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07.02.2012
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Contador-Sperre

Spanien steht fest zu seinem Dopingsünder

Von
REUTERS

Tennisstar Nadal über Contador: "Es ist zum Heulen"

Von Tennisstar Rafael Nadal bis hin zum ehemaligen Tour-de-France-Sieger Miguel Induráin: Die Spanier empören sich über die Dopingstrafe für Radprofi Alberto Contador. Weitaus zurückhaltender reagiert der aktuelle Tour-de-France-Sieger Cadel Evans.

Hamburg - Dopingvorwürfe - das Thema ist Rafael Nadal durchaus vertraut. Der Tennis-Superstar aus Spanien muss sich seit Jahren gegen den Verdacht wehren, leistungssteigernde Mittel könnten bei seinem Aufstieg an die Weltspitze mitgeholfen haben. Mal wurde sein Name im Zusammenhang mit dem berüchtigten Dopingarzt Eufemiano Fuentes genannt, zuletzt wunderte sich Frankreichs Tennis-Ikone Yannick Noah, dass die Spanier alle so wirken, als seien sie "wie Obelix in den Zaubertrank gefallen".

Dass so einer die Sperre seines Landsmanns Alberto Contador missbilligen würde, ist daher nicht so wirklich überraschend. Contador stand wie Nadal schon 2006 im Ruch, Fuentes-Kunde gewesen zu sein. "Die Contador-Nachricht ist unglaublich. Sie geben ihm die Höchststrafe! Das ist zum Heulen", twitterte Nadal zu der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes Cas, den spanischen Radstar bis August zu sperren. Contador, in dessen Urinprobe 2010 der verbotene Wirkstoff Clenbuterol festgestellt wurde, darf damit nicht an der Tour de France und an den Olympischen Sommerspielen in London teilnehmen. Der Tour-Sieg 2010 und der Giro-Triumph 2011 wurden ihm nachträglich aberkannt.

Spanien zeigt sich seitdem empört - schließlich hatte der spanische Verband Contador bereits im Januar 2011 flugs freigesprochen. Die Zeitung "El Mundo" schäumt: "Jeder Jurist, der das Urteil liest, kommt zu dem Schluss, dass die Sperre für Contador ein kompletter Irrsinn ist." Und "Marca" sekundiert: "Der Internationale Sportgerichtshof hat den Verstand verloren. Die Verurteilung Contadors ist der Höhepunkt der Absurdität."

Der fünfmalige Tour-de-France-Sieger Miguel Induráin nannte es eine "lächerliche Entscheidung". Auch gegen Induráin verstummten die Dopinggerüchte nie, gegen Sastre kamen 2008 Vorwürfe auf, denen aber keine Beweise folgten. Der Toursieger von 2006, Oscar Pereiro legte sich fest: "Ich glaube, dass er unschuldig ist. Ich kenne ihn." Pereiro hatte seinen Toursieg der Tatsache zu verdanken, dass der eigentliche Sieger, Floyd Landis aus den USA, als Dopingsünder entlarvt wurde.

Evans äußert sich zurückhaltend

Überhaupt: Aus dem Radsportlager kommen als Reaktionen auf den Cas-Spruch die üblichen Reflexe. "Jemand möchte den Tod des Radsports", versuchte sich Belgiens Rad-Idol Eddie Merckx an einer Verschwörungstheorie. Das Strafmaß sei "völlig übertrieben", befand der frühere Toursieger Pedro Delgado. Delgado hatte die Tour 1988 gewonnen, obwohl er positiv auf Doping getestet worden war. Da das bei ihm festgestellte Mittel aber nur auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komitees, nicht aber auf der des Rad-Weltverbandes UCI stand, durfte er seinen Titel behalten.

