13.11.2012
Teamsportarten in Deutschland
Dreikampf um Platz zwei
Von Henning Eberhardt, Björn Duggen und Holger Rehm
Berlins Basketballer Wood: Kampf um Aufmerksamkeit
Sie streiten sich seit Jahren um Platz zwei: die Basketball Bundesliga (BBL), die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und die Handball-Bundesliga (HBL). Wer ist die wichtigste Teamsportart hierzulande hinter dem konkurrenzlosen Fußball? Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die drei Ligen-Geschaftsführer Jan Pommer (BBL), Gernot Tripcke (DEL) und Frank Bohmann (HBL) in dem Wettstreit jeweils ganz vorn wähnen.
Alle drei Ligen entwickeln sich unabhängig voneinander positiv. Die BBL etwa durch den Aufstieg des FC Bayern Basketball, die DEL mit dem Sprung ins Free-TV zu Servus TV. Die HBL gilt international nach wie vor als "stärkste Liga der Welt".
Eine exklusive "Sponsors"-Analyse der insgesamt 50 Clubs liefert interessante Erkenntnisse über die Entwicklung der drei Ligen. So liegt der durchschnittliche Etat der 14 DEL-Vereine in der Saison 2012/2013 bei 5,3 Millionen Euro (inklusive Spieleretat) - ein Anstieg von 1,1 Millionen Euro pro Club im Vergleich zur vergangenen Spielzeit und der höchste Durchschnittswert der drei Ligen.
Größte Etatspanne im Handball
Dass die DEL im Etatranking an der Spitze thront, ist aber nicht besonders überraschend, da die Personalkosten aufgrund der deutlich größeren Kaderstärke im Eishockey generell signifikant über denen im Handball und Basketball liegen.
Im Ranking folgt die HBL, deren 18 Clubs aktuell einen Etatschnitt von 4,1 Millionen Euro aufweisen. Die Handballer haben aber zugleich mit der größten Spanne zu kämpfen. Zwischen den Etats des deutschen Meisters THW Kiel (9,5 Millionen Euro) und des Aufsteigers TV Neuhausen (800.000 Euro) liegen 8,7 Millionen Euro.
Dies schlägt sich wiederum in der sportlichen Ausgeglichenheit der Liga wider: Während die Kieler in der Saison 2011/2012 ohne Minuspunkt Meister wurden, mussten alle drei Aufsteiger des Vorjahres direkt wieder den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Auch in diesem Jahr wäre es eine echte Überraschung, würden der TV Neuhausen oder TUSEM Essen mit ihren Mini-Etats von 1,7 Millionen respektive 0,8 Millionen Euro die Klasse halten.
Die kleinsten Etats weisen mit durchschnittlich etwa 4,3 Millionen Euro die 18 Clubs aus der Beko BBL aus. Doch die Basketball-Vereine rüsten kontinuierlich auf. So stieg der durchschnittliche Club-Etat seit der Saison 2009/2010 von 2,8 Millionen auf nun 3,8 Millionen Euro. Wenngleich auffällt, dass der FC Bayern mit rund 9 Millionen Euro einen dreimal höheren Etat hat als der Durchschnitt der Liga.
Ligen arbeiten bei neuem TV-Vertrag zusammen
Bei der Vermarktung ihrer Medienrechte machten die Ligen-Geschäftsführer Bohmann, Pommer und Tripcke - bei aller Konkurrenz ihrer Ligen untereinander - erstmals gemeinsame Sache. Genau genommen ging es um den Verkauf der Zweitverwertungsrechte an ARD und ZDF. Ausgehandelt wurden drei Einjahresverträge. BBL, DEL und HBL werden so ab sofort regelmäßiger Bestandteil der sonntäglichen Berichterstattung in der ZDF-"Sportreportage" und der ARD-"Sportschau" sein.
Im Detail bedeutet dies, dass neben unregelmäßigen Berichterstattungen in den dritten Programmen der ARD an jedem Sonntag die Zusammenfassung einer Top-Begegnung aus den drei Ligen in den zwei Sportformaten zu sehen sein wird. Eine breitflächige TV-Präsenz bei den Öffentlich-Rechtlichen bleibt BBL, DEL und HBL damit zwar erneut verwehrt, für die drei Ligen ist der Abschluss dennoch als Erfolg zu werten und eine willkommene Ergänzung zu den Verträgen zur Erstverwertung (siehe Grafik unten).
HBL, DEL, BBL: Die neuen TV-Verträge
Sie kann sich zumindest in diesem Teilbereich zweitstärkste Mannschaftssportart bei ARD und ZDF nennen - natürlich weit hinter König Fußball.
