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Sport

Triathlon auf Hawaii

Was Sie zum Ironman wissen müssen

Der Ironman auf Hawaii ist das Highlight der Triathlon-Saison. Gewinnt zum fünften Mal in Folge ein Deutscher? Wer ist die Favoritin bei den Frauen, auf wen sollten Sie achten? Der Überblick.

Getty Images for Ironman

Einer der Titelkandidaten ist Cameron Wurf

Von und (Grafik)
Donnerstag, 11.10.2018   06:49 Uhr

Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ironman auf Hawaii, der in der Nacht von Samstag auf Sonntag (MEZ) zum 40. Mal ausgetragen wird. Die Entscheidung könnte zwischen drei und vier Uhr fallen.

Was ist der Ironman auf Hawaii?

Die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii ist der älteste Triathlon über die Langdistanz. Sie besteht aus 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Der erste Wettkampf fand im Jahr 1978 statt, seit Mitte der Achtzigerjahre sind neben den Profi-Triathleten auch Amateure zugelassen, sie können sich über verschiedene Altersgruppen qualifizieren. Wie das geht? Dazu später mehr.

Was ist an Hawaii besonders?

Starke Strömungen beim Schwimmen, Winde auf der anspruchsvollen Radstrecke entlang der Küste mit 1500 Höhenmetern (Windschattenfahren verboten) und brütende Hitze während des Marathons - der Ironman Hawaii gilt als eines der härtesten Events im Sport. Hier sehen Sie die Streckenkarten:

Fotostrecke

Schwimmen, Fahrrad, Laufen: Hier findet der Ironman-Hawaii statt

Beim ersten Wettkampf vor 40 Jahren, damals noch im Februar, nahmen nur 15 Athleten teil. Kurios: Damals gab es keine Straßensperrungen für das Rennen und so mussten sich die Athleten an Verkehrsregeln halten. Heute ist alles viel professioneller und größer: In diesem Jahr haben sich rund 2400 Teilnehmer aus 66 Nationen qualifiziert. Darunter befinden sich 53 Männer und 39 Frauen, die für das Profi-Rennen gemeldet sind.

Wer sind die Titelverteidiger?

Der deutsche Triathlet Patrick Lange geht als Titelverteidiger an den Start. Der 32-Jährige siegte im Vorjahr in Streckenrekordzeit in 8:01:39 Stunden. Lange ist besonders im Laufen stark und hält auf der Marathon-Strecke von Hawaii den Rekord, dieser liegt bei 2:39:45 Stunden und stammt von 2016. Im Gespräch mit dem SPIEGEL gab sich Lange vor der Mission Titelverteidigung entspannt. Er habe gut trainiert und die neue Rolle im Mittelpunkt während der Saison immer besser angenommen.

Bei den Frauen will die Schweizerin und Weltranglistenerste Daniela Ryf ihren vierten Sieg in Folge feiern. Die 31-Jährige hält auch den Hawaii-Streckenrekord von aktuell 8:46:46 Stunden. Ein deutscher Erfolg bei den Frauen gelang bisher nicht und ist auch in diesem Jahr unwahrscheinlich. Das bisher beste Ergebnis für die deutschen Triathletinnen feierte Nina Kraft mit dem zweiten Platz im Jahr 2002. Zwei Jahre später gewann Kraft sogar den Wettbewerb, allerdings wurde sie positiv auf Epo getestet - der Titel wurde ihr aberkannt.

Alle Wettkämpfe, alle Sieger, alle Zeiten - klicken Sie sich durch unsere Ironman-Grafik.

Zoom:

Hervorheben:

Wer sind Langes Kontrahenten?

Aus deutscher Sicht ist mit Sebastian Kienle zu rechnen, der sich wie Lange zum zweiten Mal mit dem Weltmeistertitel krönen könnte. Der 34-Jährige siegte 2014, und ist vor allem ein starker Radfahrer. Kienle scheint in dieser Saison in guter Form, beim Triathlon-Klassiker in Roth Anfang Juli gewann er mit einer Zeit von 7:46:23 Stunden. Die Weltbestzeit auf einer Strecke der Triathlon-Langdistanz hält Jan Frodeno mit 7:35:39 Stunden (Rennen in Roth, 2016).