Zurückhaltender gab sich der aktuelle Tour-Champion Cadel Evans aus Australien. Er sieht sich durch das Urteil bestätigt, dass der Radsport im Kampf gegen Doping eine Vorbildfunktion einnimmt. "Der Radsport hat mehr als genug getan, um zu zeigen, dass er die richtigen Dinge tut, wenn es um den Kampf gegen Doping geht. Jetzt ist es Zeit für andere Sportarten, um auf den Radsport zu schauen und abzugleichen, was wir tun, damit der Kampf gegen Doping irgendwann mal sportartübergreifend gewonnen werden kann", sagte Evans dem australischen Sender SBS.

Den Fall Contador kommentierte er nicht konkret: "Ich kenne die Hintergründe und die genaue Faktenlage nicht. Ich mache nur meinen Job, zu entscheiden haben andere Autoritäten."

Der deutsche Teamchef des Profirennstalls Katjuscha, Hans-Michael Holczer, ließ mitteilen: "Das einzig Positive, was ich dem Urteil abgewinnen kann, ist die Tatsache, dass man uns nicht vorwerfen kann, dass wir Tour-Gewinner schonen würden."

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
1. Eine Krähe...
Systemrelevanter 07.02.2012
...hackt der anderen kein Auge aus. Ausserdem sind Nadal und Contador ja auch beim gleichen Doping-Arzt. Ob diese aufgeblasenen Peinlichkeiten eigentlich merken, dass sie sich der weltweiten Lächerlichkeit preisgeben?
...hackt der anderen kein Auge aus. Ausserdem sind Nadal und Contador ja auch beim gleichen Doping-Arzt. Ob diese aufgeblasenen Peinlichkeiten eigentlich merken, dass sie sich der weltweiten Lächerlichkeit preisgeben?
2. Sehenden Auges....
claptomane 07.02.2012
Mehr muss man dazu wohl nicht sagen, oder? Oder doch: Wer sponsert eigentlich die Dopingkontrollen? ;)
Mehr muss man dazu wohl nicht sagen, oder? Oder doch: Wer sponsert eigentlich die Dopingkontrollen? ;)
3. Kampf der Nationen findet bei Umgang mit Doping, nicht im Fahrradsattel statt
zoon.politicon 07.02.2012
Schon seltsam: Jan Ullrichs Kontakte mit Herrn Fuentes bzw. die Handy-Telefonate seines Trainers (Pevenage?) mit Fuentes, wurden sofort verfolgt, Ullrich wurde sofort suspendiert, später seine Blutbeutel der deutschen [...]
Zitat von sysopOb Tennisstar Rafael Nadal oder der ehemalige Tour-de-France-Sieger Miguel Induráin: Die Spanier empören sich über die Dopingstrafe für Radprofi Alberto Contador. Weitaus zurückhaltender reagiert der aktuelle Tour-de-France-Sieger Cadel Evans. Contador-Sperre: Spanien steht fest zu seinem Dopingsünder - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,813716,00.html)
Schon seltsam: Jan Ullrichs Kontakte mit Herrn Fuentes bzw. die Handy-Telefonate seines Trainers (Pevenage?) mit Fuentes, wurden sofort verfolgt, Ullrich wurde sofort suspendiert, später seine Blutbeutel der deutschen Staatsanwaltschaft übergeben, Ermittlungen gegen spanische Radprofis liefen und laufen schleppend, verlaufen im Sande. Jetzt empören sich Spanier über die Dopingstrafe von Contador. Hier findet der Kampf der Nationen nicht im Fahrradsattel statt, sondern die Nation, die Doping - natürlich nur bei den eigenen Athleten - duldet, "gewinnt die Tour". Man gewinnt den Eindruck, Ullrichs Fehler oder besser "Todsünde" war, sich von einem spanischen Arzt beim Blutdoping helfen zu lassen.
4. Als großer...
tobilino 07.02.2012
...Tennis-Fan werde ich mir dieses Verhalten von Nadal gut merken. Letztlich glaube ich aber ohnehin nicht,dass man in irgendeiner Sportart ohne irgendwelche Manipulationen an die Spitze gelangt. Man muss sich nur mal diese nie [...]
