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Sport

Russlands Vize-Ministerpräsident Mutko

Vom Olymp verbannt, von der Fifa umarmt

Das IOC sieht seine Verstrickung in die russische Staatsdoping-Affäre als erwiesen an, die Fifa steht hingegen hinter dem WM-Cheforganisator Witali Mutko. Eine skurrile Situation.

DPA

Witali Mutko

Von
Mittwoch, 06.12.2017   15:53 Uhr

Beim Thema Doping kann Witali Mutko explodieren. Gut zu beobachten war das am vergangenen Freitag, als er vor der WM-Gruppenauslosung in Moskau auf das mutmaßliche Staatsdoping in seinem Land angesprochen wurde. In einer mehrere Minuten dauernden Wutrede wies der frühere russische Sportminister alle Anschuldigungen von sich.

"Es hat nie und wird niemals ein staatlich gelenktes Dopingsystem in Russland geben", sagte Mutko. Sein Nebenmann, Fifa-Boss Gianni Infantino, saß nur lächelnd daneben. Bereits beim Confed Cup im Sommer hatte er einen ähnlichen Ausbruch gehabt, gipfelnd in Mutkos Vorschlag, einen Tanz aufzuführen, wenn er dafür nicht mehr nach Doping gefragt würde.

Sein Wunsch wurde nicht erhört, es wurden natürlich weiter Fragen gestellt.

Und mit einem Tanz wird sich Mutko auch nicht aus der misslichen Lage befreien können, die durch die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees vom Dienstag noch mal exponentiell verschlimmert wurde. Russlands NOK wurde von den Spielen in Südkorea ausgeschlossen - und Mutko für seine Verwicklung in das fürs IOC glaubhaft durch den McLaren-Report dargelegte russische Staatsdoping lebenslang aus der "Olympischen Familie" ausgeschlossen.

In vergleichbaren Fällen würde eine solche Sperre zum Ende einflussreicher Funktionärskarrieren führen. Doch bei Mutko ist das anders, er ist ein wichtiger Mann. Früher Sportminister, jetzt Vize-Ministerpräsident, Präsident des russischen Fußballverbands und verantwortlich für das wichtigste Sportevent des kommenden Jahres: die Fußball-WM in Russland.

Chronologie

Auch der russische Fußball steht unter Dopingverdacht

Mutko hat sich bislang nicht zu der Entscheidung geäußert, das russische WM-Organisationskomitee ließ lediglich mitteilen: "Die Entscheidung des IOC hat keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen für die Fifa Fußball-Weltmeisterschaft 2018, da Russland und sein lokales Organisationskomitee gemeinsam mit der Fifa ihre Arbeit fortsetzen, um die bestmögliche Veranstaltung zu organisieren und durchzuführen."

Nach jetzigem Stand sind für Mutko also über das Olympia-Aus hinaus keine Konsequenzen zu erwarten, weder aus Russland, noch von der Fifa, die sich zu den neuen Erkenntnissen ähnlich äußert wie das WM-OK. Eine überraschend nichtssagende Reaktion des Fußball-Weltverbands angesichts der Verdachtsmomente. Zumal auch der russische Fußball in den Dopingskandal verstrickt sein soll.

Auch der Fifa liegen Untersuchungsergebnisse von Richard McLaren vor. Demnach sollen 34 russische Fußballer vom Doping-Vertuschungssystem in Russland profitiert haben . Darunter: der komplette WM-Kader von 2014. Bereits im Sommer hatte McLaren der ARD gesagt: "Es gab offenbar eine Bank mit sauberem Urin, und diese Bank wurde für Fußball genutzt."

"Sie sind mit dem Kopf im Sand glücklich"

Laut McLaren hat die Wada insgesamt 155 Proben beschlagnahmt, von denen er vermutet, dass sie ähnlich wie die Proben von Sotschi manipuliert wurden. Oder sogar Dopingstoffe beinhalten. Seinen Verdacht begründet McLaren auch mit E-Mails russischer Funktionäre, in denen es um erhöhte Grenzwerte von Athleten geht.

Darin soll der damalige Moskauer Anti-Doping-Laborleiter und heutige Kronzeuge Griorgij Rodtschenkow wenige Wochen vor der WM in Brasilien gebeten worden sein, zu überprüfen, ob 24 Mitglieder der Nationalmannschaft "gesund" seien. Solche Ausreisekontrollen sind auch aus der früheren DDR bekannt. Dort ging es darum, positive Tests von unabhängigen Dopingkontrolleuren im Vorfeld auszuschließen.

