Schrift:
Ansicht Home:
Sport

DOSB-Präsident Hörmann

Der Ruf ist angekratzt

DOSB-Präsident Alfons Hörmann wurde mit deutlicher Mehrheit im Amt wiedergewählt - aber es gab erstmals einen Gegenkandidaten. Ein Zeichen dafür, wie sehr es im deutschen Sport derzeit brodelt.

DPA

DOSB-Chef Alfons Hörmann

Von
Sonntag, 02.12.2018   13:51 Uhr

Von "Einzelstimmen" hatte Alfons Hörmann im Vorfeld noch gesprochen - Einzelstimmen, die ihren Unmut über den Führungsstil des DOSB-Präsidenten bekunden würden, "von denen darf man sich nicht irre machen lassen". Es wurden dann aber doch ein paar Einzelstimmen mehr.

61 Delegierte hatten sich auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes für den Gegenkandidaten Hörmanns an der Spitze des Verbandes ausgesprochen. 61 Stimmen für Martin Engelhardt, den Präsidenten des Deutschen Triathlon-Verbandes, aber vor allem 61 Stimmen gegen Hörmann.

Die Wiederwahl des 58-jährigen Bayern, seit 2013 an der Spitze des organisierten Sports in Deutschland, hat das nicht gefährdet. Schließlich stimmten 383 Delegierte in Düsseldorf für ihn. Dennoch ist das Ergebnis vom Samstag ein deutliches Zeichen: Hörmann ist längst nicht mehr unumstritten. Das Hickhack um die Leistungssportreform, die Debatten um die Förderung vom Bund und die Art und Weise, mit der Hörmann mit Kritik und Kritikern umgeht, haben seinen Ruf angekratzt.

Misstrauen beherrscht das Klima

Es ist bezeichnend, wie Engelhardt den Weg zu seiner kurzfristig angemeldeten Gegenkandidatur beschrieb: "Ein Athletenvertreter hat mich letztendlich vorgeschlagen, weil die anderen alle Angst gehabt haben, dass sie sonst anschließend dafür bestraft werden." Das Klima im DOSB ist von Misstrauen geprägt, und daran hat Hörmann seinen Anteil.

Im Vorfeld der Versammlung sprach er von einstimmigen Voten, die die Landessportbünde ihm zur Wiederwahl auf den Weg gegeben hätten. Einige der Sportbünde wussten von dieser Einstimmigkeit allerdings gar nichts. Auch in Sachen Bundesförderung pflegte Hörmann eine eigenwillige Form der Kommunikation. Zunächst hatte der DOSB dem Bundesinnenministerium eine detallierte Aufstellung übergeben, nachdem der Sport in Deutschland für das kommende Jahr 114 Millionen Euro dringenden Mehrbedarf habe. Als am Ende, je nach Rechnung nur 46 oder 70 Millionen Euro herauskam, feierte Hörmann dies als "Meilenstein".

Dass der DOSB-Boss und der Bundesinnenminister CSU-Parteifreunde sind, ist bekannt. Weniger bekannt ist bisher das Engagement von Horst Seehofer für den Sport, das überlässt er normalerweise seinem CSU-Staatssekretär Stephan Mayer. Zur DOSB-Versammlung bequemte sich der Minister dann doch, allein um in seiner Rede jeden Eindruck zu vermeiden, er und Hörmann seien zu enge Buddys: "Hörmann kommt nicht ins Ministerium, um irgendwelche Deals zu machen, sondern hat knallhart seinen Standpunkt", sagte Seehofer. Genau das hatten Hörmanns Kritiker im Vorfeld angezweifelt.

De Maizière leitet Ethikkommission

Seehofers Vorgänger, Thomas de Maizière, war stets bemüht, einen engen Draht zum Spitzensport zu halten, regelmäßig hat er die großen Sportveranstaltungen besucht, zuletzt noch in Pyeonchang. Diesen Draht will Hörmann erhalten: De Maizière wurde in Düsseldorf zum Vorsitzenden der neugeschaffenen DOSB-Ethikkommission gewählt. Ein Gremium, das nach den Erfahrungen mit Ethikkommissionen in anderen Spitzenverbänden mit einer gewissen Skepsis aufgenommen wird. Wobei auch noch nicht ganz klar ist, welche Aufgaben die Kommission genau wahrnehmen kann und soll.

Die Diskussionen ums Geld und um die Zukunft des Leistungssports, die Hörmann angezettelt hat, haben, so formuliert es der Sportinformationsdienst, Verbände und Athleten "in einen Zustand mentaler Erschöpfung" versetzt. Der vom DOSB misstrauisch beäugte Verein "Athleten Deutschland", der sich im Vorjahr gegründet hat, um die Interessen der Aktiven auch gegenüber den DOSB zu vertreten, muss Ringkämpfe um seine Förderung ausführen. Von Kulanz war auf DOSB-Seite auch dort nur wenig zu spüren.

Hörmann kann auf die sportliche Bilanz zum Beispiel bei den Olympischen Winterspielen von Pyeongchang verweisen, wenn es darum geht, ob die von ihm angeschobenen Veränderungen im Leistungssport bereits greifen. Andererseits sind seine Versuche, Olympia wieder nach Deutschland zu holen, bisher früh gescheitert, Engelhardt nennt die Bewerbungen mit Blick auf München/Garmisch und Hamburg "unprofessionell", derzeit werden die Bemühungen um Sommerspiele im Ruhrgebiet intensiviert, Ergebnis noch völlig offen.

Als Kritiker des IOC hat sich Hörmann bislang nur bedingt einen Namen gemacht, in Sachen Doping und Russland immerhin gibt es deutliche Äußerungen von ihm. Er selbst hat nach seiner Wiederwahl angekündigt, er werde "einen Stil pflegen, der von Transparenz und Offenheit geprägt ist". Dazu hätte er allerdings schon fünf Jahre Zeit gehabt.

insgesamt 2 Beiträge
BettyB. 02.12.2018
1. Vielsagend
Sportjournalismus und Verständnis für Meinungsvielfalt und demokratische Verhältnisse in Verbänden sind kaum vereinbar. Ahrens sei Dank für den Hinweis...
Sportjournalismus und Verständnis für Meinungsvielfalt und demokratische Verhältnisse in Verbänden sind kaum vereinbar. Ahrens sei Dank für den Hinweis...
alternativlos 02.12.2018
2. Olympia, Team D und Sportdeutschland
sind Kampagnen einer Marketingagentur, mit dem Ziel, sich immer neu zu erfinden und die Ereignisse der Vergangenheit vergessen zu machen. Dabei kann man die Vergangenheit nicht vergessen, nur die Zukunft gestalten. Hierfür [...]
sind Kampagnen einer Marketingagentur, mit dem Ziel, sich immer neu zu erfinden und die Ereignisse der Vergangenheit vergessen zu machen. Dabei kann man die Vergangenheit nicht vergessen, nur die Zukunft gestalten. Hierfür braucht es in der Gegenwart Mut zur Aufklärung. Die Gnade des Nichtwissens ist der falsche Weg! Wir sind mehr als ein Narrative zum Wohle einer sportlichen Elite. Wir aber sind mehr als eine Geschichte von Helden und Sagen. Wir aber sind sehr viel mehr als eine Liebe aus Habgier. Wir sind die Idee, jedes einzelne Mitglied in einem Verein, die Verantwortung für unseren Nächsten alltäglich mit Erfahrungen bereichern wollen. Weiterhin Alles Gute

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP