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Sport

Ryder-Cup-Sieger Europa

Nur eine einzige dumme Idee

Im Kontinentalduell der besten Golfer versagten bei den USA die beiden Alt-Stars, Europas Spieler schwärmten vom Teamgeist und Kapitän Thomas Bjorn. Der Däne machte alles richtig. Na ja, fast alles.

REUTERS

Siegreiches Team Europa

Aus Guyancourt berichtet
Montag, 01.10.2018   06:57 Uhr

Vorurteile gegenüber dem Golfsport gibt es gerade in Deutschland jede Menge. Der Ryder Cup in Frankreich widerlegte einige der geläufigeren. So trug kein Spieler karierte Hosen, auf den Zuschauertribünen herrschte eine Stimmung, die besser war als in vielen Bundesligastadien, und alte Männer spielten zwar mit, hätten das aber vielleicht besser lassen sollen.

Mit 42 und 48 Jahren sind Tiger Woods und Phil Mickelson zugegebenermaßen nicht richtig alt, aber sie waren die ältesten Spieler bei diesem Ryder Cup - und die schwächsten. Die Bilanz der beiden aus insgesamt sechs Einsätzen: 0:6 Punkte. Die Alt-Stars verloren nicht allein gegen das - wirklich stark spielende - Team Europa, aber sie hatten einen gehörigen Anteil daran.

Mickelson gelang so gut wie gar nichts, es passte ins Bild, dass er mit einem verzogenen Abschlag ins Wasser die Niederlage seines Teams schließlich perfekt gemacht hatte. Und Woods schienen jeden Moment die Augen zuzufallen, als er bei der abschließenden Pressekonferenz neben seinen elf Mitstreitern und Kapitän Jim Furyk saß.

"Das war viel Golf in letzter Zeit"

13 geschlagene Männer, den müdesten Eindruck machte Woods. "Das war viel Golf in letzter Zeit", sagte er. Sieben Turniere in neun Wochen habe er gespielt, am vorvergangenen Sonntag war ihm sein erster Sieg nach fünf Jahren geglückt, danach scheint keine Energie mehr übrig gewesen zu sein, um sich noch mal hochzufahren für drei Tage Wettkampfgolf auf höchstem Niveau.

"Kann gut sein, dass mit diesem Erfolg etwas von ihm abgefallen ist", sagte Francesco Molinari. Der Italiener war der Anti-Woods dieser Tage mit fünf Siegen bei fünf Partien. Auch er saß mit seinen elf Teamkollegen und Kapitän Thomas Björn auf dem Pressepodium, alle alberten herum, sangen, tranken. Man hatte den Eindruck, da sitzt ein eingeschworener Haufen, der sich nicht nur glänzend versteht, weil er gerade einen der bedeutendsten Titel der Sportwelt gewonnen hat. Sondern dass der Erfolg genau deshalb möglich war: weil Kapitän und Spieler zu einer Einheit geworden waren.

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Ryder Cup: Europa jubelt, der Tiger trauert

Molinari hatte es schon zweimal zuvor ins Ryder-Cup-Team geschafft, auch 2010 und 2012 hatte er mit der Mannschaft den Titel gewonnen, aber jeweils wenig zum Erfolg beigetragen. "Meine Statistik war so schlecht, dass es jetzt besser werden musste", scherzte er. Dass er selbst als erster Spieler überhaupt alle fünf Partien gewinnen konnte, redete er etwas schüchtern klein. "Das wäre völlig egal gewesen, wenn wir nicht mit dem Team gewonnen hätten. Das ist das Einzige, das zählt. Diese Mannschaft ist mit Abstand die beste, in der ich jemals gespielt habe."

Interne WhatsApp-Gruppe spielte eine Rolle für den Erfolg

Bei diesen Worten hörten selbst die aufgedrehtesten Kollegen auf dem Podium kurz auf mit ihren Späßen und Insiderwitzchen, die sie immer wieder rissen, und nickten und applaudierten kurz. Ob die Spanier Sergio Garcia und Jon Rahm, die Engländer Justin Rose und Ian Poulter oder der Nordire Rory McIlroy: jeder Spieler, der zu Wort kam, schwärmte von den Bedingungen, die Kapitän Bjorn für die Woche geschaffen hatte, in denen aus Einzelsportlern Teamspieler wurden.

"Ich hatte es ganz leicht, sie waren alle total konzentriert und kollegial, ich musste eigentlich nichts machen", sagte der 47 Jahre alte Däne, der den Cup schon dreimal als Spieler und zweimal als nicht-spielender Vizekapitän gewonnen hatte. "Das Schwierigste war zu entscheiden, wen ich am Freitag und Samstag nicht einsetze, weil alle so gut drauf waren."

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Fans beim Ryder Cup 2018: Bunt, laut und gaaanz nah dran

Etwas größeren Einfluss hatte Bjorn dann wohl doch. Er habe die Woche über dafür gesorgt, dass sich jeder Spieler so gut wie möglich auf die Matches vorbereiten konnte, sagte Justin Rose. Bjorn habe "keine überflüssigen Teamsitzungen abgehalten", sondern sich um jeden einzeln bemüht und auf das gemeinsame Ziel vorbereitet. Der Teamgedanke kam dabei automatisch auf.

