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Sport

Ryder-Cup-Spieler Fleetwood und Molinari

Tigers Alptraum

Tommy Fleetwood und Francesco Molinari haben entscheidend zur europäischen Führung beim Ryder Cup beigetragen und dreimal Tiger Woods besiegt. Fürs Finale müssen sich die Freunde trennen.

Getty Images

Tommy Fleetwood und Francesco Molinari

Aus Guyancourt berichtet
Sonntag, 30.09.2018   10:48 Uhr

Die Frisur und der Name sind eines Rockstars würdig, die Begeisterung, die er auslöst: auch. Tommy Fleetwood ist bei seiner ersten Ryder-Cup-Teilnahme schnell zum Liebling des Publikums geworden, vor allem bei den europäischen Fans. Denn der 27 Jahre alte Engländer war einer der besten Spieler für sein Team. Er ist wahrscheinlich der Spieler, dem die meisten Gesänge gewidmet werden. "Tommy! Tommy-Tommy! Tommy-Tommy Fleetwood!", schallt es aus den Kehlen zur Melodie von "No Limit" von 2 Unlimited.

Die zweite Strophe des Fangesangs, zur gleichen Melodie, lautet "Moli! Moli-Moli! Moli-Moli-Na-Ri!", gewidmet dem 35 Jahre alten Francesco Molinari. "Moliwood" wird das Duo inzwischen genannt, beide haben gemeinsam in allen vier Einheiten auf dem Platz gestanden, die bisher in Guyancourt absolviert wurden, alle haben sie gewonnen. Das hat noch keine europäische Paarung vor ihnen geschafft. Die beiden spielten am Samstagnachmittag unglaublich konstantes und teilweise überragendes Golf. 2 Unlimited. "Das wir das geschafft haben, macht mich schon etwas emotional", sagte Fleetwood, den Arm um seinen Spielpartner gelegt.

Nicht zuletzt dank ihnen führen die Europäer nun 10:6 vor den abschließenden zwölf Einzeln und brauchen viereinhalb Punkte zum Sieg, die USA hingegen acht zur Titelverteidigung. Das Fleetwood (gegen Tony Finau) und Molinari (gegen Phil Mickelson) nun auf sich alleine gestellt sind, macht Teamkapitän Thomas Bjorn keine Sorgen. "Sie sind jeder für sich hervorragende Spieler, und es macht einfach Spaß, ihnen zuzusehen. Ich weiß nicht von welchem Planeten sie kommen, so wie sie zuletzt gespielt haben." Ihre kommenden Gegner hingegen hatten schlechte Tage, vor allem an Mickelson wird in der US-Presse kein gutes Haar gelassen.

Fleetwood und Molinari hatten Freitagmorgen zunächst gegen Tiger Woods und Patrick Reed gespielt. Woods hatte vorab nette Worte für die Gegner gefunden, kaum jemand sonst auf der Tour könne so gut mit dem Ball umgehen wie Fleetwood und Molinari: "Für die beiden ist der Platz wie gemacht." Er sollte recht behalten, im Fourballs-Format gewannen die Europäer auf der anspruchsvollen Anlage gegen die Amerikaner, Fleetwood versenkte dabei zwei lange Birdieputts, nach denen der Jubel richtig aus ihm herausbrach. Er ging tief in die Knie und ballte mit aller Kraft die Fäuste. "Es war unbeschreiblich", sagte er später. "Nichts kann dich auf die Gefühle vorbereiten, wie du sie beim Ryder Cup spürst."

Auch im anschließenden Foursome dominierten sie Jordan Spieth und Justin Thomas so, dass schon nach der 14. Bahn der Sieg feststand. Am Samstagmorgen bekamen Woods und Reed die Chance zur Revanche, diesmal gewannen die Europäer 4:3. Und auch zum Nachmittagsvierer, dem letzten Team-Format des Wettkampfes in Paris, traf Woods erneut auf das eingespielte Doppel. Diesmal zog er an der Seite von Bryson DeChambeau den Kürzeren. Besonders für Fleetwood waren das besondere Momente, er ist bekennender Woods-Fan und versteht sich mit dem Superstar sehr gut. "Vor dem alten Tiger hätte ich wahrscheinlich etwas Angst gehabt, aber inzwischen ist er wohl etwas milder geworden. Er ist ein guter Typ", sagte er über den 42-Jährigen.

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Auch Fleetwood und Molinari spielten nicht fehlerfrei, aber sie schafften es, den Schaden gering zu halten und sich gegenseitig stark zu machen. Seit Jahren verbindet sie eine Freundschaft, "nicht nur auf der Tour, sondern auch im normalen Leben", sagt Fleetwood. Teamkapitän Thomas Bjorn weiß, dass "sie es lieben, miteinander Golf zu spielen. Sie haben mich früh darum gebeten. Ich habe mir dann die Statistiken angesehen und mit unseren Analysten gesprochen, um herauszufinden, ob sie gut zueinander passen. Als wir festgestellt haben, dass nichts dagegenspricht, habe ich mein 'Go' gegeben."

