23.07.2012
Missbrauchsskandal um Football-Coach
Rekordstrafe für US-Uni Penn State
Penn-State-Studenten nach der Urteilsverkündung: Drastische Strafen
Hamburg - Es sind die drastischsten Strafen in der Geschichte des US-College-Sports. Die Penn State, die zu den besten staatlichen Universitäten in den USA gehört, muss wegen des Missbrauchsskandals um einen ehemaligen Football-Trainer 60 Millionen US-Dollar zahlen, entschied der US-College-Sportverband NCAA am Montag.
Außerdem darf das Footballteam der Uni, die Nittany Lions, vier Jahre lang nicht an den Bowl-Games, also der K.o.-Runde um die US-College-Meisterschaft im American Football teilnehmen. Die Universität aus Pennsylvania muss zudem die Anzahl ihrer Stipendien, die sie an Footballspieler vergeben darf, von 25 auf 15 reduzieren.
Im vergangenen Jahr war ans Licht gekommen, dass Jerry Sandusky, ehemaliger Assistenz-Coach des Footballteams, über Jahre hinweg Jungen sexuell missbraucht hatte. Der legendäre Cheftrainer Joe Paterno hatte genauso wie die Uni-Führung mehrere Missbrauchsfälle vertuscht, um den guten Ruf der Universität und des Footballteams nicht zu gefährden.
Fünf Jahre Bewährungszeit für die Uni
Alle Erfolge, die Penn State zwischen 1998 und 2011 unter dem mittlerweile verstorbenen Paterno errungen hatte, werden aberkannt. Bereits am Sonntag hatte die Universität eine Statue des Trainers abgebaut, der das Team seit 1966 betreut hatte.
"Football wird nie wieder über die Bildung und den Schutz junger Menschen gestellt", sagte NCAA-Präsident Mark Emmert nach der Bekanntgabe des Urteils. Penn State wird eine Bewährungszeit von fünf Jahren auferlegt, in dieser Zeit soll ein unabhängiger Beobachter die Vorgänge auf dem Campus überwachen.
Im vergangenen Monat war Sandusky des sexuellen Missbrauchs und Gefährdung von Kindern in 45 Fällen für schuldig befunden worden. Ihm droht ab Herbst eine lebenslange Gefängnisstrafe. Seine Anwälte hatten angekündigt, Berufung einlegen zu wollen.
Penn State gehört zu den beliebtesten College-Teams in der Vereinigten Staaten. In der vergangenen Saison besuchten durchschnittlich mehr als 100.000 Zuschauer die Heimspiele der Nittany Lions. Ein riesengroßer Zuspruch, den auch andere Teams erfahren.
syd/AP/dpa