Eine größere Rolle soll dabei auch die interne WhatsApp-Gruppe gespielt haben, verriet Rory McIlroy. Jeder bekam darin sein Fett weg, Neulinge wie Jon Rahm verdienten sich ersten Respekt damit, im Chat schlagfertig auf Frotzeleien zu antworten.

Aber natürlich werden solche Geschichten nur erzählt, wenn vorher die Leistung und das Ergebnis gestimmt haben. Und so war es: Keiner der Europäer leistete sich längere Schwächephasen. Auch Spieler, die zuletzt auf der Tour Probleme hatten, trugen zum Sieg bei. "Das Schönste ist, dass alle von uns gepunktet haben", sagte McIlroy. "Das macht das Ganze noch wertvoller."

Ganze 9,5 der 17,5 Punkte gingen auf das Konto von Spielern, die nur dank der Einladung von Bjorn dabei waren: Paul Casey, Sergio Garcia, Ian Poulter und Henrik Stenson. "Auf sie bin ich besonders stolz, ich scheine sie richtig ausgesucht zu haben", sagte der Kapitän.

Eine Entscheidung bereute er am Ende aber doch. Er hatte seinen Spielern versprochen, sich tätowieren zu lassen, wenn sie den Ryder Cup gewinnen. Für die Spieler sei das eine Extra-Motivation gewesen, sagte Ian Poulter. Bjorn nannte es "meine dümmste Idee der ganzen Woche".

insgesamt 11 Beiträge
adam01 01.10.2018
1. Der Heimvorteil
war nicht zu übersehen. Der Wille, als Außenseiter dennoch zu gewinnen, war aber hauptursächlich.
war nicht zu übersehen. Der Wille, als Außenseiter dennoch zu gewinnen, war aber hauptursächlich.
Micha_Zimmer 01.10.2018
2. sympathischer Bericht
Sympathischer Bericht über eine Sportart, die mir aus verschiedenen Gründen so gar nicht nahe ist. Vielen Dank dafür!
Sympathischer Bericht über eine Sportart, die mir aus verschiedenen Gründen so gar nicht nahe ist. Vielen Dank dafür!
vubra 01.10.2018
3. Ja es macht richtig freude
die Freizeitaktivitäten welche als Sport deklariert werden , dieser stinkend reichen Menschen zu bejubeln. Ohh ihr seid so gut, und so schnell und ohh wie schön ihr alle seid , ihr seid einfach die allerbesten ohne euch würde [...]
die Freizeitaktivitäten welche als Sport deklariert werden , dieser stinkend reichen Menschen zu bejubeln. Ohh ihr seid so gut, und so schnell und ohh wie schön ihr alle seid , ihr seid einfach die allerbesten ohne euch würde der Welt etwas fehlen. (ich vermute nein eigentlich bin ich mir sicher der Welt würde Sarkasmus fehlen) Ja diese Elitären Sportarten haben schon etwas ganz besonderes, sie stehen nur der Elite offen die dann erwartet das sich das letzte arme Menschlein welches auch gerne mal Segeln würde daran erfreut. Ohh ihr habt mich soooo erfreut, Herrlichen Glückwunsch.
y0p0 01.10.2018
4.
Ich fahre mit meinem Opel Corsa zum Golfplatz, arbeite in der Pflege. Bin ich jetzt reich und elitär? Ja, es gibt günstigere Sportarbeiten, aber Golf ist weiß Gott nicht mehr nur für stinkreiche Personen, es gibt genügend [...]
Zitat von vubradie Freizeitaktivitäten welche als Sport deklariert werden , dieser stinkend reichen Menschen zu bejubeln. Ohh ihr seid so gut, und so schnell und ohh wie schön ihr alle seid , ihr seid einfach die allerbesten ohne euch würde der Welt etwas fehlen. (ich vermute nein eigentlich bin ich mir sicher der Welt würde Sarkasmus fehlen) Ja diese Elitären Sportarten haben schon etwas ganz besonderes, sie stehen nur der Elite offen die dann erwartet das sich das letzte arme Menschlein welches auch gerne mal Segeln würde daran erfreut. Ohh ihr habt mich soooo erfreut, Herrlichen Glückwunsch.
Ich fahre mit meinem Opel Corsa zum Golfplatz, arbeite in der Pflege. Bin ich jetzt reich und elitär? Ja, es gibt günstigere Sportarbeiten, aber Golf ist weiß Gott nicht mehr nur für stinkreiche Personen, es gibt genügend Plätze die ganz normale Preise verlangen.
globaluser 01.10.2018
5. @3 vubra - Bravo, Sie setzen den Standard für die gesamte Woche
und das am Montagvormittag. y0p0 hat vollkommen Recht. Man hätte auch noch andere Länder wie z.B. Irland heranziehen können, dort ist Golf Volkssport und billiger, als wenn man alle zwei Wochen sich auf die Tribüne eines [...]
und das am Montagvormittag. y0p0 hat vollkommen Recht. Man hätte auch noch andere Länder wie z.B. Irland heranziehen können, dort ist Golf Volkssport und billiger, als wenn man alle zwei Wochen sich auf die Tribüne eines Erstligisten begibt (aber Sie klettern wohl über den Zaun).

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