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NFL-Titelverteidiger Philadelphia

Plan F

Die Fans der Philadelphia Eagles lieben ihren Quarterback Nick Foles. Doch "Holy Nick", der die Mannschaft im Vorjahr zum Super Bowl führte, ist im Klub nicht die Nummer eins - trotz Topleistungen. Warum?

AFP

Nick Foles in Aktion

Von
Sonntag, 13.01.2019   19:50 Uhr

Kann man eine erfolgreiche Football-Saison eine Spielzeit später einfach noch einmal genauso aufführen? Als wäre es ein Theaterstück, das neu inszeniert wird? Die Fans in Philadelphia glauben zumindest daran. Wenn es gelingen sollte, stünde ihr Klub aber vor einem Problem - auch wenn es wie ein Luxusproblem wirkt.

Am vergangenen Sonntag fehlten nur wenige Zentimeter, und die Philadelphia Eagles wären als amtierender Super-Bowl-Gewinner frühzeitig aus dem Titelrennen ausgeschieden. Cody Parkey vom gegnerischen Team der Chicago Bears setzte in den Schlusssekunden zum entscheidenden Kick an. Doch der ehemalige Eagles-Spieler scheiterte am linken Goalpost und verlängerte mit dem Pfostenschuss ungewollt ein modernes Märchen um ein weiteres Kapitel.

Vor einem Jahr gewannen die Philadelphia Eagles mit Ersatz-Quarterback Nick Foles den Titel in der National Football League. Die Nummer eins, Carson Wentz, hatte drei Wochen vor den Playoffs einen Kreuzbandriss erlitten. Also musste Foles ran und führte den Klub als Underdog in den Super Bowl.

Carson Wentz bleibt die Nummer eins des Trainers

Dort avancierte Foles zum wichtigsten Spieler, dem sogenannten MVP (Most Valuable Player). Nie zuvor war es einem Quarterback gelungen, einen Touchdown-Pass im gleichen Finale der wichtigsten Meisterschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent zu werfen und zu fangen.

Trotz des ersten Gewinns des Super Bowls seit fast fünfzig Jahren stellte Chefcoach Doug Pederson klar, dass ein gesunder Carson Wentz weiterhin der Boss auf dem Feld sei. Foles blieb den Eagles dennoch treu und verlängerte seinen Vertrag um ein Jahr plus einjähriger Option.

In der dritten Woche der aktuellen Saison meldete sich Wentz schließlich fit und führte das Team durch holprige Monate. Als es Wentz erneut im Dezember erwischte - nun mit einer Rückenverletzung - waren die Playoffs in weite Ferne gerückt. Duelle gegen die Spitzenteams aus Los Angeles und Houston standen an. Selbst bei drei Siegen in den drei verbleibenden Partien war man auf das Missgeschick mindestens eines Konkurrenten angewiesen.

Unter Druck hat Foles seine Stärken

Vier Wochen später glauben die Fans stärker denn je an Foles. Vor allem unter Druck agierte er nach seiner Rückkehr wirkungsvoller als Wentz. Weniger Sacks und Ballverluste waren die Folge. Gegen Houston sammelte er mit 471 Passing Yards einen Klubrekord ein, gegen Washington stellte er zum Abschluss der regulären Saison mit 25 aufeinanderfolgenden erfolgreichen Pässen eine NFL-Bestmarke ein.

Foles ist bekennender Christ, studiert nebenbei Theologie und kann sich vorstellen, nach seiner Karriere als Pastor zu arbeiten. Die Fans nennen ihn daher "Holy Nick".

Dass er sich im letzten Frühjahr für die Vertragsverlängerung entschied, überraschte manchen Experten. Andererseits verdient Foles in dieser Saison samt Prämien 14 Millionen Dollar.

REUTERS

Nick Foles nach dem Gewinn des Super Bowl

Die Eagles befinden sich in einer Zwickmühle: Sollen sie Foles verkaufen oder - für viel Geld - behalten?

