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Sport

Handball-EM

Deutschland holt Unentschieden nach Videobeweis

Mit einem Tor in letzter Sekunde hat sich das DHB-Team für die EM-Hauptrunde qualifiziert. Schwach gestartet, steigerte sich die Mannschaft und profitierte von einem Videobeweis, dem minutenlange Diskussionen vorausgingen.

REUTERS

Tobias Reichmann trifft zum Endstand

Montag, 15.01.2018   20:17 Uhr

Deutschland hat in seinem zweiten Spiel bei der Handball-EM gegen Slowenien ein Unentschieden erkämpft. Nach einem 10:15-Rückstand zur Halbzeit arbeitete sich das Team in der zweiten Halbzeit zurück in die Partie. Beim Schlusspfiff führte Slowenien 25:24 - doch die Schiedsrichter werteten die Bilder aus und sprachen Deutschland noch einen Siebenmeter zu, den Tobias Reichmann zum 25:25 (10:15)-Ausgleich verwandelte. Das Team steht damit in der Hauptrunde.

Eine stabile Defensive und offensive Entschlossenheit, welche die deutsche Auswahl beim Auftaktsieg gegen Montenegro auszeichneten, fehlten in der ersten Halbzeit komplett. Das Team erhielt in den ersten vier Angriffen vier Siebenmeter, Kapitän Uwe Gensheimer verwandelte jedoch nur zwei davon. Aus dem Spiel heraus kam die DHB-Auswahl kaum zu gefährlichen Aktionen. In der Defensive offenbarte die deutsche Mannschaft ebenfalls zahlreiche Schwächen. Zu keinem Zeitpunkt gelang es ihr, die Laufwege der Slowenen zu unterbinden.

Nach zwanzig Minuten führte Slowenien bereits 9:6. Auch ein Torwart-Wechsel von Andreas Wolff auf Silvio Heinevetter brachte keine Besserung. Beide Keeper kamen in der ersten Hälfte zusammen auf nur zwei Paraden. Sloweniens Schlussmann Urban Lesjak hielt acht Bälle. Zur Halbzeit stand es bereits 15:10.

In der zweiten Halbzeit kam Deutschland besser in die Partie. Nach einem Foul an Gensheimer gab es in der 45. Minute eine doppelte Zeitstrafe. Tobias Reichmann brachte Deutschland mit zwei verwandelten Siebenmetern heran, Gensheimer stellte mit dem 19:19 erstmals seit dem 1:1 wieder einen Gleichstand her.

In der letzten Viertelstunde verlief die Partie ausgeglichen. Durch das 21:20 ging Deutschland zum ersten Mal in Führung. Beim Schlusspfiff stand es 25:24 für Slowenien - doch die deutsche Mannschaft hatte Einwände. Die Schiedsrichter werteten die Videobilder aus und gaben eine Rote Karte für Slowenien und Siebenmeter für Deutschland. Die Slowenen hatten einen regelkonformen Anwurf verhindert. Reichmann verwandelte zum 25:25.

Im letzten Gruppenspiel trifft Deutschland am Mittwoch auf Mazedonien (18.10 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD).

Slowenien - Deutschland 25:25 (15:10)
Slowenien: Lesjak, Skok - Zarabec (5), Mackovsek (4), Blagotinsek (4), Janc (4/1), Bezjak (3), Kavticnik (3/1), Mlakar (1), Cingesar (1)
Deutschland: Wolff, Heinevetter - Gensheimer (7/2), Groetzki (4), Reichmann (4/3), Weber (3), Weinhold (2), Pekeler (2), Häfner (1), Kühn (1), Drux (1), Kohlbacher, Wiencek, Janke, Roscheck, Fäth
Schiedsrichter: Gatelis/Mazeika (Litauen)
Zeitstrafen: 9:3
Siebenmeter: 4/2:9/5
Rote Karte: Blagotinsek (60.) wegen unsportlichen Verhaltens
Zuschauer: 10.000