Das Zwischenmenschliche ist ebenfalls wichtig. Spieler, die sich so gut kennen, können schneller erkennen, wie es dem Partner gerade geht, ob er Aufmunterung braucht oder vielleicht eher gebremst werden muss. Sie wissen plötzliche Gefühlsausbrüche besser einzuordnen, die bei dem enormen Druck eines Ryder-Cup-Wochenendes öfter zu beobachten sind als bei den normalen Tour-Turnieren. Aber Freundschaft alleine wäre zu wenig, um in den Matches aufgestellt zu werden. Molinari und Fleetwood zeigten im Vorfeld des Cups das beste Golf ihres Lebens.

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Der Italiener gewann im Juli bei der British Open im schottischen Carnoustie sein erstes Major-Turnier, seine Nervenstärke bewies er eindrucksvoll auf der Schlussrunde, die er an der Seite von Woods absolvierte und an keinem Loch über Par spielte. Seit Monaten hält er seine Form und glänzte auf dem schmalen Platz in Guyancourt selbst dann noch mit präzisesten Abschlägen, als der Wind anderen Spielern auf der Anlage große Probleme bereitete.

Auch Fleetwood hat in diesem Jahr schon eine beeindruckende Major-Schlussrunde gespielt. Bei der US Open in Shinnecock Hills blieb er am letzten Tag sieben Schläge unter Platzstandard und stellte damit einen Rekord von 1973 ein. Den Sieg sicherte sich am Ende aber mit einem Schlag Vorsprung Brooks Koepka, der in Frankreich im Team der USA dabei ist. Doch Fleetwood ärgerte sich nicht über den verpassten Sieg, sondern freute sich über seine Leistung. Auch beim Ryder Cup wirkt er immer bestens gelaunt, man nimmt es ihm ab, wenn er sagt, wie sehr er derzeit seine Karriere genießt. Vor allem wenn man weiß, wie sehr er mal zu kämpfen hatte.

Fleetwood plagten die "Yips", er musste neu lernen, Golf zu spielen

2010 wurde er Profi und machte Jahr für Jahr Fortschritte. Bis 2015. Er verlor beim Schwung mit dem Driver die Kontrolle. Die Abschläge, eigentlich seine große Stärke, wurden unberechenbar. "Ich war verkrampft und wurde immer nervöser", sagte er in diesem Jahr der "New York Times". In der Schwungbewegung ließen unkontrollierte Muskelzuckungen ihn sich plötzlich aufrichten. Selbst kleine Abweichungen im Schlag haben große Folgen. Im Training vor einem Trainer landeten zwölf Abschläge nacheinander neben der Bahn. Tommy Fleetwood hatte die sogenannten "Yips", die schon viele Weltklassegolfer heimgesucht und an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

Er musste neu lernen, Golf zu spielen. Statt neun Trainingslöchern am Tag spielte er 36. "Es war das einzige, das geholfen hat. Spielen, spielen, spielen." So bekam er mit seinem Trainer und viel Geduld das Problem in den Griff. Der bisherige Höhepunkt seiner Karriere war Ende vergangenen Jahres der Sieg im Race to Dubai, einer Wettkampfserie die 47 Turniere in 30 Ländern umfasst. Nach dem Sieg durfte er sich "bester Golfer Europas" nennen. Ein Titel, der während des Ryder Cups auf ihn genauso zutrifft wir auf seinen Freund Molinari. Sie hätten sicher nichts dagegen, ihn zu teilen.

insgesamt 4 Beiträge
mikkomz 30.09.2018
1. Volkssport
Überragende Stimmung beim Ryder Cup! Bis zu 70.000 Menschen auf der Anlage, alleine fast 8.000 auf der Tribüne am ersten Abschlag direkt im Rücken der Spieler, lautstarke Anfeuerungen, Gegröle, natürlich auch ein wenig [...]
Überragende Stimmung beim Ryder Cup! Bis zu 70.000 Menschen auf der Anlage, alleine fast 8.000 auf der Tribüne am ersten Abschlag direkt im Rücken der Spieler, lautstarke Anfeuerungen, Gegröle, natürlich auch ein wenig Heimpublikum und trotzdem sind im Moment des Abschlags alle respektvoll mucksmäuschenstill. Großes Kino!! Leider in Deutschland immer noch total verkannt und mit falschen Klischees behaftet. Freue mich besonders für Tommy Fleetwood. Extrem angenehmer Mensch, ein Genuss ihm zuzuschauen. Wünsche ihm heute mit dem Team den verdienten Sieg und im nächsten Jahr seinen ersten Majorsieg.
widower+2 30.09.2018
2. Volkssport?
Dazu fehlt noch verdammt viel. Es hat sich zwar einiges zum Positiven entwickelt, ein wirklicher Volkssport wird Golf aber in Deutschland nie werden. Dafür gibt es viel zu wenig Plätze und Trainingsmöglichkeiten, die sich [...]
Zitat von mikkomzÜberragende Stimmung beim Ryder Cup! Bis zu 70.000 Menschen auf der Anlage, alleine fast 8.000 auf der Tribüne am ersten Abschlag direkt im Rücken der Spieler, lautstarke Anfeuerungen, Gegröle, natürlich auch ein wenig Heimpublikum und trotzdem sind im Moment des Abschlags alle respektvoll mucksmäuschenstill. Großes Kino!! Leider in Deutschland immer noch total verkannt und mit falschen Klischees behaftet. Freue mich besonders für Tommy Fleetwood. Extrem angenehmer Mensch, ein Genuss ihm zuzuschauen. Wünsche ihm heute mit dem Team den verdienten Sieg und im nächsten Jahr seinen ersten Majorsieg.
Dazu fehlt noch verdammt viel. Es hat sich zwar einiges zum Positiven entwickelt, ein wirklicher Volkssport wird Golf aber in Deutschland nie werden. Dafür gibt es viel zu wenig Plätze und Trainingsmöglichkeiten, die sich in einem so dicht besiedelten Land auch nicht so einfach schaffen lassen. Dies ist ein Faktor, aber nicht der einzige, der bewirkt, dass Golf immer noch viel zu teuer in der Ausübung ist, um als "Volkssport" durchzugehen. Ich hätte als Kind sehr gerne mit Golf oder auch Tennis angefangen. Das war aber schlicht unmöglich, weil schon die Aufnahmegebühr für die betreffenden Vereine in meiner Stadt fast so hoch waren wie das Jahresbudget meiner alleinerziehenden Mutter. Das hat sich zwar - besonders in Bezug auf Tennis - geändert, die Kosten sind aber zumindest für Golf weiterhin viel zu hoch, als dass man jemals Volkssport werden könnte.
mikkomz 30.09.2018
3. Volkssport außerhalb Deutschlands
Meine Aussage zum Volkssport bezog sich auf die Bilder und Szenen beim Ryder Cup und auf die Tatsache, dass Golf außerhalb Deutschlands ein Volkssport ist. In den USA und auch anderen Ländern ist es Schulsport, es gibt in [...]
Zitat von widower+2Dazu fehlt noch verdammt viel. Es hat sich zwar einiges zum Positiven entwickelt, ein wirklicher Volkssport wird Golf aber in Deutschland nie werden. Dafür gibt es viel zu wenig Plätze und Trainingsmöglichkeiten, die sich in einem so dicht besiedelten Land auch nicht so einfach schaffen lassen. Dies ist ein Faktor, aber nicht der einzige, der bewirkt, dass Golf immer noch viel zu teuer in der Ausübung ist, um als "Volkssport" durchzugehen. Ich hätte als Kind sehr gerne mit Golf oder auch Tennis angefangen. Das war aber schlicht unmöglich, weil schon die Aufnahmegebühr für die betreffenden Vereine in meiner Stadt fast so hoch waren wie das Jahresbudget meiner alleinerziehenden Mutter. Das hat sich zwar - besonders in Bezug auf Tennis - geändert, die Kosten sind aber zumindest für Golf weiterhin viel zu hoch, als dass man jemals Volkssport werden könnte.
Meine Aussage zum Volkssport bezog sich auf die Bilder und Szenen beim Ryder Cup und auf die Tatsache, dass Golf außerhalb Deutschlands ein Volkssport ist. In den USA und auch anderen Ländern ist es Schulsport, es gibt in zig Ländern massig öffentliche Plätze, die man ohne Platzreife bespielen kann, und und und... Ich habe in Finnland, den Niederlanden und den USA gelebt und überall ist der Zugang zu Golf deutlich einfacher und günstiger, als in Deutschland. Und als Resultat sieht man die Menschenmassen jetzt beim Ryder Cup, wovon sicher die allerwenigsten aus Deutschland sind. In Deutschland sind wir davon leider weit entfernt, auch wenn Golf inzwischen deutlich günstiger ist, als viele denken. Kinderkurse werden oft kostenlos angeboten, für Erwachsene gibt es günstige Platzreifekurse und Fernmitgliedschaften, Equipment und Zubehör kann man bei Discountern erwerben. Mit ein wenig Mühe sich die einzelnen Möglichkeiten im Internet zusammenzusuchen, ist Golf nicht wirklich teurer, als andere Sportarten oder Hobbys.
ONV 30.09.2018
4. macht Spaß
In jedem Fall ist der Ryder Cup eines der mitreißendsten, emotionalsten und spannendsten Sportevents überhaupt. Was da alle zwei Jahre zwischen Europäern und Amis in den drei Tagen abgeht, hat mit den höchsten [...]
In jedem Fall ist der Ryder Cup eines der mitreißendsten, emotionalsten und spannendsten Sportevents überhaupt. Was da alle zwei Jahre zwischen Europäern und Amis in den drei Tagen abgeht, hat mit den höchsten Unterhaltungswert von alle Sportevents, die man am TV oder sonstwo sehen kann. Wettkampfsport par excelence...

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