Weitere Siegkandidaten auf Hawaii: Der Vorjahreszweite Lionel Sanders aus Kanada, David McNamee (Großbritannien) und der Ex-Radprofi Cameron Wurf. Besonders ein Blick auf das Rennen von Wurf dürfte sich lohnen: Der Australier fuhr im vergangenen Jahr die Fahrradstrecke in Rekordzeit (4:12:54 Stunden), war beim Marathon aber fast 40 Minuten langsamer als Sieger Lange. In der WM-Vorbereitung hat sich Wurf beim Laufen deutlich verbessert. Sollte Wurf die zuletzt starken Laufzeiten nun auf Hawaii bestätigen, wird er in der Gesamtwertung weit vorne landen.

Ironman-Rekorde

Strecke m/w Rekordzeit Athlet/in Land Jahr
Gesamt w 8:46:46 Ryf Daniela Ryf SUI 2016
Gesamt m 8:01:40 Lange Patrick Lange GER 2017
Schwimmen w 0:48:43 Jackson Jodi Jackson USA 1999
Schwimmen m 0:46:41 Jorgensen Lars Jorgensen USA 1998
Fahrrad w 4:44:19 Thürig Karin Thürig SUI 2011
Fahrrad m 4:12:54 Wurf Cameron Wurf AUS 2017
Laufen w 2:50:38 Carfae Mirinda Carfae AUS 2013
Laufen m 2:39:45 Lange Patrick Lange GER 2016

Quelle: Wikipedia; Ironman gesamt = Schwimmen (3,8 km) + Fahrrad (180,2 km) + Laufen (42,195 km)

Was ist mit Jan Frodeno?

Der zweimalige Sieger Frodeno fällt nach einer Stressfraktur im Iliosakralgelenk (Hüfte) aus. Der 37-Jährige dominierte in dieser Saison, gewann den Ironman Frankfurt und die Ironman 70.3-WM (halbe Langdistanz) in Südafrika. Frodeno galt als einer der Topfavoriten auf den Sieg in Kona. Auch im vergangenen Jahr hatte der Olympiasieger von 2008 Pech: Frodenos Körper streikte auf der Laufstrecke, er kämpfte sich mit Schmerzen ins Ziel und kam dort eine Stunde hinter seiner Bestzeit an. Frodeno hofft auf eine Hawaii-Rückkehr im kommenden Jahr.

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Jan Frodeno beim Wettkampf 2017

Auf wen sollten Sie noch achten?

Auf Tim Don. Der britische Triathlon-Profi reiste im Oktober 2017 als Mitfavorit nach Hawaii und brach sich vor Ort bei einem Trainingsunfall das Genick. Don überlebte, startete mit einem sogenannten Halo die Rehabilitation - und lief bereits wenige Monate nach der lebensgefährlichen Verletzung den Boston-Marathon. In Juli feierte er beim Ironman in Hamburg sein Comeback, dort bekam er erst auf der Laufstrecke ab Kilometer 15 Probleme. Auch auf Hawaii wird der 40-Jährige dabei sein.

Was ist für Don möglich? "Ich habe die Zusage für Kona erst sehr spät bekommen. Deswegen habe ich nicht allzu große Erwartungen, was meinen Trainingszustand betrifft. Wenn alles perfekt läuft, dann kann ich die Top 10 bis 15 anvisieren", sagte Don dem SPIEGEL: "Für mich wäre das ein tolles Ergebnis. In erster Linie bin ich aber froh, nach meiner Verletzung überhaupt schon wieder dabei zu sein."

Lesen Sie hier ein Interview mit Tim Don

Wie qualifiziere ich mich als Breitensportler für Hawaii?

Amateure können sich mit einer entsprechend guten Platzierung bei einem beliebigen Rennen der Ironman-Serie für die WM auf Hawaii qualifizieren. Das Problem: Das Niveau ist auch in den verschiedenen Altersgruppen sehr hoch, die Anzahl an Qualifikationsplätzen (Slots) gering. Ein Beispiel: Für eine Hawaii-Qualifikation über den Ironman Kopenhagen haben sich vier Breitensportler in der Altersgruppe von 45 bis 49 Jahren qualifizieren dürfen, ihre Zeiten betrugen zwischen 8:55:24 und 9:12:27 Stunden - das ist beeindruckend. (Sie wollen die Anforderungen für Ihre Altersgruppe erfahren? Hier finden Sie die Qualifikationszeiten für Hawaii aus Kopenhagen.)

Übrigens: Auch wenn Sie sportlich solche Zeiten erreichen können, bleibt die finanzielle Hürde. Rennrad, Startgelder, Reise nach Hawaii - all das ist teuer. Das "Triathlon-Magazin" schätzt die Gesamtkosten für einen Start auf Hawaii auf knapp 20.000 Euro. Immer wieder treten Amateure und auch Profis ihre Teilnahme auf Hawaii trotz erfolgreicher Qualifikation aus finanziellen Gründen nicht an.

Wo kann ich den Ironman verfolgen?

Die Ironman-WM wird beim ZDF im Livestream (ab 18.30 Uhr) und in der Sendung "SPORTextra" ab 0 Uhr zu sehen sein. Alternativ sehen Sie das Rennen auch über die Seite des Veranstalters (ironman.com), dort können Sie auch die Zwischenzeiten sämtlicher Athleten live verfolgen.

