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Sport

Nachfolgekandidaten von Zidane bei Real

Wer soll diesen Erfolgstrainer beerben?

Drei Champions-League-Titel in drei Jahren, trotzdem gibt es für den Nachfolger von Zinédine Zidane bei Real Madrid viel zu tun. Wer kommt infrage? Die angebliche Wunschlösung hat ihren Vertrag gerade erst verlängert.

Foto: DPA
Von und
Donnerstag, 31.05.2018   19:08 Uhr

Es sah schon etwas bedrückt aus, wie Zinédine Zidane und Florentino Perez auf dem Podium bei der Pressekonferenz in Madrid saßen. Zidane im dunklen Rollkragenpullover, Perez im nachtblauen Anzug. Beide trugen mit ernsten Mienen ihre Statements vor. Der Trainer sagte, dass er den Verein verlassen werde, "zum richtigen Zeitpunkt". Der Präsident nannte das "eine völlig unerwartete Entscheidung" und sprach von einem "sehr traurigen Tag". Die Nachrichtenagenturen schrieben beiden zu, "zu Tränen gerührt" gewesen zu sein.

Real Madrid sucht also einen neuen Trainer, weil der alte der Meinung ist, die Mannschaft brauche eine Erneuerung. Soweit die offiziellen Stimmen. Dass solche Pressekonferenzen nicht immer ganz so spontan sind, wie sie wirken mögen, darf man dabei im Hinterkopf behalten. Es wäre nicht das erste Mal, dass zwei Parteien sich gut überlegt haben, wie man so einen Abgang möglichst unbeschadet über die Bühne bringt.

Fünf Tage nach dem dritten Champions-League-Triumph in Serie ist noch schön nah an den Feierlichkeiten. Daran, dass unter Zidane eben nicht alles so perfekt lief, denkt im Moment kaum jemand. 17 Punkte hinter dem FC Barcelona landete das Team in der Liga, Atlético war auch noch drei Punkte besser.

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Real-Coach Zidane: Der perfekte Moment, um abzutreten

Dritte Plätze sind im Jubelrausch kurz vergessen, bei Real aber eigentlich an sich schon ein Trennungsgrund. Zidane rauszuschmeißen wäre mit großem Tumult verbunden, Verein und Trainer hätten sich bemühen müssen, die Deutungshoheit zu gewinnen. So gehen beide auf ihre Art als Gewinner hervor: Zidane tritt mit einer einzigartigen Erfolgsquote im Europapokal ab, mit Real als plötzlich Verlassenem könnte man fast Mitleid haben, wenn man sich Perez ansah.

Die Mannschaft, die Zidane hinterlässt, ist zu großen Teilen die, die er von Carlo Ancelotti übernommen hatte. Sie ist fraglos eine für die Geschichtsbücher, aber nicht wirklich eine für die Zukunft. Die Leistungsträger sind auf ihrem Zenit oder darüber hinaus. Es stehen größere Umbauarbeiten an, Zidane will diese nicht angehen. Aber wer könnte den Job übernehmen?

Einige sehr gute Trainer kommen nicht infrage, weil es eben nicht irgendein Klub ist, sondern Real Madrid. Andere bisher wenig in Erscheinung getretene Kandidaten sind genau das aus dem gleichen Grund: weil es Real Madrid ist. Hier sind die verschiedenen Varianten für Zidanes Nachfolge.

imago/Philippe Ruiz

Guti

Die Nostalgie-Variante

Der FC Bayern hat es vorgemacht und mit Niko Kovac einen ehemaligen Spieler als Trainer für die kommenden Saison verpflichtet. Auch bei Real Madrid könnte es in diese Richtung gehen. Laut spanischen Medien ist der frühere Profi José María Gutiérrez Hernández einer der wahrscheinlichsten Kandidaten. Es geht um Guti. Der frühere Mittelfeldspieler gewann in seiner Profikarriere drei Mal mit Real die Champions League, war Publikumsliebling und betreut seit zwei Jahren die U19 der Königlichen. Auch Zidane kam von der Nachwuchsmannschaft zum Trainerjob bei den Profis.

Die Nostalgie-Variante könnte analog zum FC Bayern mit Rückkehrer Jupp Heynckes auch so aussehen, dass Real Madrid ebenfalls einen ehemaligen Coach zurückholt. Es dürfte jedoch unwahrscheinlich sein, dass Zidanes direkte Vorgänger Rafael Benítez (nach nur einem halben Jahr entlassen), Carlo Ancelotti (hat kürzlich bei der SSC Napoli unterschieben) oder José Mourinho (ihm wird ein angespanntes Verhältnis zu Klubboss Pérez nachgesagt) Kandidaten in Madrid sind.

Getty Images

Joachim Löw

Die Superstar-Variante

Die größte aller Trainerlösungen hieße Pep Guardiola. Sie ist aber auch die unwahrscheinlichste. Guardiola ist die Klublegende des FC Barcelona (gewann als Trainer zwei Mal mit Reals Erzrivalen die Königsklasse) und hat bei seinem aktuellen Klub Manchester City einen Langzeitvertrag und einen starken Mix aus hochtalentierten und erfahrenden Profis zur Verfügung, die im kommenden Jahr um den Sieg in der Champions League spielen werden. Auch aus politischer Sicht wäre eine Guardiola-Verpflichtung kaum vorstellbar: Guardiola engagiert sich für die Unabhängigkeit Kataloniens. Real Madrid gilt für viele Katalanen als das Symbol des spanischen Zentralstaats. (Mehr darüber lesen Sie hier.)