Die Fifa untersucht den Fall seit Sommer, allerdings mit wenig Elan: McLaren wurde laut eigener Aussage zwar von der Fifa kontaktiert, aber "das ist einige Zeit her und stand nicht in direktem Zusammenhang" mit der Russland-Frage, sagte der Kanadier. Auch Rodtschenkow, der der IOC-Kommission eidesstattlich versicherte, Mutko sei die zentrale Person in der Dopingaffäre, wurde nicht kontaktiert. "Sie sind mit dem Kopf im Sand glücklich", sagt der Anwalt des Chemikers.

Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura sagte jüngst, man könne angesichts der Informationslage, die vorliege, "nicht von weit verbreitetem Doping im russischen Fußball sprechen". Auch Fifa-Boss Infantino sieht keinen Zusammenhang zum WM-Turnier im kommenden Jahr. Den Schweizer verbindet eine enge Beziehung mit Mutko. "Wir haben ihn von Anfang an unterstützt", hatte Mutko nach Infantinos Wahl zum Fifa-Boss gesagt.

Die WM im kommenden Jahr wird wohl wie geplant durchgeführt werden, zu welchen Ergebnissen die Fifa kommt, ist derzeit unklar. Für Mutko sind die Vorwürfe jedenfalls eine "Dummheit" - aber auch Anlass für Späße: Nach den schwachen Testspiel-Leistungen der russischen Fußball-Nationalmannschaft sagte er: "Wenn wir unter Doping so spielen, dann stellen Sie sich vor, wie wir ohne spielen würden?"

Kommentar

insgesamt 4 Beiträge
Grummelchen321 06.12.2017
1. Die
Millionen für die Funktionäre fließen doch.Es besteht als o kein Grund für Fifa Mafia tätig zu werden.Wer weiß über welche geheimen Konten das abgewickelt wird.Geldströme innerhalb Russlands kann man ja noch gut [...]
Millionen für die Funktionäre fließen doch.Es besteht als o kein Grund für Fifa Mafia tätig zu werden.Wer weiß über welche geheimen Konten das abgewickelt wird.Geldströme innerhalb Russlands kann man ja noch gut verdunkeln.Als Bargeld ausgezahlt auch gut zu waschen.Privatjets können ja direkt ohne große Kontrollen direkt in die Steuerparadiese fliegen.Haben sie je erlebt das einer dieser Vögel zu einer Landung gezwungen wurde um zu kontrollieren ob sich illegales Geld oder Waren darin befinden.
ptb29 06.12.2017
2. Und wieder wird im Artikel von Verdachtsmomenten gesprochen
In der Chronologie geht es nur um: da hat einer gesagt, einer behauptet, er ist glaubwürdig weil Kronzeuge. Mir fehlen immer noch die Beweise. Ständiges Wiederholen macht aus Behauptungen keine Tatsachen. Ein fundierter Bericht [...]
In der Chronologie geht es nur um: da hat einer gesagt, einer behauptet, er ist glaubwürdig weil Kronzeuge. Mir fehlen immer noch die Beweise. Ständiges Wiederholen macht aus Behauptungen keine Tatsachen. Ein fundierter Bericht mit der Aufzählung der Beweise wäre hilfreich, um das Thema besser beurteilen zu können.
strpop 06.12.2017
3. Infantino
ist Blatter ist Fifa ist Infantino. Die Korruption dreht sich doch im Kreise, ein Ausbrechen aus dem System brächte es nicht nur zu Falle, es implodierte. Was nicht sein darf, kann nicht sein, ist es also nicht. Elton John [...]
ist Blatter ist Fifa ist Infantino. Die Korruption dreht sich doch im Kreise, ein Ausbrechen aus dem System brächte es nicht nur zu Falle, es implodierte. Was nicht sein darf, kann nicht sein, ist es also nicht. Elton John sagte gestern, die Politiker seien korrupt. Die Fifa ist es sicher und das wird sich solange nicht ändern, solange weltweit die Herren sich die Taschen vollmachen... Es hilft nur Achselzucken um nicht verrückt zu werden.
rjb26 06.12.2017
4. da Kommentare
woandets nicht erlsubt sind. Mutko mag ein stinkdtiefel sein. abet die US Boykott mafia auch. gut dad einwandfrei getestete Sportler starten duerfen und bitte jetzt ALLE auf Doping testen v.a. die Amis und Chinesen
woandets nicht erlsubt sind. Mutko mag ein stinkdtiefel sein. abet die US Boykott mafia auch. gut dad einwandfrei getestete Sportler starten duerfen und bitte jetzt ALLE auf Doping testen v.a. die Amis und Chinesen

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