Schrift:
Ansicht Home:
Sport

Olympia-Pläne für NRW

"Die Menschen sind extrem sportbegeistert"

Bei Bürgerbefragungen sind Olympische Spiele zuletzt krachend durchgefallen. Trotz der Pleiten in Hamburg und München will es der Sportevent-Vermarkter Michael Mronz im Rhein-Ruhr-Gebiet erneut versuchen. Warum?

imago/Bildbyran

Olympische Ringe in Rio de Janeiro

Ein Interview von
Dienstag, 21.02.2017   12:28 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Herr Mronz, Sie ließen Stabhochspringer am Brandenburger Tor und Tennisspieler am Flughafen München antreten. Wo findet der olympische 100-Meter-Lauf 2028 statt?

Mronz: Das kann ich noch nicht sagen. Derzeit erstellen wir ein Grundlagenpapier, wie alle Sportarten auf bereits existierende Sportstätten sinnvoll aufgeteilt werden könnten. Das soll das Plus unserer Bewerbung sein: Mehr als 80 Prozent der benötigten Sportstätten wären heute schon in einer Rhein-Ruhr-Olympic-City vorhanden. Wenn feststeht, ob man sich für Olympische Spiele bewirbt, dann kann man sich mit solchen Detailfragen beschäftigen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso glauben Sie, dass Ihre Bewerbung erfolgreich sein könnte?

Mronz: Weil wir exzellente Voraussetzungen haben. Es gibt heute schon Stadien und Hallen von Köln, Düsseldorf, Essen über Dortmund, ein Reitsportstadion in Aachen, ein Hockeystadion in Mönchengladbach, einen Basketballdome in Bonn, eine Ruderstrecke in Duisburg. Die Region Rhein-Ruhr verfügt über 700.000 Quadratmeter Messeflächen, wo einige Indoor-Sportarten stattfinden könnten. Auch Hotelbetten sind, mehr als vom IOC angefordert, bereits heute vorhanden.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch: Olympische Spiele haben in Deutschland einen schweren Stand. In Hamburg und München scheiterten zuletzt Bewerbungen an Bürgerbefragungen.

Mronz: Die Situation im Rhein-Ruhr-Gebiet ist eine andere, es gibt eine Vielzahl an Sportstätten und die Menschen haben seit jeher eine emotionale Verbindung zu ihnen. Wenn Sie in Mönchengladbach fragen würden, ob dort das olympische Hockeyturnier stattfinden soll, oder in Duisburg die Ruderwettbewerbe, dann sagen 80 Prozent der Menschen ja. In Nordrhein-Westfalen existieren 38.000 Sportvereine mit mehr als fünf Millionen Mitgliedern, 23 Bundesstützpunkte, drei Olymiastützpunkte. Die Menschen sind extrem sportbegeistert.

SPIEGEL ONLINE: Aber meinen Sie nicht, dass Sportbegeisterung etwas anderes ist als Zustimmung für Olympische Spiele? Korruption, Doping, Gigantismus, Knebelverträge - es gibt genügend Gründe, die gegen Olympia sprechen.

Mronz: Unser Konzept - das übrigens ohne Steuergelder und aus der Mitte der Gesellschaft erstellt wird - ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, weil ein Großteil der Sportstätten vorhanden ist. Das Geld kann in den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, in Digitalisierung und Mobilitätsangebote oder in die Renovierung der vorhandenen Breitensport-Anlagen fließen. Die Menschen sollen das Gefühl bekommen: Wenn Olympische Spiele kommen, ist das ein Beitrag dafür, dass meine Sportanlage wieder reaktiviert wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, dass die Menschen in NRW das wirklich glauben?

Mronz: Das kann ich nicht sagen. Aber: In der Hochphase der Negativberichterstattung über Olympische Spiele, über die Dopingvorwürfe gegenüber der Russischen Föderation, der Kritik an den Spielen in Rio, haben wir unseren ersten Vorschlag gemacht. Und die Befragungen haben ergeben, dass zwei Drittel der Menschen das unterstützen. Das zeigt uns, dass die Menschen zumindest neugierig und offen für eine solche Idee sind.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich mit den Initiatoren aus Hamburg und München ausgetauscht?

Mronz: Das steht noch an. Ich fand das Konzept der Hamburger super. Es ähnelte dem aus London: die Gewinnung eines neuen Stadtteils. Wenn es allerdings zweimal Ablehnungen für Olympia bei Bürgerbefragungen gibt, dann muss hinterfragt werden, ob nicht Fehler bei der Bewerbung gemacht worden sind.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt unterschiedliche Reaktionen auf Ihren Vorstoß. Der DOSB hat sich skeptisch gezeigt, der Vorstandsvorsitzende Michael Vesper hat gesagt "es ist noch nicht an der Zeit". Kommt Ihre Initiative zu früh?

