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Sport

DFB-Angreifer Gnabry

Ein Lichtblick

Bei der DFB-Elf und beim FC Bayern läuft es nicht - aber einer hat es geschafft, trotzdem positiv aufzufallen. Serge Gnabry ist eine Art Krisengewinnler des Fußballjahres 2018.

Foto: Getty Images
Aus Leipzig berichtet
Donnerstag, 15.11.2018   14:11 Uhr

Der Ruf der Nationalmannschaft ist ramponiert, der FC Bayern rumpelt in der Liga umher. Die beiden Flaggschiffe des deutschen Fußballs, sie dümpeln im seichten Gewässer. Herbst-Tristesse.

Für Serge Gnabry kann es keine besseren Zeiten geben.

Es gibt das Wort vom Krisengewinnler, es hat gewöhnlich einen unsympathischen Beiklang, es bezeichnet normalerweise Menschen, die in schlechten Zeiten ihren Profit machen, denen es gut geht, wenn es anderen schlecht geht.

Serge Gnabry darf man ohne Arg als Krisengewinnler bezeichnen. Ohne ihm irgendetwas vorwerfen zu können. Er macht beim DFB und beim FC Bayern einfach nur das, was manchem seiner Kollegen schwerfällt: schnell sein, fit sein, guten Fußball spielen.

Wie die drei Musketiere

Gnabry ist ein Lichtblick in dieser eher düsteren Zeit in München und beim DFB. Als Joachim Löw nach der 0:3-Pleite von Amsterdam gegen die Niederlande mit dem Rücken zur Wand stand und er personell reagieren musste, vertraute er dem 23-Jährigen in dessen dritten Länderspiel das Angriffszentrum der Nationalelf an. Und das, als es in Paris gegen den amtierenden Weltmeister ging. Neben Gnabry stürmten im Stade de France Timo Werner, 22, und Leroy Sané, 22. In der ersten Halbzeit spielten sie gegen die Franzosen wie die drei Musketiere.

"Wir hatten ihn schon 2014 vor der WM auf dem Zettel", sagt der Bundestrainer jetzt. Damals war Gnabry als blutjunger Kerl im Profikader des FC Arsenal aufgetaucht, mit 16 bereits hatte er den Sprung vom Nachwuchs des VfB Stuttgart nach England gewagt, "er ist uns schon damals in der Premier League aufgefallen", sagt Löw. Wer bei Arsène Wenger in London Aufnahme fand, verdiente schließlich jede Aufmerksamkeit. Auch wenn es am Ende nur zu zehn Einsätzen in der Premier League reichte, später kam noch ein Kurzeinsatz für West Bromwich Albion hinzu.

Vater Gnabry galt jahrelang als Nationalspieler

Schnell war er damals schon, es ist bis heute eine seiner Kernqualifikationen geblieben, im Laufduell ein bisschen früher an den Ball zu kommen als der Gegenspieler. Ob er diese Schnelligkeit geerbt habe, wurde er bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Leipzig gefragt. Gnabry musste ein wenig lächeln, als er die Frage hörte. Möglicherweise hat er in diesem Moment an die Geschichte mit seinem Vater gedacht. Immer wieder tauchte in Medien die Information auf, sein Vater Jean-Hermann habe jahrelang für die Nationalmannschaft der Elfenbeinküste gespielt. Da war aber nichts dran, Vater Gnabry hatte nie sein Geld mit Fußball verdient. Aber eine schöne Geschichte ist es immerhin.

Getty Images

Serge Gnabry

"Meine Anatomie hat es hergegeben, dass ich schnell rennen kann", sagt Gnabry junior. Und wenn es nach Löw geht, soll er dies in der Nationalmannschaft noch häufig unter Beweis stellen: "Wenn er stabil und gesund bleibt, kann er für uns ein extrem wichtiger Spieler in der Zukunft sein." So etwas sagt Löw nicht oft. Über Marco Reus hat er das einmal gesagt, über Ilkay Gündogan. Beide fehlen gegen Russland am Donnerstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGE ONLINE), der eine verletzt, der andere wegen fehlender Spielpraxis. Gnabry wird dagegen aller Voraussicht nach seine erneute Startchance erhalten.

London, dann Bremen, Hoffenheim, jetzt München - mit seinen 23 Jahren hat Gnabry schon einiges gesehen, einiges erlebt. Und es war nicht immer eine Erfolgsstory. In seiner Londoner Zeit plagte er sich mit hartnäckigen Rückenbeschwerden herum, bei Werder Bremen warf ihn eine Verletzung im Endspurt der Saison zurück und kostete ihn den Stammplatz. In der Nationalmannschaft schoss er in seinem ersten Spiel im November 2016 in San Marino drei Tore, danach verschwand er wieder in der Versenkung.

