21.02.2013
Reaktionen auf Spitzensport-Studie
Funktionäre sind um Deeskalation bemüht
DOSB-Generaldirektor Vesper: "Nennt Ross und Reiter"
Hamburg - Eine Studie der Sporthilfe hat Zahlen zutage gefördert, die den deutschen Leistungssport in einem sehr schlechten Zustand zeigen. Demnach sind Wettkampf-Absprachen, Doping und Burnout bei Athleten weit verbreitet, die Reaktionen von Offiziellen und Politikern fallen entsprechend erschrocken aus (hier die Studie im Überblick).
Für die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, sind die Zahlen ein "Anlass zur Sorge". Für Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes und Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, sind das "spannende Hinweise, denen wir nachgehen müssen".
Der Vorsitzende der Athletenkommission beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Christian Breuer, verlangte eine sachliche Einordnung der Ergebnisse. "Wir distanzieren uns entschieden von Behauptungen in den Medien, dass Sportler korrupt seien und massenhaft manipulieren würden. Das geht aus der Studie nicht hervor", so der 15-malige deutsche Meister im Eisschnelllauf.
Insgesamt sind die deutschen Sportfunktionäre vor allem um Deeskalation bemüht. "Da muss man sich schon die Frage genau anschauen, die lautete: Waren Sie jemals bei Wettkampf- oder Spielabsprachen beteiligt? Diese Frage schließt mit ein, dass der Trainer sagt: Wir werden in diesem Spiel versuchen, nicht zu gewinnen, weil wir dann beim Überkreuzspiel den leichteren Gegner haben", sagte der Vorsitzende der Sporthilfe Michael Ilgner.
Von Doping über Burnout bis zu Betrug: Die Sporthilfe-Studie bringt es an den Tag
Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, bezeichnete die Zahlen der Untersuchung "Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen aus Sicht von Bevölkerung und Athleten" zwar als "nicht förderlich für das Image des Sports". Für ihn seien sie aber nicht alarmierend, "weil die Aussagen nicht treffsicher genug sind."
Dennoch traf die Studie den Spitzensport an einem wunden Punkt. "Diese Aussagen kommen von den Athleten selbst. Deshalb sind sie so alarmierend und müssen ein Anlass sein, dass man fragt: Was läuft hier falsch?", sagte Helmut Digel, Sportsoziologe und langjähriger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sein Nachfolger Clemens Prokop setzte die Thematik prompt auf die Tagesordnung für die diversen Sitzungen rund um die deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund an diesem Wochenende.
Leiter der Studie relativiert Zahlen
Der Leiter der Studie, Christoph Breuer, fordert weitere Untersuchungen zum deutschen Spitzensport. "Die Ergebnisse schreien danach, dass man sich weiter mit ihnen beschäftigt", sagte der Professor an der Sporthochschule Köln. Vor allem die Ergebnisse im Bereich der Manipulationen hätten auch ihn "überrascht".
Relativieren müsse man die Zahlen dagegen in Bezug auf psychische Erkrankungen. Davon sei nicht ein Drittel betroffen. "Es ist nicht zulässig, die Zahlen zu addieren, weil auch Mehrfachnennungen möglich waren", erklärte Breuer zu Depressionen, Burnout und Essstörungen.
9,3 Prozent der befragten Sportler gaben in der Studie depressive Erkrankungen an. 11,4 Prozent der Topathleten leiden nach eigenen Angaben unter Burnout. 9,6 Prozent der Sportler räumten Essstörungen ein. Grund dafür sei vor allem der Erfolgsdruck. Die Sporthilfe ist sich dessen schon länger bewusst und hat deshalb ihre Förderprinzipien verändert. Für WM- und EM-Medaillen gibt es seitdem keine Sonderprämie mehr. Stattdessen werden mehr Gelder in die Unterstützung einer dualen Karriere gesteckt.
luk/dpa