insgesamt 16 Beiträge
pecx 11.10.2018
1. spannend!
Schade, dass der derzeit beste Triathlet, Frodeno, verletzt ist. Trotzdem: Ein so breites Favoritenfeld gab es nie und ich freue mich auf die 8-9 Stunden Übertragung am Samstag. Am besten davor noch eine Runde trainieren gehen, [...]
Schade, dass der derzeit beste Triathlet, Frodeno, verletzt ist. Trotzdem: Ein so breites Favoritenfeld gab es nie und ich freue mich auf die 8-9 Stunden Übertragung am Samstag. Am besten davor noch eine Runde trainieren gehen, Pizza bestellen und den anderen beim Leiden zusehen ;)
hello_again 11.10.2018
2. Die kapitalistischste aller Sportarten
Triathlon und insbesondere Ironman sind Kapitalismus pur. Wer sich bei "Volksdistanzen" den Fuhrpark anschaut, entdeckt zuhauf "Fahrräder" mit horrenden Werten. Wer bei diesem Sport vorne mitmischen [...]
Triathlon und insbesondere Ironman sind Kapitalismus pur. Wer sich bei "Volksdistanzen" den Fuhrpark anschaut, entdeckt zuhauf "Fahrräder" mit horrenden Werten. Wer bei diesem Sport vorne mitmischen möchte, kommt auch an speziellen Trainingslagern nicht vorbei. Und für die Startgebühr bei einem Ironman, müssen andere von Leben. Letztendlich geht es darum, wer die Kohle hat, genügend Zeit und Material für das Training zu besitzen.
fatherted98 11.10.2018
3. naja...
....ein bisschen trainieren müssen Sie wohl auch noch....so eine Iron Man fährt sich nicht alleine....im übrigen ist das Radfahren nur ein Teil des Ganzen. Und das mit den Startgebühren gilt wohl auch für andere [...]
Zitat von hello_againTriathlon und insbesondere Ironman sind Kapitalismus pur. Wer sich bei "Volksdistanzen" den Fuhrpark anschaut, entdeckt zuhauf "Fahrräder" mit horrenden Werten. Wer bei diesem Sport vorne mitmischen möchte, kommt auch an speziellen Trainingslagern nicht vorbei. Und für die Startgebühr bei einem Ironman, müssen andere von Leben. Letztendlich geht es darum, wer die Kohle hat, genügend Zeit und Material für das Training zu besitzen.
....ein bisschen trainieren müssen Sie wohl auch noch....so eine Iron Man fährt sich nicht alleine....im übrigen ist das Radfahren nur ein Teil des Ganzen. Und das mit den Startgebühren gilt wohl auch für andere Sportarten....melden Sie sich mal in Wimbledon zum Tunier an. Ganz abgesehen davon....Triathlon ist total Dopingverseucht....angefangen von den "Hobbysportlern" die sich mit Ibu und Aspirin und vielen anderem mehr vollpumpen um die Schmerzen beim Training zu unterdrücken....bis hin zu den Profis die mangelhaft kontrolliert werden. Allein in meinem Bekanntenkreis gibt es drei Hobby Sportler die so vollgepumpt sind, dass sie jetzt schon gesundheitliche Probleme haben....und die bekommen nichts für ihre Teilnahme bei Jedermann-Rennen.
bayerns_bester 11.10.2018
4.
Naja, als "kapitalistischste aller Sportarten" würde ich dann doch eher Veranstaltungen wie die Formel 1 ansehen. Was die Kosten für Räder angeht: Klar, die können enorm sein. Ich habe im Bekanntenkreis auch [...]
Zitat von hello_againTriathlon und insbesondere Ironman sind Kapitalismus pur. Wer sich bei "Volksdistanzen" den Fuhrpark anschaut, entdeckt zuhauf "Fahrräder" mit horrenden Werten. Wer bei diesem Sport vorne mitmischen möchte, kommt auch an speziellen Trainingslagern nicht vorbei. Und für die Startgebühr bei einem Ironman, müssen andere von Leben. Letztendlich geht es darum, wer die Kohle hat, genügend Zeit und Material für das Training zu besitzen.
Naja, als "kapitalistischste aller Sportarten" würde ich dann doch eher Veranstaltungen wie die Formel 1 ansehen. Was die Kosten für Räder angeht: Klar, die können enorm sein. Ich habe im Bekanntenkreis auch Leute, deren Laufradsatz so viel kostet wie mein gesamtes Mittelklasserennrad. Aber man ist nicht gezwungen, mit derart teurem Gerät mitzufahren. Brauchbare Rennräder mit einer Shimano 105er Gruppe und vernünftigem Rahmen bekommt man durchaus um 1.000,00 €. Das reicht für RTFs und Jedermannrennen allemal für den Anfang. Und ich persönlich gebe lieber mehr Geld für mein Rennrad bzw. Mountainbike aus, als es in irgendein "Premium SUV" zu investieren. Der Ironman ist faszinierend. Ich bin kein Triathlet, sondern nur mehr oder weniger ambitionierter Rennradler (so wie es Familie und Beruf eben zulassen). Vor 15 Jahren bin ich die Radstrecke auf Hawaii selber mal gefahren (außerhalb des Ironman natürlich) bei extremem Wind. Von daher Hut ab vor den Leistungen der Teilnehmer. Auch gedopt fährt sich das nicht von alleine.
rg.tom.mueller 11.10.2018
5. 20.000€
Dieser Betrag ist so nicht richtig, zumindest nicht im Kontext, dass man ihn benötigen würde, um auf Haiwaii starten zu dürfen. Das jeder Triathlet Kleidung und Material bereits hat, versteht sich von selbst. Somit müssen nur [...]
Dieser Betrag ist so nicht richtig, zumindest nicht im Kontext, dass man ihn benötigen würde, um auf Haiwaii starten zu dürfen. Das jeder Triathlet Kleidung und Material bereits hat, versteht sich von selbst. Somit müssen nur die Flüge, Unterkunft, Ausgaben vor Ort und die Anmeldegebühr bezahlt werden. Da sollte ein Betrag von unter 5000€ ohne Problem ausreichen. Wegen dem Kommentag von Hello_Again. In der Regel gewinnt der, der am meisten trainiert hat. Sollten hier mehrere Athleten gleich viel investiert haben, spielt der Faktor Talent eine große Rolle. Geld spielt nur eine kleine Rolle. Der Unterschied zwischen einen 2.000€ Bike und einem 5.000€ Bike beträgt unter einer Minute auf 40Km. Aber grundsätzlich ist Triathlon schon ein teures Hobby. Das stimmt.

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