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Sport

NFL-Quarterback Philip Rivers

Der ewige Traum vom Super Bowl

In mehreren Statistiken reiht sich Philip Rivers bei den besten Quarterbacks der NFL-Historie ein. Nur eines fehlt dem Spielmacher der Los Angeles Chargers in seiner Karriere: eine Meisterschaft.

ERIK S LESSER/EPA-EFE/REX

Philip Rivers

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Sonntag, 13.01.2019   16:21 Uhr

Er hat mit seinen Pässen mehr Raumgewinn erzielt als John Elway und 101 Touchdowns mehr geworfen als Joe Montana: Philip Rivers gilt als einer der besten Quarterbacks seiner Generation - und zu der zählen immerhin Tom Brady, Drew Brees, Ben Roethlisberger, Aaron Rodgers und Eli Manning.

Dennoch unterscheidet sich Rivers von all diesen Spielern. Denn dem Spielmacher der Los Angeles Chargers fehlt etwas ganz Entscheidendes: Er hat noch keinen Super Bowl gewonnen. Er hat noch nicht mal an einem Endspiel teilgenommen.

Nun hat er wieder eine Chance, dem Finale einen Schritt näherzukommen. Ein neuer Anlauf für den mittlerweile 37-Jährigen. Und es könnte sogar sein letzter sein. "Philip Rivers läuft die Zeit davon", titelte die "Washington Post". Erstmals seit fünf Jahren sind die Chargers wieder in den Playoffs. Damals waren sie noch in San Diego beheimatet. Mittlerweile sind sie nach Los Angeles umgezogen. Nach dem 23:17-Sieg zum Playoff-Auftakt bei den Baltimore Ravens spielen Rivers und L.A. im Viertelfinale bei den New England Patriots. "Eine Wahnsinns-Herausforderung", sagt Rivers.

Er ist der Inbegriff für Kontinuität auf seiner Position. Seit dem 11. September 2006 haben die Chargers 208 Spiele in der regulären Saison absolviert. Und seit jenem 27:0-Sieg 2006 bei den Oakland Raiders hat es nur einen Starting Quarterback gegeben: Philip Michel Rivers. Mit dieser Bilanz ist er aktuell der Spielmacher mit den meisten aufeinanderfolgenden Einsätzen - und rangiert in der NFL-Historie, zusammen mit Peyton Manning, auf Platz drei.

Die großen Playoff-Momente fehlen

Rivers, der den Football nicht wie üblich über den Kopf wirft, sondern eher seitlich, hat über mehrere Saisons bewiesen, dass er zwischen Anfang September und Ende Dezember wichtige Spiele gewinnen kann. Wer aber in Rivers' Karriere nach großen Playoff-Momenten sucht, sucht vergebens. Vielen ist lediglich in Erinnerung geblieben, wie er 2008 im Halbfinale bei den Patriots trotz eines Kreuzbandrisses im rechten Knie durchspielte. Rivers war damals so nah am Super Bowl wie nie zuvor - und nie danach.

Er hätte aufgrund seiner Verletzung wahrscheinlich ohnehin im Super Bowl gefehlt. Aber er wollte sein Team zumindest ins Endspiel führen. Doch es reichte nicht ganz. New England gewann 21:12. Bereits in der Saison zuvor, es war Rivers erste als Starter, hatten die Chargers mit 14:2-Siegen die beste Bilanz aller Teams. Sie hatten alle Heimspiele gewonnen und wären bei zwei weiteren Heimsiegen im Endspiel gewesen. Doch dann gab es eine 21:24-Niederlage gegen New England.

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob Rivers mindestens einen Super-Bowl-Ring hätte, wäre er 2004 nicht gegen Eli Manning getauscht worden. Den hatten die Chargers damals bei der Draft an erster Stelle ausgewählt. Doch Manning hatte bereits im Vorfeld klargemacht, auf keinen Fall für San Diego spielen zu wollen. Die New York Giants wiederum hatten von allen Talenten Rivers an Position vier ausgewählt. Und da dieser auf der Chargers-Wunschliste die Nummer zwei war, einigten sich beide Teams auf einen Tausch. Fast 15 Jahre später hat Manning längst nicht mehr die sportliche Klasse wie Rivers. Manning ist mit den Giants jedoch zweimal Meister geworden.

