolas vor dem Anpfiff der Champions-League-Partie im Santiago-Bernabeu-Stadion bei der Mannschaftsaustellung auf der Videoleinwand auftauchte, wurde aus den Pfiffen plötzlich Jubel. Manolas hatte sich die Gunst der Madrilenen in der vergangenen Saison erworben, als er mit seinem Tor im Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona dafür sorgte, dass der Real-Rivale ausschied. Sowas vergisst man hier nicht.

Dass die Real-Fans sich gerne vergangener Heldentaten erinnern, war auch an der Kleiderwahl vieler Anhänger festzustellen, deren Trikotrückseiten noch immer der Schriftzug "Ronaldo" zierte, dazu die Nummer sieben. CR7 eben. Nun sind Originalshirts natürlich teuer, aber viele Fans dürften die Ronaldo-Trikots nicht nur aus monetären Gründen getragen haben.

Cristiano Ronaldo spielt seit dieser Saison nicht mehr für Real Madrid, er ist jetzt für Juventus aktiv. Und gegen AS Rom, in der ersten Champions-League-Saison seit neun Jahren ohne CR7, drängte sich die Frage auf: Real in der Königsklasse ohne Ronaldo - geht das überhaupt? Funktioniert das ohne den Spieler, der Real Madrid geprägt hat wie nur wenige, der in diesem Wettbewerb vier Titel mit Real gewonnen hat und in seiner Zeit bei den Königlichen zum besten (oder zweitbesten, da gehen die Meinungen auseinander) Spieler der Welt geworden ist?

Bale trifft das Tor und die Latte

Klar, auch Trainer Zinédine Zidane ist nicht mehr da, doch den gravierenderen Einschnitt in das Real-Gefüge dürfte der Abgang von Ronaldo nach sich gezogen haben. Zumal Madrid keinen Superstar für den Sturm nachverpflichtete. Neymar war im Gespräch, für angeblich 260 Millionen Euro. Es gab auch Gerüchte um Weltmeister Kylian Mbappé. Beide Meldungen dementierte Real. Und am Ende kam keine namhafte Verstärkung für den Angriff.

Die Last in der Offensive müssen nun die übernehmen, die das auch in der Vergangenheit immer wieder getan hatten. Denn trotz seiner Rekordquote von 120 Toren in 154 Champions-League-Spielen hatte Ronaldo auch Schwächephasen gehabt. Im Finale der Königsklasse gegen den FC Liverpool etwa hatten andere Spieler herausgestochen, die nun auch gegen die Roma im Fokus standen: Karim Benzema hatte den berühmten Karius-Patzer verursacht, Bale einen Fallrückziehertreffer und ein Distanztor beigesteuert. Und Isco hatte ebenfalls überragend gespielt.

Benzema, Bale und Isco bildeten nun auch gegen die Roma die Angriffsreihe. Und sie teilten sich die Kunststücke untereinander auf, für die sonst Ronaldo gesorgt hatte. Isco zirkelte einen Freistoß zur Führung ins Tor und zeigte technische Kabinettstückchen an der Grenze zur Gegnerverhöhnung. Bale traf nach einem Sprint per Distanzschuss, zudem die Unterkante der Latte und war auch sonst hochaktiv. Benzema hingegen fiel ein wenig ab, bereitete aber Chancen vor.

Die Nachwuchskräfte überzeugen

Als der Franzose in der 62. Minute ausgewechselt wurde, belohnten die Real-Anhänger ihn mit Standing Ovations. Diese Unterstützung hat Benzema hier nicht immer erfahren, es gab auch Zeiten, da wurde er von den Madrid-Fans ausgepfiffen. Doch ebenso wie Bale, der in der Vergangenheit im Schatten von Ronaldo stand und offen über die Möglichkeit eines Wechsels gesprochen hatte, wird Benzema in dieser Saison eine wichtige Rolle spielen.

Das Spiel von Madrid war derart souverän, dass man das Fehlen von Ronaldo schnell vergaß. Aber ist es ein Wunder? Real ist ja sonst noch dasselbe Team, Sergio Ramos verteidigt gewohnt souverän, glänzt durch seine Zweikampfstärke und sein Stellungsspiel. Casemiro ist der überragende Abräumer geblieben. Luca Modric und Toni Kroos spielen immer noch gefährliche Bälle in die Spitze.

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Real-Sieg gegen Rom: Die Champions-League-Maschine

Und dann sind da noch die Nachwuchskräfte, die ja eigentlich schon Stars sind: Marco Asensio zeigte die spektakulärste technische Einzelleistung, als er den Ball im Strafraum aus der Drehung mitnahm. Mariano Díaz, der jetzt übrigens die Nummer sieben trägt, erzielte das schönste Tor des Abends, als er vom linken Strafraumrand oben rechts in den Winkel traf. Roma-Trainer Eusebio Di Francesco hatte sich keine Illusionen gemacht, auf ein geschwächtes Real-Team zu treffen: "Ich war schon vor der Partie überzeugt, dass Real ohne Ronaldo genauso gefährlich sein wird. Madrid hat viele Champions."

Ronaldo spielte übrigens am Abend ebenfalls in seiner geliebten Königsklasse. Für seinen neuen Verein Juventus lief er erstmals in der Champions League auf, doch sein Einsatz verlief ganz anders als erwartet: Ronaldo blieb nicht nur ohne Tor, sondern sah bereits in der 29. Minute die Rote Karte und ging mit Tränen in den Augen vom Platz.

Es war sein erster Platzverweis in der Champions League. Im 154. Match.

insgesamt 2 Beiträge
chense90 20.09.2018
1. Nichts gegen Benzema...
... aber die Slapstickeinlage wurde von Ramos verursacht der sich auch heute noch "gewohnt souverän" durch die gegnerischen Reihen tritt und prügelt
... aber die Slapstickeinlage wurde von Ramos verursacht der sich auch heute noch "gewohnt souverän" durch die gegnerischen Reihen tritt und prügelt
gnarze 20.09.2018
2. Eher umgekehrt
Ohne Ronaldo wird Real weniger ausrechenbar - schade, dass Assensios Megatrick nicht zu einem Tor geführt hat.
Ohne Ronaldo wird Real weniger ausrechenbar - schade, dass Assensios Megatrick nicht zu einem Tor geführt hat.

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2010 Inter Mailand
2009 FC Barcelona
2008 Manchester United
2007 AC Mailand
2006 FC Barcelona
2005 FC Liverpool
2004 FC Porto
2003 AC Mailand
2002 Real Madrid
2001 FC Bayern München
2000 Real Madrid
1999 Manchester United
1998 Real Madrid
1997 Borussia Dortmund
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