Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Rücktritt von Sandro Wagner

Nur wer unverzichtbar ist, kann sich bei Löw was rausnehmen

Für Sandro Wagners emotionale Reaktion auf seine Nichtnominierung kann man Verständnis haben. Der Rücktritt macht aber deutlich: Wie die Nationalmannschaft tickt, hat er nicht begriffen.

AFP

Sandro Wagner

Ein Kommentar von
Donnerstag, 17.05.2018   14:42 Uhr

Man glaubt es Sandro Wagner sofort, wie sehr sie ihn getroffen hat, diese Nichtnominierung zur Weltmeisterschaft. Seine öffentlichen Tränen auf dem Trainingsplatz des FC Bayern am Dienstag sind nachfühlbar. Eine WM-Teilnahme und damit die Chance auf den Titel ist schließlich das Größte, was ein Fußballer erreichen kann. Ein Traum, der platzt. Aussortiert zu werden ist immer bitter. In einer solchen Branche, in der das Leistungsprinzip so wichtig ist, mehr noch als anderswo.

Aber Wagners Reaktion darauf, sein Rücktritt und seine Begründung zeigen, dass er von der Nationalmannschaft unter Joachim Löw nicht besonders viel verstanden hat.

Seine Art, Dinge offen und ehrlich anzusprechen, käme beim DFB-Team offenbar nicht gut an, hat er über die "Bild"-Zeitung verbreitet. Das mag vielleicht sogar so sein, die Nationalmannschaft unter Löw ist wahrlich keine Ansammlung von Rebellen, aber darum geht es überhaupt nicht. Es geht nicht um angepasst oder unangepasst, wie Wagner andeutet, es geht allein um verzichtbar oder unverzichtbar.

Man kann sich einiges erlauben

Es war immer so bei Joachim Löw: Wen er als maßgeblich für sein sportliches Konzept bewertet, der kann sich vieles erlauben. Der kann den eigenen Kapitän auf dem Spielfeld ohrfeigen, er kann Bücher lancieren, in denen Kollegen angeschwärzt werden, er kann direkt vorm Turnier mit einer Bekanntschaft im Hotelzimmer verschwinden, er kann eben auch mit dem türkischen Autokraten in die Kamera lächeln.

Und er kann sogar, auch wenn Wagner sich das nicht vorstellen kann, den Mund aufmachen und Dinge offen ansprechen. All das ist möglich, wenn man die Anforderungen erfüllt, die Löw an seine Spieler stellt.

Wagner wähnte sich offensichtlich schon bei den Unverzichtbaren. Nach acht Länderspielen. Auf einer Position des Mittelstürmers, die der Bundestrainer noch nie besonders wertgeschätzt hat. Vor einem Jahr ist er im Vorfeld des Confed Cups erstmals in den Kreis des Nationalteams aufgenommen worden, bei dem Turnier in Russland im Vorjahr hat er dann kaum gespielt. Wie der Angreifer daraus den Anspruch auf einen Kaderplatz herleiten kann, lässt sich wohl nur verstehen, wenn man Wagners Selbstverständnis als Erklärung hinzuzieht.

Der Freiburg-Bonus hat auch mitgespielt

Natürlich hatte er auch Pech in der Nominierungsfrage. Dass sein ihm vorgezogener Konkurrent Nils Petersen beim SC Freiburg spielt zum Beispiel, Löws Herzensverein. Petersen, ein Spieler, der übrigens auch offene Worte wählt, wenn es ihm angebracht erscheint. Möglicherweise wollte der Bundestrainer mit der Nichtnominierung Wagners und von Torwart Sven Ulreich auch ein Zeichen setzen, dass auch ein Spieler des FC Bayern kein Geburtsrecht auf einen Platz im Turnierkader hat. Auch solche Dinge spielen bei der Benennung eines Aufgebots eine Rolle.

Vor vier Jahren wurde Mario Gomez ebenso als Mittelstürmer schon bei der ersten Nominierungsrunde nicht berücksichtigt, obwohl der Spieler selbst sich nach einer langen Verletzung als wieder spielfähig zurückgemeldet hatte. Er durfte daheim zugucken, wie seine Kollegen in Rio Weltmeister wurden. Gomez machte weiter, biss die Zähne zusammen. Zwei Jahre später bei der EM war er wieder im Kader. Und jetzt fährt er mit nach Russland. So kann man es auch machen.

