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Sport

Betrug im Sport

Die Chronologie des russischen Dopingskandals

Es begann mit einer ARD-Dokumentation, dann folgten die McLaren-Reports - und nun der Olympia-Ausschluss für das russische NOK. Wie das Staatsdoping-System aufflog - die Chronologie.

imago/UPI Photo

Olympische Winterspiele 2014

Dienstag, 05.12.2017   13:39 Uhr

3. Dezember 2014: Die Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" der ARD-Dopingredaktion bringt den Skandal ins Rollen. Dank Whistleblower und versteckter Kameras offenbarte sich erstmals das Bild eines staatlich gestützten Dopingsystems. Ins Visier geriet auch Lamine Diack. Der scheidende Präsident des Leichtathletik-Weltverbands IAAF soll gegen Bezahlung die Vertuschung von positiven Dopingtests veranlasst haben.

9. November 2015: Die erste Sonderkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) unter der Leitung von IOC-Mitglied Richard Pound zeigt einen Doping-Skandal in der russischen Leichtathletik und empfiehlt den Ausschluss Russlands aus der IAAF.

10. November 2015: Die Wada entzieht dem Moskauer Doping-Kontrolllabor die Zulassung. Das IOC erkennt Diack die Ehrenmitgliedschaft ab.

13. November 2015: Die IAAF suspendiert den russischen Leichtathletik-Verband ARAF (später RUSAF).

18. November 2015: Die Wada suspendiert die russische Anti-Doping-Agentur Rusada.

12. Mai 2016: Die "New York Times" veröffentlicht ein Interview mit dem russischen Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, der in die USA geflohen ist und dort unter Zeugenschutz steht. Er sagt aus, dass er während der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 positive Dopingproben russischer Athleten zusammen mit der Rusada und mithilfe des Geheimdienstes ausgetauscht oder manipuliert habe - auf Anordnung der Politik. 14 russische Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen. IOC und Wada beginnen mit Ermittlungen.

DPA

Grigorij Rodtschenkow

17. Juni 2016: Die IAAF erhält bis auf eine Ausnahme die Suspendierung aller russischen Leichtathleten für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro aufrecht und setzt damit auch das IOC unter Druck, eine entsprechende Sperre gegen alle russischen Sportler zu verhängen.

18. Juli 2016: Wada-Sonderermittler Richard McLaren veröffentlicht seinen ersten Russland-Bericht, ohne Empfehlungen für eine Bestrafung auszusprechen. Russland habe zwischen 2011 und 2015 ein "staatlich gesponsortes" Doping-System betrieben. Der Bericht bestätigte die Vorwürfe Rodtschenkows bezüglich Sotschi. Im Moskauer Dopinglabor seien viele positive Proben verschwunden. Das Sportministerium habe die Manipulationen gelenkt und kontrolliert. Russland dementiert und spricht von einer Kampagne.

DPA

Richard McLaren

24. Juli 2016: Das IOC verhängt - im Gegensatz zum Internationalen Paralympischen Komitee für die Paralympics - keine Komplettsperre gegen Russland und beauftragt wenige Tage vor Beginn der Spiele in Rio die internationalen Sportfachverbände, Einzelfallentscheidungen zu treffen. Das Verfahren endet im Chaos, 278 der 389 qualifizierten russischen Athleten dürfen in Rio unter russischer Flagge teilnehmen. Gesperrt bleibt auf Betreiben des IOC Whistleblowerin Julija Stepanowa. Die Entscheidungen stoßen weltweit auf scharfe Kritik.

9. Dezember 2016: Der zweite Teil des McLaren-Reports wird veröffentlicht, er bekräftigt die Vorwürfe. Mehr als 1000 Athleten sollen vom russischen Dopingsystem profitiert haben. McLaren passt auf Betreiben Russlands die Begrifflichkeit an und ändert den Kernvorwurf in "institutionelles systematisches Ausweichen von Doping-Kontrollverfahren" ab. Russland versucht, dies politisch zu nutzen, indem behauptet wird, es habe keine staatliche Beeinflussung stattgefunden.

26. April 2017: McLaren spricht vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages und erklärte, er sei "frustriert", dass IOC und Wada nicht entschlossen handelten: "Ich frage mich manchmal, ob überhaupt Reformwille besteht."

DPA

Julija Stepanowa

September 2017: Die Wada stellt 95 von 96 Verfahren gegen russische Sportler, die Teil des Betrugsprogramms waren, aus Mangel an Beweisen ein.

1. November 2017: Die Oswald-Kommission des IOC gibt nach monatelangen Ermittlungen, an denen auch forensische Experten beteiligt waren, ihre ersten Strafmaßnahmen bekannt. Die Langläufer Alexander Legkow, Sotschi-Olympiasieger über 50 Kilometer, und Jewgeni Below werden lebenslang in allen Funktionen für Olympia gesperrt, ihre Ergebnisse annulliert. Russland protestiert heftig. In den folgenden Tagen verhängt das IOC weitere lebenslange Sperren.

5. November 2017: Die "New York Times" schreibt, das IOC erwäge unter anderem ein Verbot der russischen Hymne bei den Winterspielen in Pyeongchang und einen Ausschluss russischer Athleten von der Eröffnungsfeier. Mehrere russische Politiker fordern im Falle der Verhängung solcher Maßnahmen durch das IOC einen Pyeongchang-Boykott. Die IOC-Exekutive will im Rahmen einer vom 5. bis 7. Dezember angesetzten Sitzung eine übergreifende Strafe gegen Russland aussprechen.

