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WM 2018

Frage nach Doping - Russlands Trainer steht auf und geht

Fragen gerne - aber nicht zum Thema Doping: Russlands Nationaltrainer reagierte im Gespräch mit dem SPIEGEL dünnhäutig, als er zu den enormen Laufleistungen seiner Spieler befragt wurde: Stanislaw Tschertschessow wollte das Interview abbrechen.

DPA

Stanislaw Tschertschessow

Freitag, 13.07.2018   18:08 Uhr

Der Trainer der russischen Nationalmannschaft mag sich mit dem Thema Doping im Sport nicht auseinandersetzen. Ein Interview mit dem SPIEGEL wollte er abbrechen, als zwei Redakteure ihn auf Zweifel an den Leistungen seiner Mannschaft ansprachen. "Fragen Sie mich zu Dingen, die faktisch bewiesen sind, und ich gebe Ihnen eine Antwort", sagte Stanislaw Tschertschessow in dem Gespräch, stand auf und verließ den Raum. Erst nach längerer Diskussion war der Trainer bereit, das Interview fortzusetzen, das im aktuellen SPIEGEL erschienen ist (Lesen Sie hier das ganze Gespräch).

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Die Journalisten hatten wissen wollen, ob man in Russland verstehen könne, dass die Sportler angesichts des institutionellen Dopingsystems bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi misstrauisch beobachtet werden. Das russische Team hat bei der Fußballweltmeisterschaft mit die höchsten Laufleistungen aller Turniermannschaften erreicht. "Russland interessiert nicht, was Sie denken", antwortete Tschertschessow und erklärte, Ziele könne man "nur mit rechtmäßigen Mitteln erreichen". Angesprochen auf den Spieler Ruslan Kambolow, der auf einer Verdachtsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) steht, fragte Tschertschessow: "Kann er nicht auf einer Verdachtsliste stehen?"

Bei der Bewertung der deutschen Mannschaft unterstützte der ehemalige russische Nationaltorhüter seinen guten Bekannten, Bundestrainer Joachim Löw. Für ihn sei Löw "ein vorbildlicher Trainer", aber "selbst die besten Trainer gewinnen nicht jedes Spiel". Er warb um Verständnis dafür, dass sich Löw seit der Heimkehr der deutschen Mannschaft nicht mehr öffentlich geäußert hat.

Vom Viertelfinal-Aus der russischen Mannschaft zeigt sich Tschertschessow enttäuscht: "Es gab einen Pokal, und wir hatten ihn nicht in der Hand, wir hatten keine Medaille um die Brust. Das ist kein Erfolg."

