21.11.2006
Schwimmstar Thorpe
Sprung ins richtige Leben
Sydney - Thorpe wirkte gelöst wie selten, als er heute den 200 anwesenden Reportern die entscheidenden Worte in den Block diktierte. "Dies mag nicht der beste Moment für einen Rücktritt sein, aber es ist mein Moment", sagte Thorpe. Einer der besten Schwimmer macht Schluss, und das mit gerade einmal 24 Jahren. Weil sein Leben "aus dem Gleichgewicht" geraten sei. Es gebe Dinge, die wichtiger als das Schwimmen geworden seien, so der Australier.
Über das Ende seiner Karriere war schon seit Monaten spekuliert worden, Thorpe hatte seit den Olympischen Spielen 2004 in Athen wegen Verletzungen und Motivationsproblemen an keinem Großereignis mehr teilgenommen. Doch Teamkollegen und Kontrahenten waren trotzdem überrascht von der Entscheidung des Weltstars. "Das Schwimmen hat einen seiner größten Athleten verloren", erklärte 1500-Meter-Weltrekordler Grant Hackett. Der Australier würdigte Thorpe als jemand, der dem Sport viel gegeben habe: "Er machte Olympia durch seine Leistungen noch größer."
Auch der US-Amerikaner Michael Phelps reagierte auf das Karriereende seines langjährigen Rivalen umgehend mit einem Statement, in dem der viermalige Olympiasieger von Athen Thorpe als "großen Botschafter des Schwimmsports" bezeichnete. "Er war eine Inspiration und ein außergewöhnlicher Champion", so Phelps. Für die Zukunft wünsche er Thorpe alles Gute.
Wie diese aussehen soll, steht bereits fest. Er werde weiter für einen Pay-TV-Sender arbeiten, wo ein neues Projekt geplant sei, teilte Thorpe den Journalisten in Sydney mit. Zudem hat der Weltstar seit Jahren eine Stiftung, die benachteiligten Kindern hilft. Eine sportliche Rückkehr werde es aber nicht geben. "Ich schließe nie etwas aus. Aber es wird nicht passieren", versicherte Thorpe.
Der Katastrophe knapp entronnen
Doch auch so bleibt Thorpes Karriere eine der Superlative. Mit 15 Jahren gewann er bei der WM in Perth 1998 die 400 Meter Freistil und wurde zum jüngsten Champion der Schwimmgeschichte. Auf seiner Spezialstrecke erlitt er in der Folge nur eine einzige Niederlage. Bei den Australischen Meisterschaften 2003 unterlag Thorpe im Vorlauf Grant Hackett, entschied das Finale dann aber für sich.
Bei Olympia 2000 in Sydney war Thorpe dank mehrerer Weltrekorde im Vorfeld der Topfavorit - er hielt dem Druck in der Heimat auch stand. Drei Gold- und zwei Silbermedaillen lautete die beeindruckende Bilanz, auch wenn er über 200 Meter Freistil gegen den Niederländer Pieter van den Hoogenband verlor. Die WM in Japan 2001 sah den vielleicht besten Thorpe aller Zeiten, als er sechs Titel holte.
Kurz danach entging er nur knapp einer Katastrophe. Am 11. September 2001 war er auf dem Weg ins World Trade Center, als sich dort die Terroranschläge ereigneten. 2004 in Athen siegte Thorpe bei Olympia noch einmal über 200 und 400 Meter Freistil. Dem 400-Meter-Sieg war die bizarrste Episode seiner Laufbahn vorausgegangen, als er bei den australischen Ausscheidungswettkämpfen vom Startblock plumpste und disqualifiziert wurde. Nur der Startverzicht seines Teamkollegen Craig Stevens ermöglichte die Titelverteidigung.
"Sein Rücktritt ist ein enormer Verlust für das australische Schwimmen", sagte Premierminister John Howard. Thorpes Leistungen, darunter fünf Olympische Goldmedaillen und 13 Weltrekorde, würden von Millionen Australiern immer in Erinnerung behalten werden, so Howard. "Ich wünsche ihm alles Glück der Welt."
goe/dpa/Reuters