...Tennis-Fan werde ich mir dieses Verhalten von Nadal gut merken. Letztlich glaube ich aber ohnehin nicht,dass man in irgendeiner Sportart ohne irgendwelche Manipulationen an die Spitze gelangt. Man muss sich nur mal diese nie ermüdende Magdalena Neuner im Biathlon anschauen. Oder den Biathlet Andreas Birnbacher,der über 10 Jahre im Mittelmaß mitlief,nie wirklich durch Schnelligkeit hervorstach...und jetzt,kurz vor Karriereende trampelt der die Anderen in der Loipe plötzlich platt...
5. Schon seltsam... das man alles 100 mal erklären muss
n.holgerson 07.02.2012
Also, auch für sie zum 100mal: Gegen Fuentes wurde seinerzeit von staatlicher Seite ermittelt (Spanien). Aufgrund von Anzeigen wurde gegen Ullrich auch von staatlicher Seite (Deutschland) ermittelt! Deshalb konnten die [...]
Zitat von zoon.politiconSchon seltsam: Jan Ullrichs Kontakte mit Herrn Fuentes bzw. die Handy-Telefonate seines Trainers (Pevenage?) mit Fuentes, wurden sofort verfolgt, Ullrich wurde sofort suspendiert, später seine Blutbeutel der deutschen Staatsanwaltschaft übergeben, Ermittlungen gegen spanische Radprofis liefen und laufen schleppend, verlaufen im Sande. Jetzt empören sich Spanier über die Dopingstrafe von Contador. Hier findet der Kampf der Nationen nicht im Fahrradsattel statt, sondern die Nation, die Doping - natürlich nur bei den eigenen Athleten - duldet, "gewinnt die Tour". Man gewinnt den Eindruck, Ullrichs Fehler oder besser "Todsünde" war, sich von einem spanischen Arzt beim Blutdoping helfen zu lassen.
Also, auch für sie zum 100mal: Gegen Fuentes wurde seinerzeit von staatlicher Seite ermittelt (Spanien). Aufgrund von Anzeigen wurde gegen Ullrich auch von staatlicher Seite (Deutschland) ermittelt! Deshalb konnten die Spanier im laufenden Verfahren Beweise bzw. Indizien den dt. Stellen übermitteln! Soweit scheinen es ja sogar sie verstanden haben! Jetzt für sie die "uralte" Neuigkeit: Das Verfahren gegen Fuentes musst eingestellt werden. Ihm konnte keine strafbare Handlung nachgewiesen werden (nach span. Recht). Und nein liebe Kinder, das war vollkommen i.O. Kein Jurist zweifelt diese Entscheidung an! Die Gesetzeslage gab einfach nicht anderes her. Und nun ist wiederum die Rechtslage eindeutig. Fuentes gilt als Unschuldig. Ergo, kann man die Beweise bzw. Indizien nicht der Sportgerichtsbarkeit zugänglich machen! Deshalb konnte auch nicht gegen die entsprechenden Sportler (Fuentes Liste) ein Sportgerichtsverfahren eröffnet werden... Soviel zu ihrer Verschwörung. Und zu Ullrich, es gab ja in Deutschland nur die staatl. Ermittlungen. Auch nur weil sich ein paar wenige (u.a. Franke) sich da engagierten. Deutschland ist sicher kein Land, dass besonders bekannt ist, dass es Dopingsünder verfolgt. Haben sie sich mal die "Strafen" für den Millionär Ullrich angesehen?

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Jahr Sieger Land
2013 Chris Froome Großbritannien
2012 Bradley Wiggins Großbritannien
2011 Cadel Evans Australien
2010 Andy Schleck Luxemburg
2009 Alberto Contador Spanien
2008 Carlos Sastre Spanien
2007 Alberto Contador Spanien
2006 Óscar Pereiro Spanien
2005 Lance Armstrong* USA
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2002 Lance Armstrong* USA
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