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Sport

Attacke auf Wada-Account

Daten von Harting und Obergföll gehackt

Die russische Hackergruppe "Fancy Bears" legt nach: Sie hat die Namen von 25 Sportlern veröffentlicht, die bei der Antidoping-Agentur Ausnahmegenehmigungen beantragt haben. Darunter sind prominente Deutsche.

DPA

Diskuswurfstar Robert Harting

Donnerstag, 15.09.2016   11:09 Uhr

Die russische Hacker-Gruppe "Fancy Bears" hat Daten der Welt-Antidoping-Agentur Wada zu weiteren Sportlern veröffentlicht. Das bestätigte die Wada in einer Mitteilung auf ihrer Homepage. Unter den Athleten sind nach Wada-Angaben auch fünf Deutsche, unter anderem Diskusstar Robert Harting und Speerwerferin Christina Obergföll. Insgesamt seien vertrauliche Informationen von 25 Sportlern aus acht Nationen durch die Hacker publik gemacht worden, erklärte die Wada.

Zu den prominenten Namen, die "Fancy Bears" veröffentlicht, zählen neben Harting und Obergföll auch die britischen Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins und Christopher Froome. Aus Deutschland sind zudem die drei Schwimmer Christian vom Lehn, Franziska Hentke und Christian Reichert genannt. Alle aufgeführten Athleten hatten Ausnahmegenehmigungen für Medikamente beantragt, die eigentlich auf der Dopingliste stehen - in allen Fällen wurde dies genehmigt.

"Ich bin ein transparenter Athlet und habe mit diesen Veröffentlichungen keine Probleme", sagte Harting der "Sport-Bild" in seiner Reaktion. Wie der Diskuswerfer bestätigte, sei er bei Olympia in Rio nach seinem Hexenschuss mit zwei Entzündungshemmern behandelt worden, die man anmelden musste. Die Anträge seien "termingerecht" eingereicht worden, so Harting.

"Natürlich ist das ätzend. von Hackern durchleuchtet zu werden", sagte die ehemalige Speerwurf-Weltmeisterin Obergföll und erklärte: "Es ist nicht schön, aber auch nicht wirklich schlimm, weil ich nichts zu verbergen habe."

Dopingvergehen hat keiner dieser Athleten begangen, da für die aufgeführten verbotenen Substanzen Ausnahmegenehmigungen vorlagen beziehungsweise kein Dopingtatbestand vorlag. "Aus diesen Daten lassen sich beim besten Willen keine Dopingfälle konstruieren, nicht mal ansatzweise", so Doping-Experte Fritz Sörgel.

Die "Fancy Bears" hatten zuvor bereits die Accounts von mehreren amerikanischen Topsportlern bei der Wada durchsucht. Sie stellten dabei bereits mehrere medizinische Ausnahmegenehmigungen für Mittel der Athleten ins Internet.

Die viermalige Turn-Olympiasiegerin Simone Biles, Tennis-Star Venus Williams und Basketball-Olympiasiegerin Elena Delle Donne hatten sich nach den ersten Veröffentlichungen gewehrt und die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie bekamen dabei Unterstützung von der Wada und dem Internationalen Olympischen Komitee IOC.

Sportler dürfen mitunter Medikamente einnehmen, die auf der Dopingliste stehen, müssen dafür aber eine medizinische Ausnahmegenehmigung vorweisen.

"Wir bedauern, dass diese Kriminellen versucht haben, den Ruf der betroffenen Athleten auf diese Weise zu schädigen", sagte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli in dem neuen Statement.

aha/sid

insgesamt 307 Beiträge
alex300 15.09.2016
1.
nun, wenn alles nach dem Rechten gelaufen war, wo soll der "Schaden" denn entstehen?
nun, wenn alles nach dem Rechten gelaufen war, wo soll der "Schaden" denn entstehen?
andreika123 15.09.2016
2. na super
Also darf mann doppen, aber nur mit Genehmigung. Das die super Stars so krank sind und solche Medikamente einnehmen müssen ist es ein Zufall?
Also darf mann doppen, aber nur mit Genehmigung. Das die super Stars so krank sind und solche Medikamente einnehmen müssen ist es ein Zufall?
ichsagwas 15.09.2016
3. Zum Fall Biles - was zu sagen vergessen wurde
Bei so einer Sportart wie Turnen, wo punktgenaue Konzentration eine wesentliche Rolle spielt, ist ein nachweislich konzentrationsförderndes Medikament wie Ritalin natürlich ein Dopingmittel. In Deutschland bekommt man das nur [...]
Bei so einer Sportart wie Turnen, wo punktgenaue Konzentration eine wesentliche Rolle spielt, ist ein nachweislich konzentrationsförderndes Medikament wie Ritalin natürlich ein Dopingmittel. In Deutschland bekommt man das nur mit einem gelben Rezept, was sonst nur für starke Schmerzmittel mit Suchtpotential ausgestellt wird. Kommt dann mit ADHs eine schwer fassbare, nicht mal in allen Ländern anerkannte Krankheit ins Spiel, liegt es schon nahe, im Fall Simone Biles auch an einen möglichen Betrug zu denken. Einen Psychologen oder auch einen simplen Hausarzt zu finden, der einem ADHs diagnostiziert, ist gar nicht so schwer. Sogar als Erwachsener kriegt man das hin. Eine wirklich klare und eindeutige Diagnostik gibt es nämlich nicht. Da aber dieser Hack von Russland getätigt wurde und nicht von Wikileaks, wird aus der ganzen Sache wahrscheinlich kein Skandal. Trotzdem untergräbt es die Glaubwürdigkeit der WADA noch einmal um ein ganzes Stück.
kastenmeier 15.09.2016
4.
Bei den drei Schwimmern kaum vorstellbar, dass die Medikamente leistungsfördernd sind.
Bei den drei Schwimmern kaum vorstellbar, dass die Medikamente leistungsfördernd sind.
renee gelduin 15.09.2016
5.
Wasserstandsmeldung mal wieder... Macht es wirklich so viel Mühe die konkreten Substanzen zu benennen? In der Öffentlichkeit wird unter Doping so ziemlich alles verstanden (und zum Teil sogar korrekterweise). Das beginnt beim [...]
Wasserstandsmeldung mal wieder... Macht es wirklich so viel Mühe die konkreten Substanzen zu benennen? In der Öffentlichkeit wird unter Doping so ziemlich alles verstanden (und zum Teil sogar korrekterweise). Das beginnt beim Augenlasern (zugelassen), geht über tranquilizer (tw. verboten), über Drogen (Cannabis, etc), Medikamente für Ottonormal (Nasenspray), Kaffee (bis vor einigen Jahren als Dopingmittel verboten), etc.pp. Es kann ja jeder mal selber versuchen bei Krankheit (wofür Sportler im Wettkampftraining recht anfällig sind) eine Medikamentierung zu wählen, wie sie es Sportler tun müssten.

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