Aber der Gnabry

"Man muss den jungen Spielern zubilligen, dass ihnen noch die Konstanz fehlt", sagt Löw. Wenn das so ist, dann hat Gnabry gerade wieder eine gute Phase. Bei den Bayern gehört er zu den wenigen, die sich derzeit von der Malaise nicht anstecken lassen. Beim Topspiel in Dortmund am Wochenende war er an beiden Münchner Toren beteiligt. Wenn die Bayern seit Wochen Durchschnitt abliefern, heißt es nach den Spielen stets: Aber der Gnabry.

Gegen die Niederlande am Montag beim letzten Länderspiel des Jahres soll er mithelfen, den Abstieg aus der Nations League doch noch abzuwenden. Möglicherweise ist das Spiel, wenn es angepfiffen wird, schon sportlich bedeutungslos. Wenn die Oranje-Elf am Freitag zuvor daheim in Amsterdam Frankreich schlägt, dann kann die Löw-Elf spielen, wie sie will. Der Abstieg stünde dann fest.

Löw sagt, man solle die Bedeutung der Nations League "nicht so hoch hängen", ein Abstieg sei "kein Weltuntergang". Gnabry sagt: "Kein Fußballer steigt gerne ab. Ich werde versuchen, alles zu geben." Und wenn es dann schief geht, sollen die Leute anschließend wenigstens sagen: Aber der Gnabry.

insgesamt 7 Beiträge
Broko 15.11.2018
1.
Muss eigentlich immer der FC Bayern den deutschen Fußball retten? Könnte nicht mal zur Abwechslung der BVB seine Spieler auch einmal zur Verfügung stellen, statt ihnen immer Absagen zu empfehlen?
Muss eigentlich immer der FC Bayern den deutschen Fußball retten? Könnte nicht mal zur Abwechslung der BVB seine Spieler auch einmal zur Verfügung stellen, statt ihnen immer Absagen zu empfehlen?
A. Merkel 15.11.2018
2. San Marino
Herr Gnabry hat schon mal ein Tor gegen San Marino geschossen. Gegen San Marino wird Deutschland jetzt nach dem Abstieg in der Nations League häufiger antreten. Vielleicht gelingt Herr Gnabry dann auch mal ein Tor gegen die [...]
Herr Gnabry hat schon mal ein Tor gegen San Marino geschossen. Gegen San Marino wird Deutschland jetzt nach dem Abstieg in der Nations League häufiger antreten. Vielleicht gelingt Herr Gnabry dann auch mal ein Tor gegen die Faroer-Inseln, den zweitliebsten Gegner von Herrn Löw.
widower+2 15.11.2018
3. Gähn!
Um in der Nations League auf San Marino zu treffen, müsst die deutsche Nationalmannschaft dreimal hinter einander absteigen.
Zitat von A. MerkelHerr Gnabry hat schon mal ein Tor gegen San Marino geschossen. Gegen San Marino wird Deutschland jetzt nach dem Abstieg in der Nations League häufiger antreten. Vielleicht gelingt Herr Gnabry dann auch mal ein Tor gegen die Faroer-Inseln, den zweitliebsten Gegner von Herrn Löw.
Um in der Nations League auf San Marino zu treffen, müsst die deutsche Nationalmannschaft dreimal hinter einander absteigen.
nummer50 15.11.2018
4. Broko
Gerne darf der BVB seine Spieler zur Verfügung stellen....welche Namen fallen Ihnen ausser Reuss dazu ein?
Zitat von BrokoMuss eigentlich immer der FC Bayern den deutschen Fußball retten? Könnte nicht mal zur Abwechslung der BVB seine Spieler auch einmal zur Verfügung stellen, statt ihnen immer Absagen zu empfehlen?
Gerne darf der BVB seine Spieler zur Verfügung stellen....welche Namen fallen Ihnen ausser Reuss dazu ein?
briancornway 15.11.2018
5. Offensive mit Esprit
Gnabry ist wirklich ein Lichtblick, für DFB und auch für FCB. Anstatt auf seinem Rücken über den Rivalen zu lästern sollte man Gnabry ein bisschen Aufmerksamkeit und Respekt entgegenbringen.
Zitat von nummer50Gerne darf der BVB seine Spieler zur Verfügung stellen....welche Namen fallen Ihnen ausser Reuss dazu ein?
Gnabry ist wirklich ein Lichtblick, für DFB und auch für FCB. Anstatt auf seinem Rücken über den Rivalen zu lästern sollte man Gnabry ein bisschen Aufmerksamkeit und Respekt entgegenbringen.

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