Manning, Rodgers und Roethlisberger haben dieses Jahr die Playoffs verpasst. Rivers und die Chargers hingegen gelten nach einer regulären Saison mit zwölf Siegen und vier Niederlagen als ernstzunehmende Titelanwärter. Das beste Auswärtsteam der Liga (8:1) reist mutig zur besten Heimmannschaft (8:0) an. Natürlich weiß Rivers, dass die New England Patriots seit sechs Jahren kein Playoff-Heimspiel mehr verloren haben und dass er in sieben Duellen gegen Brady noch nie gewinnen konnte. Trotzdem betont er: "Wir haben eine Chance. Eine Chance, einen Schritt näher ans Finale zu kommen."

An Selbstbewusstsein hat es ihm ohnehin noch nie gemangelt. Nicht als Kleinkind, als er sich daheim in Alabama in den Halbzeitpausen der High-School-Football- oder Basketballspiele vor die Marschkapelle stellte und so tat, als wäre er Dirigent. Und auch nicht in der fünften Klasse, als er den Auftrag bekam, auf einem Poster seine Träume darzustellen - und daraufhin eine Titelseite der "Sports Illustrated" mit seinem Foto abgab.

insgesamt 3 Beiträge
M. Vikings 13.01.2019
1. Das wird wohl zumindest heute Abend ein Traum bleiben.
Aus dem Stegreif fällt mir kein Team ein, das schon mal ein Divisional-Final in Foxborough gewonnen hat. Im Moment sind da Minus 6°. In Alabama geboren und in LA spielend wird der arme Kerl frieren. Die Chance ist wirklich [...]
Aus dem Stegreif fällt mir kein Team ein, das schon mal ein Divisional-Final in Foxborough gewonnen hat. Im Moment sind da Minus 6°. In Alabama geboren und in LA spielend wird der arme Kerl frieren. Die Chance ist wirklich gering, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
tomkey 13.01.2019
2. Das Spiel läuft
Selbst mit dem ersten Touchdown im Match hatten die Chargers nicht die Spur einer Chance. Die Pats beeindrucken mit einer saustarken Leistung von Anfang an!
Zitat von M. VikingsAus dem Stegreif fällt mir kein Team ein, das schon mal ein Divisional-Final in Foxborough gewonnen hat. Im Moment sind da Minus 6°. In Alabama geboren und in LA spielend wird der arme Kerl frieren. Die Chance ist wirklich gering, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Selbst mit dem ersten Touchdown im Match hatten die Chargers nicht die Spur einer Chance. Die Pats beeindrucken mit einer saustarken Leistung von Anfang an!
M. Vikings 13.01.2019
3. Ja, die Pats spielen erwartet stark.
Aber mal ehrlich, mit der heutigen Leistung der Chargers O-Line und ihrer Defense hätte auch ein Brady keine Chance. So sind dann die Schlachtrösser zur Halbzeit schon abgeschlachtet. Ein Bisschen frustrierend wenn man [...]
Zitat von tomkeySelbst mit dem ersten Touchdown im Match hatten die Chargers nicht die Spur einer Chance. Die Pats beeindrucken mit einer saustarken Leistung von Anfang an!
Aber mal ehrlich, mit der heutigen Leistung der Chargers O-Line und ihrer Defense hätte auch ein Brady keine Chance. So sind dann die Schlachtrösser zur Halbzeit schon abgeschlachtet. Ein Bisschen frustrierend wenn man kein Anhänger der Pats ist, und natürlich auch frustrierend, wenn man wie die Chargers ansonsten eine gute Saison gespielt hat. "Meinen" Vikings ist es letzte Saison bei den Eagles ähnlich ergangen. Voll unter die Räder gekommen. Allerdings im Conference-Final. Ich hoffe das zweite heutige Spiel wird so spannend, dass wir uns die Zeit nicht mit Kommentaren vertreiben müssen.

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