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11.08.2012
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Hickhack um Heidler-Medaille

Der Kampfrichter-Hammer

Aus London berichtet Peter Ahrens
Hammerwerferin Heidler: Erst Drama, dann Bronze
Fotos
Getty Images

Um Haaresbreite ist bei den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben ein unerhörter Skandal abgewendet worden. Im Mittelpunkt: die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler. Die Kampfrichter hätten sie fast um ihr verdientes Edelmetall betrogen.

Diesen mitreißenden Leichtathletik-Abend von London konnte Betty Heidler erst genießen, als er eigentlich schon vorbei war. Um sie herum tobte im Stadion die Begeisterung, als die US-Staffel der Sprinterinnen den Uralt-Rekord der DDR pulverisierte. Als die deutschen Stabhochspringer einen faszinierenden Wettkampf um die Medaillen ablieferten. In ihr tobte nur die Wut.

Durch einen peinlichen Kampfrichterfehler schien die Hammerwurf-Weltrekordlerin um verdientes Edelmetall gebracht. Wie schon Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf ein paar Tage zuvor. Und wie bei Schwarzkopf ist es am Ende doch noch gut gegangen. Heidler bekam ihre Bronzemedaille, und der Leichtathletik blieb ein Riesenskandal so gerade noch erspart.

"Das war das Skurrilste, was ich in meiner Karriere bisher erlebt habe", sagte die 28-Jährige anschließend - und sie hat als Weltmeisterin, als dreifache Olympiateilnehmerin schon so einiges erlebt. Im fünften Versuch hatte Heidler nach zuvor schwachen Durchgängen endlich einen Wurf hingelegt, der ihren großen Möglichkeiten entsprach. Der Hammer landete bei etwa 77 Metern, gut sichtbar für das gesamte Stadion. Nur die Kampfrichter im Zusammenspiel mit der modernen Messtechnik brachten es nicht fertig, dies auch tatsächlich festzustellen.

Heidler musste sich zwingen, ruhig zu bleiben

Stattdessen wurde nach langer und offensichtlich unschlüssiger Nachmesserei zunächst eine Weite von knapp 72 Metern angezeigt und der Versuch dann in Gänze als ungültig gewertet. Statt des Medaillenplatzes blieb die Deutsche so auf einem für sie indiskutablen achten Rang.

Heidler zwang sich, nach außen hin ruhig zu bleiben, konnte sogar noch ein bisschen lächeln. Aber als ihr auch im sechsten Durchgang keine Verbesserung gelang und die Konkurrentinnen auf den vermeintlich ersten drei Plätzen bereits ihre Ehrenrunde drehten, ergriff Heidler die Initiative. Immer wieder redete sie auf die Kampfrichter ein, verwies auf das Fernsehbild, mit dem für alle Welt dokumentiert war, wie weit das Wurfgerät geflogen war. Irgendwann hatten die Kampfrichter ein Einsehen, und es nahte die Stunde des guten alten Maßbands.

Mit der Technik aus der Pionierzeit des Hammerwerfens wurde nun noch einmal Abdruck für Abdruck im Rasen des Olympiastadions nachgeprüft, bis man sich sicher war, den richtigen Heidler-Abdruck gefunden zu haben - in der genauen Entfernung von 77,12 Metern vom Abwurfring. Das war letztlich der dritte Platz.

Ehrenrunde mit halbstündiger Verspätung

"Thank you, you are my hero", umarmte Heidler die Kampfrichterin, die ihr die frohe Botschaft überbracht hatte. Und mit gut halbstündiger Verspätung durfte dann auch Betty Heidler ihre Ehrenrunde mit der deutschen Fahne antreten - ihre Mitwerferinnen waren da schon lange nicht mehr im Innenraum des Stadions.

Zu diesem Zeitpunkt war die Deutsche dann auch schon längst nicht mehr böse auf das Kampfgericht: "Die waren alle sehr nett und haben sich große Mühe gegeben." Böse hätte Heidler vorher höchstens auf sich sein können - denn bis auf jenen einen gelungenen Wurf in Durchgang fünf, war es wieder so ein typischer Betty-Heidler-Wettkampf bei Großereignissen.

Die gebürtige Berlinerin ist zwar schon vor fünf Jahren Weltmeisterin geworden, war zudem zweimal WM-Zweite. Dennoch hängt ihr der Ruf nach, dass sie ihre Nerven bei wichtigen Wettkämpfen nicht im Griff hat. In Peking vor vier Jahren reiste sie als Weltmeisterin an und wurde Neunte. Bei der EM vor wenigen Wochen verpasste sie gar die Qualifikation für das Finale.

Umso beachtlicher, wie sie die Ereignisse von London wegsteckte. Aufgeregt haben sich eher andere wie DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen, der von einem "Skandal" und einem "unwürdigen Vorgang" sprach. DLV-Präsident Clemens Prokop nannte den Wettkampf für Heidler "irregulär". Dieser Ansicht war allerdings nicht nur die deutsche, sondern auch die chinesische Delegation. Sie legte Protest gegen die Wertung ein, da durch Heidlers Rehabilitation die chinesische Werferin Wenxiu Zhang ihre Medaille, die sie schon gefeiert hatte, wieder verlor.

