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28.12.2011
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NBA-Profis Carter und McGrady

Verglühte Sterne

Von Jan Hieronimi
Getty Images

Ex-Raptors-Star Carter: Von der Dominanz anderer Superstars immer weit entfernt

Ihr Weg schien vorgezeichnet: Vince Carter und Tracy McGrady galten beide einmal als nächster Michael Jordan. "Like Mike" waren aber höchstens der Hype und die Gehaltsschecks. Das Basketball-Magazin "FIVE" über die Geschichte zweier Stars, die Abkürzungen nahmen und vom Weg abkamen.

Sie waren zwei Gesichter des neuen Jahrtausends. Anfang des neuen Jahrtausends waren Vince Carter und Tracy McGrady zwei der größten NBA-Stars. Sie schienen nicht nur am Anfang einer Hall-of-Fame-Karriere zu stehen, sondern galten als würdige Nachfolger des legendären Michael Jordan. Fast ein Jahrzehnt später ist es nun Zeit für den "Reality Check". Und der ist für beide hart: Keine Meisterschaft, ein rasanter Absturz, mittlerweile sind sie Rollenspieler.

Was also ist schiefgegangen? Vielleicht ja nichts? Schließlich ist jede Diskussion über die Verfehlungen des Duos schlicht Jammern auf höchstem Niveau. Gerade zu Beginn des neuen Millenniums gab es kaum zwei potentere Scorer. Die Trikots der beiden Publikumslieblinge flogen nur so aus den Regalen. Und auch die Liste ihrer Ehrungen ist lang. Carter strich den Titel als "Rookie des Jahres 1999" ein, errang 2000 olympisches Gold, lief insgesamt achtmal im All-Star-Game auf. Noch 2005 wurde er trotz seiner starken Statistiken von den Profikollegen in einer Umfrage der "Sports Illustrated" zum meistunterschätzten Spieler gewählt.

Dazu hat "Air Canada" sich dank seiner etlichen spektakulären Dunks schon jetzt unsterblich gemacht. Lange Zeit lieferte er zudem Zahlen, die ihn in Reichweite einer Ruhmeshallen-Einladung bringen könnten. Sein Karriereschnitt liegt bei 22,2 Punkten, 5,2 Rebounds und 4,0 Assists pro Spiel, nur 25 Profis liegen in der ewigen Rangliste bei den Punkten pro Partie vor ihm.

Den Ansprüchen an einen Franchise-Player wurden sie nie vollends gerecht

Leidensgenosse McGrady wäre ohne die beiden zurückliegenden, vergessenswerten Spielzeiten ähnlich hoch platziert, auch seine 20,4 Punkte, 5,8 Rebounds und 4,6 Assists sind tolle Werte. Dabei startete er erst 2001 durch, wurde damals zum am meisten verbesserten Spieler der Liga gewählt. In der Folge war er siebenmal All-Star, wurde zweimal ins NBA-First-Team sowie dreimal ins Second-Team gewählt. 2003 und 2004 war er NBA-Topscorer, weitere sechsmal stand sein Name in der Top Ten der Punkte-Rangliste.

Auch "T-Mac" feierte unvergessliche Momente. Der Eigen-Alley-Oop über das Brett, 62 Zähler gegen Washington, seine 13 Punkte in 35 Sekunden mit Houston zum Sieg gegen San Antonio. Für einige Jahre schien McGrady selbst neben Kobe Bryant der perfektere Star zu sein.

All die Auszeichnungen und Highlights relativieren sich allerdings, sobald der Blick auf den Teamerfolg fällt. Siebenmal erreichte McGrady die Playoffs, auf seinen ersten Serienerfolg in der Endrunde um die Meisterschaft wartet er indes noch immer. Vielleicht für immer. Als Star jedenfalls konnte er sein Team nie ins Gelobte Land führen. Das wird den Ansprüchen an einen Franchise-Player seines Formats nicht gerecht.

Carter immerhin konnte in vier seiner sechs Endrunden-Teilnahmen noch jenseits der ersten Runde Siege sammeln. 2010 stand er mit Orlando im Conference-Finale, dann leider nur noch als marginaler Starter. Von der Dominanz anderer Stars indes war er - 2001 ausgenommen - immer weit entfernt.

Vince und Tracy - am Können mangelte es nie. Sie waren die Prototypen des perfekten Basketballers: sprunggewaltig, kreativ, vielseitig, wurfstark. Und doch blieben sie ohne große Erfolge. Vielleicht ist also doch eine Menge schiefgegangen.

McGrady hatte als Schüler an der Mount Zion Highschool schon früh alles auf die Karte Basketball gesetzt. Seinen rasanten Aufstieg vom Niemand zum Supertalent verdankte er den AAU-Jugend-Teams, den Camps und Showspielen der Schuhfirmen. All jenen Institutionen also, die Jahre später als Übel an der Wurzel des US-Basketballs ausgemacht wurden, da sie den Einzelnen und Highlights an die Stelle von Teamspiel und Grundlagenausbildung stellten. Die Scouts sahen die Länge, die Sprungkraft, die Fähigkeiten. Und sie sahen einen kommenden Star. Ohne Umweg über eine Uni landete er bei den Profis, doch angesichts seines Werdeganges scheint es heute nur folgerichtig, dass McGrady Jahre später Probleme mit seiner Einstellung offenbaren würde.

Wo sollte er auch Geduld, Arbeitseifer, Bescheidenheit gelernt haben? Es waren Probleme abseits des Feldes, mit denen der zum Star gereifte "T-Mac" sich beharrlich selbst im Weg stand. "Big Sleep" nannten sie den verpennten McGrady in Toronto, wo er als junger Spieler verkündete, nur dann nach dem Training Sonderschichten zu schieben, wenn er im Gegenzug mehr Spielzeit garantiert kriege. Den Kraftraum mied er selbst dann noch, als er einen Privattrainer hatte. Ein Luxus, den sich ein chronisch Rückenkranker nicht leisten darf.

Lesen Sie morgen in der Fortsetzung: Wieso Vince Carter schnell als zu weich galt und wie Tracy McGrady mit seinem Ego seine Mitspieler verärgerte.

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insgesamt 3 Beiträge
1. .
trompetenmann 28.12.2011
Mein Mitleid hält sich in Grenzen, nicht zuletzt angesichts der Summen, die solche Spieler in der NBA verdienen, trotz der unerreichten Erwartungen, die (von anderen?) an sie gestellt wurden. Müssig auch darüber zu diskutieren, [...]
Mein Mitleid hält sich in Grenzen, nicht zuletzt angesichts der Summen, die solche Spieler in der NBA verdienen, trotz der unerreichten Erwartungen, die (von anderen?) an sie gestellt wurden. Müssig auch darüber zu diskutieren, wer nun letztlich Schuld ist? Für Sportler gilt eben das selbe wie für Musiker: Erfolg besteht aus 10% Begabung und 90% Fleiß....
2. Entschuldigung ...
Child 28.12.2011
... lieber Spiegel. Aber es muss auch solche geben. Gerade das mittelmäßige/normale Personal trägt eine "Firma" ;)
Zitat von trompetenmannMein Mitleid hält sich in Grenzen, nicht zuletzt angesichts der Summen, die solche Spieler in der NBA verdienen, trotz der unerreichten Erwartungen, die (von anderen?) an sie gestellt wurden. Müssig auch darüber zu diskutieren, wer nun letztlich Schuld ist? Für Sportler gilt eben das selbe wie für Musiker: Erfolg besteht aus 10% Begabung und 90% Fleiß....
... lieber Spiegel. Aber es muss auch solche geben. Gerade das mittelmäßige/normale Personal trägt eine "Firma" ;)
3. .
bewchacca 28.12.2011
Zudem sollte man erwähnen, daß die beiden Cousins sind. Also zueinander. ;)
Zudem sollte man erwähnen, daß die beiden Cousins sind. Also zueinander. ;)

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2009 LA Lakers L. James K. Bryant
2008 Boston K. Bryant P. Pierce
2007 San Antonio D. Nowitzki T. Parker
2006 Miami S. Nash D. Wade
2005 San Antonio S. Nash T. Duncan
2004 Detroit K. Garnett C. Billups
2003 San Antonio T. Duncan T. Duncan
2002 LA Lakers T. Duncan S. O'Neal
2001 LA Lakers A. Iverson S. O'Neal
2000 LA Lakers S. O'Neal S. O'Neal

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