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18.01.2013
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WM-Debütant Schmidt

Über Siebenmeter musst du gehen

Aus Granollers berichtet
Getty Images

DHB-Handballer Schmidt: "Es ist wunderschön"

Jung und talentiert sind viele Spieler im Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Kevin Schmidt ragt dabei heraus. Der Debütant glänzt bei der WM in Spanien als nervenstarker Siebenmeterschütze und eignet sich für den DHB perfekt als der so dringend benötigte Imageträger.

Die Geschichte klingt kitschig: Ein 18-Jähriger, der 2007 beim bisher letzten WM-Triumph der deutschen Handball-Nationalmannschaft noch jubelnd vor dem Fernseher saß, steht heute beim wichtigsten Turnier der Welt selbst auf dem Feld. Es ist die Geschichte von Kevin Schmidt, Linksaußen der DHB-Auswahl. Und sie ist nicht kitschig.

Die Geschichte erzählt von einem Aufstieg, auf den Schmidt lange warten musste. Am 3. Januar 2013 absolvierte der Mann von Bundesligist Wetzlar, inzwischen 24 Jahre alt, sein erstes Länderspiel. In der WM-Vorbereitung, bei der Testpartie gegen Schweden in Växjö, traf er dreimal. Fast vier Jahre zuvor war er mit dem heutigen Bundestrainer Martin Heuberger Junioren-Weltmeister geworden. Fast vier Jahre lang hatte Schmidt danach die A-Nationalmannschaft nur im Fernsehen verfolgt.

Jetzt ist er genau dort angekommen. Das war so nicht abzusehen, Schmidt hat auf der Linksaußenposition große Konkurrenz. In Spanien steht er auch deshalb im Kader, weil Uwe Gensheimer im November 2012 einen Achillessehnenriss erlitt und seitdem ausfällt. Hinter Dominik Klein vom THW Kiel (Schmidt: "Die klare Nummer eins") genießt Schmidt nun sein erstes WM-Turnier. Und wie.

"Es ist wunderschön, dass ich bei diesem Turnier dabei sein darf", sagt Schmidt SPIEGEL ONLINE vor dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich am Freitag (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Ohne ein Lächeln auf dem Gesicht sieht man ihn selten in Spanien. Niemand hat im deutschen WM-Kader weniger Länderspiele, aber Schmidt ist der Mann für die wichtigen Momente. Seine Spezialität im Nationaltrikot: Siebenmeter.

Schmidt ist stolz, dabei zu sein

Im Duell mit dem gegnerischen Torwart bleibt Schmidt beeindruckend cool. "Ich versuche, mich kurz vorher ein wenig zu beruhigen, und überlege, was der Torhüter machen könnte", sagt Schmidt lapidar. Sein Ritual: "Ich prelle immer mit der linken Hand zum Siebenmeter." Dann: eine Täuschung, ein Wurf, drin.

Schmidt ist unbekümmert, unbelastet. An der Talfahrt der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen fünf Jahren war er nicht aktiv beteiligt. Bei der WM im eigenen Land stand Schmidt mit Trikot und Schal als Fan in der Halle. Er musste die Pleiten bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spielen seit 2007 mit ansehen, auch, wie sie am Renommee des deutschen Handballs gekratzt haben. Stolz war auf die DHB-Auswahl schon lange niemand mehr. Schmidt ist es. Darauf, dabei zu sein.

"Riesengroß" sei seine Vorfreude vor dem Debüt gegen Brasilien gewesen, sagt er. Vom Druck, der bei diesem Turnier besonders auf den jungen Spielern lastet, ist bei Schmidt bisher nichts zu spüren. Mit einer Quote von 100 Prozent vom Strich ging er auch bei der knappen Niederlage gegen Tunesien zum ersten Siebenmeter. Als er scheiterte, ließ Heuberger ihn bis zur Schlussphase draußen. "Ich hätte auch den nächsten genommen", sagt Schmidt.

"Ziel, sich mit den Besten zu messen"

Schon gegen Argentinien war das Selbstvertrauen zurück. Wieder saßen zwei Siebenmeter, Schmidts Spielanteile waren größer. In der 60. Minute machte er mit einem sehenswerten Treffer alles klar. Die Steilvorlage zum Tempogegenstoß nahm er in vollem Lauf mit und vollstreckte abgebrüht.

In seinen besten Momenten lässt Schmidt Handball leicht aussehen. Auch die Statistik spricht für ihn. 13 Siebenmeter bekam die DHB-Auswahl bislang bei der WM, zehn landeten im Tor. Von seinen acht Versuchen verwandelte Schmidt sieben.

Doch der Mann mit der Trikotnummer 20 deutet an, dass er mehr kann, als nur für die Siebenmeterwürfe reinzukommen. Mit seinen 1,83 Metern ist er prädestiniert für das schnelle, technisch anspruchsvolle Spiel, das Bundestrainer Martin Heuberger wünscht. Der lobt Schmidts Coolness, aber auch dessen Härte in der Defensive. Vielleicht hat Schmidt deshalb das Zeug zum neuen Handball-Star.

Es wäre einer aus der Provinz, aber genau das passt zu dieser Geschichte. Wie Rechtsaußen Tobias Reichmann und Rückraumspieler Steffen Fäth spielt Schmidt bei der HSG Wetzlar - und nicht bei einem der vier Großen aus Kiel, Hamburg, Flensburg oder Berlin. Beim Tabellenneunten der Handball-Bundesliga bekommt Schmidt jene Einsatzzeiten, die Heuberger bei vielen anderen deutschen Talenten in der stärksten Handball-Liga der Welt vermisst.

Schmidts Vertrag in Wetzlar läuft noch bis 2014. Während des Turniers in Spanien gab es Gerüchte über einen Vereinswechsel. Schmidt, ganz der Medienprofi, lächelt und sagt nur: "Es ist das Ziel von jedem Spieler, irgendwann einmal international zu spielen und sich mit den Besten zu messen." Schmidt hat bei der WM Gefallen daran gefunden.

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Vorrunde Gruppe A

Platz Team Sp S U N Tore Diff Pkt
1 Deu. 5 4 0 1 148:126 22 8:2
2 Frankr. 5 4 0 1 154:124 30 8:2
3 Brasil. 5 3 0 2 122:127 -5 4:4
4 Tunes. 5 3 0 2 123:123 0 6:4
5 Argent. 5 1 0 4 116:138 -22 2:8
6 Montene. 5 0 0 5 117:142 -25 0:8

Hier erfahren Sie mehr über die Ergebnisse.

Ergebnisse Vorrunde Gruppe A

Datum Uhrzeit Team Ergebnis Team
12.01. 16:00 Deu. 33 : 23 Brasil.
12.01. 18:15 Argent. 28 : 26 Montene.
12.01. 20:45 Frankr. 30 : 27 Tunes.
13.01. 15:00 Brasil. 24 : 20 Argent.
13.01. 17:20 Tunes. 25 : 23 Deu.
13.01. 19:30 Montene. 20 : 32 Frankr.
15.01. 16:00 Tunes. 27 : 25 Montene.
15.01. 18:15 Deu. 31 : 27 Argent.
15.01. 20:45 Frankr. 27 : 22 Brasil.
16.01. 16:00 Brasil. 27 : 22 Tunes.
16.01. 18:30 Deu. 29 : 21 Montene.
16.01. 20:45 Argent. 23 : 35 Frankr.
18.01. 16:00 Argent. 18 : 22 Tunes.
18.01. 18:15 Frankr. 30 : 32 Deu.
18.01. 20:45 Montene. - : - Brasil.

Hier erfahren Sie mehr über die Ergebnisse.

Fotostrecke

DHB-Kader

Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner

Brasilien
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid
Tunesien
Afrikameister Tunesien hat sich im Welthandball zu einer festen Größe entwickelt und nimmt in Spanien zum zehnten Mal in Folge an einer WM teil. Beste Platzierung war Platz vier bei der WM 2005 im eigenen Land. Nach dem Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in London traten einige erfahrene Akteure zurück. Die Mannschaft des französischen Trainers Alain Portes befindet sich im Umbruch. Die Hoffnungen ruhen auf dem künftigen Kieler Rückraumspieler Wael Jallouz. - Bilanz gegen Deutschland: 9 Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, acht Niederlagen. sid
Montenegro
Einst im Handball kaum von Bedeutung, ist das Selbstvertrauen von Montenegro bei der WM groß. Nachdem das Team von Trainer Zoran Kastratovic in der Qualifikation im Sommer den späteren Olympiazweiten Schweden rausgeworfen hatte, landeten sie vor zwei Monaten den nächsten Coup: Der 31:27-Erfolg zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Deutschland markiert eine der schwärzesten Stunden der jüngeren deutschen Handball-Vergangenheit. "Wir haben der Welt gezeigt, dass auch Montenegro Handball spielen kann", sagte Kastratovic. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme wollen die montenigrinischen Männer nun aus dem Schatten ihrer Landsfrauen treten, die im Dezember die EM gewannen und bei den Spielen von London Silber holten. - Bilanz gegen Deutschland: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen. sid
Argentinien
Panamerikameister Argentinien will bei der Handball-WM an die starken Leistungen der letzten interkontinentalen Titelkämpfe anknüpfen. Vor zwei Jahren besiegten die Gauchos in der Vorrunde zunächst Gastgeber Schweden und zwangen die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz elf danach zweimal sensationell in die Verlängerung. "Wir wollen das letzte WM-Ergebnis bestätigen und hoffen, die Gruppenphase zu überstehen", sagte Spielmacher Sebastian Simonet. Bei den Olympischen Spielen in London verpasste Argentinien das Viertelfinale knapp durch ein 23:25 im entscheidenden Spiel gegen Tunesien. Das Turnier beendeten die Südamerikaner auf dem zehnten Platz. - Bilanz gegen Deutschland: 2 Spiele, 2 Niederlagen. sid
Frankreich
Olympiasieger Frankreich kann bei der Handball-WM Geschichte schreiben und als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. "Wir sind niemals satt. Wir wissen, was wir schon gewonnen haben und was wir gewinnen können. Das stärkt das Selbstvertrauen", sagte Torhüter Thierry Omeyer vom deutschen Meister THW Kiel. Neben Omeyer zählen der Kieler Welthandballer Daniel Narcisse, Nikola Karabatic und Luc Abalo zu den Stars der Mannschaft von Trainer Claude Onesta. Allerdings sind auch die Franzosen nicht unschlagbar. Bei der EM 2012 in Serbien belegte Frankreich nur Platz elf. - Bilanz gegen Deutschland: 68 Spiele, 26 Siege, 7 Unentschieden, 35 Niederlagen. sid

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