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Sport

Bayern-Kampf um Starangreifer

Geld oder Tore?

Die Zeichen für einen Wechsel von Robert Lewandowski zu Real Madrid verdichten sich. Dafür gäbe es eine hohe Ablösesumme. Allerdings braucht der FC Bayern den Stürmer dringender als das Geld.

Getty Images
Von Florian Kinast, München
Dienstag, 27.02.2018   18:10 Uhr

Am Dienstag stellte der FC Bayern zur Feier des Tages einen Clip ins Netz. Anlass war der 118. Geburtstag des Vereins, der Film zeigte einen kurzen Streifzug durch die Geschichte des Klubs. Ganz am Ende sah man auch Robert Lewandowski.

Gut möglich, dass auch er bald Geschichte ist beim FC Bayern.

Berichte, Bayerns Top-Stürmer liebäugle mit einem Transfer zu Real Madrid, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Doch noch nie verdichteten sich die Indizien so sehr wie jetzt, Lewandowski scheint ernst machen zu wollen. Tatsächlich spricht aus seiner Sicht im Moment viel dafür, München im Sommer nach vier Jahren zu verlassen. Fraglich ist dabei aber nur, ob ihn der FC Bayern ziehen lässt. Und vor allem, zu welchem Preis.

Einfach war es mit Robert Lewandowski noch nie. Schon in seiner Zeit in Dortmund gab es viel Unruhe, als er und vor allem sein Berater Maik Barthel immer wieder einen Wechsel zum FC Bayern thematisierten. Im Sommer 2014 durfte der Pole dann endlich nach München, ablösefrei. Er bekam einen Fünfjahresvertrag, den er 2016 bereits bis 2021 verlängerte. Doch im Moment wirkt es nicht so, als wolle Lewandowski mit aller Macht noch mehr als drei Jahre in München kicken.

Professionell, nie emotional

In diesem Sommer wird er 30 Jahre alt, er weiß, dass er gerade noch im besten Stürmeralter ist, aber in drei Jahren wohl schon zu alt für einen hoch dotierten Vertrag bei einem anderen Top-Klub. 2021 mit 33? Will ihn dann noch jemand?

Zudem war und ist seine Beziehung zu München und zum FC Bayern zwar professionell, aber nicht emotional. Es war nie eine Herzenssache, der Pole wurde kein Publikumsliebling wie etwa Franck Ribéry mit seinen Liebesschwüren an die Stadt, den Verein, die Fans.

Lewandowski machte immer schon den Eindruck, als denke er zwar auch an den Klub, vor allem aber an sich selbst. Befremdlich war im Sommer 2017 sein nicht enden wollendes Nörgeln, weil er um einen Treffer die Torjägerkanone der Bundesliga verpasst hatte und der Mannschaft mangelnde Unterstützung vorwarf.

AFP

Robert Lewandowski

Es war eine Zeit, in der die dreistelligen Ablösesummen im Millionenbereich salonfähig wurden, mit Transfers von Neymar, Ousmane Dembélé, Kylian Mbappé - und in der Lewandowski gekränkt wirkte, weil er in diesem bunten Wechselkarussell doch auch mitfahren wollte, in der Überzeugung, mindestens so viel Geld wert zu sein.

Lewandowski machte jedenfalls weiter Ärger. Ob mit seinem SPIEGEL-Interview, in dem er öffentlich die Transferpolitik der Bayern kritisierte, wofür er sich einen Rüffel von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge einhandelte. Oder wegen seiner oft eigensinnigen Spielweise, mit der er den Unmut von Arjen Robben hervorrief.

Es gibt Angestellte, die einem harmonischen Betriebsklima zuträglicher sind als Lewandowski. Das Problem ist nur: Für den FC Bayern ist er unverzichtbar.

