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06.02.2012
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Dopingprozess

Chronologie im Fall-Contador

AFP

Radprofi Contador: Für zwei Jahre gesperrt

Das Urteil ist gefallen: Der Internationale Sportgerichtshof hat Radprofi Alberto Contador wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt. Zudem wurden dem Spanier der Sieg bei der Tour de France 2010 sowie der Erfolg beim Giro d'Italia 2011 aberkannt. Eine Entscheidung mit langer Vorlaufzeit.

30. Juni 2006: Spanische Medien veröffentlichen einen Tag vor dem Start der Tour de France Namen von 58 Radprofis, die angeblich zu den Kunden des später als "Dopingarzt" in die Annalen eingehenden Gynäkologen Eufemiano Fuentes zählen. Unter dem Kürzel "A.C." soll auch Blut von Contador in Madrid gelagert sein. Seit 2003 ist der spanische Radprofi bei dem wegen Dopingverdachts von der Polizei festgenommenen Teammanager Manolo Saiz unter Vertrag. Contador hat Doping stets bestritten.

1. Juli 2006: Die Tour startet in Straßburg ohne die verdächtigten Fahrer - unter den Ausgeschlossenen ist neben Jan Ullrich und Ivan Basso auch Contador. Sein Name taucht in Zukunft auf der "Fuentes-Liste" nicht mehr auf. Contador weist jeden Dopingverdacht und illegale Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Mediziner von sich. Die Tour endet mit dem spektakulären Dopingfall Floyd Landis.

20. März 2008: Veranstalter ASO schließt die Astana-Mannschaft um Vorjahressieger Contador wegen der Verwicklung des Teams in die Fuentes-Affäre und der Dopingfälle Alexander Winokurow und Andrei Kaschetschkin von der kommenden Tour aus.

21. Juli 2010: Am zweiten Tour-Ruhetag in Pau werden bei Contador in der A- und B-Probe geringe Mengen des Kälbermastmittels Clenbuterol nachgewiesen. Der Befund wird erst zwei Monate später öffentlich. Der jetzt dreifache Toursieger Contador wird vom Internationalen Radsportverband (UCI) vorläufig suspendiert, nachdem er seine Saison ohnehin beendet hatte.

5. Februar 2011: Der Königliche Spanische Radsportverband (RFEC) spricht Contador vom Vorwurf des Dopings mit der Begründung frei, dass der Fahrer nachweisen konnte, unverschuldet eine verbotene Substanz zu sich genommen zu haben. Der Verband hob eine ins Auge gefasste einjährige Sperre auf. Contador sprach von einer Lebensmittelverunreinigung als Grund für den positiven Befund.

30. März 2011: Die UCI und wenig später auch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada legen beim Internationalen Sportgerichtshof Cas Einspruch gegen den Freispruch des Spaniers ein. Der Cas will den brisanten Fall im Juni - noch vor dem Tourstart - verhandeln. Der Termin wird bald auf "Ende August" verlegt, so dass Contador an der Tour teilnimmt. Er hat mit dem Kampf um den Gesamtsieg nichts zu tun und wird in der Endabrechnung Fünfter.

27. August 2011: Der Cas verschiebt die Anhörung ein weiteres Mal auf 21. bis 24. November.

24. November: Der Cas beendet die viertägige Anhörung der Parteien mit der Ankündigung, das Urteil in den kommenden sechs Wochen, also in der ersten Januar-Woche 2012 zu sprechen. Dieser Termin wird noch zweimal verschoben und auf den 6. Februar festgelegt.

6. Februar 2012: Der Cas verurteilt Contador zu einer Zweijahressperre bis 5. August 2012. Außerdem wird sein Toursieg 2010 und der Erfolg beim Giro d'Italia 2011 aberkannt.

mib/dpa

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)

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