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insgesamt 124 Beiträge
cyber_noob 13.07.2018
1. Wer sucht, der findet
Kann man bitte mal aufhören bei jeder Kleinigkeiten misstrauisch zu werden? Dass die Russen dopen wurde ja schon vor der WM von allen Medien ausgeschlachtet ohne dass das das erste Spiel gespielt wurde...und wenn man krampfhaft [...]
Kann man bitte mal aufhören bei jeder Kleinigkeiten misstrauisch zu werden? Dass die Russen dopen wurde ja schon vor der WM von allen Medien ausgeschlachtet ohne dass das das erste Spiel gespielt wurde...und wenn man krampfhaft sucht findet man natürlich auch irgendwas. Nur weil Russland einmal gut spielt sollen sie gedopt haben? Als Island bei der EM 2016 überraschend über die Gruppenphase hinaus kam, gab es auch keinen Dopingverdacht. Wenn ich dann als Trainer ständig nur auf das Thema Doping angesprochen werde und nicht darauf wie man es z.B. angestellt hat mit viel Konditionstraining diese hohen Laufleistungen zu erbringen, dann würde ich auch kein Bock auf das Interview haben... Sollten die Russen bewiesenermaßen gedopt haben nehm ich meine Äußerungen natürlich zurück aber bitte bitte hört auf mit diesem Russland Bashing bevor irgendwas bewiesen ist.
bauklotzstauner 13.07.2018
2. Und da wundern Sie sich?
Spiegel-Leute konfrontieren den russischen Trainer mit sachlich unhaltbaren Vorwürfen - und erregen sich öffentlich, daß er daraufhin das "Interview" - wohl eher die Inquisition - abbrechen will? Die [...]
Spiegel-Leute konfrontieren den russischen Trainer mit sachlich unhaltbaren Vorwürfen - und erregen sich öffentlich, daß er daraufhin das "Interview" - wohl eher die Inquisition - abbrechen will? Die "furchteinflößenden Laufleistungen" (Zitat sueddeutsche.de) der russischen Spieler sind eine Erfindung der deutschen Presse! Schon in der Vorrunde liefen die Russen in etwa auf dem Niveau der deutschen Bundesliga (118 km vs. 119). Wohlgemerkt Saison-DURCHSCHNITT!! Und im Gegensatz zur WM-Endrunde, sind da auch massenhaft Spiele dabei, bei denen es um wenig bis nichts geht - während bei der WM jedes Spiel das letzte sein kann. Und veglichen mit anderen Mannschaften der WM sind sie weit von der "Lauf-Krone" entfernt! Sogar die lauffaulen Deutschen, die sich in den drei Spielen nicht gerade mit Einsatzwillen bekleckerten, liefen im Schnitt auf "russischem" Niveau! Waren die jetzt auich alle gedopt? Ist die Bundesliga komplett verdopt? Oder ist der einzige "handfeste" Beleg wieder mal der eine - "Es sind Russen!"
-su- 13.07.2018
3.
Von welchen "enormen Laufleistungen" wird hier gesprochen? Die Russen haben keine höhere Laufleistung wie Bundesligavereine oder die deutsche Nationalmannschaft. Wenn also behauptet wird, die Laufleistung der Russen [...]
Von welchen "enormen Laufleistungen" wird hier gesprochen? Die Russen haben keine höhere Laufleistung wie Bundesligavereine oder die deutsche Nationalmannschaft. Wenn also behauptet wird, die Laufleistung der Russen lege Doping nahe, dann wird damit auch unterstellt, die deutsche Nationalmannschaft und die halbe Bundesliga dopt. Habe noch keine Anfragen an Löw, Bierhoff oder Grindel gesehen, in denen der deutschen Nationalmannschaft Doping unterstellt wurde. Gerade nach dem WM Titel 2014 und der Laufleistung wie die Russen, wäre das eine naheliegende Frage gewesen.
Charlie Whiting 13.07.2018
4. Also bitte
da wird jahrzehntelang in alken Sportarten gedopt und dann darf man nicht mal fragen? Ok, war unhöflich und auch unnötig da frühes Ausscheiden. Aber berechtigt ist der Verdacht schon. Bereits im 1. Spiel (logischerweise ohne [...]
da wird jahrzehntelang in alken Sportarten gedopt und dann darf man nicht mal fragen? Ok, war unhöflich und auch unnötig da frühes Ausscheiden. Aber berechtigt ist der Verdacht schon. Bereits im 1. Spiel (logischerweise ohne Verlängerung) haben mindestens 5 russische Spieler Wadenkrämpfe gehabt. Habe ich noch nie gesehen. Musste gleich an Ben Johnsson denken (den Sprinter). Also Frage berechtigt.
brooklyner 13.07.2018
5.
Nun, Island steht heutzutage eigentlich auch überhaupt nicht im (bei Russland) begründeten Verdacht, ein hochkorruptes Land zu sein, in dem kurzhälsige Schläger mit Silberblick Multimilliardäre sind und das seine Nachbarn [...]
Zitat von cyber_noobKann man bitte mal aufhören bei jeder Kleinigkeiten misstrauisch zu werden? Dass die Russen dopen wurde ja schon vor der WM von allen Medien ausgeschlachtet ohne dass das das erste Spiel gespielt wurde...und wenn man krampfhaft sucht findet man natürlich auch irgendwas. Nur weil Russland einmal gut spielt sollen sie gedopt haben? Als Island bei der EM 2016 überraschend über die Gruppenphase hinaus kam, gab es auch keinen Dopingverdacht. Wenn ich dann als Trainer ständig nur auf das Thema Doping angesprochen werde und nicht darauf wie man es z.B. angestellt hat mit viel Konditionstraining diese hohen Laufleistungen zu erbringen, dann würde ich auch kein Bock auf das Interview haben... Sollten die Russen bewiesenermaßen gedopt haben nehm ich meine Äußerungen natürlich zurück aber bitte bitte hört auf mit diesem Russland Bashing bevor irgendwas bewiesen ist.
Nun, Island steht heutzutage eigentlich auch überhaupt nicht im (bei Russland) begründeten Verdacht, ein hochkorruptes Land zu sein, in dem kurzhälsige Schläger mit Silberblick Multimilliardäre sind und das seine Nachbarn überfällt. Im Norden ist Redlichkeit, Direktheit und Ehrlichkeit ein hohes Gut, ohne dass man Gefahr läuft, gleich eins in die Fresse oder eine Kugel zu bekommen, wenn man am Lack kratzt. Genügt Ihnen das als Antwort?

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