Schillernder Berater

Selbst wenn ein Klub wie Real Madrid nun 80 Millionen bietet, 100 oder wie viel auch immer: Geld brauchen die Bayern nicht unbedingt, die Konten sind gut gefüllt. Viel mehr brauchen sie einen Lewandowski, für den es derzeit keinen Ersatz gibt. Nicht im Verein, nicht in der Liga, nicht auf der Welt.

Zudem hat Bayern-Präsident Hoeneß dem Polen eine gute Verhandlungsposition verschafft, als er Mega-Transfers in dreistelliger Millionenhöhe in naher Zukunft ausschloss. Für einen adäquaten Lewandowski-Ersatz, sollte man ihn denn doch auf dem Markt finden, müsste Hoeneß sicherlich eine Rekordsumme zahlen - und sein Versprechen brechen.

Während das Bayern-Mittelfeld so prall bestückt ist, dass sich Weltklassespieler auf diesen Positionen schon auf den Füßen stehen, weil kein Platz mehr ist, zieht Lewandowski vorne einsam seine Kreise, schießt seine Tore nach Belieben. Und trifft er wie am Samstag gegen die Hertha nicht, erstmals in einem Heimspiel dieser Saison, gibt es prompt auch keinen Sieg.

Nach dem Spiel war Lewandowski kurz angebunden, das lag nicht am belanglosen 0:0, sondern weil er wenig Lust hatte zu sprechen. Weder über Wechselwünsche noch über seinen neuen Berater. Der heißt Pini Zahavi, ist 74 und sticht selbst aus dem an schillernden Figuren reich bestückten Zirkel von Spielerberatern noch als illustre Gestalt heraus.

Fotostrecke

Bayern-Star Lewandowski: Vom Chancentod zur Tormaschine

Sein offizielles Portfolio liest sich zwar wenig prickelnd, die beiden bekanntesten Profis sind noch die altgedienten argentinischen Haudegen Carlos Tévez und Javier Mascherano - allerdings gilt Zahavi als einflussreicher Strippenzieher hinter den Kulissen. So soll er schon 2003 den Einstieg von Roman Abramowitsch beim FC Chelsea eingefädelt haben, ebenso wie im vergangenen Jahr den Rekorddeal zwischen Paris St. Germain und Neymar.

Möglich, dass sich Lewandowski, der weiterhin auch von Barthel gemanagt wird, mit Zahavi mehr Effizienz bei seinen Transferabsichten erhofft als mit seinem polnischen Ex-Berater Cezary Kucharski. Nur, wie geht es weiter?

Wartet Lewandowski ab, wie weit die Bayern in der Champions League kommen, die Sehnsuchtstrophäe, die er noch nie gewinnen konnte? Glaubt er, mit Real in den kommenden Jahren größere Chancen zu haben? Wartet er, bis der neue Trainer als Nachfolger von Jupp Heynckes bekannt gegeben ist? Oder pokert Lewandowski doch nur um eine Aufstockung seines Salärs, im Wissen um seine Bedeutung?

Die nächsten Wochen werden diesbezüglich spannend - die Beziehung zwischen dem FC Bayern und Lewandowski steht in jedem Fall vor einer großen Belastungsprobe.

