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Sport

Russische Dopingaffäre

Mutko wütet, Infantino schweigt

Die Indizien für russisches Staatsdoping sind erdrückend, auch der Fußball soll betroffen sein. Wie wenig das Thema Russlands Vizepremier Mutko und Fifa-Präsident Infantino passt, wurde kurz vor der WM-Auslosung deutlich.

AFP

Vitaly Mutko

Freitag, 01.12.2017   12:17 Uhr

Russlands Vizepremier Witalij Mutko hat in einer fast zehnminütigen Wutrede vor der Auslosung der WM-Endrunde in Moskau erneut alle Dopingvorwürfe zurückgewiesen. "Es hat nie und wird niemals ein staatlich gelenktes Dopingsystem in Russland geben", sagte der Chef des WM-Organisationskomitees: "Das brauchen wir hier nicht. Diese ständigen Vorwürfe und Spekulationen zielen nur darauf ab, unser Land zu diskreditieren."

"Es heißt immer, überall auf der Welt ist es gut, aber in Russland ist es schlecht. Wir sind ein offenes Land, das alle Einstellungen und Religionen respektiert. Jeder kann kommen und sich hier wohlfühlen", so Mutko weiter. Es gebe keine Beweise für ein Dopingsystem in Russland.

Die Erkenntnisse der Untersuchung des unabhängigen kanadischen Rechtsprofessors Richard McLaren legen einen anderen Schluss nahe. Aus dem im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada erstellten McLaren-Report geht hervor, dass zwischen 2011 und 2015 mehr als tausend russische Athleten von einem staatlich gelenkten Dopingsystem profitiert haben sollen. In dem Bericht waren auch 34 russische Fußballer als dopingverdächtig genannt worden, darunter der gesamte WM-Kader von 2014.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet am Dienstag über Sanktionen gegen Russland. Das IOC stuft den russischen Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow, der Mutko als Schlüsselfigur des Dopingsystems bezeichnet, als "glaubwürdig" ein, der Komplettausschuss von den Winterspielen in Pyeongchang scheint möglich.

Russlands Leichtathleten sind für internationale Wettkämpfe gesperrt, das russische Anti-Doping-Labor ist seit November 2015 wegen massiver Verfehlungen suspendiert. Während der WM liegen die Dopingkontrollen laut Fifa nicht in russischer Hand, die Proben würden stattdessen in die Schweiz geflogen und von internationalen Spezialisten ausgewertet.

Fifa-Präsident Gianni Infantino wich der Thematik aus: "Ich kann nur wiederholen, dass sich die Fifa nicht an Spekulationen beteiligt. Die Fifa testet alle Spieler in und außerhalb der Wettbewerbe." Diese Tests seien bei der WM 2014, dem Confed Cup und den Klubwettbewerben (der Europäischen Fußball-Union, d. Red.) negativ gewesen.

mon/dpa/sid/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
Fantastic 01.12.2017
1. Russische Dopingaffaire
Das Problem sind nicht unfertige Stadien zum jetzigen Zeitpunkt. Solche Probleme hat es immer schon im Vorfeld von Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften gegeben. Das Problem ist eine völlig verlogene FIFA. Der [...]
Das Problem sind nicht unfertige Stadien zum jetzigen Zeitpunkt. Solche Probleme hat es immer schon im Vorfeld von Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften gegeben. Das Problem ist eine völlig verlogene FIFA. Der Verein stinkt nun nachweislich nach korruptiver Verrottung seit Jahren. Wer glaubt eigentlich, daß die Vergabe einer Fußballweltmeisterschaft nach Quatar, einer Fußball-Nullnummer mit Temperaturen um die 40 Grad Celsius und einer Bevölkerung von gerade mal 2,6 Mio Bürgern, die eher Kamelrennen als Fußball bevorzugen, mit rechten Dingen zugegangen ist? Eine nachträgliche Stornierung der Vergabe halte ich aber nach den Milliarden Investitionssummen die Russland und auch Quatar bereits getätigt haben für nicht sinnvoll. Vielmehr sollte die Fifa die zukünftige Vergabe offen zum Verkauf ausschreiben. Dann wäre auch klar, daß es nicht um Sport, sondern ums Geschäft geht. Gleiches gilt für das Doping. Jeder Sportler, jedes Land, jeder Verein darf ein Kontingent für ein erlaubtes Dopingkonto kaufen. Damit wäre dann alles klar und offensichtlich.
gigantusxx 01.12.2017
2. Zweifel sind angebracht!
Gerade eben noch mehr russische Sportler lebenslang gesperrt worden. Begründet wurde die Sperre mit „forensischen und analytischen Dopinguntersuchengen“. Wie auch in anderen Fällen liegt keine positive Dopingprobe vor. Ich [...]
Gerade eben noch mehr russische Sportler lebenslang gesperrt worden. Begründet wurde die Sperre mit „forensischen und analytischen Dopinguntersuchengen“. Wie auch in anderen Fällen liegt keine positive Dopingprobe vor. Ich nehme an es wurden Anzeichen gefunden, dass die Proben von den Spielen in Sotschi „höchstwahrscheinlich“ manipuliert wurden. Das heißt das IOC kann auf dieser Grundlage jeden russischen Sportler lebenslang sperren, solange sie z.B. unter einem Mikroskop ein paar Kratzer auf einer Dopingprobe finden. Und das soll der Maßstab für ein gerechtes Dopingverfahren sein!? Ich will damit sagen solange es einen Funken Zweifel gibt und ohne einen positiven Dopingbefund sind die Zweifel berechtigt. Solange dürfen Sportler nicht einfach so pauschal lebenslang oder gar die ganze Nation für die olympischen Spiele gesperrt werden. „Das IOC stuft den russischen Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow, der Mutko als Schlüsselfigur des Dopingsystems bezeichnet, als "glaubwürdig" ein...“ Wieso? Weil es ein handgeschriebenes Tagebuch gibt in dem der Kronzeuge die Beteiligung Mutkos bestätigt? Das ist natürlich ein unwiderlegbarer Beweis!

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