Mronz: Ich stimme dem DOSB zu hundert Prozent zu, im Moment gibt es nichts zu entscheiden. Erstmal muss abgewartet werden, wohin die Spiele 2024 im September dieses Jahres vergeben werden: in die USA oder nach Europa. Gehen sie nach Paris oder Budapest, dann muss man sich fragen, welchen Sinn es macht, sich für die Spiele 2028 zu bewerben. Wir wollen mit unserem Konzept startklar sein, falls es einen Versuch geben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Und was machen Sie, wenn das IOC im September eine Doppelvergabe für 2024 und 2028 durchführt? IOC-Präsident Thomas Bach hält dies für den richtigen Weg.

Mronz: Auch hier gilt, im Falle startklar zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie dafür, dass es eine Bürgerbefragung geben soll, wie es NRW-Sportministerin Christina Kampmann in den Raum gestellt hat?

Mronz: Das ist nicht meine Entscheidung, sondern die der Politik. Ich glaube, dass eine Abstimmung positiv ausgehen würde.

SPIEGEL ONLINE: In Hamburg gab es eine mangelnde Kommunikation zwischen Kritikern und Bewerbern. Wie gehen Sie mit Menschen um, die Ihre Pläne nicht befürworten?

Mronz: Wir müssen eine sachliche und keine emotionale Diskussion führen. Daher erarbeiten wir das Grundlagenpapier. Wenn dieses vorliegt, setzen wir uns mit den Kommunen auseinander, mit der Landesregierung. Und wenn wir uns dann bewerben sollten, werden wir uns auch selbstverständlich mit den Kritikern austauschen. Aber es wird nie eine hundertprozentige Zustimmung geben.

insgesamt 42 Beiträge
darthmax 21.02.2017
1. Vermarktung
die wird ja nun nicht von Hern Mronz bezahlt, die Rechnungen bekommen Land und Bund. Für Herrn Mronz eine Win situation. Für das Land auf jeden Fall ein Lose
die wird ja nun nicht von Hern Mronz bezahlt, die Rechnungen bekommen Land und Bund. Für Herrn Mronz eine Win situation. Für das Land auf jeden Fall ein Lose
Marvel Master 21.02.2017
2. NRW ist pleite
Hallo, ich möchte allen Olympia Befürwörter folgende Artikel nahe legen: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/maracana-olympia-stadien-vergammeln-nach-rio-2016-14886665.html [...]
Hallo, ich möchte allen Olympia Befürwörter folgende Artikel nahe legen: http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/maracana-olympia-stadien-vergammeln-nach-rio-2016-14886665.html http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympische-spiele-2004-sportstaetten-in-athen-verfallen-fotostrecke-117767.html Desweiteren möchte ICH als Steuerzahler nicht für diesen Irrsinn in NRW aufkommen. 2./ NRW ist pleite. NRW hat aktuell ganz andere Probleme. VG Dirk
dasistdasende 21.02.2017
3. Nein Danke
Olympia ist Kommerz, Korruption und Doping. Nur weil die letzten Wochen nicht darüber berichtet wurde, heißt das nicht, das sich hier irgendwas geändert hätte. Und die Story, dass dies keine Steuergelder kosten würde glaube [...]
Olympia ist Kommerz, Korruption und Doping. Nur weil die letzten Wochen nicht darüber berichtet wurde, heißt das nicht, das sich hier irgendwas geändert hätte. Und die Story, dass dies keine Steuergelder kosten würde glaube ich nicht. Olympia müsste von Grund auf reformiert werden bevor ich dem wieder etwas Positives abgewinnen könnte. Aber von Reformen ist nichts zu sehen. Anstatt die Steuergelder für Olympia zu verpulvern sollte man sie lieber in die Förderung des Breitensports stecken. Da haben wir alle mehr von. Ist halt nicht so Publicity wirksam, aber dafür bringt es was.
Lankoron 21.02.2017
4. Als erstes sollten
Bewerber wissen, dass eine solche Bewerbung Durchhaltevermögen benötigt. Die wenigsten Bewerber sind bei ihrer ersten Bewerbung durchgekommen, sondern meist erst mit einer zweiten oder dritten. Aber wenn man bereits verfügbare [...]
Bewerber wissen, dass eine solche Bewerbung Durchhaltevermögen benötigt. Die wenigsten Bewerber sind bei ihrer ersten Bewerbung durchgekommen, sondern meist erst mit einer zweiten oder dritten. Aber wenn man bereits verfügbare Sportstätten benutzt, ist ein nachfolgender Leerstand kaum zu befürchten...es sei denn, die stünden jetzt schon leer. Und ehe man alles verteufelt, sollte man doch erst mal auf das Konzept warten.
Phil2302 21.02.2017
5. Wenn das so stimmt
dann klingt das alles toll. Schlicht und einfach: Ich glaube es einfach nicht. Am Ende wird es den Steuerzahler doch etwas kosten, und zwar eine Menge. Ich würde also für nein stimmen, weil mir die Großprojekte der letzten Zeit [...]
dann klingt das alles toll. Schlicht und einfach: Ich glaube es einfach nicht. Am Ende wird es den Steuerzahler doch etwas kosten, und zwar eine Menge. Ich würde also für nein stimmen, weil mir die Großprojekte der letzten Zeit einfach zeigen, dass falsch kalkuliert wird und die Kosten am Ende explodieren.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP