19.01.2013
TV-Dopingbeichte
Armstrong nennt seine Sperre "Todesstrafe"
Von Peter AhrensWer Aufklärung erwartet hatte, wurde maßlos enttäuscht. Im zweiten Teil des Interviews von Ex-Radstar Lance Armstrong durch Talkmasterin Oprah Winfrey wurde zwar den Befindlichkeiten des ehemals siebenfachen Tour-de-France-Siegers viel Platz eingeräumt. Zu Details seines Dopinggebrauchs, zu Hintermännern und Mitwissern jedoch erfuhr man nichts. Der sich reuig gebende Armstrong nannte keine Namen, aber er wurde von Winfrey auch gar nicht erst danach gefragt.
Stattdessen hatte der 41-Jährige ausreichend Zeit, über seine Gefühlslage Auskunft zu geben. Die über ihn verhängte lebenslange Sperre als Sportler nannte er die "Todesstrafe" und sagte: "Ich habe sicherlich Strafe verdient. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es die Todesstrafe sein muss." Winfrey ließ dies unkommentiert.
Die Talkmasterin versuchte nur einmal noch, inhaltlich auf die Vorwürfe einzugehen, die dem überführten Texaner zur Last gelegt werden. So fragte sie ihn nach der vermeintlichen Spende, die das Armstrong-Team der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada zukommen ließ. Armstrong wies zurück, dass es solch eine Spende gegeben habe. Weder er noch jemand in seinem Umfeld habe der Usada Geld angeboten. Dies hatte der Chef der Agentur Travis Tygart behauptet.
Verlassen von Livestrong als "bittersten Moment" erlebt
Als "bittersten und demütigendsten Moment" der vergangenen Monate nannte Armstrong den Augenblick, als er die von ihm initiierte Anti-Krebs-Stiftung Livestrong habe verlassen müssen. Nachdem die Usada ihn des Dopings überführt hatte, hatte Armstrong den Vorsitz der Stiftung abgeben müssen.
Zu den finanziellen Folgen seines sportlichen Absturzes zählte Armstrong auf, was ihm künftig an Sponsorengeldern verloren gehe, weil die Geldgeber, unter anderem die Unternehmen Nike und Anheuser-Busch, ihre Verträge mit Armstrong gekündigt haben. "Als die Sponsoren sich verabschiedet haben, war das ein 75-Millionen-Dollar-Tag für mich", formulierte er. Die Kosten, die durch Schadensersatzklagen auf ihn zukommen werden, spielten dagegen keine Rolle.
Dafür ging Winfrey ausführlich darauf ein, wie Armstrong es seiner Familie beigebracht habe, dass all die Dopingvorwürfe, die er über Jahre zurückgewiesen hatte, wahr seien. Als er berichtete, wie er es seinem Sohn erzählen musste, stockte Armstrong und schien kurz mit den Tränen zu kämpfen.
Seine frühere Ehefrau Kristin habe über seine Dopingvergangenheit Bescheid gewusst. Bei seinem Comeback im Jahr 2009 habe er ihr daher versprechen müssen, "nicht mehr die Rote Linie zu überschreiten" und noch einmal zu dopen. Er sei davon ausgegangen, die Tour de France auch ohne Doping gewinnen zu können. Armstrong wurde 2009 Dritter. Ein Jahr später, bei seiner Tour, belegte er den 23. Rang.
Er entschuldigte sich namentlich bei seinen früheren Teamkollegen Floyd Landis, Tyler Hamilton und Frankie Andreu. Die drei hatten gegen Armstrong ausgesagt und ihn vor der Usada schwer belastet. Armstrong hatte ihre Aussagen stets als Unsinn abgetan und mit rechtlichen Schritten gegen sie gedroht.
Auf die Frage, ob er noch sportliche Ziele habe, falls seine Sperre doch noch verkürzt werden solle, sagte er: "ich werde sicher nicht noch einmal die Tour de France fahren, aber mit 50 den Chicago Marathon zu laufen, da würde ich sofort ja sagen". Schließlich sei er "noch immer ein Wettkampftyp".