tip/mfu

insgesamt 24 Beiträge
radbodserbe 15.01.2018
1. Trotz des Unendschieden gab es einen Verlierer . den Handballsport
Mit einer vor allem kämpferischen Steigerung erlangte die deutsche Mannschaft noch einen wichtigen Punkt. So weit, so gut. Die Art und Weise hinterlässt bei mir aber als ehemaligen Handballer einen bitteren Beigeschmack. 10 [...]
Mit einer vor allem kämpferischen Steigerung erlangte die deutsche Mannschaft noch einen wichtigen Punkt. So weit, so gut. Die Art und Weise hinterlässt bei mir aber als ehemaligen Handballer einen bitteren Beigeschmack. 10 Minuten nach Spielende und ständigen Anschauens der letzten Spielsekunden durch die Schiedsrichter, wird die sportliche Entscheidung plötzlich durch diese gekippt. Eindeutig kann es also wohl eher nicht gewesen sein und es gab auch andere zweifelhafte Entscheidungen der Schiedsrichter, wie sie halt in jedem Spiel passieren, ohne das sie weiter überdacht wurden. Auch wenn es vielleicht "regelkonform" war, so richtig freuen kann ich mich über dieses Unentschieden nicht, zu dem die erste Halbzeit von Seiten der deutschen Mannschaft in fast allen Belangen einfach nur schlecht war. Von Einsatz oder einem wirklichen Matchplan war da ganz im Gegensatz zum Gegner nicht viel zu sehen. Vielleicht sehe ich das Ganze ja mit zeitlichem Abstand und nach einem Bierchen entspannter. Ich hoffe und wünsche es dem Team, das es sich wieder rechtzeitig fängt und viel Erfolg im weiterem Turnier und dem Handballsport, das die heutige Entscheidung eine Ausnahme bleibt.
michlauslöneberga 15.01.2018
2. Whow!
Das war wirklich nicht von Pappe, Slowenien, immerhin WM-Dritter, war echt eine superharte Nuss. Man ist halt immer nur so stark, wie es der Gegner erlaubt, und deshalb kam unsere Mannschaft kaum ins Spiel. Die Abwehr der Slowenen [...]
Das war wirklich nicht von Pappe, Slowenien, immerhin WM-Dritter, war echt eine superharte Nuss. Man ist halt immer nur so stark, wie es der Gegner erlaubt, und deshalb kam unsere Mannschaft kaum ins Spiel. Die Abwehr der Slowenen hat mich begeistert, und deren Mittelmann... Weltklasse! Ohne den dummen Fehler bei der letzten schnellen Mitte hätte Slowenien, mE auch verdient, gewonnen. Erfreulich aus Deutscher Sicht, wenn Wolf nicht ins Spiel findet, kommt mit Heinevetter ein adäquater Ersatzmann, und eben der hat dann auch noch energisch den erfolgreichen Protest initiiert. Für die Psyche der Mannschaft war dieses Spiel wichtiger als ein letztlich einfaches Scheibenschießen gegen wen auch immer.
domingo13 15.01.2018
3. alles in Ordnung
Jeder der Handballregeln kennt, wusste sofort, dass die Verhinderung der schnellen Mitte in den letzten 30 Sekunden mit roter Karte und Strafwurf geahndet wird. Fraglich war wohl nur, ob die Zeit schon abgelaufen war. Das hätte [...]
Jeder der Handballregeln kennt, wusste sofort, dass die Verhinderung der schnellen Mitte in den letzten 30 Sekunden mit roter Karte und Strafwurf geahndet wird. Fraglich war wohl nur, ob die Zeit schon abgelaufen war. Das hätte man tatsächlich schneller klären sollen.
_gimli_ 15.01.2018
4.
Als großer Handball-Fan muss ich sagen: Was für eine armselige Reklamation durch die deutschen Spieler und was für eine schräge Regel. Tut mir wirklich leid für die Slowenien.
Als großer Handball-Fan muss ich sagen: Was für eine armselige Reklamation durch die deutschen Spieler und was für eine schräge Regel. Tut mir wirklich leid für die Slowenien.
leiendeu 15.01.2018
5. Kein Plan B
Dieser Trainer ist einfach nur schlecht: In einer Halbzeit viermal das Deckungszentrum umbesetzen - unglaublich. Mit Lemke wäre das nicht passiert. Außerdem fehlt der Plan, um gegen diese aggressive Deckung ein flexibles [...]
Dieser Trainer ist einfach nur schlecht: In einer Halbzeit viermal das Deckungszentrum umbesetzen - unglaublich. Mit Lemke wäre das nicht passiert. Außerdem fehlt der Plan, um gegen diese aggressive Deckung ein flexibles Laufspiel anzuwenden. So wird man niemals Europameister - schade.

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