23.01.2013
WM-Aus für deutsche Handballer
Bittere Enttäuschung, stolzer Erfolg
Aus Saragossa berichtet Christian PaulSilvio Heinevetter irrte mit leerem Blick durch die Mixed Zone, Patrick Groetzki kritisierte sich selbst hart, und Dominik Klein musste erstmal alles sacken lassen, fand dann aber doch noch lobende Worte: Die deutschen Handballer schwankten am Mittwochabend zwischen Enttäuschung und Stolz. "Das ist bitter. Wir haben lange träumen dürfen", sagte Michael Haaß.
24:28 (14:12) hatte die DHB-Auswahl ihr WM-Viertelfinale gegen Spanien verloren. Das Ergebnis gibt den Spielverlauf nur ungenügend wieder, lange war die Partie ausgeglichen gewesen. Die harte Realität ist dennoch: Deutschland darf nicht mehr mitspielen bei dieser Weltmeisterschaft. Am Donnerstag fliegt die Mannschaft von Madrid zurück in die Heimat.
Für das Turnier ist das ein echter Verlust. Es hat Spaß gemacht, der deutschen Mannschaft zuzusehen. Das hat man schon lange nicht mehr über die DHB-Auswahl sagen können. Auch am Mittwoch zeigte Deutschland, warum Spaniens Trainer nach der Partie anerkennend davon sprach, wie deutlich man die Fortschritte im deutschen Team sehen könne.
Die erste Halbzeit der Deutschen war überragend. Wieder stand die vielgelobte Abwehr um Oliver Roggisch und Michael Haaß sicher. Der Spielmacher übernahm zudem im Abschluss Verantwortung, traf bis zur Pause dreimal. Spanien war beeindruckt, musste für seine Tore meist hart arbeiten. Von Nervosität war bei der jungen deutschen Mannschaft nichts zu spüren. Die 11.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle in Saragossa pfiffen schon bei der Begrüßung jeden DHB-Spieler aus. "Die erste Halbzeit war top. In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr so konsequent", sagte Haaß.
Groetzkis vergebene Chancen als Schlüsselmoment
In doppelter Unterzahl kassierte Deutschland erst den 14:14-Ausgleich, danach schwächelte die DHB-Auswahl in den entscheidenden Momenten. Patrick Groetzki scheiterte in der 39. mit einem Tempogegenstoß, es wäre das mögliche 19:17 gewesen. Vier Minuten später vergab er frei das mögliche 20:18. "Es war vielleicht ein kleiner Schlüsselmoment. Danach ziehen wir nicht weg, und Spanien zieht davon", sagte der Rechtsaußen sichtlich konsterniert.
Die Spanier, von denen sich einige am Mittwochmittag noch in einer Bar in der Innenstadt von Saragossa vergnügt hatten, waren cleverer. Allen voran Julen Aguinagalde. Über den Kreisläufer lief nahezu jeder Angriff der Gastgeber. "Den haben wir 60 Minuten lang nicht in den Griff bekommen", sagte Torwart Silvio Heinevetter, trotz der Warnungen von Bundestrainer Martin Heuberger.
Aguinagaldes Tor zum 23:21 in der 51. Minute war die Vorentscheidung, seine Treffer zum 24:21 und 25:21 machten alles klar. "Wir haben den ein oder anderen Fehler zu viel gehabt", sagte Heuberger, der anders als Heinevetter keine Probleme damit hatte, seiner Mannschaft zu einem starken Turnier zu gratulieren. "Von dicht dran können wir uns nichts kaufen", sagte sein enttäuschter Keeper.
Doch auch, wenn ein zweites WM-Wintermärchen nach 2007 ausblieb, endet für Deutschland ein Turnier, das mehr große Momente bereitgehalten hatte als gedacht. Die nach Ausfällen und Absagen stark veränderte deutsche Mannschaft hat in den vergangenen eineinhalb Wochen für beste Unterhaltung gesorgt. Sie sind Erster in der Gruppe A geworden, sie haben sensationell Frankreich besiegt und das Achtelfinale gegen Mazedonien im Stile einer Spitzenmannschaft runtergespult.
"Wir haben immer gekämpft und an uns geglaubt", sagte Linksaußen Dominik Klein. Die DHB-Auswahl hat in Spanien mit einer Mannschaft ohne große Namen wieder großen Sport gezeigt. Deutschland weiß jetzt, wer Stefan Kneer ist. Oder Kevin Schmidt. Oder Patrick Wiencek. Die Nationalmannschaft hat ein neues, sympathisches Gesicht gezeigt. Und dieses Team ist so jung, dass in Zukunft noch einiges zu erwarten ist. Irgendwann fand auch Michael Haaß dafür wieder den Blick: "Wir können stolz sein darauf, wie wir hier aufgetreten sind. Wir haben in Deutschland wieder Lust auf Handball gemacht."
Deutschland - Spanien 24:28 (14:12)
Deutschland: Heinevetter - Kneer, Wiencek (1), Schmidt (1/1), Weinhold (2), Pfahl (1), Haaß (3), Klein (4), Strobel, Roggisch, Reichmann, Groetzki (2), Theuerkauf (4), Christophersen (6/1), Fäth
Spanien: Aguinagalde (7), Tomas (7/1), Entrerrios (6), Rivera (3), Maqueda (3), Rocas (1), Sarmiento (1)
Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
Zeitstrafen: 6:5
Siebenmeter: 3/2:1/1
Zuschauer in Saragossa: 10.801 (ausverkauft)