insgesamt 263 Beiträge
Pela1961 27.02.2018
1. Der FC Bayern
lässt sich nicht erpressen. Das hat er noch nie getan und wird es auch diesmal nicht machen lassen. Es wird wie in allen bisherigen Fällen irgendwann eine Lösung geben, mit der alle leben können. Und wenn Lewandowski dann nach [...]
lässt sich nicht erpressen. Das hat er noch nie getan und wird es auch diesmal nicht machen lassen. Es wird wie in allen bisherigen Fällen irgendwann eine Lösung geben, mit der alle leben können. Und wenn Lewandowski dann nach Madrid geht, wird kein Bayernanhänger über die bösen Spanier jammern, die mit ihrem Geld den armen Münchnern immer die besten Spieler wegholen (immerhin dann schon der zweite Toppspieler in vier Jahren), sondern die meisten werden Lewandowski alles gute wünschen und ihm für ein paar tolle Jahre danken. Und dann kommt der nächste Stürmer. War schon immer so. Nach Gerd Müller, Dieter Hoeness, G. Elber, R. Makaay, M. Manzukic und Mario Gomez. Was solls.
neowave 27.02.2018
2. So wie ich
So wie ich Lewandowski einschätze, ist der ziemlich einfach gestrickt und wird zu Madrid wechseln, weil: der Kohle wegen. Und, falls nicht, wird er bzw. werden seine Berater so lange für Stunk sorgen, bis sein Bleiben so [...]
So wie ich Lewandowski einschätze, ist der ziemlich einfach gestrickt und wird zu Madrid wechseln, weil: der Kohle wegen. Und, falls nicht, wird er bzw. werden seine Berater so lange für Stunk sorgen, bis sein Bleiben so richtig, richtig teuer ist. Dembele und Co. lassen lassen grüßen...
ehrgeizbefreiter 27.02.2018
3. Dortmund hat es doch vorgemacht...
wie man mit nörgelnden Spielern umgeht. Spieler jetzt gehen lassen, dicke Ablöse kassieren und einen super Spieler holen. Dortmund hat sich einen guten Ersatz für Aube geholt. Warum soll es den Bayern nicht gelingen. Geld ist [...]
wie man mit nörgelnden Spielern umgeht. Spieler jetzt gehen lassen, dicke Ablöse kassieren und einen super Spieler holen. Dortmund hat sich einen guten Ersatz für Aube geholt. Warum soll es den Bayern nicht gelingen. Geld ist ja bekanntlich da.
volucer 27.02.2018
4. Bayern entscheidet
Lewandowski hat Vertrag bis 2021. Falls Bayern "Nein" sagt, bleibt ihm nichts anderes übrig. Spielchen a la Dembele oder Aubameyang werden bei Bayern nicht vorkommen. Da sind Kalle und Ulli viel zu abgezockt. [...]
Lewandowski hat Vertrag bis 2021. Falls Bayern "Nein" sagt, bleibt ihm nichts anderes übrig. Spielchen a la Dembele oder Aubameyang werden bei Bayern nicht vorkommen. Da sind Kalle und Ulli viel zu abgezockt. Unmöglich ist ein solcher Transfer aber nicht. Ich halte Lewandowski nicht für unverzichtbar. MMn lässt er zu viele Chancen liegen und ist nicht mehr so abgezockt wie früher. Gerade beim Spiel gegen die Hertha hat er doch einiges liegenlassen. Die Frage, ob Lewandowski Bayern verlässt, hängt davon ab, wen es als Nachfolger gibt. Falls man einen Morata, Icardi, Batshuayi (sofern er weiter gut trifft) für 60 Mio € bekommen kann, sollte man Lewandowski für 100+ Mio € verkaufen. Falls es keinen adäquaten Ersatz gibt, wird Lewandowski nicht wechseln. Sicher ist aber auch, dass wir zuerst von einer Neuverpflichtung im Sturm hören werden, bevor der Abgang von Lewandowski vermeldet wird. Neymars Transfer hat gezeigt, welche Summen aufgerufen werden, wenn bekannt ist, dass ein Verein ordentlich Kohle hat und unbedingt einen Spieler braucht. Bayern war bisher immer clever und man hat erst vom Transfer gehört, wenn er schon im Sack war
GustavN 27.02.2018
5.
Lewandowski hat doch einen laufenden Vertrag bis '21, oder nicht? Das heißt, entweder Rekordablösesumme oder Lewandowski bleibt. Man kann aber auch aus jeder Mücke ein Gerücht machen.
Lewandowski hat doch einen laufenden Vertrag bis '21, oder nicht? Das heißt, entweder Rekordablösesumme oder Lewandowski bleibt. Man kann aber auch aus jeder Mücke ein Gerücht machen.
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