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Ryder Cup

Revanche der Liebhaber

Der erste Tag des Ryder Cup startete denkbar schlecht für Europa, doch dann gelang die historische Revanche. Auch, weil ein Routinier plötzlich wieder seine Form gefunden hat.

DPA

Rory McIlroy und Ian Poulter feiern die Führung

Aus Guyancourt berichtet
Freitag, 28.09.2018   20:22 Uhr

Einer der beliebtesten Zuschauerplätze für Golf-Fans ist das Grün der 18. und letzten Bahn. Doch wer sich dort am Freitagnachmittag auf dem Ryder-Cup-Platz niederließ und auf die Stars wartete, hatte Pech: Keines der vier Matches ging über die volle Distanz, zweimal war nach 16 Loch Schluss, zweimal sogar schon nach 14. Und alle vier Foursome-Matches gingen an Europa - zum ersten Mal in der Geschichte des Ryder Cups.

Rose und Henrik Stenson gewannen gegen Dustin Johnson und Rickie Fowler mit drei Schlägen Vorsprung ("3&2"), Rory McIlroy und Ian Poulter schlugen Bubba Watson und Webb Simpson 4&2. Jeweils mit fünf Löchern Vorsprung gewannen Francesco Molinari und Tommy Fleetwood gegen Justin Thomas und Jordan Spieth sowie Sergio Garcia und Alex Noren gegen Phil Mickelson und Bryson DeChambeau.

Aus einem 1:3 nach der Vormittagssession wurde so ein 5:3 nach dem ersten von drei Turniertagen. Titelverteidiger USA braucht nun noch 11 Punkte, um den Pokal zu behalten, Europa 9,5, um ihn zu gewinnen (bei Punktgleichstand gewinnt der Titelverteidiger). "Wir freuen uns jetzt für eine Stunde, aber dann denken wir auch schon an morgen", sagte Europas Kapitän Thomas Bjorn am Abend. "Es ist ein Marathon, den wir noch vor uns haben."

Die Europäer spielten sich nach dem enttäuschenden Vormittag mitunter in einen Rausch. Fleetwood nutzte zweimal nacheinander aus großer Entfernung seine Birdieputts zum Lochgewinn, die alten Kumpel und Ryder-Cup-Veteranen Rose und Stenson bauten ihre gemeinsame Statistik auf fünf Siege bei sieben Matches aus und McIlroy, dem am Morgen nichts gelungen war, zauberte aus den möglichsten Lagen Traumschläge auf die Wiese.

"Wir haben eine Mannschaft, der ich vertraue", sagte Bjorn, "die sich vor allem aber auch untereinander vertraut. Sie wollten am Nachmittag beweisen, was sie drauf haben."

Die Stunde des Routiniers

Besonders gut verkörperten die Leistung ihrer Teams Sergio Garcia auf der einen und Phil Mickelson auf der anderen Seite. Der 38 Jahre alte Garcia ist bereits zum neunten Mal beim Ryder Cup dabei, der zehn Jahre ältere Mickelson sogar schon zum zwölften Mal - ein Rekord, den er mit seinem Einsatz am Nachmittag aufstellte.

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Mickelson und Garcia waren am Vormittag nicht zum Einsatz gekommen, und noch etwas haben beide gemeinsam: Dass sie überhaupt mit nach Frankreich fahren durften, brachte ihren Teamkapitänen reichlich Kritik ein. Denn obwohl sie für ihre Verhältnisse sehr schlechte Monate hinter sich haben, vertrauten die Kapitäne Bjorn und Jim Furyk (USA) ihnen und holten sie per Captains Pick in die Mannschaft.

Bei Mickelson scheint sich inzwischen das Alter bemerkbar zu machen. Rund ums Grün ist er noch immer einer der größten Könner, aber über mehrere Tage kann der Langzeit-Rivale von Tiger Woods, der am Nachmittag nicht zum Einsatz kam, nicht mehr mithalten. Garcia war lange Mitglied in einem Klub, dem kein Golfer angehören will: Er galt als einer der besten Spieler, die nie eines der großen Vier Turniere des Jahres gewinnen konnten. Erst im vergangenen Jahr, als es ihm kaum noch jemand zutraute, gewann er das Masters in Augusta.

Das Comeback von Garcia

Mit der Last des Unvollständigen scheint sich allerdings auch der Biss und die Motivation verabschiedet zu haben. Erst am vergangenen Wochenende in Portugal schaffte er mit Platz sieben nach einem erfolglosen halben Jahr mal wieder ein gutes Ergebnis. Er löste damit ein Versprechen ein, dass er Kapitän Bjorn gegeben hatte: Nimm mich mit nach Frankreich und ich hole mir in Portugal meine Form zurück.

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Team Europa: Von McIlroy bis Rose

Denn dabei sein wollte Garcia unbedingt, kaum jemand liebt diesen Wettbewerb so sehr wie der Spanier. Der Kapitän der Europa-Mannschaft von 2014, Paul McGinley, schwärmte mal von Garcia als dem perfekten Teamplayer. Niemand gehe so in der Gruppe auf, wie ein kleines Kind freue sich Garcia über jedes Ryder-Cup-Match, das er spielen oder auch nur als Zuschauer verfolgen darf. Auch Bjorn sagte über seinen Veteranen: "Es ist toll, wie sich Sergio in der Gruppe einbringt. Jeder mag ihn und er kümmert sich super um die Neuen im Team."

Dass er das Vertrauen seines Kapitäns nun bestätigen konnte, freute ihn selbst am meisten. Er strahlte nach seinem Sieg: "Ich habe es immer gesagt, es gibt nichts Besseres als den Ryder Cup." Am Abend wartete auf Garcia demnach dann noch eine schöne Überraschung: Am Samstagvormittag wird er wieder spielen, gemeinsam mit Rory McIlroy im ersten Match des Tages gegen Tony Finau und Brooks Koepka. Phil Mickelson hingegen sitzt auf der Ersatzbank.

Fourballs am Samstagvormittag:

8.10 Uhr: Sergio Garcia/Rory McIlroy vs. Tony Finau/Brooks Koepka

8.25 Uhr: Paul Casey/Tyrrell Hatton vs. Dustin Johnson/Rickie Fowler

8.40 Uhr: Francesco Molinari/Tommy Fleetwood vs. Tiger Woods/Patrick Reed

8.55 Uhr: Ian Poulter/Jon Rahm vs. Justin Thomas/Jordan Spieth

insgesamt 2 Beiträge
maxgil 28.09.2018
1. Hat
Das eurpäische Team doch gut gemacht, war sehr spannend. Weiter so!
Das eurpäische Team doch gut gemacht, war sehr spannend. Weiter so!
meresi 29.09.2018
2. Ha
soviele Golfenthusiasten hab ich hier nicht erwartet. Erinnert mich an die Zeit bei derstandard. Ja, war heute ein Ausrufezeichen. Mögen die Europäer morgen in dieser Tonart weitermachen.
soviele Golfenthusiasten hab ich hier nicht erwartet. Erinnert mich an die Zeit bei derstandard. Ja, war heute ein Ausrufezeichen. Mögen die Europäer morgen in dieser Tonart weitermachen.

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