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25.02.2012
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All-Star-Wochenende der NBA

Der Zirkus ist in der Stadt

Von Tobias Jochheim
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REUTERS

Promis, Altstars, Nachwuchs: Der sportliche Aspekt war beim All-Star-Weekend der NBA schon immer zweitrangig; Show und Spaß stehen im Vordergrund. Doch nun nimmt der Kommerz rund um das Event überhand - Spieler und Fans haben das Interesse verloren.

Hamburg - Die All-Star-Teams der NBA sind besser als jede Nationalmannschaft, sie sind die Weltauswahl der Basketballer. Doch Tim Duncan ist froh, dass er nicht dabei ist. 13 Mal lief der vierfache NBA-Champion beim Spiel der Besten auf. Am Wochenende in Orlando jedoch wird Duncan fehlen, erstmals in seiner Karriere war er nicht gut genug.

"Aber wissen Sie was? Es wird das beste All-Star-Wochenende, das ich jemals hatte", sagt der 35-Jährige. Nicht etwa aus verletztem Stolz, Duncan hat gute Gründe: "Ich werde nicht sechs Pressekonferenzen geben müssen, um fünf Minuten zu spielen. Ich kann nach Hause fahren und die Zeit mit meiner Familie genießen."

Wirkliche sportliche Aussagekraft hatte das All-Star-Game noch nie. Allerdings war es jahrzehntelang ein Schauplatz der Rivalitäten. Die Spieler der Teams im Osten der USA profilierten sich gegen die aus dem Westen und umgekehrt. Es ging um Konkurrenz, Respekt und persönliche Ehre. Michael Jordan etwa hasste nichts mehr als Niederlagen - auch bei Show-Spielen. "Ich wünschte, es wäre immer noch so wie damals", sagt Doc Rivers. Der heutige Trainer der Boston Celtics hatte 1988 gemeinsam mit Jordan die West-Auswahl besiegt.

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Dunk-Contest der NBA: Das Runde muss ins Runde
"Das All-Star-Game hat sich stark gewandelt", analysiert auch der 12-fache Auswahlspieler Oscar Robertson: "Es ist eine riesige Show geworden." Wer die Begegnung am Sonntag in Orlando gewinnen wird, ist nicht wichtig. Wichtig sind die TV-Einschaltquoten in den USA und aller Welt, wichtig ist das Spektakel. 148:143, 141:139 und 146:119 lauten die Endergebnisse der vergangenen drei Jahre. Im regulären Liga-Betrieb werden rund 40 Prozent weniger Punkte erzielt - weil dort engagiert verteidigt wird.

Das Spielniveau ist derzeit aber auch im NBA-Alltag schlechter als üblich. Schuld an den gehäuften Ballverlusten und gesunkenen Trefferquoten ist der Tarifstreit vom vergangenen Herbst. Nach langem Hin und Her einigten sich Profis und Teambesitzer auf einen Notfall-Spielplan.

66 Partien in nur 120 Tagen stehen für jedes Team an, teils wird an drei Abenden hintereinander gespielt. Die Folge: Vergangene Woche sahen die Verantwortlichen der San Antonio Spurs ungerührt zu, wie seine Reservisten mit 40 Punkten Unterschied deklassiert wurden. Eine Pause für die Leistungsträger war wichtiger als der Sieg. Unter diesen Umständen würden die Trainer ihre ausgelaugten - und daher verletzungsanfälligen - Schützlinge beim All-Star-Game am liebsten gar nicht aufs Feld lassen.

Stars verlieren die Lust am Dunken

Indes wird das Rahmenprogramm seit 2003 immer größer und unterhaltungslastiger. In einem Wettbewerb dribbeln gestandene Profis um einen Hütchen-Parcours, ein weiterer verschafft den Damen der Schwesterliga WNBA einen Alibi-Auftritt. Sehen will das Publikum diese nach Fastfood-Ketten und Finanzdienstleistern benannten "Events" nicht. Sie finden in einer separaten Halle statt. Mit nur 4000 Sitzplätzen, damit kein Stuhl leer bleibt und die Sponsoren zufrieden sind. Auch das "All-Star Celebrity Game" wird dort ausgespielt, weil sich nur C-Prominenz die Bälle zuwerfen wird. Die großen Stars sind in diesem Jahr nicht dabei, noch im Vorjahr hatte Popstar Justin Bieber scharenweise Teenager angelockt.