insgesamt 196 Beiträge
kumus 17.05.2018
1. Ich hätte ihn mitgenommen...
Wäre er nicht zu Bayern gegangen, hätte er wohl mehr Spielpraxis und auch einen Platz bekommen... denke er ist auch einer der sich in so einem Turnier stark gesteigert hätte...
Wäre er nicht zu Bayern gegangen, hätte er wohl mehr Spielpraxis und auch einen Platz bekommen... denke er ist auch einer der sich in so einem Turnier stark gesteigert hätte...
beethovensneunte 17.05.2018
2. Witz, oder?
"Vor vier Jahren wurde Mario Gomez ebenso als Mittelstürmer schon bei der ersten Nominierungsrunde nicht berücksichtigt, obwohl der Spieler selbst sich nach einer langen Verletzung als wieder spielfähig zurückgemeldet [...]
"Vor vier Jahren wurde Mario Gomez ebenso als Mittelstürmer schon bei der ersten Nominierungsrunde nicht berücksichtigt, obwohl der Spieler selbst sich nach einer langen Verletzung als wieder spielfähig zurückgemeldet hatte. Er durfte daheim zugucken, wie seine Kollegen in Rio Weltmeister wurden. Gomez machte weiter, biss die Zähne zusammen. Zwei Jahre später bei der EM war er wieder in Kader. Und jetzt fährt er mit nach Russland. So kann man es auch machen." ------------------ Schauen Sie doch mal, wie alt Herr Wagner jetzt ist. Sie meinen doch nicht im Ernst, dass der Kollege im "Leistungssport-Rentenalter" noch irgend eine Chance hat? - Diesmal war die letzte Chance. ------ MfG
mixow 17.05.2018
3.
Da gibt es so garnichts zu verstehen. Löw hat seine Lieblinge und Stammspieler und da gibt es kaum etwas zu rütteln. Also, was genau sollte nun ein Herr Wagner nicht verstanden haben? Er hat genau richtig verstanden. Unnützer [...]
Da gibt es so garnichts zu verstehen. Löw hat seine Lieblinge und Stammspieler und da gibt es kaum etwas zu rütteln. Also, was genau sollte nun ein Herr Wagner nicht verstanden haben? Er hat genau richtig verstanden. Unnützer und ein unobjektiver Bericht, wen wundert es, so kurz vor der WM.
bayerns_bester 17.05.2018
4.
Alles richtig gemacht, Sandro. Bei den kommenden Turnieren in 2 bzw. 4 wärst Du altersbedingt sowieso nicht nominiert worden. Du wirst bei der WM fehlen; die Offensive besteht leider nur aus Schönwetterpielern, von denen keiner [...]
Alles richtig gemacht, Sandro. Bei den kommenden Turnieren in 2 bzw. 4 wärst Du altersbedingt sowieso nicht nominiert worden. Du wirst bei der WM fehlen; die Offensive besteht leider nur aus Schönwetterpielern, von denen keiner in der Lage ist, bei einem Rückstand das Team zu führen oder auch mal dahin zu gehen, wo es weh tut. Ich sehe das Bild schon vor mir, wie bei einem Rückstand im Achtelfinale Jogi nasebohrend am Spielfeldrand zusieht, wie Typen wir Reus oder Özil das Heft der Handlung an sich reissen und die Mannschaft zum Sieg führen...
ajue 17.05.2018
5. Wagner und Petersen
Was Sie vergessen haben zu erwähnen, Herr Ahrens, ist dass Nils Petersen es ja auch womöglich wegen seiner spielerischen Fähigkeiten in den vorläufigen Kader geschafft hat. Und nicht nur (oder gar nicht) deshalb, weil der SC [...]
Was Sie vergessen haben zu erwähnen, Herr Ahrens, ist dass Nils Petersen es ja auch womöglich wegen seiner spielerischen Fähigkeiten in den vorläufigen Kader geschafft hat. Und nicht nur (oder gar nicht) deshalb, weil der SC Freiburg Löws "Herzensverein" ist. Und vielleicht auch deshalb, weil er sich eben nicht für unverzichtbar hält. Könnte ja auch eine Rolle spielen. Das nur am Rande.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Fotostrecke

Anzeige

Anzeige
  • Michael Wulzinger (Hrsg.):
    Trainer-Magier Herberger

    Der WM-Sieg 1954 und die Deutschen.

    SPIEGEL E-Book; 2,99 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.

Deutsche Rekord-Nationalspieler

Name Jahre Spiele
Lothar Matthäus 1980-2000 150
Miroslav Klose 2001-2014 137
Lukas Podolski 2004-2016 129
Bastian Schweinsteiger 2004-2016 121
Philipp Lahm 2004-2014 113
Jürgen Klinsmann 1987-1998 108
Jürgen Kohler 1986-1998 105
Hans-Jürgen Dörner 1969-1985 105
Joachim Streich 1969-1984 105
Per Mertesacker 2004-2014 104
Franz Beckenbauer 1965-1977 103
Jürgen Croy 1967-1981 102
Thomas Häßler 1988-2000 101
Ulf Kirsten 1985-2000 100

Quelle: DFB

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP