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04.02.2012
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Ex-Radprofi Armstrong

Doping-Untersuchungen gehen weiter

dpa

Früherer Radprofi Armstrong: Noch nicht aus dem Schneider

Für Lance Armstrong ist es eine gute Nachricht. Die strafrechtlichen Ermittlungen in den USA wurden eingestellt. Doch der höchst umstrittene frühere Radprofi sollte sich nicht zu früh freuen. Die Anti-Doping-Agentur der USA will ihre Untersuchungen fortführen.

Hamburg - Wie die Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) am Samstag mitteilte, ist für sie das Verfahren gegen Lance Armstrong mit der Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen nicht beendet. "Anders als für die US-Staatsanwaltschaft ist der Job der Usada, den Sport sauber zu halten und nicht, Strafgesetze durchzusetzen", sagte Usada-Chef Travis Tygart.

Zuvor hatte Staatsanwalt Andre Birotte junior erklärt, dass die strafrechtliche Untersuchung gegen Mitglieder und Verantwortliche eines Radteams im teilweisen Besitz von Lance Armstrong geschlossen worden seien. Es wird somit keine Anklage wegen Betrugs und missbräuchlicher Verwendung von Steuergeldern geben.

Rund zwei Jahre lang hatten die staatlichen Ermittler nach Beweisen für ein Dopingprogramm in den Jahren 1999 bis 2005 in Armstrongs früherem Team US Postal gesucht. Offenkundig waren Chefermittler Jeff Novitzky und Co. aber Zweifel gekommen, Armstrong auf diesem Wege überführen zu können. Eine offizielle Begründung für die Einstellung der Ermittlungen gibt es noch nicht.

Doping ist auch in den USA kein eigener Straftatbestand, der missbräuchliche Umgang staatlicher Gelder jedoch schon. Daher prüfte Novitzky, ob die Verantwortlichen von US Postal ein Dopingprogramm finanzierten. Der Ermittler hatte bei der Aufklärung der Machenschaften des US-Unternehmens Bay Area Laboratory Co-Operative (Balco) erfolgreiche Arbeit geleistet.

Im Rahmen der sogenannten Balco-Affäre waren etliche Sportler des Dopings überführt worden. Sie hatten massiv Steroide und Wachstumshormone über Balco bezogen und zur Leistungssteigerung eingesetzt.

Usada-Chef Travis Tygart will hingegen an Armstrong dranbleiben. "Unsere Untersuchungen gegen Doping im Radsport werden fortgesetzt." Er setzt dabei auch auf die Erkenntnisse des Novitzky-Teams. "Wir warten schon darauf, die Informationen zu bekommen, die in der staatlichen Untersuchung gesammelt wurden."

Seit Jahren Dopingvorwürfe gegen Armstrong

Sollte Armstrong nachträglich des Dopings überführt werden, würden ihm unter anderem seine beiden letzten Siege bei der Tour de France aberkannt werden. Der US-Amerikaner gewann die Frankreich-Rundfahrt von 1999 bis 2005. Die Titel aus den Jahren vor 2004 können Armstrong wegen der achtjährigen Verjährungsfrist des Radsport-Weltverbandes (UCI) nicht mehr genommen werden.

Armstrong zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der US-Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen zu beenden. "Ich freue mich jetzt darauf, mein Leben als Vater, Wettkämpfer und Anwalt für den Kampf gegen Krebs ohne diese Ablenkung fortzusetzen", ließ er über einen Sprecher mitteilen.

Seine aktive Laufbahn als Radsportler hatte Armstrong im Februar 2011 beendet. Der heute 41-Jährige war stets mit Doping in Verbindung gebracht worden, hatte aber immer betont, niemals unerlaubte Mittel angewendet zu haben.

Das Gegenteil behauptete unter anderem sein Landsmann und ehemaliger Teamkollege Floyd Landis, dem selbst sein eigener Tour-Sieg 2006 wegen Dopings nachträglich aberkannt worden war. Landis hatte Armstrong beschuldigt, nicht nur selbst gedopt, sondern auch Teamkollegen erklärt zu haben, wie man nicht erwischt werde. Er selbst, so Landis, sei Zeuge gewesen, wie Armstrong und andere Fahrer illegale Substanzen verwendet hätten.

Zudem hatte die Ehefrau von Armstrongs früherem Teamkollegen Frankie Andreu in einem Interview mit dem Magazin "Sports Illustrated" erklärt, Armstrong habe gegenüber den Ärzten, die ihn wegen seiner Hodenkrebs-Erkrankung behandelten, die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln zugegeben.

Eine Untersuchung des im Anti-Doping-Kampf traditionell sehr nachlässigen Radsport-Weltverbandes hatte Armstrong von dem Vorwurf entlastet, bei seinem Tour-Sieg 1999 mit dem Glykoprotein-Hormon Erythropoetin (Epo) gedopt zu haben. Zuvor hatte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" berichtet, dass sechs Dopingproben von Armstrong Epo-Spuren enthalten hätten.

Auch die zeitweilige Zusammenarbeit mit dem umstrittenen italienischen Sportarzt Michele Ferrari ("Dottore Epo") hatte Armstrong immer wieder in ein schlechtes Licht gerückt. Der ehemalige Radsportler bezeichnete Ferrari, der 2004 wegen Sportbetrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden war, noch 2011 als "einen guten Freund".

ach/mib/sid/dpa/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
1. Ein
carlo02 04.02.2012
schlechter Witz.
Zitat von sysopFür Lance Armstrong ist es eine gute Nachricht. Die strafrechtlichen Ermittlungen in den USA wurden eingestellt. Doch der höchst umstrittene frühere Radprofi sollte sich nicht zu früh freuen. Die Anti-Doping-Agentur der USA will ihre Untersuchungen fortführen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,813311,00.html
schlechter Witz.
2. Fundamentalistische Eiferer
Stauss 04.02.2012
Der Mann hat seine Karriere beendet und alles weitere ist nur noch schäbiges Nachtreten.
Der Mann hat seine Karriere beendet und alles weitere ist nur noch schäbiges Nachtreten.
3. Nachtreten?
widower+2 04.02.2012
Ohne Doping hätte der Mann gar keine Karriere gehabt (wie die meisten bekannten Radsportler). Wenn es Möglichkeiten gibt, diese Altfälle noch aufzuklären, sollten diese auch genutzt werden. Wenn Sportler wissen, dass [...]
Zitat von StaussDer Mann hat seine Karriere beendet und alles weitere ist nur noch schäbiges Nachtreten.
Ohne Doping hätte der Mann gar keine Karriere gehabt (wie die meisten bekannten Radsportler). Wenn es Möglichkeiten gibt, diese Altfälle noch aufzuklären, sollten diese auch genutzt werden. Wenn Sportler wissen, dass man sie möglichweise noch in 10 Jahren überführen kann, würde das möglichweise so Manchen abschrecken.
4. eigentlich egal ....
klausm0762 04.02.2012
dass damals die Hoch-Zeit von EPO war, weiss doch jeder. Keiner glaubt, dass Armstrong nie etwas genommen hat. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Situation nicht mehr so extrem ist wie in den späten 90ern, wie man [...]
dass damals die Hoch-Zeit von EPO war, weiss doch jeder. Keiner glaubt, dass Armstrong nie etwas genommen hat. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Situation nicht mehr so extrem ist wie in den späten 90ern, wie man schon an den langsameren Zeiten sehen kann.
5. nachtreten2
ollux 04.02.2012
Es gibt nachgewiesenermaßen keinen zweiten Sportler wie Lance A. , der im letzten Drittel seiner Karriere so oft getestet worden ist. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist zweifelsfrei bekannt: negativ! Natürlich mag es [...]
Zitat von widower+2Ohne Doping hätte der Mann gar keine Karriere gehabt (wie die meisten bekannten Radsportler). Wenn es Möglichkeiten gibt, diese Altfälle noch aufzuklären, sollten diese auch genutzt werden. Wenn Sportler wissen, dass man sie möglichweise noch in 10 Jahren überführen kann, würde das möglichweise so Manchen abschrecken.
Es gibt nachgewiesenermaßen keinen zweiten Sportler wie Lance A. , der im letzten Drittel seiner Karriere so oft getestet worden ist. Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist zweifelsfrei bekannt: negativ! Natürlich mag es sein, dass er trotzdem gedopt war und nur die Testmöglichkeiten nicht ausreichen. Da aber die Proben noch vorhanden sind, kann man in Zukunft nochmals dazu nachfassen. Ansonsten sind ihre wenig sinnhaften Sätze wie : "........ohne Doping keine Karriere............." einfach Unsinn.

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)

Die Sieger der Tour de France

Jahr Sieger Land
2014 Vincenzo Nibali Italien
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
2004 Lance Armstrong* USA
2003 Lance Armstrong* USA
2002 Lance Armstrong* USA
2001 Lance Armstrong* USA
2000 Lance Armstrong * USA

*Aberkannt

Rekordsieger der Tour de France

Sieger Land Titel Zeitraum
Lance Armstrong USA 7* 1999-2005
Miguel Indurain Spanien 5 1991-1995
Bernard Hinault Frankreich 5 1978-1985
Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920

*alle Titel wegen Dopings aberkannt

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