9. November 2017: Russlands Präsident Wladimir Putin wirft den USA vor, den Dopingskandal zur Diskreditierung der russischen Regierung zu nutzen: "Als Antwort auf unsere angebliche Störung ihrer Wahlen wollen sie jetzt Probleme bei unseren Präsidentschaftswahlen verursachen."

10. November 2017: Die Wada hat möglicherweise das entscheidende Puzzleteil für den Nachweis eines staatlich gelenkten Dopingsystems in Russland erhalten. Die Wada teilt mit, dass das hauseigene Ermittlerteam in Besitz des so genannten Laboratory Information Management Systems (LIMS) des Moskauer Dopinglabors gelangt sei. Die Datensammlung enthält nach Wada-Angaben alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015.

16. November 2017: Die Wada entscheidet sich gegen eine Wiederaufnahme der Rusada. Noch immer verweigert Russland eine öffentliche Anerkennung der Berichte Richard McLarens.

24. November 2017: Das IOC sperrt auch den russischen Volkshelden Alexander Subkow lebenslang für Olympia. Der Bobpilot, der in Sotschi die Fahne bei der Eröffnungsfeier trug und jetzt Präsident des nationalen Verbandes ist, gewann in Sotschi zweimal Gold. Damit sind insgesamt 14 russische Athleten gesperrt, darunter drei Goldmedaillengewinner. Die Gastgeber verlieren Platz eins im Medaillenspiegel.

26. November 2017: Rodtschenkows Anwalt erklärt, sein Mandant habe Beweise für die Verwicklung russischer Fußballer und kritisiert die Fifa wegen ihres mangelnden Aufklärungswillens. Zudem soll Rodtschenkow eine eidesstattliche Erklärung abgegeben haben, dass der ehemalige Sportminister und jetzige Vizepremier Witali Mutko in den Skandal verwickelt ist. Am selben Tag hält die IAAF die Suspendierung des russischen Verbandes aufrecht.

REUTERS

Alexander Subkow

1. Dezember 2017: Die Zahl der durch die Oswald-Kommission für Olympia lebenslang gesperrten russischen Athleten erhöht sich auf 25.

5. Dezember 2017: Russlands Sportler dürfen wegen des Dopingskandals nur unter neutraler Flagge an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang teilnehmen. Das entschied die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees auf ihrer Sitzung am Dienstag in Lausanne. Gleichzeitig hat das IOC das Nationale Olympische Komitee Russlands ROC wegen des Dopingskandals von den Winterspielen ausgeschlossen. Auch der ehemalige Sportminister und jetzige Vizepremier Witali Mutko wurde lebenslang für Olympische Spiele gesperrt.

25. Dezember 2017: Mutko zieht Konsequenzen, wenn auch keine weitreichenden. Für das halbe Jahr bis zur WM legt er die Führung des nationalen Fußballverbandes nieder. Er bleibt jedoch Cheforganisator des Turniers und verliert daher kaum an Einfluss.

29. Januar 2017: Russland wird auch für die Paralympics in Pyeongchang suspendiert. Ausgewählte russische Athleten dürfen allerdings unter neutraler Flagge teilnehmen. Dabei handelt es sich um 30 bis 35 Sportler. Bei den Sommer-Paralympics 2016 in Rio waren noch alle russischen Behindertensportler ausgeschlossen worden. Anders als vor zwei Jahren folgt das Internationale Paralympische Komitee (IPC) in seiner Entscheidung nun also dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

01. Februar 2018: Der internationale Sportgerichtshof Cas hebt den lebenslangen Bann gegen 28 gesperrte russische Wintersportler auf. Es gebe keine Beweise für individuelle Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln. Damit zählen auch die Erfolge der Athleten von den Winterspielen 2014 in Sotschi wieder. Um bei den Winterspielen in Pyeongchang antreten zu dürfen, müssten die Sportler nun allerdings noch ihr Startrecht einklagen. Ob die Zeit dafür reicht, ist unklar.

05. Februar 2018: Das IOC prüft die möglichen Olympia-Teilnahmen von 13 Sportlern und zwei Betreuern aus Russland. In allen 15 Fällen entscheidet sich die unabhängige Prüfkommission unter Vorsitz der früheren französischen Sportministerin Valérie Fourneyron allerdings gegen eine Einladung.

06. Februar 2018: Nur drei Tage vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele kämpfen 32 russische Athleten noch um ihre Teilnahme. Die Gruppe rund um die Olympiasieger Viktor Ahn und Anton Schipulin ziehen mit Klagen vor das Schweizer Bundesgericht und den Internationalen Gerichtshof Cas.

07. Februar 2018: 15 weitere russische Athleten und Trainer ziehen vor den Cas. Die Gruppe will ihre Einladung für die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang einklagen, die ihr das Internationale IOC wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Richtlinien bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi verweigert hatte. Zu den Athleten gehören Sotschi-Olympiasieger wie Langlauf-Star Alexander Legkow und Skeleton-Pilot Alexander Tretjakow.

bka/sid

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