Der eigentliche Höhepunkt des Wochenendes ist jedoch der Dunk-Wettbewerb am Samstagabend. Allerdings sind alle möglichen Drehungen vorgeführt, alle Posen gezeigt. Deshalb will dort kein Star mehr den Ball durch den Ring stopfen. Antreten wird das Nobody-Quartett Paul George, Jeremy Evans, Chase Budinger und Derrick Williams.

Mit den Flugshows von Michael Jordan in den Achtzigern oder Sprungwunder Vince Carter im Jahr 2000 werden sie nicht mithalten können. Schon in den vergangenen Jahren hatte die Hilflosigkeit regiert. Immer neue Requisiten wurden zum Korb herangeschafft, vom Superman-Kostüm über Stofftiere bis hin zum Gospelchor.

Um die Dunks wieder interessant zu machen, wurde der Austragungsmodus gestrafft: Jeder Athlet hat nur drei Möglichkeiten, um die Fans zu beeindrucken. Diese können zum ersten Mal selbst per SMS und Twitter den Gewinner wählen. Eine Jury ist so überflüssig geworden. Sie hatte einmal aus Pionieren wie "Air" Jordan bestanden.

Forum

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insgesamt 2 Beiträge
1. o
Wilmalein 25.02.2012
O wie spannend.
Zitat von sysopPromis, Altstars, Nachwuchs: Der sportliche Aspekt war beim All-Star-Weekend der NBA schon immer zweitrangig; Show und Spaß stehen im Vordergrund. Doch nun nimmt der Kommerz rund um das Event überhand - Spieler und Fans haben das Interesse verloren. All-Star-Wochenende der NBA: Der Zirkus ist in der Stadt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,816995,00.html)
O wie spannend.
2. Ich find's auch langweilig.
schönbergwebernberg 25.02.2012
Ich interessiere und spiele Basketball seit bald 19 Jahren. Ich kann dem Grundtenor des Artikels nur zustimmen. Die All-Star-Games werden immer schlechter. Ich möchte, harten, ernsthaften Basketball sehen und keine Show-Einlagen. [...]
Ich interessiere und spiele Basketball seit bald 19 Jahren. Ich kann dem Grundtenor des Artikels nur zustimmen. Die All-Star-Games werden immer schlechter. Ich möchte, harten, ernsthaften Basketball sehen und keine Show-Einlagen. Wenn ich diese sehen möchte, gehe ich zu den Haarlem Globetrotters. Spektakulär ist ein Dunk dann, wenn man ihn gerade nicht erwartet. Der einzig seriöse am All-Star-Wochenende ist doch noch der Dreiwettbewerb. Dort sind die Regeln seit über 20 Jahren die gleichen: 60 Sekunden Zeit, 5 x 5 Dreier, davon sind fünf sogenannte "Money-Balls" und zählen doppelt.

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NBA-Finals seit 1990

Jahr Meister Ergebnis
1990 Detroit 4:1 gegen Portland
1991 Chicago 4:1 gegen LA Lakers
1992 Chicago 4:2 gegen Portland
1993 Chicago 4:2 gegen Phoenix
1994 Houston 4:3 gegen New York
1995 Houston 4:0 gegen Orlando
1996 Chicago 4:2 gegen Seattle
1997 Chicago 4:2 gegen Utah
1998 Chicago 4:2 gegen Utah
1999 San Ant. 4:1 gegen New York
2000 LA Lakers 4:2 gegen Indiana
2001 LA Lakers 4:1 gegen Philadelphia
2002 LA Lakers 4:0 gegen New Jersey
2003 San Ant. 4:2 gegen New Jersey
2004 Detroit 4:1 gegen LA Lakers
2005 San Ant. 4:3 gegen Detroit
2006 Miami 4:2 gegen Dallas
2007 San Ant. 4:0 gegen Cleveland
2008 Boston 4:2 gegen LA Lakers
2009 LA Lakers 4:1 gegen Orlando
2010 LA Lakers 4:3 gegen Boston
2011 Dallas 4:2 gegen Miami
2012 Miami Heat 4:1 gegen Oklahoma City

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