Der im Auftreten ruppige Diego Simeone, Coach des Stadtrivalen Atlético, dürfte bei den Königlichen ebenfalls kein Kandidat sein. Die Trainer-Hochkaräter Joachim Löw und Chelseas Antonio Conte wären schon eher denkbare Kandidaten. Der Name von Löw fiel bereits vor einigen Monaten in Madrid. Allerdings verlängerte der Bundestrainer seinen Vertrag beim DFB erst vor wenigen Wochen bis 2022. Angesprochen auf den Abschied von Zidane sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff heute: "Ich bin gespannt, welchen Trainer sie finden. Es ist gut, dass der DFB mit Jogi kürzlich verlängert hat." Der Italiener Conte soll beim FC Chelsea vor dem Aus stehen.

DPA

Tottenham-Coach Mauricio Pochettino

Die Umbau-Variante

Mauricio Pochettino gilt als der Trainer, der bei Real Madrid am ehesten einen Umbruch mit jüngeren Spielern einleiten kann. Warum? Weil er bei Tottenham genau das geschafft hat. Der 46 Jahre alte Argentinier entwickelte dort Hochtalentierte wie die englischen Nationalspieler Dele Alli, Harry Kane oder den Dänen Christian Eriksen entscheidend weiter. Sie sind kommende Weltstars und Teil eines Teams, das sich unter dem argentinischen Coach auf gutem Weg zu einer internationalen Top-Mannschaft befindet.

Pochettino soll zudem der Wunschkandidat von Präsident Pérez sein, der Trainer spricht selbstverständlich fließend spanisch - aber hat seinen Vertrag bei den Spurs erst in dieser Woche bis 2023 verlängert. Ein Ausschlusskriterium ist das eher nicht. Wenn Real Madrid Pochettino wirklich als Coach verpflichten will, dürfte die lange Vertragslaufzeit kein Hindernis sein. Dann ist nur die Frage, ob für Pochettino die bisher höchste Ablöse für einen Fußballtrainer fällig wird.

Vielleicht hat Reals Präsident Pérez aber auch die Leistung des Gegners im Champions-League-Finale imponiert: die Leistung vom FC Liverpool. Auch deren Trainer Jürgen Klopp ist ein Coach, der junge Spieler besser macht und damit ein Kandidat für einen Umbau wäre. Bei den Reds hat Klopp einen Vertrag bis 2022.

insgesamt 39 Beiträge
halverhahn 31.05.2018
1. Abwarten...
Spielt Deutschland eine unterirdische WM, ist Löw schneller zu haben, als viele denken... Ob er wirklich zu Madrid passt, steht auf einem ganz anderen Blatt... Und Real hat genügend Geld, um einen anderen, ganz bestimmten [...]
Spielt Deutschland eine unterirdische WM, ist Löw schneller zu haben, als viele denken... Ob er wirklich zu Madrid passt, steht auf einem ganz anderen Blatt... Und Real hat genügend Geld, um einen anderen, ganz bestimmten Trainer, den sie unbedingt haben wollen, auch aus einem laufenden Vertrag heraus zu kaufen. Und Zidane hat alles richtig gemacht! Absprung zum richtigen Zeitpunkt. Davon sollten sich viele Trainer mal ne Scheibe von abschneiden...
Besorgter Bürger1 31.05.2018
2. Trivial
Dieser Artikel veranschaulicht sehr schön, warum es um den deutschen Sportjournalismus so traurig bestellt ist: Trainerposten von Real ist vakant, Autor zählt als mögliche Nachfolger einfach mal alle auf, die jüngst Erfolg [...]
Dieser Artikel veranschaulicht sehr schön, warum es um den deutschen Sportjournalismus so traurig bestellt ist: Trainerposten von Real ist vakant, Autor zählt als mögliche Nachfolger einfach mal alle auf, die jüngst Erfolg gehabt haben... ehrlich, was soll das?
ambulans 31.05.2018
3. mein
tipp wäre: jürgen klopp - weil: brexit 2019 machts für deutsche auf der insel (trotz erfolgen) nicht leichter; die ausgangslage in der premier league bleibt im wesentlichen gleich (vorne manchester, dahinter ganz viel london - [...]
tipp wäre: jürgen klopp - weil: brexit 2019 machts für deutsche auf der insel (trotz erfolgen) nicht leichter; die ausgangslage in der premier league bleibt im wesentlichen gleich (vorne manchester, dahinter ganz viel london - und irgendwo dazwischen liverpool, wenns klappt); mehr oder weniger gleiche ausgangslage wie bei real madrid (und damit ja auch für zizou) - wenn etwas ändern, dann jetzt! also, jürgen ...
hokl 31.05.2018
4. Pochettino
... der 46-jaehrige Argentinier spricht fliessend spanisch. Na dann!!!
... der 46-jaehrige Argentinier spricht fliessend spanisch. Na dann!!!
Pelao 31.05.2018
5. Vertragsloser Trainer ...
... mit Erfahrung eine europäische Spitzenmanschaft trainiert zu haben? Ganz klar: Peter Stöger
... mit Erfahrung eine europäische Spitzenmanschaft trainiert zu haben? Ganz klar: Peter Stöger

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