Der Protest wurde in der Nacht abgelehnt. Und Heidler durfte sich "nach all dem Hin und Her, dem Hü und Hott" ohne jedes schlechte Gewissen für die achte deutsche Leichtathletik-Medaille freuen. Womit sie zudem dazu beitrug, dass der DLV als einer von wenigen Verbänden seine Zielvereinbarung mit dem Innenministerium vorzeitig erfüllt hat. Die Nervenprobe ist bestanden.

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insgesamt 73 Beiträge
1. Armseliges China
O.Kenobi 11.08.2012
Der interessanteste Aspekt dieses Fast-Skandals ist das Verhalten der chinesischen Delegation. Nicht das der Sportler - die sind als selbstständig Handelnde nicht existent. Es ist das ausschließlich auf das Sammeln von Metall [...]
Der interessanteste Aspekt dieses Fast-Skandals ist das Verhalten der chinesischen Delegation. Nicht das der Sportler - die sind als selbstständig Handelnde nicht existent. Es ist das ausschließlich auf das Sammeln von Metall programmierte Funktionärsvolk, das einfach nur noch ekelerregend ist. Wenn die sich schon vor der Weltöffentlichkeit nicht entblöden Protest gegen das offensichtlich Korrekte einzulegen - um wie viel weniger hat man in China selbst Skrupel alles, aber auch wirklich alles zu tun, um Medaillen zu erlangen. Wie herzerfrischend ist da doch die offensichtliche Gleichgültigkeit der deutschen Sportler in Bezug auf Medaillengewinne - dabei sein ist alles! Wie wohltuend!
2.
eduardschulz 11.08.2012
Ich wäre ja geneigt, den Kamfrichtern/-innen ein "probieren kann man's ja" zu unterstellen, zumal das Ganze im Mutterland des Deutschland-Bashings stattfand und nicht der einzige Vorgang dieser Art war. Angesichts [...]
Zitat von sysopUm Haaresbreite ist bei den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben ein unerhörter Skandal abgewendet worden. Im Mittelpunkt: die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler. Die Kampfrichter hätten sie fast um ihr verdientes Edelmetall betrogen. Olympia 2012: Betty Heidler fast um Bronze im Hammerwerfen gebracht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849477,00.html)
Ich wäre ja geneigt, den Kamfrichtern/-innen ein "probieren kann man's ja" zu unterstellen, zumal das Ganze im Mutterland des Deutschland-Bashings stattfand und nicht der einzige Vorgang dieser Art war. Angesichts der eklatanten Differenz zwischen tatsächlich geworfener Weite und angezeigtem Ergebnis (letztendlich wurde es ja ganz aus der Wertung genommen) dürfte es sich jedoch um schlichte Unfähigkeit im Behandeln von Problemen mit der Technik handeln. Wer hat den Kampfrichtern/-innen eigentlich verboten zur Not gleich ein Maßband zur Hand zu nehmen? Ist man der Technik schon so hörig, dass dies erst nach Protesten als Möglichkeit in Erwägung gezogen wird?
3. Keine Sportlichkeit, nein gar nicht !
nitram2 11.08.2012
Als Folge von Fehlentscheidungen bekämen Sportlerinnen Medaillen, durch deren Korrektur gibt es keine. Jeder am Fernseher konnte das sehen. Was machen die Verbände derer, die nun nicht unrechtmäßig zu einer Medaille kommen: [...]
Als Folge von Fehlentscheidungen bekämen Sportlerinnen Medaillen, durch deren Korrektur gibt es keine. Jeder am Fernseher konnte das sehen. Was machen die Verbände derer, die nun nicht unrechtmäßig zu einer Medaille kommen: protestieren, obwohl die absolut nicht im 'guten Glauben' sein kann. Kein Sport, Medaillenjägerei sonst nichts. Pfui !
4. Soso, das ist nun das 2. Mal...
privado 11.08.2012
...dass einem deutschen Sportler die verdiente Medaille vorenthalten werden sollte. Langsam fällt da was auf. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
Zitat von sysopUm Haaresbreite ist bei den olympischen Leichtathletik-Wettbewerben ein unerhörter Skandal abgewendet worden. Im Mittelpunkt: die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler. Die Kampfrichter hätten sie fast um ihr verdientes Edelmetall betrogen. Olympia 2012: Betty Heidler fast um Bronze im Hammerwerfen gebracht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,849477,00.html)
...dass einem deutschen Sportler die verdiente Medaille vorenthalten werden sollte. Langsam fällt da was auf. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
5. Viele Grüße an die Zensur
astrid1814 11.08.2012
Mit der ganz kleinen Technik haben wir so unsere Probleme. Aber auf dem Mars Trecker fahren, das beherrschen wir. Würde ja auch schwierig mit dem Maßband.
Mit der ganz kleinen Technik haben wir so unsere Probleme. Aber auf dem Mars Trecker fahren, das beherrschen wir. Würde ja auch schwierig mit dem Maßband.

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