Verlängern sie Foles' Vertrag für ein Jahr, erhöht sich sein Gehalt auf 20 Millionen Euro. Die Eagles würden dann mit zwei hochbezahlten Quarterbacks (Wentz verdient 8,5 Millionen Dollar) in die nächste Saison starten - und die Gehaltsobergrenze der Liga für die nächste Saison deutlich reißen.

Foles hätte sogar die Möglichkeit, eine noch bessere Option für sich auszuhandeln: Wenn er die Prämie in Höhe von zwei Millionen, die er für die Vertragsverlängerung erhielt, zurückzahlt, wäre er wieder frei und könnte im Frühjahr mit jedem anderen Klub verhandeln. Ob er das täte? Über die Antwort kann der Verein nur spekulieren.

Andererseits könnte es gerade Foles sein, der die Eagles wieder bis zum Sieg führt. Am Sonntag wartet New Orleans auf den Titelverteidiger. Gegen die Saints kassierte "Holy Nick" vor sechs Jahren seine bisher einzige Playoff-Niederlage. Foles weiß: Bringt er die Eagles noch einmal zum Titelgewinn, könnte man den Fans seinen Weggang kaum vermitteln.

insgesamt 4 Beiträge
binibona 13.01.2019
1. Um Entscheidungen zu treffen...
... braucht man einen Manager (Coach, Trainer...). Und das hat er getan. Sollten due Entscheidungen falsch sein wird er der erste sein der den die Konsequenzen treffen. Also alles gut. Er sieht seine Spieler nahezu täglich im [...]
... braucht man einen Manager (Coach, Trainer...). Und das hat er getan. Sollten due Entscheidungen falsch sein wird er der erste sein der den die Konsequenzen treffen. Also alles gut. Er sieht seine Spieler nahezu täglich im Training und wird seine Gründe für die Entscheidungen haben.
tomkey 13.01.2019
2. Die Saints ..
werden die Eagles heute stoppen und die Eagles Manager haben somit ein paar Tage mehr Zeit sich zu überlegen, wie sie es mit Holy Nick halten. Coach Peterson hat sich ja bereits entschieden.
werden die Eagles heute stoppen und die Eagles Manager haben somit ein paar Tage mehr Zeit sich zu überlegen, wie sie es mit Holy Nick halten. Coach Peterson hat sich ja bereits entschieden.
bigmitt 13.01.2019
3. Die Möglichkeit....
...aus zwei Top Quarterbacks die Wahl zu haben ist eigentlich ein Traum und keine Zwickmühle. Wentz wird nach seinem Rookie Deal auch genug Angebote bekommen, es sei denn seine Verletzungsanfälligkeit bestätigt sich. St. Nick [...]
...aus zwei Top Quarterbacks die Wahl zu haben ist eigentlich ein Traum und keine Zwickmühle. Wentz wird nach seinem Rookie Deal auch genug Angebote bekommen, es sei denn seine Verletzungsanfälligkeit bestätigt sich. St. Nick ( Holy Nick hab ich so noch nirgendwo gelesen) hat hoffentlich heute nicht seinen besten Tag, sag Ich ganz unbescheiden als Saints Fan. Who Dat !!
M. Vikings 13.01.2019
4. Das ist auch mein Tip.
Aber das würde natürlich nichts an der Tatsache ändern, daß die wichtigen Spiele Foles gewonnen hat, seitdem Wentz bei den Eagles ist. Und in den wichtigen Spielen würde Wentz den Druck bekommen, mit dem er (noch) [...]
Zitat von tomkeywerden die Eagles heute stoppen und die Eagles Manager haben somit ein paar Tage mehr Zeit sich zu überlegen, wie sie es mit Holy Nick halten. Coach Peterson hat sich ja bereits entschieden.
Aber das würde natürlich nichts an der Tatsache ändern, daß die wichtigen Spiele Foles gewonnen hat, seitdem Wentz bei den Eagles ist. Und in den wichtigen Spielen würde Wentz den Druck bekommen, mit dem er (noch) nicht so richtig umgehen kann.

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